Warning: Constant WP_DEBUG_DISPLAY already defined in /var/www/html/wp-config.php on line 111 Stay at Home | BSZ https://bszonline.de Deine Bochumer Stadt- & Studierendenzeitung Thu, 10 Nov 2022 08:55:47 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 https://bszonline.de/wp-content/uploads/2022/11/cropped-favicon-32x32.jpg Stay at Home | BSZ https://bszonline.de 32 32 Aus für Jacks Partyzentrale https://bszonline.de/2020/06/25/aus-fuer-jacks-partyzentrale/ https://bszonline.de/2020/06/25/aus-fuer-jacks-partyzentrale/#respond Thu, 25 Jun 2020 19:50:47 +0000 https://bszonline.de/2020/06/25/aus-fuer-jacks-partyzentrale/ Kultur. Am 15. Juni wendete sich die Diskothek am Hauptbahnhof an ihr Publikum mit der Nachricht, dass sie schließen würde. Was anfangs nur wie ein weiterer Betrieb erscheint, der aufgrund der aktuellen Lage schließen muss, macht jedoch ein größeres Thema auf. Hier erfahrt Ihr, wieso. 

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Kultur. Am 15. Juni wendete sich die Diskothek am Hauptbahnhof an ihr Publikum mit der Nachricht, dass sie schließen würde. Was anfangs nur wie ein weiterer Betrieb erscheint, der aufgrund der aktuellen Lage schließen muss, macht jedoch ein größeres Thema auf. Hier erfahrt Ihr, wieso. 

Wir befinden uns im dritten Monat der Beschränkungen, verursacht durch die laufende Pandemie. Die ersten Öffnungen in gewissen Bereichen führen uns langsam zurück zu einem gewissen Alltag. Wir können wieder einkaufen und auch wieder Bars oder Restaurants besuchen. Alles scheint einigermaßen unter den Auflagen zu funktionieren. Die einzige Ausnahme scheinen Clubs zu sein. Das Problem: Clubs und andere Kulturbetriebe, die Veranstaltungen wie Partys abhalten, können laut vieler Expert:innen nicht garantieren, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eingehalten werden können. Was hat das mit der Schließung von Jacks Partyzentrale zu tun? 

Jacks Partyzentrale hatte versucht während der Beschränkungen eine Art Barbetrieb einzuführen, um weiterhin Einnahmen zu bekommen und nicht schließen zu müssen. Das scheint aber leider nicht funktioniert zu haben, denn letztes Wochenende fand vorerst die letzte Veranstaltung der Diskothek statt. Es stellt sich also die Frage: Warum? Ein Grund kann sein, dass nicht genug Gäst:innen erschienen sind und die Einnahmen zu gering waren. Ein anderer kann sein, dass die Maßnahmen zum Schutz solcher Kulturbetriebe fehlen. Zwar erließ die Bundesregierung mit ihrem „Corona-Schutzschild“ eines der „größten Hilfspakete in der Geschichte Deutschlands“, jedoch lassen sich schnell Probleme in diesem Paket erkennen. Zum einen sind viele weitere Maßnahmen den einzelnen Bundesländern überlassen, was heißt, dass der Standort ein massiver Faktor ist, inwieweit einzelne Förderungen auf einen zutreffen. So werden in Berlin wahrscheinlich Kulturbetriebe bessere Förderungen erhalten als zum Beispiel in anderen Bundesländern, da die Interessenvertretung für diese Unternehmen im Vergleich um einiges größer ist. Zum anderen fallen die direkten Finanzhilfen an Betriebe sehr gering aus. Für Betriebe mit bis zu maximal fünf Mitarbeiter:innen gibt es für die nächsten drei Monate 9.000 Euro, selbst für Betriebe mit bis zu maximal zehn Mitarbeiter:innen sind es dann nur 15.000 Euro. Was vielleicht erstmal wie viel Geld wirkt, kann nach abzuziehenden Kosten, wie Miete und Strom, schnell erheblich weniger werden – wobei das auch wieder abhängig vom jeweiligen Standort des Clubs ist. Auch lassen sich Problematiken am Steuerkonzept des Schutzschildes erkennen. Zwar lassen sich Steuervorauszahlungen fürs erste zurückerstatten, müssen aber irgendwann nachgezahlt werden. Da das Hilfspaket für die nächsten drei Monate vorgesehen ist, heißt das, dass nicht genau klar ist ab wann solche Zahlungen wieder verlangt werden. Hinzu kommt die Prognose, dass vor allem Clubs erstmal bis zum nächsten Jahr geschlossen bleiben sollten. Was passiert also nach den drei Monaten? 

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in nächster Zeit entwickelt. Feststeht, dass Clubs erstmal nicht mit weiteren Lockerungen rechnen können. So sollte es aber auch in der Verantwortung der Bundesregierung liegen, ein klares Konzept vorzulegen, wie man mit der Ausnahmesituation, die im Fall von Clubs vorliegt, umgeht, um auch diese Betriebe zu schützen. Das Fehlen von Räumen, die in vielen Fällen eine wichtige Rolle in der Identitätsstiftung einzelner Städte bilden und Institutionen der Kulturszene sind, wird auf die ein oder andere Art und Weise bemerkbar werden. Somit sollte die Schließung von Jacks Partyzentrale eine Warnung an uns alle sein, kulturelle Einrichtungen mit geringem wirtschaftlichem Mehrwert nicht zu vergessen und den gesellschaftlichen Wert anzuerkennen.   

                                          :Gerit Höller

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Routen neu entdecken https://bszonline.de/2020/04/29/routen-neu-entdecken/ https://bszonline.de/2020/04/29/routen-neu-entdecken/#respond Wed, 29 Apr 2020 15:07:18 +0000 https://bszonline.de/2020/04/29/routen-neu-entdecken/ Reportage. Egal ob Joggen oder Skaten, in letzter Zeit verbringen wir viel Zeit draußen. ALLEINE will ich doch hoffen! Immer die gleichen Wege zu gehen ist auf Dauer langweilig. Hier also meine Bewältigungsstrategien dieser Einöde menschlicher Bewegung.

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Reportage. Egal ob Joggen oder Skaten, in letzter Zeit verbringen wir viel Zeit draußen. ALLEINE will ich doch hoffen! Immer die gleichen Wege zu gehen ist auf Dauer langweilig. Hier also meine Bewältigungsstrategien dieser Einöde menschlicher Bewegung.

Mittlerweile sind keine-Ahnung-wie-viele Wochen seit dem Beginn meiner Isolation vergangen. Die anfängliche Euphorie, etwas Gutes zu tun, indem man sich selbst isoliert, weicht immer mehr dem Verlangen, Menschen zu umarmen und übers Gesicht zu lecken. Die Ungeduld macht sich langsam breit und immer öfters fragt man sich, ob das Disney+-Abo vielleicht doch noch nötig ist, da man gefühlt jede Serie durchgeschaut hat. Trotzdem bleib ich meiner Isolation treu. Mittlerweile mehr aus Prinzip als aus Solidarität und weil ich mir auch kein anderes Leben mehr vorstellen kann.

Mein träger Alltag wird nur durchbrochen durch meine tägliche Joggingeinheit. Ja, ich habe angefangen, zu joggen. Unter anderem habe ich auch aufgehört zu rauchen, Kaffee zu trinken, Fleisch zu essen und Alkohol zu trinken und ja, ich habe vor, es in Gesprächen dauerhaft zu erwähnen und zu erzählen, wie gut ich mich fühle. Aber hier geht es nicht darum, wie mein Körper mein Tempel ist, sondern um das Problem mangelnder Laufrouten in Bochum. Die gefühlt zwei Parks kennt man schnell in und auswendig. Für die meisten reicht vielleicht auch die Runde im Westpark, aber nicht mir. Ich brauche wechselnde Routen. Joggen ist für mich das neue feiern gehen. Hier sieht man sich oder wird gesehen. Ich mach mich hübsch fürs joggen, zieh mir die besten Laufschuhe an, trage die stylischsten Shirts und die freshesten Hosen.

Irgendwann kam mir dann die Idee, einfach loszulaufen und mir die Route während ich jogge, nicht zu planen. Auf einmal tat sich ein neues Bochum auf. Fernab von Hauptstraßen, durch Wohngebiete, die tatsächlich schön aussehen. Wohngebiete mit Bäumen und Pflastersteinen, alte Arbeitersiedlungen mit gigantischen Hinterhöfen und große leere Industriegebiete mit apokalyptischem Charme. Plötzlich entdecke ich Bochum fernab von meinen eingetretenen Pfaden. Erschrocken bemerke ich, wie ich über Jahre immer nur eine Seite dieser Stadt kennengelernt habe. Meine Anstrengungen, Bochum als ein vielfältiges Tohuwabohu wahrzunehmen, welches ich mir immer zu erträumen versuchte, standen nur mir selbst im Weg. Nie habe ich mal versucht diese Stadt wirklich zu entdecken.
Jeden Tag eine andere Route, eine neue Route. Jeden Tag Bochum in einer neuen Facette entdecken und immer wieder überrascht werden, welche netten Ecken es außerhalb der üblichen Lieblinge gibt. Und das alles ohne Körperkontakt, ohne Anfassen mit ein bis zwei Meter Abstand und Mundschutz. Auf einmal wird mein Aussehen unwichtiger, joggen ist nicht mehr gesehen werden, sondern entdecken, genießen.

Mein Appell also an Euch: Geht raus. Haltet Abstand. Entdeckt neue Routen und haltet euch   von den üblichen Ecken, in denen Ihr euch sonst so rumtreibt, fern. Biegt lieber mal links anstatt rechts ab und lauft ein wenig länger als sonst. Es wird wohl für die nächste Zeit einer der wenigen Tapetenwechsel sein, die wir uns mit gutem Gewissen leisten können. Jede Form der Abwechslung – die wohl im Moment bitter nötig ist – kann einer Person nur gut tun und ab und zu mal beim Spazieren gehen einen neuen Weg einzuschlagen, ist wohl die einfachste Art und Weise, dem Lagerkollaps für einige Minuten zu entkommen. Selbst wenn weitere Lockerungen zumindest zur Diskussion stehen, müssen wir uns im Klaren sein, dass wir noch weit vom Ende der Pandemie entfernt sind und uns weiterhin an die Vorschriften der sozialen Distanz halten sollten. Viel Spaß beim neu entdecken.

                  :Gerit Höller

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