Lautstarke Emotionen, surreale Bühnenelemente und unausweichliche Denkanstöße: Im Grillo-Theater in Essen wird momentan „Der Prozess“ von Franz Kafka aufgeführt. In Szene gesetzt wurde der Roman vom freischaffenden Regisseur Moritz Peters.
Lautstarke Emotionen, surreale Bühnenelemente und unausweichliche Denkanstöße: Im Grillo-Theater in Essen wird momentan „Der Prozess“ von Franz Kafka aufgeführt. In Szene gesetzt wurde der Roman vom freischaffenden Regisseur Moritz Peters.
17 Veranstaltungen mit insgesamt 19 Aufführungen, neun Premieren, davon drei von ganz neuen Ensembles, insgesamt 300 Personen auf der Bühne; ganz frische, eigene Produktionen und unbekannte Klassiker; der erste RUB-ImproCup – so präsentiert sich das Programm der Studiobühne des Musischen Zentrums (MZ) im Wintersemester 2013/14. Viel Unterhaltung für wenig Geld. Wir stellen kurz vor, was der wuchtige Klotz an der Unibrücke in den nächsten Monaten für Euch bereit hält.
Ein Computerspiel ist ein Computerspiel, und ein Theaterstück ist ein Theaterstück. Dass diese auf den ersten Blick recht banale Aussage nicht immer stimmen muss, beweist die Gruppe machina eX. Mit ihrem Stück „Hedge Knights“ gastierten die jungen KünstlerInnen im Dortmunder Unionviertel. Die Ankündigung sprach kryptisch von einer „Performance zum Mitmachen“, die mit „Mitteln des Theaters, des Computerspiels und der (Medien-)Kunstinstallation“ in ein „Live-Adventure-Game“ münden sollte. Wir hatten keine Ahnung, was nach dieser Überfrachtung an popkulturellen Reizworten zu erwarten war. Darum hat sich die :bsz das Spektakel einmal angesehen und mitgestaltet – und wurde positiv überrascht.
Sie werden kommen, jeder weiß es. Die einen nehmen bauliche Maßnahmen vor, um auf ihren Ansturm vorbereitet zu sein, die anderen nehmen noch einmal alles im Leben mit, bevor das Ende naht. Wieder andere sind erstarrt in Furcht und wissen einfach nicht, was sie tun sollen und fügen sich deshalb in ihr Schicksal. Doch alle sind sich sicher, dass der Tag kommen wird, in der nicht nur die Ruhr-Uni überrollt wird von dem Heer träge schlurfender Massen mit dem Verlangen nach immer mehr Hirn: Es naht die Zombie-Apokalypse des doppelten Abiturjahrgangs.
Das menschliche Miteinander nimmt manchmal merkwürdige Formen an. Das gleiche kann man über das Theater auch sagen – nicht zuletzt, weil es ja doch immer wieder um das Zwischenmenschliche geht. Die junge studentische Theatergruppe Spielwut zeigt mit ihrer Debütaufführung am 23. und 24. Juni eine Collage von „absurden Beziehungen“.
Vor mehr als zehn Jahren begann die Geschichte des studentischen Theaterfestivals megaFon. Damals fand es noch ausschließlich an der Ruhr-Uni statt. Dieses Jahr, vom 12. bis zum 16. Juni erobert es – nach vielen kleinen Schritten in den letzten Jahren – den urbanen Raum der Bochumer Innenstadt. Außerdem ist es internationaler geworden, und auch Theater steht nicht mehr im Vordergrund, sondern junge Kunst in all ihren Formen und Farben. Da passt das diesjährige Motto „Megamorphosen“ ziemlich gut, zumal das Motto des letzten Jahres, Zeitzeug_, die Stelle des Festivalnamens übernommen hat.
Am gestrigen Dienstag wurde dem Studierendenparlament (StuPa) eine mögliche neue Kooperation der Studie-rendenschaft mit dem Schauspielhaus Bochum vorgestellt. Das Theater war in der Vergangenheit an den AStA heran-getreten, um verschiedene Ideen einer Zusammenarbeit zu besprechen. Dabei entstand die Vision eines Theater-Abos für Studierende, das intern bereits als „Theater-Flatrate“ bezeichnet wird. Schon ab dem kommenden Winterse-mester 2013/14 könnte diese Koopera-tion für die Studierenden zum Tragen kommen. Derzeit sind die genauen Vertragsinhalte und Bedingungen zwar noch nicht festgelegt; dennoch zeigen sich sowohl Schauspielhaus als auch AStA zuversichtlich, eine für alle Seiten vorteilsbringende Vereinbarung treffen zu können. Konkret sieht die derzeit geplante Kooperation vor, dass Studierende der RUB ab dem nächsten Semester komplett umsonst alle eigenen Produktionen des Schauspielhauses an den theatereigenen Spielorten, also auch in den Kammerspielen und dem Theater unter Tage, besuchen könnten. Dafür müsste der AStA pro Semester und pro Studierendem/r einen Euro an das Schauspielhaus bezahlen. In Abhängig-keit zu den Studierendenzahlen ergäbe das einen ungefähren Betragvon knapp über 40.000 Euro. Der symbolische Bei-trag von einem Euro würde von den Stu-dierenden über den Sozialbeitrag bezahlt werden, welcher sich also um einen Euro erhöhen würde.
Immer wieder ruft der Protagonist Alex den Zuschauenden zu: „Setzen Sie mir Grenzen! Ich möchte aufgehalten werden! Kann mich jemand aufhalten?“.
Freier Wille oder Determination? Gut gegen Böse. Täter oder Opfer? Bis zu welchem Grad ist die Konditionierung eines Menschen akzeptabel? Ist die Manipulation des menschlichen Gehirns vertretbar, solange damit Gewalttaten verhindert werden?
An vier Abenden fand bzw. findet im Freien Kunst Territorium (FKT) in Bochum ein „Selbstversuch in Empathie“ statt. So lautet der Untertitel der multimodalen Performance „Politisches Solo“ der an der RUB studierten Künstlerin Elisa Müller. Es geht um die Position des/der Einzelnen in der Demokratie, um unterschiedliche politische Strategien und nicht zuletzt um das Wesen der Politik und des Politischen. Es ist die Suche nach dem Grundlegenden. Auf diese Suche macht sich die Künstlerin alleine in einem Monolog, das Publikum sucht gemeinsam in Vorträgen und Filmsichtungen und hilft sich dabei gegenseitig in Diskussionen. Das Thema ist jeden Abend ein anderes, am 21. Februar geht es um Konsumentenverantwortung, am 22. um Kriegsfotografie. Als Exempel: Der Samstagabend mit einem Blick auf „Politisches Theater als politische Strategie“.
Das Theater ohne Mittel brachte am 12. Januar die Uraufführung von „Regenschauer – Wie ich starb“ auf die Bühne des Musischen Zentrums. Autor und Regisseur ist der 20-jährige Nathanael Ullmann (Schauspielidol: Johnny Depp), der an der Ruhr-Universität Germanistik und Theaterwissenschaft studiert. Bei „Regenschauer – Wie ich starb“ handelt es sich um eine Science-Fiction-Biografie, basierend auf der von Ullmann begründeten „Gossenphilosophie“, einer Art Alltagsphilosophie. Kern dieser Weltanschauung ist es, zu beobachten und dadurch aktiv zu werden. „Deswegen kann man die Gossenphilosophie auch als Schattenphilosophie bezeichnen“, erklärt der Autor. Die Inszenierung wird durch das Medium Film unterstützt, indem das Bühnenbild durch getragene und bewegte Kameraaufnahmen ergänzt wird – gespielt wird nicht nur auf der Bühne, sondern in ganz Bochum.
„Ich sage es Ihnen gleich: Ich werde sterben. Nicht, dass Sie am Ende sagen, Sie hätten es nicht gewusst“, verkündet die Hauptfigur Ephraim (Fabian May) zu Beginn, bevor sie uns mit auf ihre Reise nimmt. Doch bevor Ephraim sterben darf, muss er noch so einiges über das Leben lernen: zum Beispiel, dass man auf das Schicksal hören muss. Dass man vom Unglück ins Glück gehen kann. Dass man immer die Möglichkeit hat, seinen Weg zu verändern. Und dass jeder seinen eigenen Sinn des Lebens hat.
Die mysteriöse und weise Gestalt Gent (Marvin Buchkamp) führt Ephraim zu vier Schicksalen, die seiner Lenkung bedürfen. Ephraim begegnet der introvertierten Myri (Enya Benthaus), dem an sich selbst zweifelnden Tom (Alena Johanna Jorko), der gehetzten Helene (Alexandra Aubry) und dem träumenden John (Rico Großer) – Ephraim „streift ihre Leben wie ein Schatten, der Spuren hinterlässt“.
Es geht um Abhängigkeit und Freiheit, um Verzweiflung und Hoffnung, um Leben und Tod und – um Liebe. „Liebe spielt eine viel zu große Rolle in dem Stück“, stellt Ullmann selbstironisch fest. „Sie erfüllt das Ende und den Anfang – sie ist allumfassend“.
Neun Monate hat die Crew um Nathanael Ullmann an dem Stück gearbeitet, „und nun haben wir unsere Geburt vollbracht“, scherzt Enya Benthaus (Schauspielidol: Ellen Page), Darstellerin der unnahbaren Myri, nach der Aufführung.
Jedoch wird die Crew an ihrem Wunderkind unglücklicherweise keine Einnahmen haben, folglich wieder bei Null anfangen müssen. Mit einem Budget von nur zweihundert Euro musste die zehnköpfige Theatergruppe ihr Projekt auf die Beine stellen, selbsterklärend ist dann der außergewöhnliche Name „Theater ohne Mittel“. Aber der Gruppenname spielt nicht nur auf das niedrige Budget, sondern auch auf die unbeschränkte und elementare Präsenz der Truppe an: „Entweder ganz oder gar nicht“ lautet ihr Motto.
Die Frage ist nun, ob „Regenschauer“ noch ein weiteres Mal aufgeführt wird. „Das kommt ganz auf die Reaktion des Publikums an“, sagt der Regisseur.
„Regenschauer – Wie ich starb“ ist ein sehr ernstes, berührendes Stück mit traurigem Beigeschmack. Besonders hervorzuheben ist neben dem Autor und Regisseur auch die Sängerin und Songwriterin Alena Gaux, die ebenfalls Germanistik und Theaterwissenschaft an der RUB studiert. Sie begleitet das Theaterstück sowohl mit ihrer zarten Seidenstimme als auch mit ihren ergreifenden Texten. Wenn man nicht nur ins Theater gehen möchte, um amüsiert zu werden, sondern eine Weile vom bitteren Ernst des Lebens zum Nachdenken gebracht werden möchte, sollte man sich „Regenschauer“ auf jeden Fall ansehen, sofern noch einmal die Möglichkeit dazu besteht. Dadurch, dass man von Anfang an weiß, dass Ephraim am Ende sterben wird, zieht die Geschichte die Zuschauer in ihren Bann und fesselt das Publikum mit Neugierde. „Es werden ganz einzigartige Momente geschaffen und jeder findet etwas an dem Stück, was ihm gefällt“, so Nathanael Ullmann.
Das Fazit einer Zuschauerin: „Melancholisch und erschreckend ehrlich“.
Trailer und weitereInformationen unter:
www.ohnemittel.de.tl