Warning: Constant WP_DEBUG_DISPLAY already defined in /var/www/html/wp-config.php on line 111
Wer den Social-Media Kanälen der Ruhr-Universität Bochum folgt wird es wahrscheinlich schon mitbekommen haben. Das diesjährige Sommerfest wird getreu nach dem Jahresmotto gefeiert: „Wir können ja nicht einfach alles ausfallen lassen also machen wir es halt Online.“ Zumindest so fühlt es sich an. Unsere RUB Kanzlerin Dr. Christina Reinhardt sitzt auf einem Bierkasten – natürlich original von Fiege – und eröffnet uns die frohe Botschaft, dass das Sommerfest stattfinden wird. Das alles vor dem von jeder:jedem Studierenden am meisten vermissten Gebäude; die gute alte Bib. Die Botschaft wirkt jung, hip und cool. „Wir alle haben uns mal wieder verdient, uns auf etwas zu freuen“, so die Kanzlerin. Ein Sommerfest, um die Gemüter zu beruhigen mit all den obligatorischen Livestream Klassikern. Vielleicht ein DJ Set auf dem Dach, während die Sonne untergeht? Oder eine Band auf der Terrasse der Mensa, während die Sonne untergeht? Oder generell irgendwas irgendwo, während die Sonne untergeht? Hauptsache die Sonne geht parallel unter – wegen des feelings.
So ulkig die Videos auch scheinen mögen, die in letzter Zeit von Seiten der RUB kommen – verdient haben wir tatsächlich ein wenig Entspannung. Onlinesemester, Hackerangriff, Geldprobleme – mindestens eines dieser Themen beschäftigt gerade zu hundert Prozent die gesamte Studierendenschaft. Es ist also verständlich, dass die Uni händeringend nach irgendeiner frohen Botschaft sucht, die sie ihren Studierenden geben kann. Selbst wenn es nur ein Sommerfest ist. Schnell kam dann auch ein zweites Video. Diesmal auf dem Kasten stehend. Mit Fernrohr … Wir sollen unsere Lieblingspassagen von Herberts Hymne an unser geliebtes 447 singen und die Videos an die Uni schicken. Schnell kam dann auch schon eine kleine Zusammenstellung verschiedener schiefer Passagen und Tanzeinlagen.
Es zeigt sich dann vielleicht doch, dass das Onlinesemester die Medienkompetenz gewisser Institutionen fördert. Zumindest bekommt der Instagram Kanal der RUB gerade höchstes Meme-Potential und auch sonst wirkt Dr. Christina Reinhardt sehr selbstsicher auf ihrem Fiege Kästchen. Wer weiß, vielleicht kriegen wir ja als Highlight des Abends Peter Kardell vor die Kamera. Zumindest wäre das mein persönliches Highlight – mittlerweile wächst meine Fantasie über diesen Mann aber auch zu einem Bild zusammen, das vielleicht besser nicht zerstört werden sollte. Die ganze Aktion verhofft auf jeden Fall zumindest ein wenig Lockerung vom sonst sehr trägen Quarantäneleben. Selbst wenn es nur ein weiterer Livestream von vielen zu werden scheint.
Das Sommerfest hat irgendwo tief in meinem Herzen einen Platz gefunden. Vielleicht liegt das aber auch nur an dem günstigen Alkohol, der jährlich feucht fröhlich verteilt wird.
Das Online-Sommerfest: Wird es nun gut oder schlecht, das sei erstmal in den Raum gestellt. Entscheidend doch dann irgendwie die Geste. Vielleicht ist die auch schon ausreichend, um aus der Aktion mehr zu nehmen als einen verzweifelten Versuch irgendwie etwas wie Normalität wieder zurückzubringen. Vielleicht zeigt es auch, dass Frau Dr. Reinhardt und ihr Team sich Gedanken machen und die Situation wahrscheinlich genauso scheiße finden wie wir. Vielleicht suchen wir alle nur einen Weg uns das Leben ab und zu zu versüßen. Vielleicht ist ein Sommerfest auch genau das, was wir alle im Moment brauchen.
:Gerit Höller
]]>Für viele kommt die Nachricht, dass Großveranstaltungen untersagt sind, nicht überraschend. Es scheint nur eine weitere Konsequenz der momentanen Krise zu sein… Unser alltägliches Leben wird mittlerweile nur noch von einem Thema dominiert und langsam kommt es einem wie Alltag vor. Es kann daher leichtfallen, die Absage von Großveranstaltungen nicht allzu ernst zu nehmen, solange man nicht direkt davon betroffen ist. Vor allem, da wohl viele im Moment andere Sorgen haben, als unbedingt ihren verlorengegangenen Festivalsommer. Trotzdem sollte man sich auch hier vor Augen führen, dass die Absage von Veranstaltungen wie Bochum Total massive Einschnitte für die bereits geschädigten Gastronomiebetriebe bedeutet. Bei dem Festival werden jährlich schätzungsweise 90.000 Besucher*innen erwartet. Dementsprechend richteten sich auch dieses Jahr wieder viele Kleinladenbesitzer*innen, Gastronom*innen und andere Berufsgruppen auf das Festival ein, das jetzt abgesagt werden musste, um die Eindämmung des Virus zu gewährleisten.
Dass diese Maßnahme ihre Berechtigung hat, lässt sich wahrscheinlich nicht anzweifeln. Dort, wo viele Menschen auf einmal zusammenkommen und sogar an diesen Orten Essen serviert wird, ist die Gefahr einer Ansteckung besonders hoch. So wird die Aussicht auf Ende August aber wahrscheinlich für viele Gastronom*innen auch nur eine Spekulation. Die Forderung vieler: Eine klare Ansage und größere Hilfeleistungen. So kam es auch in Bochum letzten Donnerstag dazu, dass Gastronom*innen mit 322 leeren Stühlen vor dem Rathaus protestierten. Mit der langsamen Öffnung fast aller Einzelhandelsbetriebe kehrt für viele so etwas wie Normalität in den Alltag zurück. Vor allem dadurch, dass Nordrhein-Westfalen massiv viele Sondergenehmigungen für Geschäfte hat, die eine Verkaufsfläche von über 800 Quadratmetern haben. Die Veranstaltungsindustrie ist dabei von den Sonderregelungen fürs erste ausgeschlossen, aus gutem Grund.
Die Absage von Großveranstaltungen ist ein großer Einschnitt für die Veranstaltungswirtschaft und wirft viele Fragen auf, wie man große wirtschaftliche Zweige, wie die Veranstaltungs- und Gastronomieindustrien, in der heutigen Zeit unterstützt. Zumindest reden wir hier laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband von knapp 222.000 Betrieben mit über 90 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Zudem steht die Branche auch immer wieder in der Kritik wegen schlechter Arbeitsbedingungen für ihre Angestellten, welche am Ende diejenigen sind, die wohl am Meisten an den Maßnahmen leiden werden. Es gilt also auch hier für die Bundesregierung dafür zu sorgen, dass auch diese Berufsgruppe geschützt wird, sodass in Zukunft – nach der Krise – der Alltag funktional weitergeführt werden kann und nicht viele Inhaber*innen um ihre Existenz fürchten müssen. Es scheint im Moment ein wirklicher Drahtseilakt zu sein, die verschiedenen wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise möglichst gut abzufedern. Dabei rückt auch immer mehr die Diskussion eines Bedingungslosen Grundeinkommens in den Fokus, zumindest zur Überbrückung der Pandemie. Eine Grundsicherung derer, die sonst nichts haben, um Schlimmeres zu verhindern. Eine Lösung, die zumindest weiterhin im Diksurs bleiben sollte.
:Gerit Höller
Bilder: kiki