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Innerhalb der letzten Jahre erreichte die Zahl der obdachlosen Menschen in Deutschland immer wieder neue Hochpunkte. Das Land NRW gehört zu den Bundesländern mit den meisten obdachlosen Personen. Aktuell sind ca. 122.000 Menschen in NRW wohnungs- bzw. obdachlos. Menschen, die auf der Straße leben, haben es zu jeder Jahreszeit sehr schwer, im Winter aber nochmal besonders. Hier drohen im schlimmsten Fall Kältetode. Doch mit einfachen Mitteln kannst Du ihnen helfen.

Hilfsmöglichkeiten

Hilfsorganisationen wie die Johanniter und der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) bieten Hilfe an festen Standorten in Bochum an. Die Johanniter befinden sich donnerstags von 19-21 Uhr am Hauptbahnhof, der ASB am Dienstag von 18-21 Uhr. Beide bieten von November bis März warme Mahlzeiten für hilfsbedürftige Menschen an. Der ASB gibt zudem warme Getränke, Hygiene-Artikel und Kleidung aus. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bietet ganzjährig Hilfe an – ebenfalls am Hauptbahnhof Bochum – und versorgt bedürftige Menschen montags ab 19 Uhr mit notwendigen Ressourcen. Auch wenn die meisten hilfsbedürftigen Personen diese Möglichkeiten bereits kennen – wenn sie es aber nicht wissen, kannst Du sie darauf hinweisen, wann und wo genau diese Organisationen ihre Unterstützung anbieten.

Diese Hilfsangebote sind jedoch an einen Ort gebunden. Wenn Personen akut Unterstützung benötigen, gibt es noch andere Möglichkeiten zu helfen.

Das Deutsche Rote Kreuz ist von Oktober bis März mit einem Kältebus unterwegs, sobald die Temperaturen Minusgrade erreichen. Kältebusse können warme Mahlzeiten und Schlafsäcke austeilen und, falls nötig, Menschen in Notunterkünfte bringen. Das DRK bietet die Möglichkeit an, hilfsbedürftige Personen bei dem DRK-Kältebus zu melden. Siehst Du also eine Person bei kalten Temperaturen auf der Straße übernachten, melde diese unter der Kältebus-Hotline (0163 3375402). Auch wenn eine obdachlose Person nicht akut gefährdet scheinen mag, kann sie es dennoch sein. Hilfe können obdachlose Menschen immer gebrauchen – erst recht zu kalten Jahreszeiten.

Wenn Du selbst tätig werden willst, gibt es zahlreiche Möglichkeiten dies zu tun, auch ohne viel Aufwand. Hilfsorganisationen wie die Johanniter, das DRK und der ASB arbeiten ehrenamtlich und sind auf Spenden angewiesen. Ehrenamt lebt besonders von Unterstützung und solche Organisationen suchen oft weitere ehrenamtliche Mitarbeiter:innen. Auf den Websites der Hilfsorganisationen findest Du entsprechende Informationen, Kontaktmöglichkeiten und Spendenlinks. Auch Sachspenden, wie Schlafsäcke, warme Kleidung und Schals und Mützen kannst Du beim DRK abgeben. Das kannst du am besten bei den örtlichen DRK-Stellen machen; in Bochum befindet sich der DRK-Kreisverband an der Adresse „An der Holtbrügge 8“.

Begegnest Du selbst einem obdachlosen Menschen, welcher bei kaltem Wetter auf der Straße lebt, kannst Du ihm auch direkt helfen, empfiehlt die Diakonie. Jedoch sollte man grundlegende Prinzipien beachten. Es ist wichtig, hilfsbedürftigen Menschen mit Respekt und Verständnis zu begegnen und diese auf keinen Fall zu verurteilen. Frag die Person lieber zuerst, ob sie Hilfe braucht und wenn ja, was sie gerade am meisten braucht – vielleicht ist das etwas anderes, als Du denkst. Begegnest Du einer Person, die auf Ansprache nicht reagiert und sich nicht oder nur kaum rührt, dann zögere nicht, die 112 zu wählen.

Zu guter Letzt noch eine Sache, die das ganze Jahr über gilt, aber nicht oft genug gesagt werden kann: Pfandflaschen gehören neben den Mülleimer. Besonders hier auf dem Campus gibt es viele Menschen, die Pfandflaschen sammeln, deren Leben Du einfacher machen kannst.

Zusammenfassung der Angebote von Hilfsorganisationen

Am Hauptbahnhof

Montag ab 19 Uhr – DRK

Dienstag 18-21 Uhr – ABS

Donnerstag 19-21 Uhr – Johanniter

Kontaktmöglichkeiten

DRK – Kältebus Hotline: 0163-3375402

Deutsches Rotes Kreuz Kältehilfe: https://www.drk-bochum.de/angebote/hilfe-in-der-not/kaeltehilfe.html

Arbeiter-Samariter-Bund Kältehilfe: https://www.asb-bochum.de/kaeltehilfe/

Johanniter Bochum Kältehilfe: https://www.johanniter.de/dienste-leistungen/angebote-fuer-privatpersonen/lokale-angebote/dienstleistung/kaeltehilfe-5887/

DRK Kreisverband Bochum: An der Holtbrügge 8

Bild: In der kalten Jahreszeit ruhig Leute auf der Straße ansprechen. , Der Winter kommt – wie ist es auf der Straße Bild: CC0

Ich habe im Zuge dieses Artikels mit einem BODO-Verkäufer geredet, um die aktuelle Situation auf der Straße zu erfragen.  

Chris, wie ich ihn nenne, habe ich mitten in der Innenstadt getroffen und um ein Gespräch gebeten – er hat freundlich zugestimmt. Da jetzt die Weihnachtszeit anbricht und die Menschenmassen für den dazugehörigen Markt in die Stadt getrieben werden, steht die Frage im Raum, ob sich dadurch etwas ändert. Sind die Leute freundlicher und offener gegenüber BODO-Verkäufer:innen und auch Obdachlosen? Er hat selbst zwei Jahre auf der Straße gelebt und meinte, die Leute seien wesentlich zuvorkommender und spendabler. Vor allem in der kalten Jahreszeit würden die Menschen viel eher auf einen zukommen und fragen, ob es einen gut ginge oder gar einen Kaffee anbieten. Teilweise würde er jetzt ein bisschen mehr Geld für die BODO kriegen, was auch ein Phänomen der Jahreszeit wäre.  

Die Situation in den Wohnheimen für die Obdachlosen, so stellte ich es mir vor, müsste bestimmt kritischer sein. Er berichtete mir, dass in Dortmund teilweise Sechs-Personen-Zimmer mit acht Leuten besetzt würden, weil der Platz nicht ausreiche. In Bochum gibt es ein Haus, wo nur Zwei-Personen-Zimmer sind und das auch eingehalten wird. Dazu kommt, dass jetzt wohl jedes Mal, wenn man für die Nacht kommt, kostenlose Tests gemacht werden, ob jemand vielleicht Corona hat und erst nach negativem Ergebnis wird der Einlass gewährt.   

Er berichtete auch davon, wie er fast ein Jahr auf das Geld vom Amt warten musste, weil er zu dieser Zeit keinen Ausweis hatte und keine Wohnung. Damit ist er kein Einzelfall. Er ist der Meinung, dass es viele Obdachlose gibt, die sich einfach aufgegeben hätten und das müsse nicht so sein. Wenn man es will, könnte man es schaffen und er sei der lebende Beweis.  

Gerade wenn man jemanden auf der Straße sieht, solle man ihn:sie ruhig ansprechen. Klar kann es passieren, dass man unfreundlich behandelt wird, aber die allermeisten würden sich freuen, wenn Hilfe angeboten wird und nach dem Wohlergehen gefragt würde. Das ist auch sein Tipp für uns alle: Obdachlose sind auch Menschen und so sollte man sie auch bitte behandeln. Einfach auf sie zugehen und ein gutes Gefühl vermitteln.                 

:Lukas Simon Quentin

Bild: Packs demnächst lieber neben die Tonne: Pfandringe sind nun auch in Bochum zu finden., Kein Wühlen mehr Packs demnächst lieber neben die Tonne: Pfandringe sind nun auch in Bochum zu finden. Symbolbild

Sauberkeit. Die Stadt Bochum hat sich dazu entschieden, das Bermuda3Eck mit weiteren Pfandringen auszustatten.

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