Bild: jwe

Die warme Zeit des Jahres hat endlich Einzug ins Ruhrgebiet gefunden. Die Vögel zwitschern, die Bäume werden immer grüner und die Blumen scheinen aus dem Blühen nicht mehr herauszukommen. Während wir das gute Wetter mit vielen Aktivitäten im Grünen begrüßen, laufen in ganz Recklinghausen die Vorbereitungen für die 80. Ruhrfestspiele. Bei den aufkommenden Sommergefühlen kann ein bisschen Kultur in Form von Theater und Literatur das Herz doch nur weiter auftauen lassen, denn ganz nach dem diesjährigen Motto „Erschrecken und Erstaunen“ werden euch die künstlerischen Vorstellungen der Ruhrfestspiele bestimmt nicht kalt lassen.  

Auftakt des avantgardistischen Kulturfests war, wie jedes Jahr, am 1. Mai auf dem Hügel vor dem Ruhrfestspielhaus. Neben einem kleinen Programm auf mehreren Bühnen ist dieser Tag aber, aus eigener Erfahrung, eher bekannt für die Horden an angetrunkenen Jugendlichen, die die Wiese im Stadtgarten für sich beanspruchen. Wenn ihr mich fragt, ist das ein gebührender Start eines international angesehenen Kulturfestes. An einem Freitag unter dem Vorwand der Kultur sich mal ein paar alkoholische Spaßgetränke zu genehmigen – das geht vermutlich nur in unserem geliebten Pott.

Wer aber ein bisschen mehr Kunst und Kultur erleben möchte, wird bei dem diesjährigen Programm zwischen dem 2. Mai und dem 13. Juni fündig. Neben zahlreichen Theaterinszenierungen und Tanzeinlagen erwarten die Besucher:innen Lesungen, Kabarettvorstellungen und andere Performance-Shows national und international renommierter Künstler:innen. Und diese finden in verschiedenen Kulturstätten in ganz Recklinghausen fast täglich statt. Das Publikum variiert bei diesem breiten Programmangebot von Jung bis Alt sowie von ruhigeren bis hin zu bunteren Charakteren.

Meine persönlichen Highlights sind unter anderem die Vorstellung „Gala“ des französischen Choreografen Jérôme Bel, in der nicht nur die Tänzer:innen mit ihren unterschiedlichsten Lebenswegen, sondern auch die Choreografie mit Konventionen und Erwartungshaltungen bricht. Aber auch das Theaterstück „K.“, eine schrille und mit Musik unterlegte Inszenierung des „Prozesses“ von Kafka, das eingefleischte Kafka-Fans nicht missen dürfen, sowie die dokumentarische Inszenierung „Catladies“ über die von Klischees geprägte Gruppe alter, einsamer und katzennaher Damen stehen bei mir ganz oben auf der Liste. Genauso dürften sowohl die Lesung der Texte Erich Kästners über das Berlin der 20er- und 30er-Jahre als auch der Kabarettauftritt von Teresa Reichl viele Menschen ansprechen.

Wem davon bis jetzt nichts zusagt, findet vielleicht unter den restlichen 65 Produktionen etwas Passendes für sich. Und wer lieber auf den altbewährten Promistatus setzt: Bjarne Mädel, Joachim Król, Katharina Thalbach und Kathrin Bauerfeind werden alle während der Ruhrfestspiele bei verschiedenen Performances live auf der Bühne zu sehen sein. Während in der Vergangenheit auch schon Hollywoodstars wie Cate Blanchett oder Jeff Goldblum in Recklinghausen zu sehen waren, setzen die Ruhrfestspiele dieses Jahr vor allem auf deutsche Promis.

Über das Programm und die Vorstellungsorte könnt ihr euch, teils sogar durch Trailer, auf der Website der Ruhrfestspiele informieren. Tickets könnt ihr euch sowohl dort als auch an verschiedenen Verkaufsstellen in Recklinghausen besorgen. Studierende erhalten 50% Rabatt auf den normalen Ticketpreis und müssen selbst an den Abendkassen nur 10 Euro pro Vorstellung bezahlen. Und wer noch ein bisschen extra Wissen tanken will, solange die Speicherkapazitäten am Anfang des Semesters noch nicht so ausgelastet sind, kann sich auf der Website über den besonderen Ursprung der Ruhrfestspiele informieren. Also: Wer nun bereit ist, bis zum 13. Juni ein bisschen „Kultur gegen Kohle“ einzutauschen, der sollte sich beeilen – vielleicht sehen wir uns dann ganz bald in Recklinghausen.

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