Das Internet wird gefühlt mehr denn je von YouTube-„Persönlichkeiten“ überflutet, die sich über selbst inszenierte Unterhaltungsvideos eine Existenz aufbauen wollen. Wer einen großen AbonnentInnenkreis gewinnt und positives Feedback bekommt, muss allerdings mit bösen Kommentaren sogenannter „Hater“ unter seinen Videos rechnen. Doch nicht nur YouTuberInnen sind vom Phänomen „Hating“ betroffen, sondern auch andere UnterhalterInnen und Personen innerhalb und außerhalb des World Wide Webs.
Dass das Internet, genauso wie die „Realität“, keine immergrüne Spielwiese ist, dürfte den meisten bewusst sein. Dennoch gehen YouTuberInnen, wie zum Beispiel die Video- und Netzkünstlerin Coldmirror oder plötzliche Internetberühmtheiten wie die Poetry-Slammerin Julia Engelmann davon aus, dass ihnen online mit dem gleichen Moralkodex begegnet wird, der auch in der Realität gilt. Schließlich sind die Personen, die sich ihre Videos ansehen, einfach an Unterhaltung interessierte Menschen wie sie – oder?
Tatsächlich lässt die jeweilige „Hater“-Gemeinde beider YouTuberinnen daran zweifeln.
Provokation durch „Trolls“ und „Hater“
Die Anonymität des Internets öffnet die Tür für Personen, die Spaß an konsequenzloser Provokation finden (sog. „Trolls“). Manche gehen sogar so weit, dass sie in Form von privaten Nachrichten oder Kommentaren ihrer Abneigung oder ihrem Hass ungeniert Luft machen (sog. „Hater“). Diese kategorisierenden Bezeichnungen erhalten sie, weil sie oftmals als „WiederholungstäterInnen“ gelten, die um der Handlung willen provozieren oder beleidigen. Wer gehört zu dieser Kategorie InternetnutzerIn bzw. Mensch?
Das fragt sich auch die mit einer halben Million AbonnentInnen versehene YouTuberin Coldmirror, die vor allem über Fan-Fictions mit den Harry-Potter-Figuren bekannt geworden ist: „Ich kann mich empathisch nicht in solche Personen hineinversetzen. Sind das bemitleidenswerte, einsame Wesen, die die Aufmerksamkeit, die sie durch diese Hass-Kommentare bekommen, als einzige soziale Interaktion erleben?“
Nicht nur ein Phänomen des Internets
Die Bezeichnung Hater hat sich aufgrund diverser Songtexte, die das Wort beinhalten, seit ca. 1999/2000 etabliert – zunächst war sie allerdings nicht auf das Internet bezogen. Obwohl das Hating mittlerweile insbesondere als ein Phänomen sozialer Medien gilt, stellt es zugleich eine Zeitdiagnose dar: Mobbing ist weit verbreitet. Zudem überträgt sich die virtuelle Enthemmung zwangsläufig auch zunehmend auf die Realität – spätestens seit der Verschmelzung der beiden „Formate“ durch die Etablierung des Smartphones.
Entwicklung einer Hasskultur?
Meistens dient das Cyber-Mobbing dazu, sich an der Degradierung anderer selbst hochzuziehen. Dabei werden die Folgen oft gar nicht bedacht. Denn auch virtuelle Beleidigungen verursachen reale Verletzungen.
Wer einmal seinen FreundInnen zuhört, die gerade über den „fetten und dummen“ YouTuber „DrachenLord“ herziehen, oder sich die Toilettenkritzeleien verzweifelter KommilitonInnen ansieht, der/dem wird vielleicht auffallen, dass diese Hasskultur vermehrt Einzug in den Alltag gehalten hat. Ein weiteres Beispiel ist direkt vor unserer Nase zu finden – schaut einfach mal nach dem etwas unglücklich gewählten „Verspottet: Ruhr-Universität Bochum“-hashtag #jessuisthomas auf Facebook.





