Bild: zugängliche Forschung :ayem

Seit fast einem halben Jahr besteht der Blog Krit:Arab. Gegründet aus der Initiative zweier Studierenden des Instituts für Arabistik und Islamwissenschaft veröffentlichen dort verschiedene Schreiber:innen monatlich Artikel. Diesen beiden Organisator:innen – Annika Jung und Christian Kallwass – habe ich dazu einige Fragen gestellt.

bsz: Weshalb habt Ihr den Blog gestartet, an wen richtet er sich und was ist das Ziel davon?

Die Idee zum wissenschaftlichen Blog entstand im Anschluss an eine Vortragsreihe, die sich mit kritischen Zugängen zur Islamwissenschaft und Arabistik befasste. Der Blog soll nun als langfristige Plattform für solche Themen dienen, die wir als Studierende in unserem Fach gerne stärker in der Lehre und Forschung vertreten sehen würden. Mit unserem Blog wollen wir Studierende sowie Studieninteressierte ansprechen, aber auch Wissenschaftler:innen, sowie Personen außerhalb der Wissenschaft, die sich für politische oder historische Themen interessieren. Wir wollen mit unseren Beiträgen unseren Leser:innen vermitteln, dass die islamisch geprägte Welt und der Islam eine lange und plurale Geschichte besitzen und es sich lohnt, sich mit anderen Regionen und Religionen auseinanderzusetzen, um Ähnlichkeiten zu entdecken, aber auch um anhand von Unterschieden möglicherweise die eigene Position besser zu verstehen. Die Beiträge bieten im Einzelnen Einblick in verschiedene Teilbereiche und das Potenzial, sich mit bestimmten Aspekten intensiver auseinanderzusetzen. Außerdem wollen wir aufzeigen, mit welcher riesigen Bandbreite an Themen sich die Islamwissenschaft und Arabistik auseinandersetzt und dass es in unserem Fach viele verschiedene Ansätze gibt, Wissenschaft zu betreiben. Unser Ziel ist, dass die Themen und Inhalte einem breiteren Publikum zugänglich werden.

bsz: Was ist Euer Plan betrefflich des publishen, der Autor:innen und der Themen?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, einen Beitrag pro Monat zu veröffentlichen, der jeweils zum Ersten auf unserer Seite erscheint. Wir möchten mit unseren Autor:innen eine Bandbreite abbilden, die ungefähr die Zielgruppe wiederspiegelt. Das heißt, dass wir nicht nur „fertigen“ Wissenschaftler:innen eine weitere Veröffentlichungsplattform bieten wollen, sondern insbesondere auch Studierenden, Doktorand:innen, sowie Personen außerhalb der Academia. Gerade für Studierende und Doktorand:innen kann es hilfreich sein, erste Erfahrungen im wissenschaftlichen Publizieren zu sammeln, was wir unterstützen wollen. Außerdem liegt uns eine interdisziplinäre Autor:innenschaft am Herzen. Viele Themen, die für die Islamwissenschaft relevant sind, werden auch in anderen Disziplinen behandelt, wie zum Beispiel in der Geschichtswissenschaft, in verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen, der Kunstgeschichte oder in der Sozialen Arbeit.

Thematisch ist alles Mögliche denkbar, da wir ein großes Spektrum abbilden wollen. Wir sind grundsätzlich für Themenvorschläge der Autor:innen offen. Das können zum Beispiel Themen sein, die sich mit Geschlechterverhältnissen, Kapitalismus, Gesellschaftsformen, Wirtschaft, (Macht-)Verhältnissen von Staat, Religion und Gesellschaft oder innerreligiösen Aspekten auseinandersetzen. Auch die Forschung im Fach an sich kann kritisch reflektiert werden.

Der nächste Text erscheint am ersten April und ist eine Übersetzung eines arabischen Textes zu islamischem Feminismus.

bsz: Inwiefern ist das Blog für Studierende relevant oder hat einen Bezug zum Studium?

Für Studierende ist der Blog vor allem in Bezug auf Einblicke in aktuell relevante Forschungsthemen und -gebiete relevant. Bei uns kann man einen Eindruck davon bekommen, mit welchen Themen sich Wissenschaft in unserem Fach beschäftigt. Wir wollen Studierende dazu anregen, selbst immer mehr zu hinterfragen und soziale Kontexte und historische Kontinuitäten zu berücksichtigen. Wir bemühen uns, dass die einzelnen Artikel auf unserem Blog auch ohne Vorwissen von Personen aus allen Disziplinen und auch außerhalb der Universität verstanden werden können, um unser Angebot möglichst niedrigschwellig zu halten.

Im besten Falle inspirieren unsere Beiträge die Studierenden zu eigenen Recherchen und Auseinandersetzungen, zu Kritikfähigkeit, oder dazu, selbst bei uns zu publizieren, damit ihr erarbeitetes Wissen nicht „in der Schublade verschwindet“. Damit möchten wir zu einer höheren Partizipation in der Wissenschaft anregen.

Wie gründet man so einen Blog und welche Unterstützung hat man dabei?

Das ist vom Fall zu Fall abhängig, theoretisch kann sich jede Einzelperson ohne weiteres bei einem der vielen Bloganbieter anmelden und sofort starten. In unserem Fall konnten wir auf die Unterstützung von unserem Institut und deren Mitarbeitenden zurückgreifen, insbesondere derer, die im Late Ottoman Palestinians-Projekt (LOOP) arbeiten. Dieses wissenschaftliche Projekt veröffentlicht auf einem Wissenschaftsblog Zwischenerkenntnisse. Daher konnten uns die Mitarbeitenden, insbesondere Olaf Berg und unser Professor Johann Büssow, auf Basis ihrer bisherigen Erfahrungen mit der hypotheses-Plattform, auf der auch unser Blog nun angesiedelt ist, beraten. Das hat uns vieles erleichtert und den Prozess ein kleines bisschen beschleunigt.

Das heißt allerdings nicht, dass es automatisch schnell zur ersten Publikation kam. Es war eine Menge Vorarbeit erforderlich, oft auch kleine Details, besonders beim Aufbau der Seite und was die Vorgaben für die Publikationen angeht. Allerdings ist das auch für uns ein „learning by doing“ und wir befinden uns weiterhin in einem Lernprozess.

Unterstützung erhalten wir bisher neben unserem eigenen Institut von der Fakultät der Philologie für unsere Öffentlichkeitsarbeit, und von der Studierendenschaft, besonders der FSVK, bei einem momentan in der Planung steckenden Best Paper Award.

Finden könnt Ihr den Blog hier: https://kritarab.hypotheses.org/

:Halima Okanović

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