Warning: Constant WP_DEBUG_DISPLAY already defined in /var/www/html/wp-config.php on line 111 Venedig | BSZ https://bszonline.de Deine Bochumer Stadt- & Studierendenzeitung Thu, 10 Nov 2022 08:57:25 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 https://bszonline.de/wp-content/uploads/2022/11/cropped-favicon-32x32.jpg Venedig | BSZ https://bszonline.de 32 32 Viva l’arte – Es lebe die Kunst! https://bszonline.de/2017/11/13/viva-larte-es-lebe-die-kunst/ https://bszonline.de/2017/11/13/viva-larte-es-lebe-die-kunst/#respond Mon, 13 Nov 2017 15:12:58 +0000 https://bszonline.de/2017/11/13/viva-larte-es-lebe-die-kunst/ Weltkunstschau. Die :bsz scheute keine Kosten und Kilometer und reiste zur 57. Ausgabe der Biennale di Venezia, um sich selbst ein Bild der Seerepublik und ihrer beherbergten Schätze zu machen.

Das Kunstjahr 2017 neigt sich dem Ende.

VIVA ARTE VIVA! Wie ein Kampfschrei klingt das diesjährige Motto der Biennale. Kein Zustand wird hier bezeichnet, sondern ein Weckruf in die Welt geworfen, der nach neuer, lebendiger, eigenständiger Kunst trachtet. Gefaltete Hände, Hände am Kinn, Hände an blitzenden Selfie-Kameras – neben der manuellen Sozialstudie von AusstellungsbesucherInnen interessiert uns aber vor allem: Wie hat Centre-Pompidou-Chefin Christine Macel die künstlerische Direktion der 57. Biennale gehandhabt? Intellektuelles Interpretieren oder anästhesierende Ästhetik-Keule?       

Den Artikel gibt’s hier!   

:Die Redaktion

 
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Weltkunstschau. Die :bsz scheute keine Kosten und Kilometer und reiste zur 57. Ausgabe der Biennale di Venezia, um sich selbst ein Bild der Seerepublik und ihrer beherbergten Schätze zu machen.

Das Kunstjahr 2017 neigt sich dem Ende.

VIVA ARTE VIVA! Wie ein Kampfschrei klingt das diesjährige Motto der Biennale. Kein Zustand wird hier bezeichnet, sondern ein Weckruf in die Welt geworfen, der nach neuer, lebendiger, eigenständiger Kunst trachtet. Gefaltete Hände, Hände am Kinn, Hände an blitzenden Selfie-Kameras – neben der manuellen Sozialstudie von AusstellungsbesucherInnen interessiert uns aber vor allem: Wie hat Centre-Pompidou-Chefin Christine Macel die künstlerische Direktion der 57. Biennale gehandhabt? Intellektuelles Interpretieren oder anästhesierende Ästhetik-Keule?       

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:Die Redaktion

 
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Ein Hauch von Kunst – ein Haufen Kunst https://bszonline.de/2017/11/13/ein-hauch-von-kunst-ein-haufen-kunst/ https://bszonline.de/2017/11/13/ein-hauch-von-kunst-ein-haufen-kunst/#respond Mon, 13 Nov 2017 14:42:43 +0000 https://bszonline.de/2017/11/13/ein-hauch-von-kunst-ein-haufen-kunst/ Weltausstellung. Andiamo, amore mio, wir fliegen nach Venedig. Das Kunstjahr 2017 endet für uns mit der wohl pompösesten aller Ausstellungen: der Biennale. Bis zum 26. November ziert die Weltkunstschau noch das venezianische Stadtbild. 

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Weltausstellung. Andiamo, amore mio, wir fliegen nach Venedig. Das Kunstjahr 2017 endet für uns mit der wohl pompösesten aller Ausstellungen: der Biennale. Bis zum 26. November ziert die Weltkunstschau noch das venezianische Stadtbild. 

Was für ein (kunst-)ereignisreiches Jahr! Documenta (:bsz 1136), Skulptur Projekte in Münster (:bsz 1139) und: la Biennale di Venezia. Die 57. Ausgabe der Weltkunstschau unter der Leitung von Christine Macel, der Kuratorin des Centre Pompidou in Paris, wurde angekündigt unter dem Titel: VIVA ARTE VIVA. Auf einer ersten Pressekonferenz im Februar 2017 waren die Ankündigungen groß, die Vorstellungen vielversprechend. Workshops mit Olafur Eliasson, die „Offene Tafel“ als Begegnungs- und Dialogstätte mit den KünstlerInnen, keine erhobenen Weltrettungsansprüche. Es hörte sich wie ein Gegenentwurf zur politischen Agenda der documenta14 an. Doch hielt die Biennale ihr Versprechen ein? 

Pavillons unter der Lupe

Der Hauptschauplatz liegt im venezianischen Stadtteil Castello: die Giardini. Hier präsentieren sich 28 Länder in nationalen Pavillons. Die deutschsprachigen Nachbar- Innen aus Österreich entsandten Brigitte Kowanz und Erwin Wurm, der zuletzt Ausstellungen im Lehmbruck-Museum und in der Kuppersmühle in Duisburg begleitete. Wurm stellt mit seinen „One Minute Sculptures“  Querverbindungen zwischen performativen Posen und skulpturalem Verständnis her, die auch zum albernen Mitmachen einladen. Währenddessen verbirgt Brigitte Kowanz kryptische Morsecodes hinter Lichtlinien, die sich in „virtuellen Räumen“ durch parallel positionierte Spiegel in die Unendlichkeit vervielfältigen.

Im russischen Pavillon herrscht psychedelische Propaganda-Stimmung. Während Grisha Bruskin die angsteinflößende Mechatronik von Massen zur Schau stellt – Menschenmassen, Massenproduktion, Massenmedien – manövriert die Recycle Group die BesucherInnen des russischen Pavillons mithilfe einer digitalen App durch den neunten Höllenkreis von Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“. 

Ein Preis, ein Preis!

Besondere Aufmerksamkeit genoss der deutsche Pavillon: wegen Anne Imhof. Ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen für den besten nationalen Beitrag steht sie im Mittelpunkt der Kunstwelt, nicht zuletzt wegen ihres raschen Aufstiegs. Imhof hat eine klare performative Signatur – schon ihre Werktrilogie „Angst I, II und III“ hinterließ eindeutige Spuren, die auf sie zurückzuführen sind und für die 57. Biennale in Venedig entschied sie sich für einen deutschen Klassiker: Faust. Eine Kombination aus Malerei, Skulptur, Installation und Performance eröffnet den BesucherInnen des deutschen Pavillons eine Welt der Seelenlosigkeit. Apathisches Starren, kalte weiße Wände, Nebel, hallender Klang und mechanische Bewegungen von Schönlingen, die einer transzendierten Technogeneration entsprungen sind; entflossenes Leben raubt dieser Ästhetik jeden Glanz. 

(Parallele) Realität im Blick behalten

Doch die Weltkunstschau hat – wie so alles – auch Kehrseiten: den Austragungsort. Zwischen byzantinischer Blüte, von Renaissance-Meistern bemalten Kapellen, dem Canale Grande und Barockfassaden ist die Aura von mehr als tausend Jahren Kunstgeschichte kaum gealtert. Die Seerepublik kämpft jedoch mit infrastrukturellen 

Problemen und der Einbindung der nicht-touristischen Stadtteile wie Mestre und Marghera, wo sich die industrielle Tätigkeit konzentriert. Und wieder stellen sich die Fragen: Kunst zum Preis touristischer Inflation? Oder einfach mal genießen?

:Marcus Boxler

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Moribunde Mittelschicht https://bszonline.de/2016/07/11/moribunde-mittelschicht/ https://bszonline.de/2016/07/11/moribunde-mittelschicht/#respond Mon, 11 Jul 2016 15:51:50 +0000 https://bszonline.de/2016/07/11/moribunde-mittelschicht/ Hans Drehers Bühnenadaption bringt Humor in Manns todernsten Untergangsstoff und spitzt die Ängste um eine fremde Epidemie pointiert zu.

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Hans Drehers Bühnenadaption bringt Humor in Manns todernsten Untergangsstoff und spitzt die Ängste um eine fremde Epidemie pointiert zu.

Die Seuche ist längst am Mittelmeer: Rote Fäden säumen die Bühne, Totenköpfe sind an den Wänden plakatiert, schrilles Synthesizer-Dröhnen erklingt. Nur noch fremde Laute sind zu vernehmen; „die deutsche Sprache verstummte“, reflektiert Manns dekadente Ausgeburt, Gustav Aschenbach. Und in den ausländischen Zeitungen (was ist schon der Untergang der Mittelschicht ohne „Lügenpresse?“) steht auch nichts über diese Cholera-Epidemie.

Thomas Manns dekadente Untergangsstimmung in „Der Tod in Venedig“ wird auch an der Rottstr5 auf die Bühne getragen. Der Stoff der Vorlage ist bekannt: Den erfolgreichen und vereinsamten Schriftsteller mittleren Alters, Gustav Aschenbach, zieht es zur Erholung nach Venedig. Dort verguckt er sich allerdings in einen schönen Knaben. Trotz größter Distanz, die er aus der Ferne zu ihm wahrt, verfällt er ihm.

Das Bühnenbild ist an diesem Abend so karg, wie man es an der Rottstr5 gewohnt ist: Ein kleiner Laufsteg, ein Eimer und ein Keyboard.

Zwei-Mann-Stück

Nicht viel üppiger fällt das Bühnenpersonal aus: Christoph Iacono gibt die Live-Musik und schlüpft hin und wieder in Nebenrollen. Maximilian Strestik spielt Aschenbach oder rezitiert ausgiebig Manns Erzähler. 

Ebenso reduziert ist auch der Stoff: Dreher beschränkt sich auf wenige Dialoge und Monologe. Vieles, was in Manns Novelle so todernst daher kommt, wird auf der Bühne humoristisch aufgelöst – selbst der Aspekt der Pädophilie, Aschenbachs Zuneigung zum jungen  Tadzio. Die Schönheit, die Vergänglichkeit, die der Schriftsteller darin sieht, wird etwa in einer albernen wie subtilen Szene wiedergegeben, als er sich beim Friseur die Haare färben und das Gesicht schminken lässt. Ein blasser Klecks grinst ins Publikum. Mann selbst nannte sein „Tod in Venedig“ mal eine „Tragödie der Entwürdigung“. Drehers Inszenierung legt die lustigen Facetten frei: Von der ängstlichen Auflösung der Mittelschicht bis zum absurden Jugendwahn.

:Benjamin Trilling

 

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