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bsz: Weshalb habt Ihr den Blog gestartet, an wen richtet er sich und was ist das Ziel davon?
Die Idee zum wissenschaftlichen Blog entstand im Anschluss an eine Vortragsreihe, die sich mit kritischen Zugängen zur Islamwissenschaft und Arabistik befasste. Der Blog soll nun als langfristige Plattform für solche Themen dienen, die wir als Studierende in unserem Fach gerne stärker in der Lehre und Forschung vertreten sehen würden. Mit unserem Blog wollen wir Studierende sowie Studieninteressierte ansprechen, aber auch Wissenschaftler:innen, sowie Personen außerhalb der Wissenschaft, die sich für politische oder historische Themen interessieren. Wir wollen mit unseren Beiträgen unseren Leser:innen vermitteln, dass die islamisch geprägte Welt und der Islam eine lange und plurale Geschichte besitzen und es sich lohnt, sich mit anderen Regionen und Religionen auseinanderzusetzen, um Ähnlichkeiten zu entdecken, aber auch um anhand von Unterschieden möglicherweise die eigene Position besser zu verstehen. Die Beiträge bieten im Einzelnen Einblick in verschiedene Teilbereiche und das Potenzial, sich mit bestimmten Aspekten intensiver auseinanderzusetzen. Außerdem wollen wir aufzeigen, mit welcher riesigen Bandbreite an Themen sich die Islamwissenschaft und Arabistik auseinandersetzt und dass es in unserem Fach viele verschiedene Ansätze gibt, Wissenschaft zu betreiben. Unser Ziel ist, dass die Themen und Inhalte einem breiteren Publikum zugänglich werden.
bsz: Was ist Euer Plan betrefflich des publishen, der Autor:innen und der Themen?
Wir haben uns zum Ziel gesetzt, einen Beitrag pro Monat zu veröffentlichen, der jeweils zum Ersten auf unserer Seite erscheint. Wir möchten mit unseren Autor:innen eine Bandbreite abbilden, die ungefähr die Zielgruppe wiederspiegelt. Das heißt, dass wir nicht nur „fertigen“ Wissenschaftler:innen eine weitere Veröffentlichungsplattform bieten wollen, sondern insbesondere auch Studierenden, Doktorand:innen, sowie Personen außerhalb der Academia. Gerade für Studierende und Doktorand:innen kann es hilfreich sein, erste Erfahrungen im wissenschaftlichen Publizieren zu sammeln, was wir unterstützen wollen. Außerdem liegt uns eine interdisziplinäre Autor:innenschaft am Herzen. Viele Themen, die für die Islamwissenschaft relevant sind, werden auch in anderen Disziplinen behandelt, wie zum Beispiel in der Geschichtswissenschaft, in verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen, der Kunstgeschichte oder in der Sozialen Arbeit.
Thematisch ist alles Mögliche denkbar, da wir ein großes Spektrum abbilden wollen. Wir sind grundsätzlich für Themenvorschläge der Autor:innen offen. Das können zum Beispiel Themen sein, die sich mit Geschlechterverhältnissen, Kapitalismus, Gesellschaftsformen, Wirtschaft, (Macht-)Verhältnissen von Staat, Religion und Gesellschaft oder innerreligiösen Aspekten auseinandersetzen. Auch die Forschung im Fach an sich kann kritisch reflektiert werden.
Der nächste Text erscheint am ersten April und ist eine Übersetzung eines arabischen Textes zu islamischem Feminismus.
bsz: Inwiefern ist das Blog für Studierende relevant oder hat einen Bezug zum Studium?
Für Studierende ist der Blog vor allem in Bezug auf Einblicke in aktuell relevante Forschungsthemen und -gebiete relevant. Bei uns kann man einen Eindruck davon bekommen, mit welchen Themen sich Wissenschaft in unserem Fach beschäftigt. Wir wollen Studierende dazu anregen, selbst immer mehr zu hinterfragen und soziale Kontexte und historische Kontinuitäten zu berücksichtigen. Wir bemühen uns, dass die einzelnen Artikel auf unserem Blog auch ohne Vorwissen von Personen aus allen Disziplinen und auch außerhalb der Universität verstanden werden können, um unser Angebot möglichst niedrigschwellig zu halten.
Im besten Falle inspirieren unsere Beiträge die Studierenden zu eigenen Recherchen und Auseinandersetzungen, zu Kritikfähigkeit, oder dazu, selbst bei uns zu publizieren, damit ihr erarbeitetes Wissen nicht „in der Schublade verschwindet“. Damit möchten wir zu einer höheren Partizipation in der Wissenschaft anregen.
Wie gründet man so einen Blog und welche Unterstützung hat man dabei?
Das ist vom Fall zu Fall abhängig, theoretisch kann sich jede Einzelperson ohne weiteres bei einem der vielen Bloganbieter anmelden und sofort starten. In unserem Fall konnten wir auf die Unterstützung von unserem Institut und deren Mitarbeitenden zurückgreifen, insbesondere derer, die im Late Ottoman Palestinians-Projekt (LOOP) arbeiten. Dieses wissenschaftliche Projekt veröffentlicht auf einem Wissenschaftsblog Zwischenerkenntnisse. Daher konnten uns die Mitarbeitenden, insbesondere Olaf Berg und unser Professor Johann Büssow, auf Basis ihrer bisherigen Erfahrungen mit der hypotheses-Plattform, auf der auch unser Blog nun angesiedelt ist, beraten. Das hat uns vieles erleichtert und den Prozess ein kleines bisschen beschleunigt.
Das heißt allerdings nicht, dass es automatisch schnell zur ersten Publikation kam. Es war eine Menge Vorarbeit erforderlich, oft auch kleine Details, besonders beim Aufbau der Seite und was die Vorgaben für die Publikationen angeht. Allerdings ist das auch für uns ein „learning by doing“ und wir befinden uns weiterhin in einem Lernprozess.
Unterstützung erhalten wir bisher neben unserem eigenen Institut von der Fakultät der Philologie für unsere Öffentlichkeitsarbeit, und von der Studierendenschaft, besonders der FSVK, bei einem momentan in der Planung steckenden Best Paper Award.
Finden könnt Ihr den Blog hier: https://kritarab.hypotheses.org/
:Halima Okanović
]]>Mit Gaza verbinden viele Menschen nur die heutigen Bilder aus den Medien: umkämpfte Gebiete, Terror und der Konflikt zwischen den Israelis und Palästinensern. Doch dass die Stadt noch viel mehr ist beziehungsweise war, zeigt die Ausstellung „Gaza 1900 – Eine Stadt des östlichen Mittelmeers im Umbruch“. Diese nimmt das Leben und die Situation der Stadt Gaza um 1900 in den Blick.
Entstanden ist die Begehung dank einer Kooperation zwischen dem Zentrum für Mittelmeerstudien der RUB, dem RUB-Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaft sowie dem Department of Middle Eastern and Islamic Studies der Universität Haifa. An mehreren Stationen werden verschiedene Perspektiven der Stadt mit unterschiedlichen Methoden beleuchtet. Historische Fotos, Karten und Texte verdeutlichen die Themen wie Stadtentwicklung, Arbeitsleben und Lokalpolitik auf anschauliche Art und Weise. Wichtig für diese Forschung war eine Datenbank, die etwa 20.000 Bewohner*innen und deren Umland umfasst und auf eine osmanische Volkszählung aus dem Jahr 1905 zurückzuführen ist. Auch Besucher*innen, die sich nicht mit der Kultur auskennen, können viel Neues erfahren, kennenlernen und die Zusammenhänge verstehen. Zum Beispiel wird mit dem Klischee von den orientalischen Familien aufgeräumt. So erfährt man an einer Station, wie sich die Haushalte zusammensetzten. Diese konnten mehr als vierzig Leute umfassen, wobei nicht alle miteinander verwandt sein mussten. So gab es in einem Haushalt auch noch Diener*innen und mehrere Kernfamilien, die aus Vater, Mutter, Kind(er) bestanden. Es war selten und eher in reichen Familien üblich, dass in einem Haushalt mehr als zehn Mitglieder lebten.
Bereits seit fast vier Jahrhunderten gehörte Gaza um 1900 zum Osmanischen Reich. Etwa 25.000 Einwohner*innen zählte damals die Stadt. Die Region des östlichen Mittelmeers war von einem großen wirtschaftlichen und sozialen Wandel ergriffen. Dennoch blicken heute viele in Gaza nostalgisch auf diese Jahre zurück, in denen die europäische Hegemonie auf die osmanische Reformpolitik traf. Die Zeit um die Jahrhundertwende war für die Stadt eine Zeit des Aufbruchs. Daher wurde für das östliche Mittelmeer zwischen 1880 und 1914 der Begriff „levantinische Moment“ etabliert. Dieser bezeichnet, wie die traditionsreiche Stadt auf die Globalisierung mit ihrem technischen Fortschritt, Bildung und einer weitgehenden Reisefreiheit traf. Man versuchte sich an die Gegebenheiten anzupassen, indem zum Beispiel die Region zu den bevorzugten Getreidelieferanten für britische Brauereien wurde.
Eine große Veränderung brachte ebenfalls der Erste Weltkrieg, der das Ende des levantinischen Moments herbeiführte. Nachdem Deutschland und das Osmanische Reich den Krieg verloren, änderten sich einige Werte und Traditionen. „Vieles, was um 1900 als positiv gegolten hatte, wie offene Märkte und Grenzen, Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt, wurde nun als Zeichen eines Kulturverfalls gedeutet. Die Toleranz gegenüber Minderheiten aller Art nahm ab und wich dem Ideal einer homogenen Nationalgemeinschaft und Nationalkultur“, erklärt eine Infotafel. Gaza verlor die Stellung als Verkehrs- und Handelsknoten. Eine spannende Ausstellung über eine traditionsreiche Stadt, die durch verschiedene Umbrüche gehen musste.
:Maike Grabow
]]>Info:Box
Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober 2019 im Haus der Archäologien, Am Bergbaumuseum 31, Bochum, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.