An der Ruhr-Uni: Über 100 Menschen halten Mahnwache auf der Uni-Brücke.
Wer vor einer Woche, am Freitag, den 16. Januar, vormittags über die Uni-Brücke gelaufen ist, konnte sie nicht übersehen: eine große Gruppe Protestierender mit iranischen Flaggen und dem lauten Ruf nach Gerechtigkeit. Organisiert hatte die Mahnwache die RUB-Studentin Parisa – für die Tausenden Menschen, „die in den letzten zwei Wochen auf offener Straße im Iran erschossen wurden“. Ursprünglich hatte sie geplant, sie vor dem Audimax auszurichten. Das habe die Uni jedoch abgelehnt. Eine Protestaktion von Ver.di soll dort zeitgleich stattgefunden haben.
Nach Parisas Angaben kamen rund 100 bis 120 Menschen zur Mahnwache – deutlich mehr, als sie erwartet hatte. „Die Mahnwache war wirklich viel größer, als ich dachte. Das hat mir unglaublich viel Kraft gegeben“, sagt die Organisatorin. Denn am meisten tue es weh, nicht gesehen zu werden.
Mit dieser wollten Parisa und die Teilnehmenden auf die aktuelle Gewalt im Iran aufmerksam machen. „Unser Protest richtet sich gegen eine Regierung, die die Menschen im Iran seit 47 Jahren brutal unterdrückt“, erklärt sie.
Eine Regierung um Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei, die das Land aktuell in einen Ausnahmezustand versetzt und brutal gegen die eigene Bevölkerung vorgeht: Was Anfang Januar erneut als friedliche landesweite Proteste begonnen hatte, wurde schnell von der Gewalt des iranischen Regimes überschattet. Parisa will darauf aufmerksam machen: „An jedem Tag werden Menschen verhaftet, erschossen oder hingerichtet.“ Milizen der Revolutionsgarden schossen Tausende Demonstrierende nieder. Sogar das Regime selbst spricht mittlerweile von 5.000 Toten – anzunehmen ist, dass die Zahlen deutlich höher sind. Die Sunday Times berichtet von bis zu 18.000 getöteten Menschen. Die Lage vor Ort ist weiter angespannt.
Besonders belastend ist für die iranische Diaspora die Internetsperre im Iran; Informationen dringen kaum aus dem Land. Seit dem 8. Januar hat die Mullah-Regierung das Netz abgeschaltet. Exil-Iraner:innen erreichen Familie und Freund:innen höchstens über Satellitenverbindungen – und das nur sehr unzuverlässig. Das kann auch Parisa bestätigen: „Wir haben kaum Kontakt. Für uns im Ausland ist das wirklich schlimm. Wir wissen nicht, wie es unseren Familien geht.“
Parisa und die anderen Teilnehmenden wünschen sich nun vor allem eines: „Wir wollen einfach, dass die Welt endlich hinschaut und versteht, dass die Menschen im Iran seit 47 Jahren ohne Freiheit und ohne Menschenrechte leben“, erklärt sie. Sie hoffen auf ein baldiges Ende der Gewalt und eine freie Zukunft ihres Landes. Mit der Mahnwache verbanden sie deshalb eine klare Forderung: ein echter Regimewechsel und das Ende der Mullah-Herrschaft, der theokratischen Diktatur des Landes.
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