Aktuell häufen sich Proteste von Studierende und Schüler:innen in mehreren Ländern, besonders in Frankreich. Für den 31.10. sind auch in Deutschland Demos geplant. Wer die Proteste organisiert, was das Ziel dieser Demos ist und ob Szenen wie in Frankreich zu erwarten sind, kannst Du hier lesen.
Zurzeit dominieren Bilder von brennenden Geschäften und vermummten Personen in Frankreich die globalen Nachrichten. Dabei begannen die politischen Bewegungen mit Schüler:innen und Studierenden, die im September auf Frankreichs Straßen unterwegs waren, um für bessere Bildungsbedingungen zu demonstrieren. Anlass waren marode Schulgebäude, volle Klassen und eine undurchsichtige Studienplatzvergabe. Des Weiteren protestierten insbesondere junge Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten, soziale Ungleichheit und die Sparpolitik der aktuellen Regierung unter Emmanuel Macron. Teile dieser eigentlich friedlichen Protestbewegung schlugen im Oktober jedoch einen gewaltbereiten Kurs ein. In der Hauptstadt kam es zu Brandstiftungen, Vandalismus und Plünderungen. Behörden gehen davon aus, dass extremistische Gruppierungen hinter den Ausschreitungen stecken könnten. Diese Vermutungen sind aktuell jedoch nicht bestätigt und die meisten festgenommenen Personen waren zuvor nicht polizeibekannt. Frankreichs Regierung verurteilt diese Gewalt und verhängte zum Teil Ausgangssperren. Während der Proteste kam es auch zu Gewalt von Seiten der Polizei.
In Italien herrscht aktuell eine ähnliche Stimmung. Auch hier gehen junge Menschen auf die Straße und verurteilen die Bildungspolitik der Regierung unter Giorgia Meloni. Ein anderer Grund für die Demos sind die hohen Wohn- und Studiumskosten. Die Bildungsproteste in Italien sind zu großen Teilen friedlich, es kam jedoch unter anderem in Mailand zu Ausschreitungen. Dort wurden Geschäfte geplündert und Polizist:innen mit Gegenständen beworfen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.
Auch in Albanien demonstrieren Schüler:innen und Studierende gegen die herrschende Bildungspolitik. Die Bildungspolitik war hier aber nicht der Ursprung aktueller Proteste: Vorreiter war die „Flamingo-Bewegung“ im Frühling 2026, die sich gegen ein Bauprojekt von Jared Kushner stellte. Der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump plant den Bau einen Luxushotels in einem Naturschutzgebiet in Albanien. Premierminister Edi Rama arbeitet mit Kushner zusammen, was besonders die jungen Menschen Albanien kritisieren. Die aktuellen Proteste setzen den Fokus auf die Bildungspolitik. Sie kritisieren besonders die schlechten Berufsperspektiven und die hohen Studiengebühren. Die Proteste begannen friedlich, später wurde von Brandstiftung und Vandalismus berichtet. Auch von Seiten der Polizei kam es laut Berichten zu unverhältnismäßiger Gewalt, einige wurden vom Dienst suspendiert.
Nicht nur in Europa kommt es zu Protesten junger Menschen, auch in Südamerika sind die Straßen voll mit Demonstrierenden. Dort wünschen sich Studierende eine bessere Finanzierung von Hochschulen. Der amtierende Präsdient Javier Milei ist gegen eine umfangreichere Finanzierung und versucht Vorschläge des Parlaments zu stoppen. Die Proteste sind größtenteils friedlich, vereinzelt wurden Polizist:innen mit Gegenständen abgeworfen. Berichten zufolge versuchten andere Demonstrierende diese Personen zum Aufhören zu bewegen und zurückzudrängen.
Schaut man sich die Bilder dieser Proteste an, erkennt man die Unzufriedenheit junger Menschen, besonders mit der aktuellen Bildungspolitik in ihren Ländern. Es wird deutlich, dass dies keine nationalen Phänomene sind, sondern der Unmut über die Ländergrenzen hinausgeht. Auch wenn Bilder von gewaltsamen Szenen die Medienberichte dominieren, ist festzuhalten, dass es in den meisten Fällen einzelne Personen oder kleine Gruppierungen sind, die für Gewalt, Brandstiftung und Vandalismus verantwortlich sind.
Auch junge Menschen in Deutschland haben sich von der Protest-Stimmung anstecken lassen: Für den 31. Oktober sind Proteste in insgesamt 34 Städten geplant. Die überparteiliche Jugendorganisation „Gen Z regelt“ organisiert Proteste in vier Städten: Berlin, Köln, München und Frankfurt am Main. Die Proteste in den anderen Städten wie Hamburg oder Stuttgart sind nicht offiziell von der Organisation geregelt, sondern von jungen Menschen, die sich der Aktion anschließen. Im Ruhrgebiet sollen in fünf Städten Proteste stattfinden, darunter in Dortmund. Aktuell (Stand vom 31.10, 13:20 Uhr) haben sich ca. 181.000 Personen in ganz Deutschland für eine Teilnahme angemeldet, eine Anmeldung ist jedoch nicht verpflichtend für die Teilnahme an der Demo. Die Demos sollen landesweit um 14 Uhr beginnen. Genauere Infomationen zu den Städten findest Du auf der Seite von „Gen Z regelt“.
Die Jugendorganisation gibt an von den Protesten in Frankreich inspiriert zu sein und deshalb auch in Deutschland auf die Straße gehen zu wollen. Heißt das, dass ähnliche Bilder wie in Frankreich zu erwarten sind? Die Organisation selbst distanziert sich von jeder Form der Gewalt oder Extremismus und hat auf ihrer Internetseite Verhaltensregeln veröffentlicht. Dazu zählen das absolute Vermummungsverbot, das Verbot Glasflaschen o. ä. mitzunehmen und keine „Provokation gegenüber der Polizei“ auszuüben. Als Gründe der Demos gibt die Organisation unter anderem die Unzufriedenheit der Sparpolitik beim Thema Bildung an. Doch auch das Aussprechen gegen die, von vielen in Zukunft befürchtete, Wehrpflicht, und die hohen Lebenshaltungskosten, sollen auf der Demo Platz haben. Bei den Behörden und innerhalb der Politik spalten sich die Meinungen was die Friedsamkeit der Demos angeht. Die Junge Union Berlin-Mitte forderte beispielsweise, dass die Bundeswehr die Demos betreuen solle. Ein Innenexperte der CDU warnte davor, dass „Linksextreme“ und „Teile des migrantischen Milieus“ die Proteste als Anlass für Gewalt sehen könnten. Auch der Verfassungsschutz hat Sicherheitsbedenken. In einigen Städten wurden Luxusgeschäfte geschlossen und verbarrikadiert aus Angst vor Vandalismus und Plünderung. Das Bundeskriminalamt geht hingegen von friedlichen Protesten aus. Die öffentliche Erwartung an die Schüler:innen- und Student:innen-Proteste geht also weit auseinander. Das Bundesinnenministerium beteuert die Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen den Demonstrierenden, die für ihre Ziele auf die Straße gehen und „möglichen Unterwanderern“, die eventuell gewaltbereit sein könnten, aber nichts mit der Demo zu tun haben. Wie die Demos letztendlich verlaufen, wird sich im Laufe des Samstags zeigen.
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