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Prof. Dr. Stefan Grimm war Toxikologe an der Medizinischen Fakultät des Imperial College London. In Journals publizierte er Ergebnisse seiner Forschung und rezensierte Artikel. Zudem schrieb er nach eigenen Angaben am Imperial die meisten Drittmittelanträge. Doch sie waren wohl nicht gut genug, schrieb er verzweifelt. „Einkommen aus Fördermitteln ist alles, was hier zählt, nicht wissenschaftliche Leistung“, urteilte Grimm über seine Hochschule in einer Email. Diese erhielten KollegInnen Ende Oktober, mehrere Wochen nach Grimms Tod, dessen Ursache noch gerichtlich untersucht wird. Klar ist jedoch, dass sich Grimm übermäßig unter Druck gesetzt fühlte.
Er stand unter Beobachtung, Disziplinarmaßnahmen nicht ausgeschlossen. Professor Martin Wilkins, Abteilungsleiter für experimentelle Medizin, kam laut Grimm im Mai 2013 in sein Büro und kündigte ihm – dazu noch in Hörweite von Studierenden – die baldige Entlassung an, da Grimms Drittmittel nicht ausreichten. Dies habe Wilkins sofort im Kollegium publik gemacht. Im März 2014 erhielt Grimm das Ultimatum, mindestens 200.000 Pfund an Fördermitteln pro Jahr zu akquirieren, noch dazu aus bestimmten Förderprogrammen. Dies hat das Imperial College bestätigt.
Doch dies sei nie Teil seines Vertrags gewesen, klagte Grimm. Veröffentlichungen, gute Forschungsarbeit, bereits eingeholte Fördermittel hätten nicht gezählt. Es sei eine tolle Situation, Förderanträge um des eigenen Überlebens Willen zu schreiben.
„Dies ist keine Universität mehr, sondern ein Unternehmen, mit wenigen an der Spitze, die profitieren und den Rest auspressen“, fällt Grimms Urteil aus. „Was diese Leute nicht wissen, ist, dass sie Leben zerstören. Meines haben sie sicherlich zerstört.“
Infolge der Diskussion, die Grimms Tod und seine Vorwürfe an britischen Hochschulen ausgelöst haben, will das Imperial College seine Personalpolitik auf den Prüfstand stellen.
:Johannes Opfermann
Lest auch Johannes' Kommentar zu Hochschulen als Wirtschaftsbetrieben.
ein Einzelschicksal ist oder Symptom einer fehlgeleiteten Philosophie, bleibt Ansichtssache. Es bedarf jedoch keiner Toten, um das Credo der unternehmerischen Hochschule zu hinterfragen.
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ein Einzelschicksal ist oder Symptom einer fehlgeleiteten Philosophie, bleibt Ansichtssache. Es bedarf jedoch keiner Toten, um das Credo der unternehmerischen Hochschule zu hinterfragen.
Man kann zwar unternehmerisches Handeln einer Hochschule generell ablehnen, doch Argumente wie wirtschaftliche Einflussnahme auf die Forschung greifen zu kurz. Während Studierendenzahlen steigen und Bildung als wichtigste Ressource der Wissensgesellschaft propagiert wird, bleiben die Hochschulen unterfinanziert. Es ist also sinnvoll, die knappen Mittel effektiv und effizient einzusetzen. Wenn Unternehmen dabei bessere Vorbilder zu sein scheinen als öffentliche Verwaltungen, ist das kein Fehler der Unternehmen. Überhaupt gelten eher angelsächsische Eliteuniversitäten als Vorbild, nicht Wirtschaftsunternehmen XY. Diese Unis haben sich der Herausforderung der Modernisierung erfolgreich gestellt, nicht zuletzt durch eine diversifizierte Finanzierung. Genau das ist der Knackpunkt, warum sie nicht als Beispiel taugen. Horrende Studiengebühren wie in Großbritannien und den USA sind für Deutschland undenkbar; Alumni-Netzwerke als Geldquelle scheiden hierzulande ebenfalls aus. So bleiben deutsche Unis abhängig von öffentlichen und Drittmitteln, und müssen in jedem Fall Ausgaben rechtfertigen.
Wie sie bei diesem Druck mit den Menschen umgehen, die an Hochschulen lehren, forschen und lernen, hat weniger mit dem System der unternehmerischen Hochschule an sich zu tun, als mit der Unternehmenskultur. Diese Kultur ist schon weit verfallen – auch an der RUB. Das zeigen DozentInnen, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangeln, sowie Hilfskräfte und DoktorandInnen, die vor Lehraufträgen und Bürokratie nicht zum Promovieren kommen. Gegen ein hochschulisches Unternehmertum, das solche Belastungen nach sich zieht, müsste etwas unternommen werden.
:Johannes Opfermann