Warning: Constant WP_DEBUG_DISPLAY already defined in /var/www/html/wp-config.php on line 111 Sylt | BSZ https://bszonline.de Deine Bochumer Stadt- & Studierendenzeitung Thu, 10 Nov 2022 09:03:44 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 https://bszonline.de/wp-content/uploads/2022/11/cropped-favicon-32x32.jpg Sylt | BSZ https://bszonline.de 32 32 10 Stunden Bahnfahrt für Rassismus, Sonne und Meer? https://bszonline.de/2022/09/16/10-stunden-bahnfahrt-fuer-rassismus-sonne-und-meer/ https://bszonline.de/2022/09/16/10-stunden-bahnfahrt-fuer-rassismus-sonne-und-meer/#respond Fri, 16 Sep 2022 14:34:33 +0000 https://bszonline.de/2022/09/16/10-stunden-bahnfahrt-fuer-rassismus-sonne-und-meer/ Medien berichten über die selbsternannte „Trauminsel“, Sylt, als würden alle dort Urlaub machen. Mit dem 9-Euro-Ticket klingt es nun so, als sei die Insel nur noch von Punks bewohnt. Ich habe mir das ganze mal für Euch aus einer intersektionalen Perspektive angeguckt.  

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Medien berichten über die selbsternannte „Trauminsel“, Sylt, als würden alle dort Urlaub machen. Mit dem 9-Euro-Ticket klingt es nun so, als sei die Insel nur noch von Punks bewohnt. Ich habe mir das ganze mal für Euch aus einer intersektionalen Perspektive angeguckt.   

Erstes Szenario: Bahnfahrt 

Startpunkt war gegen 6:30 Uhr in Bochum und Ziel war „Westerland (Sylt)“, wo wir gegen 16:40 Uhr ankommen sollten. Tipp direkt zum Anfang: Tankt genug Energie für die Fahrt und schlaft genug! Bei meiner Begleitung und mir war es so, dass wir vor lauter Aufregung kaum Schlaf hatten und dementsprechend sehr müde unterwegs waren. Die Fahrt sah wie folgt aus: Von Bochum nach Münster, von Münster nach Osnabrück, von Osnabrück nach Bremen, von Bremen nach Hamburg, von Hamburg nach Elmshorn, von Elmshorn nach Westerland, und anschließend noch ein Bus zur Unterkunft. Insgesamt siebenmal mussten wir umsteigen, was den Vorteil hatte, dass es sich näher anfühlt als es war. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) sind seit Einführung des 9-Euro-Tickets die bundesweiten Fahrten im Schienenverkehr im Schnitt 42 Prozent höher als im Juni des „Vor-Corona-Jahrs“ 2019. An Samstagen liegt das höhere Reiseaufkommen bei 83 Prozent. Um Überfüllung zu vermeiden, planten wir die Hin- und Rückfahrt an Werktagen und stiegen immer ganz vorne oder ganz hinten ein.  

Alles für den Ausblick!  

Erster Eindruck direkt bei der Ankunft: „Geschafft!“, und „Fuuuck, ist das weiß!“. Meine Begleitung und ich gehen hier, im Vergleich 

zu Dortmund oder Gelsenkirchen, überhaupt nicht unter – wir stechen sofort raus. Die erste Mikroaggression erlebten wir dann auch direkt beim Empfang in der Unterkunft: „Hier in Deutschland zahlt man eine Kurabgabe!“ – ok, Annette chill. Der Ausblick auf den Strand hat alles wett gemacht: Die lange Fahrt, der schweißbadende Nase- und Mundbereich unter der FFP2-Maske, Annettes und Bärbels herablasende Blicke. Mit Meeresrauschen im Ohr, Füßen im Sand und Sangria in der Hand lässt sich das Leben viel besser genießen! Dieses wunderschöne Panorama, wofür wir unter 200 Euro gezahlt haben (inklusive 9-Euro-Ticket), spricht für sich selbst. 

Stadt, Land, Punks

In der Woche, in der ich da war, machte ich so ziemlich alles für Gesundheit und Entspannung mit: Eine Wanderung durch die Dünen, eine Inselrundfahrt, Amrum und Föhr sehen, und natürlich ganz viel am Strand sonnen, im Meer schwimmen und die Sonnenuntergänge genießen. Dabei stets die Frage im Kopf: Wo sind denn jetzt „diese Punks“? Beim Besuch zum Zentralstrand in Westerland, begegnete ich „den Punks“ endlich. Endlich laute Musik, endlich Stimmung, endlich leben – mir fiel auf, wie ruhig die  Insel doch ist, zu ruhig für meinen Geschmack. Laut einer Verkäuferin, wo eines der Punker:innen-Lager gesetzt wurde, wurde mir klar, was für ein Othering hier herrscht: „Ein Kind fragte seine Mutter ‚Warum haben die bunte Haare?‘ und die Mutter erklärte, dass sie auch mit bunten Haaren ganz nette und liebe Menschen sind“. Beim Sprechen mit den Punker:innen und der Frage nach einem Foto waren sie allein für meine Frage dankbar: „Das ist hier leider nicht so. Die machen alle ungefragt Fotos, 

gucken uns arrogant an oder schütteln ihren Kopf.“ Das lässt mich schlussfolgern, dass hier laut sein und individuell aussehen noch als sehr ungewöhnlich empfunden wird. Und ab da war für mich sofort klar, warum meine Begleitung und ich ständig komisch angeguckt wurden und weiße Kinder vor uns wegliefen. Wenn die gängigen Sylt-Bewohner:innen noch damit klarkommen müssen, dass weiße Menschen mit bunten Haaren und lauter Musik „ganz nett und lieb“ sind, dann stellt euch mal vor, wie viel sie noch zum Umgang mit BiPoC vor sich haben.  

Fazit: Sylt hier, Sylt da, „Oh nein Punks“, „Oh nein Menschen außerhalb meiner Bubble“ – das fasst die Umstände zusammen. Es scheint fast schon wie eine schlechte Promo-Aktion und wie bekannt ist, ist schlechte Werbung auch Werbung. Mich hat es erwischt, ich bin in die 9€-Sylt-Falle getappt und es war trotz des Othering toll! Das habe ich aber hauptsächlich meiner Begleitung, dem Meer und den Punks zu verdanken, ohne sie wäre es nur eine langweilignormale Alman-Insel gewesen.

:Nathalia Rodriguez

 
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Alles Einsteigen – Für nur neun euro https://bszonline.de/2022/06/05/alles-einsteigen-fuer-nur-neun-euro/ https://bszonline.de/2022/06/05/alles-einsteigen-fuer-nur-neun-euro/#respond Sun, 05 Jun 2022 21:45:51 +0000 https://bszonline.de/2022/06/05/alles-einsteigen-fuer-nur-neun-euro/ Von neun Euro profitieren 

Das 9 Euro-Ticket ist seit heute befahrbar und erleichtert vielen Menschen den Alltag.  

„Für neun Euro nach Sylt!“, der Sturm auf die Insel, war die viralste Reaktion auf die Ankündigung des günstigen Fahrspaßes. Dabei wird vergessen, dass der ‚Spaß‘ dabei für manche gar keiner ist. Viele Personengruppen sind auf die Öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, um im Alltag ihre Schulen, Universitäten, Arbeits- und Ausbildungsstelle, die Wohnorte ihrer Partner:innen, Freund:innen, ihre Familien, oder andere Städte zu erreichen. Dazu zählen Schüler:innen, Student:innen ohne fahrbaren Untersatz, Menschen mit Erkrankungen oder Behinderungen, die kein Auto, Motorrad oder auch Fahrrad fahren dürfen oder können, und auch Senior:innen, welche nicht mehr eigenständig fahren wollen oder können. Hinzu kommen außerdem Menschen, die sich weder einen Führerschein noch ein eigenes Transportmittel leisten können und natürlich auch jene, welche die öffentlichen Busse und Bahnen dem eigenen Fortbewegungsmittel vorziehen. Für viele von ihnen bedeutet das für drei Monate gültige Ticket eine enorme Entlastung. Allein das Senior:innen-Ticket für den Verkerhsverbund Rhein-Ruhr, das Bären-Ticket, kostet beispielsweise im Normalfall 92,90 Euro im Monat – bei einer durchschnittlichen Nettorente für Männer von 1.335 Euro und für Frauen von 900 Euro im Monat nicht gerade wenig. Aber auch für ärmere Bevölkerungsschichten realisiert das neun Euro Ticket vieles, für einige sicherlich auch den allerersten Urlaub. Mit Partner:in (und Kindern) für kleines Geld in schöne Ecken Deutschlands, das ist für sie kein Zeitvertreib oder eine ‚just for fun‘-Aktion, sondern ein Geschenk, welches die Brieftasche zur Zeit der Inflation enorm entlastet und neben einer günstigen Reise ermöglicht, das gesparte Geld wiederum in andere wichtige Einkäufe einfließen zu lassen.                                                      

  :Rebecca Voeste

 
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Von neun Euro profitieren 

Das 9 Euro-Ticket ist seit heute befahrbar und erleichtert vielen Menschen den Alltag.  

„Für neun Euro nach Sylt!“, der Sturm auf die Insel, war die viralste Reaktion auf die Ankündigung des günstigen Fahrspaßes. Dabei wird vergessen, dass der ‚Spaß‘ dabei für manche gar keiner ist. Viele Personengruppen sind auf die Öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, um im Alltag ihre Schulen, Universitäten, Arbeits- und Ausbildungsstelle, die Wohnorte ihrer Partner:innen, Freund:innen, ihre Familien, oder andere Städte zu erreichen. Dazu zählen Schüler:innen, Student:innen ohne fahrbaren Untersatz, Menschen mit Erkrankungen oder Behinderungen, die kein Auto, Motorrad oder auch Fahrrad fahren dürfen oder können, und auch Senior:innen, welche nicht mehr eigenständig fahren wollen oder können. Hinzu kommen außerdem Menschen, die sich weder einen Führerschein noch ein eigenes Transportmittel leisten können und natürlich auch jene, welche die öffentlichen Busse und Bahnen dem eigenen Fortbewegungsmittel vorziehen. Für viele von ihnen bedeutet das für drei Monate gültige Ticket eine enorme Entlastung. Allein das Senior:innen-Ticket für den Verkerhsverbund Rhein-Ruhr, das Bären-Ticket, kostet beispielsweise im Normalfall 92,90 Euro im Monat – bei einer durchschnittlichen Nettorente für Männer von 1.335 Euro und für Frauen von 900 Euro im Monat nicht gerade wenig. Aber auch für ärmere Bevölkerungsschichten realisiert das neun Euro Ticket vieles, für einige sicherlich auch den allerersten Urlaub. Mit Partner:in (und Kindern) für kleines Geld in schöne Ecken Deutschlands, das ist für sie kein Zeitvertreib oder eine ‚just for fun‘-Aktion, sondern ein Geschenk, welches die Brieftasche zur Zeit der Inflation enorm entlastet und neben einer günstigen Reise ermöglicht, das gesparte Geld wiederum in andere wichtige Einkäufe einfließen zu lassen.                                                      

  :Rebecca Voeste

Sylt fürchtet sich vor Billigurlaubern

 

Die Nordseeinsel gilt eigentlich als Erholungsort für Gutbetuchte, doch mit dem 9€-Ticket soll sich das in diesem Jahr ändern. 

Auch ohne die neu entstandene günstige Anreisemöglichkeit sind die Bahnen, die über den Hindenburgdamm zur beliebten Urlaubsinsel fahren, oft im Sommer gnadenlos überfüllt. Moritz Luft, Chef der kommunalen Marketinggesellschaft hatte deshalb kürzlich in einem Interview verlauten lassen, dass man auf Sylt keinesfalls „ein Biotop von Schönen und Reichen“ bewahren wolle, sondern lediglich für Jugend- und Schulgruppen und Familien „einen störungsfreien und entspannten Urlaub aufrechterhalten“ wolle. Die Angst vor einer Vielzahl an Tourist:innen, die es sonst eher nicht auf die Insel verschlagen würde, provozierte eben diese dazu einen Massenansturm zu planen. 

Tausende verabreden sich über soziale Netzwerke, um mithilfe des 9€-Tickets den Sommerurlaub auf Sylt zu verbringen und dabei nebenbei den gewöhnlichen Urlaubern vor Ort die erhoffte Entspannung innerhalb der eigenen Kreise zu vermiesen. Eine Sprecherin der Linksjugend Solid begründete in einem Gastbeitrag in der ZEIT die Entwicklung so: „Sylt sollte kein Ort sein, an dem Wohlhabende so tun können, als gäbe es keine Armut.“ Außerdem gab sie zu bedenken: „Mit Sylt soll ein Stück Land zurückerobert werden, das eigentlich uns allen gehört. Und es sollen die Bedingungen verändert werden, die Sylt möglich machen.“ Der eskapistische Urlaub weg von Bevölkerungsschichten, die sich diesen normalerweise nicht leisten können, soll dieses Jahr zerstört werden. 

Zwar ist nur die Anreise erschwinglich geworden, während die Preise für eine Unterkunft genauso horrende bleiben wie sonst, doch die Geschichte zeigt, dass dieser Umstand die Urlaubsmassen wohl nicht aufhalten wird. Mitte der Neunziger, kamen durch das neu eingeführte „Schönes-Wochenende-Ticket“ für 15 Mark ebenfalls plötzlich unzählige neue Urlauber nach Sylt, die denen, die dort ihr natürliches Habitat gestört sahen, ein Dorn im Auge waren. Die als „Billigtouristen“ beschimpften vergraulten wohl einige
der höherpreisig Urlaubenden.                                 

:Henry Klur

Schattenseiten des 9€ Tickets 

Ab dem 01.06 ist das 9€ Ticket deutschlandweit nutzbar. Doch nicht alle begrüßen das neue Ticket. 

Viele Menschen warten bereits gespannt auf den Juni. Das 9€ Ticket ist nicht nur eine Erleichterung für das Portemonnaie, sondern gleichzeitig auch eine Möglichkeit den öffentlichen Nahverkehr in Deutschland attraktiver zu gestalten. Doch die Freude teilen nicht alle. Expertenwarnen vor Chaos in den nächsten drei Monaten.  Wer bereits mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, dem ist die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn nicht fremd und der zu erwartende „Ansturm“ wird die Situation nicht grade verbessern. Besonders in Großstädten, wie Berlin, Köln und Frankfurt ist die Sorge groß. Die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn ist unter anderem ein Grund dafür, dass viele das Angebot nicht wahrnehmen werden (können). Eine oder manchmal zwei Stunden Verspätung können sich nämlich weder Schüler:innen, Arbeitnehmende noch Eltern, die ihre Kinder in den Kindergarten bringen, leisten. Besorgt äußert sich auch Moritz Luft, der Geschäftsführer der Sylt Marketing, denn Sylt sei auf solch einen Ansturm nicht ausreichend vorbereitet. Zu erwarten ist, dass besonders die Strecken zu Urlaubsorten, wie über Berlin an die Ostsee oder von Hamburg nach Sylt beliebt sein werden. Das wird besonders den Pendler:innen zur Last fallen, die täglich auf die Strecken angewiesen sind, um zur Arbeit zu gelangen. Viel mehr Kapazitäten zu schaffen, ist jedoch nicht realistisch, laut den Verkehrsverbänden.  Besorgniserregend erscheint für viele auch das erhöhte Personenaufkommen zu Zeiten der Corona-Pandemie. Die 3G-Regel im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist mit Inkrafttreten des neuen Bundesinfektionsschutzgesetzes entfallen. In Bus und Bahn muss lediglich eine Maske getragen werden. Viele Menschen fühlen sich nicht ausreichend geschützt. Besonders ältere Menschen, die von dem Angebot profitieren sollen, fürchten sich vor der Ansteckungsgefahr.  Nichtsdestotrotz ist das 9€ Ticket ein Schritt in die richtige Richtung. Die Gefahren und Risiken des Tickets müssen in Kauf genommen werden, um die Schattenseiten des ÖPNV-Verkehrs zu erkennen und um diese zu verbessern.                        

  :Miena Momandi

 
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