Wie können wir die Zukunft ändern – kollektiv und individuell? Diese Frage stand im Fokus des diesjährigen Gutes Morgen-Festivals, das am 6. und 7. Juni in der Jahrhunderthalle in Bochum stattfand. Im Innenbereich waren verschiedene Stände aufgebaut, die allesamt einen Bezug zur Zukunft hatten – sei es zu Ernährung, erneuerbaren Energien, nachhaltigem Wirtschaften, Bildung, Kultur, Sozialem und Gesundheit sowie Wohnen.
Der Hauptgrund für den Besuch vieler war allerdings die Rede des ehemaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck. Schon bevor der Einlass in die Halle begann, standen mehrere Hundert Menschen in der Schlange, um Habeck zuzuhören. Auffällig war, dass das Publikum über alle Altersgruppen hinweg sehr durchmischt war.
Schnell war klar, dass die Nachfrage so groß und der Platz so begrenzt war, dass Habecks Rede im Außenbereich auf große Leinwände übertragen wurde. So hatten alle vor Ort die Möglichkeit, die Rede zu verfolgen.
Außerdem spielte Inklusion bei der Rede eine wichtige Rolle, da diese auch vor Ort in Gebärdensprache übersetzt wurde. Auf vier kleineren Bildschirmen, die in der ganzen Halle verteilt waren, waren die Dolmetschenden zu sehen.
Als Moderatorin Janine Steeger Habeck ankündigte, applaudierte das Publikum lautstark. Dazu gab es jubelnde Zwischenrufe, sowohl aus den vordersten als auch aus den hintersten Reihen. Das Publikum wirkte sehr positiv gestimmt gegenüber Habeck und dem, was er repräsentiert. Der Applaus hielt fast eine Minute an und wurde wieder lauter, als Habeck tatsächlich die Bühne betrat. Zunächst hielt er seine Rede, die zweite Hälfte bestand aus einem moderierten Dialog zwischen ihm und Moderatorin Steeger. Raum für Publikumsfragen? Fehlanzeige.
Habeck selbst definierte die Zukunft als „aktives Gestalten in der kommenden Zeit” in den wichtigsten Bereichen wie Politik, Gesellschaft, Familie und Unternehmen.
Im Verlauf der Rede sprach er auch darüber, dass die Unterstützung für den Rechtspopulismus in Deutschland steige. Dabei betonte er, dass dies nicht die Schuld der ehemaligen Ampelkoalition gewesen sei. Denn dieses Phänomen sei auch in anderen Ländern wie beispielsweise Frankreich und England zu beobachten.
Im Dialog sprach Habeck darüber, wie Deutschland die Situation verbessern könne. Und zwar, indem die Politik die Bevölkerung mehr abhole und auf ihre Wünsche und Sorgen eingehe. Zum einen erwähnte der ehemalige Wirtschaftsminister nochmals die Sprache, die die aktuelle Regierung nutzt. Begriffe wie Arbeitskoalition suggerieren nämlich laut Habeck einen Fokus auf der Arbeit selbst, und damit auf den Status Quo, und nicht auf die Zukunft. Einen „Verzicht auf einen großen Plan” nannte er das.
Als ein Kernproblem sieht Habeck die fehlende Repräsentation der Arbeiter:innen in der Politik. Eine potenzielle Lösung könnte die Einführung einer Nicht-Akademiker:innen-Quote im Bundestag sein.
Habecks Rede nahm die Zukunft als solche in den Fokus und zeigte, wie diese aktiv in den verschiedenen Aspekten der Gesellschaft gestaltet werden kann; sei es in der Politik, Wirtschaft oder Bildung. Das Publikum war während der Rede besonders aufmerksam und ruhig, es gab keine Zwischenrufe. Alle Anwesenden wirkten positiv gegenüber Habeck und dem Inhalt seiner Rede gestimmt. Das Publikum applaudierte mehrmals, insbesondere als Habeck über die aktuelle Koalition, erneuerbare Energien, Repräsentation und Bildung sprach. Ein Wermutstropfen blieb, als Fragen aus dem Publikum nicht möglich waren. Darin zeigt sich ein Widerspruch zu Habecks Aussage, dass Politiker:innen nicht nah an der Bevölkerung stehen würden. So wirkte die Rede sehr einkalkuliert und geplant, was jedoch auch dem straffen Zeitplan zuzuschreiben ist.
Insgesamt wirkte die Rede teils optimistisch und auch recht realitätsnah, mit einigen Ansätzen, um die kommende Zukunft offener zu gestalten. Jedoch warnte Habeck auch davor, dass die Aussicht auf eine hoffnungslose Zukunft dazu führen könnte, dass konservative, populistische und extremistische Parteien mehr Zuspruch und Macht erlangen – nicht nur in Deutschland. Umso wichtiger sei es nun, dass die Politik anstrebe, realitätsnaher und zukunftsorientiert zu werden.
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