Warning: Constant WP_DEBUG_DISPLAY already defined in /var/www/html/wp-config.php on line 111 Schreiben | BSZ https://bszonline.de Deine Bochumer Stadt- & Studierendenzeitung Thu, 10 Nov 2022 08:56:09 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 https://bszonline.de/wp-content/uploads/2022/11/cropped-favicon-32x32.jpg Schreiben | BSZ https://bszonline.de 32 32 Bremer Uni hat den Kaffee auf https://bszonline.de/2022/01/22/bremer-uni-hat-den-kaffee-auf/ https://bszonline.de/2022/01/22/bremer-uni-hat-den-kaffee-auf/#respond Sat, 22 Jan 2022 19:59:18 +0000 https://bszonline.de/2022/01/22/bremer-uni-hat-den-kaffee-auf/ Eine Bremer Privat-Uni hat einen neuen Investor. Der soll die finanziell kränkelnde Hochschule vor dem Ruin retten.

 
]]>
Eine Bremer Privat-Uni hat einen neuen Investor. Der soll die finanziell kränkelnde Hochschule vor dem Ruin retten.

Im Jahr 2001 eröffnete die private Hochschule International University Bremen ihre Tore für Studierende aus aller Welt. Ihrem Namen wurde sie dabei auf jeden Fall gerecht, denn sie zählt zu den internationalsten Universitäten Deutschlands, und 1.500 Studierende aus über 100 Ländern gingen und gehen dort ihrer Ausbildung nach. Sofern sie ein Stipendium haben, oder das nötige Geld, sich die bis zu 20.000 Euro hohen Studien- und Unterkunftsgebühren leisten zu können. Nach einer anfänglichen Finanzspritze durch die Freie Hansestadt sollte die Hochschule sich durch private Hand finanzieren, ein Plan, der jedoch nie wirklich aufging, weshalb stets weitere Steuergelder in die Finanzierung flossen. Bereits 2006 wurden die finanziellen Probleme jedoch besonders schwerwiegend, woraufhin die Jacobs Foundation 200 Millionen Euro investierte und eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Gesellschafteranteile erwarb. Von der mit der Kaffee-Dynastie Jacobs verbundenen Stiftung übernahm die Uni auch ihren neuen und aktuelle Namen, Jacobs University Bremen. Doch auch diese Ära scheint nun ihr Ende zu finden.

Bereits im Sommer 2020 kündigte die Jacobs Stiftung an, sich aus der Finanzierung der JUB zurückzuziehen, und ihre Anteile gingen einige Monate später übergangsmäßig an die Stadt Bremen, die seitdem neue Investoren sucht. Pläne einer Kooperation mit dem chinesischen Konzern Neusoft scheiterten, wohl auch an Bedenken der Bundesregierung. Im September 2021 konnte dann ein Erfolg verkündet werden: Mit dem russischstämmigen Multimillionär Serguei Beloussov, Gründer und Geschäftsführer des Schaffhausen Institute of Advanced Learning (SIT), hat sich ein Käufer für die Anteile gefunden. Das Institut ist nun mit 66,68 Prozent Mehrheitsanteilseigner Im Gegensatz zu vorherigen finanziellen Krisen, plane dieser auch laut eigenen Aussagen keinen Personalabbau an der Hochschule, die er mit einer Investition in Höhe von 50 Millionen Euro modernisieren will. Doch wer ist der neue Investor?

Beloussov, der einen Master-Abschluss in Elektrotechnik & Physik sowie einen Doktortitel der Informatik hat, ist vor allem in der Computer- und Softwarebranche tätigt. So gründete er 2002, damals bereits Staatsbürger von Singapur, die Tech-Firma Acronis, die Lösungen für Datensicherung und -wiederherstellung bietet. Beloussov fungierte zwischenzeitlich außerdem als CEO der Software Firma Parallels, Inc. und war Mitgründer der Wagniskapital-Firma Runa Capital. Interesse an der Bremer Privatuni hat er wohl vor allem als Gründer des bereits erwähnten Schaffhausen Institute. Das SIT ist ein gemeinnütziges Institut in der Schweiz, welches Beloussov 2019 gründete. Digitalisierung und Informatik gehören zu den Schwerpunkten, und Kooperationen gibt es bisher mit der Carnegie Mellon University, einer Privatuni in Pittsburgh, Pennsylvania und der National University of Singapore. Die JUB wird, mit dem Institut als neuer Hauptanteilseigner, wohl in naher Zukunft ebenfalls Kooperationspartner. 

Die Zeichen stehen gut für die Bremer Uni, dass fürs erste die finanziellen Sorgen überwunden sind. Trotz ihres Rückzuges wird die Jacobs Stiftung bis einschließlich 2027 noch die bereits zugesagten Fördergelder in Höhe von 60 Millionen Euro an die Hochschule zahlen. Besonders die Stadt Bremen wird hoffen, dass in Zukunft keine Investitionen ihrerseits in die, bald wohl unter neuem Namen auftretende, Jacobs University ihre sowieso schon knappen Mittel belastet.          :Jan-Krischan Spohr

 
]]>
https://bszonline.de/2022/01/22/bremer-uni-hat-den-kaffee-auf/feed/ 0
Unterstützung in der Online-Lehre https://bszonline.de/2022/01/22/unterstuetzung-der-online-lehre/ https://bszonline.de/2022/01/22/unterstuetzung-der-online-lehre/#respond Sat, 22 Jan 2022 19:54:54 +0000 https://bszonline.de/2022/01/22/unterstuetzung-der-online-lehre/ Wer nach Hilfe für das digitale Lernen oder Lehren sucht, sollte sich die Angebote des Schreibzentrums anschauen.

 
]]>
Wer nach Hilfe für das digitale Lernen oder Lehren sucht, sollte sich die Angebote des Schreibzentrums anschauen.

Auch schon vor der Pandemie war es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten, wenn es um formale Anforderungen bei wissenschaftlichen Arbeiten oder auch einfach den Umgang mit Moodle ging. Grundsätzlich ist es deshalb extrem ratsam, am Anfang des Studiums ein Tutorium zu besuchen, wo es einen Crash-Kurs mit allem, was man in den nächsten Semestern anwenden muss, gibt, der vorzüglicher Weise auch direkt auf das eigene Studienfach ausgelegt ist. Allerdings kann natürlich auch mit besuchtem Tutorium die ein oder andere Schwierigkeit beim Schreiben für die Uni auftreten, denn jede:r lernt und arbeitet am besten auf seine eigene Weise. Wer für sich selbst noch nicht die richtige Herangehensweise gefunden hat oder einfach mal wieder neue Impulse für das mittlerweile vielleicht etwas eingestaubte Home-Office braucht, sollte sich mit den Angeboten der Schreibberatung an der RUB vertraut machen.

Dafür kann man beispielsweise ihre Online-Sprechstunde nutzen, in der immer mittwochs von 15 bis 16 Uhr geschulte studentische Mitarbeiter:innen auf Euch warten, um Fragen zu Zoom und Moodle zu beantworten oder auch Tipps zur Organisation des Studienalltags geben können. Einen Link zur Sprechstunde erhaltet Ihr, wenn Ihr hier ein kurzes Formular ausfüllt: https://tinyurl.com/Sprechstunde. Speziell für Erstsemester gibt es auch einen Moodle-Kurs, der den Einstieg in das Uni-Leben erleichtern soll. Außerdem bietet das Schreibzentrum im Zentrum für Wissenschaftsdidaktik (ZfW) auch Unterstützung in Präsenz an. Immer dienstags von 10 bis 13 Uhr und freitags von 13 bis 16 Uhr gibt es in Gebäude FNO auf der Etage 02 in Raum 35 die Schreibberatung von Studierenden für Studierende. Zudem werden regelmäßig Mini-Workshops über Zoom angeboten, die sich um speziellere Hürden bei der Schreibarbeit kümmern. So wird es am 21.01. von 12 bis 15 Uhr einen Workshop mit dem selbsterklärenden Titel „Die erste Hausarbeit schreiben“ geben, der wohl besonders für das bald anstehende Semesterende für viele Teilnehmer:innen interessant werden könnte. In den Wochen darauf geht es in Veranstaltungen wie „Wissenschaftlich formulieren“ oder „Der rote Faden: Texte strukturieren“ um konkretere Aspekte, um die Hausarbeit oder das Essay auf den richtigen Weg zu bringen. Aber auch schon für die Recherche werden Euch in „Wissenschaftliche Texte lesen“ oder „Das Schreiben planen“ einige Tipps und Tricks ans Herz gelegt. Hier findet Ihr eine genaue Übersicht mit den Terminen zu den jeweiligen Veranstaltungen: www.zfw.rub.de/sz/mini-workshops. Um Euch anzumelden, schreibt einfach eine Mail mit eurem Namen und dem Workshop, den Ihr besuchen möchtet an schreibzentrum@rub.de. 

:Henry Klur

 

 

]]>
https://bszonline.de/2022/01/22/unterstuetzung-der-online-lehre/feed/ 0
Lasst das Schreiben beginnen https://bszonline.de/2020/07/22/lasst-das-schreiben-beginnen/ https://bszonline.de/2020/07/22/lasst-das-schreiben-beginnen/#respond Wed, 22 Jul 2020 21:31:02 +0000 https://bszonline.de/2020/07/22/lasst-das-schreiben-beginnen/ Hilfe.Das Ende des Semesters heißt Klausur und Hausarbeitsphase. Wie Ihr bei Hausarbeiten an wichtige Texte kommt und grundsätzliche Schreibhilfe bekommen könnt, erfahrt Ihr hier. 

]]>
Hilfe.Das Ende des Semesters heißt Klausur und Hausarbeitsphase. Wie Ihr bei Hausarbeiten an wichtige Texte kommt und grundsätzliche Schreibhilfe bekommen könnt, erfahrt Ihr hier:

Klassisch in die Bibliothek

Natürlich ist die Bibliothek die erste Anlaufstelle für Literatur, wenn eine Hausarbeit ansteht. Über das Portal der Uni habt Ihr die Möglichkeit, Euch einen ersten Überblick zu verschaffen. Wichtig hierbei: Die Unibib bietet verschiedene elektronische Medien an, die Euch bei der Recherche helfen können.
Eine Auflistung findet Ihr hier: tinyurl.com/BIBatHome.

Kulanzangebote Online 

Einige Verlage haben sich dafür entschieden, ihr Angebot kostenlos zur Verfügung zu stellen. Hierbei ist es wichtig, dass wenn Ihr das Angebot nutzen wollt, Ihr am besten über den VPN-Tunnel der Ruhr-Uni unterwegs seid. Auf tinyurl.com/Kulanzangebote bekommt Ihr eine Liste mit den Verlagen, die nach Fächern gegliedert sind und auch direkt die Information, welche Literatur zur Verfügung steht und ob Ihr einen VPN-Tunnel-Zugang benötigt. 

Wichtig! Einige Verlage haben ihre Kulanzangebote, nur noch bis Ende des Monats laufen. Also: Schnelle
Vorrecherche lohnt sich!

Workshops

Zu einer Hausarbeit gehört nicht nur die richtige Recherche, sondern auch das richtige Zitieren. Hierfür bietet die UB auch wieder kleine Workshops und Sprechstunden via Zoom an. Auf ub.rub.de/informationen/onlinekurse.html könnt Ihr Euch in Kurse einbuchen. 
Pro Tipp: Schaut auch auf dem YouTube-Kanal der UB vorbei. Dort bekommt Ihr auch viele Antworten auf Eure Fragen.

Schreibzentrum

Die Schreibberatung von Studierenden bietet einen eigens angelegten Moodle-Kurs an und Ihr könnt Euch Impulse für die Ausarbeitung oder zur Präzisierung der Fragestellung holen.
tinyurl.com/MoodleSchreiben.
Und wer gar nicht weiß wie er:sie zum Schreiben kommt, kann sich für die Online-Schreibwoche im August anmelden: tinyurl.com/Schreibwoche 

:Abena Appiah

]]>
https://bszonline.de/2020/07/22/lasst-das-schreiben-beginnen/feed/ 0
„Für die Freiheit“: Einer für Alle https://bszonline.de/2019/12/05/fuer-die-freiheit-einer-fuer-alle/ https://bszonline.de/2019/12/05/fuer-die-freiheit-einer-fuer-alle/#respond Thu, 05 Dec 2019 12:15:14 +0000 https://bszonline.de/2019/12/05/fuer-die-freiheit-einer-fuer-alle/ Presserecht. Der Journalist Deniz Yücel saß ein Jahr in einem türkischen Hochsicherheitsgefängnis, weil er regimekritisch berichtete. Seine Dokumentation „Agentterrorist“ stellte er im Schauspielhaus vor.

]]>
Presserecht. Der Journalist Deniz Yücel saß ein Jahr in einem türkischen Hochsicherheitsgefängnis, weil er regimekritisch berichtete. Seine Dokumentation „Agentterrorist“ stellte er im Schauspielhaus vor.

Bücherseiten, eine abgebrochene Plastikgabel, übriggebliebene Soße: Als ihm nicht einmal Papier und Stift zur Verfügung standen, entwickelte er Zwecklösungen, schreibt der Welt-Korrespondent Deniz Yücel über das Jahr im türkischen Hochsicherheitsgefängnis Silivri Nr. 9. Alles um das Schreiben, die Worte über diese „Symphonie aus Stahl, Stacheldraht und Beton“ hinwegzuretten, die die Unfreiheit ist. Yücel stellte sein Buch „Agentterrorist“ über die Zeit in Versteck und Isolationshaft, das er auf Sizilien nach seiner Freilassung im Februar 2018 schrieb, am Mittwoch in den ausverkauften Kammerspielen vor. Die Lesereise begreift Yücel auch als „Dankeschön-Tour“ für die internationale Solidarisierungskampagne #freeDeniz.
Als er 2015 das Angebot bekam, von der taz zur Welt zu wechseln, habe das auch bedeutet, von Berlin nach Istanbul zu gehen, in die „Stadt der Katzen“, durch die das Meer mitten hindurchfließe. Dass Yücel nicht fertig ist, mit dieser Türkei, wird erkenntlich an den sanften Worten mit der er sie beschreibt, doch führe er derzeit eine „Fernbeziehung“ zu ihr. Auch, wenn er bald wieder journalistisch tätig sein wolle, so vorerst nicht in der Türkei; zu eindringlich die Erfahrungen in der „Nichtsodemokratie“ unter Recep Tayyip Erdoğan, im „größten Journalisten-Knast der Welt“. Seit Verhängung des Ausnahmezustands nach dem gescheiterten Militärputsch 2016, machen es sich Regierung und Polizei noch einfacher, Journalist*innen, und – worauf Yücel hinweist – auch andere Regimekritiker*innen wie Anwält*innen, in Scharen und ohne richterlichen Beschluss festzunehmen. Yücel, laut Erdogan „PKK-Terrorist“ und „deutscher Agent“, daher der Buchtitel, berichtet trotz der Ernsthaftigkeit der Thematik recht unterhaltsam von seinem Versteck in der Sommerresidenz des deutschen Botschafters, dem Austausch mit der Bundesregierung und dem öffentlichkeitswirksamen Kampf um seine Freiheit. „Autoritäre Regime haben immer auch eine komische Seite“ und: „Was man in dem Moment nicht ändern kann, kann man auslachen“, argumentiert er und erzählt vom Tee mit dem Polizeipräsidenten, der ihn kurz darauf festnehmen ließ und, dass ihm eine Zeit lang ausschließlich die Briefe seiner Schwiegermutter zugestellt worden seien. „Es darf ihnen nicht gelingen, mich zum Schweigen zu bringen“:

Dass Yücel auf seiner Lesereise immer wieder die gleichen Anekdoten und Phrasen zitiert, ist wohl unvermeidbar und dass sein „Ich habe gekämpft“ teilweise selbstheroisierend wirkt, so gewollt. Weiterhin setzt Yücel aber, als Schreibender, der Sichtbarkeit möchte, ein klares Zeichen. Es sollte deutlich sein, dass er – ob selbsternannt oder nicht – als „Posterboy der Pressefreiheit“ nur stellvertretend für so viele ungenannte Journalist*innen stehen kann, denen weltweit und speziell in der Türkei, Meinung und Worte geraubt werden und, welche noch immer nicht „frei“ sind. Yücels atmosphärische und individuelle Erlebnisberichte bekommen so spätestens ihre politische Bedeutung, wo sie auf strukturelle, gesamtgesellschaftliche Missstände – auch in Deutschland – hinweisen. So hätten, anders als viele Personen der Öffentlichkeit, die meisten großen deutschen Wirtschaftskonzerne, die #freeDeniz-Kampagne nicht unterstützen wollen. Nur die Deutsche Bahn habe zugesagt, die Allianz etwa nicht: „Ich finde nicht, dass man in Länder wie die Türkei oder auch China gar nicht mehr investieren sollte. Doch bei Milliarden-Aufträgen hat man eine gewisse Verantwortung. Von dieser kann man Gebrauch oder sich zum Komplizen machen“, so Yücel am Mittwochabend. 

:Marlen Farina

]]>
https://bszonline.de/2019/12/05/fuer-die-freiheit-einer-fuer-alle/feed/ 0
Zwischen Theater und Talenteschmiede https://bszonline.de/2019/11/12/zwischen-theater-und-talenteschmiede/ https://bszonline.de/2019/11/12/zwischen-theater-und-talenteschmiede/#respond Tue, 12 Nov 2019 15:58:55 +0000 https://bszonline.de/2019/11/12/zwischen-theater-und-talenteschmiede/ Poetry Slam. Im Ruhrgebiet hat sich über 25 Jahre eine große Poetry Slam-Szene etabliert. Aus ihrer Offenheit generieren sich nicht nur Schwächen, sondern vielleicht auch Chancen.

]]>
Poetry Slam. Im Ruhrgebiet hat sich über 25 Jahre eine große Poetry Slam-Szene etabliert. Aus ihrer Offenheit generieren sich nicht nur Schwächen, sondern vielleicht auch Chancen.

„Mein Beileid“, war die Reaktion eines Kommilitonen auf meine Ankündigung, mir „Best of Poetry Slam“ im Schauspielhaus anschauen zu wollen; „armselig“ kommentiert ein Freund meiner Mutter das Vorhaben. Steht es derart schlecht um die urbane Schreib- und Vortragszene? Beim jährlich von WortLautRuhr organisierten Event gibt es keine offene Liste, sondern reisen besonders erfolgreiche Slammer*innen aus dem deutschsprachigen Raum an. So traten am Samstag mit Friedrich Herrmann, Caroline Benz und Jan Cönig drei Landesmeister*innen und mit Pauline Behrendt die aktuelle U20-Meisterin an. Die Moderation übernahm wieder Slam – „Altmeister“ Sebastian 23, welcher sich bereits seit ihren Anfängen vor 25 Jahren in der Poetry Slam- Szene bewegt.

Von mangelndem Interesse konnte keine Rede sein: Der Große Saal war gefüllt mit Gäst*innen allen Alters, die die Slammer*innen, welche jeweils zwei Texte a maximal sechs Minuten vortrugen, mit Lachern und Jubel belohnten. Die Jury, die sich aus fünf Zuschauer*innen zusammensetzte, vergab überwiegend hohe Punktzahlen zwischen sieben und neun von zehn möglichen Punkten – wobei der Text des Gesamtgewinners Friedrich Herrmann über „fragile Männlichkeit“, die sich im Coachingprogramm „Alpha Mentoring“ des Rappers Kollegah ausdrücke, mit 27 Punkten die beste Wertung erhielt. Die Slammer*innen deckten verschiedenste Themen ab, die Ausgestaltung blieb oft vorhersehbar: Carolines Text „Niemals aufhören zu essen“ über Deutsche im Pauschalurlaub war humoristisch ein Highlight, während Jans Erzählungen über Kindergartenkinder sich in ihrer Situationskomik an Klischees orientierten. Paulines wortgewaltiger „Mutausbruch“ über die Notwendigkeit, Gefühle und Gedanken auszusprechen, wenn man wütend, traurig oder verliebt sei, ging ihrem etwas pathetischen Text „Der Wunsch“ über den Klimawandel voraus.

Für Sebastian hat sich die Szene positiv entwickelt; sie sei größer, für die Poet*innen einträglicher und diverser geworden; der Frauenanteil von etwa zehn auf fünfzig Prozent gestiegen. Auch die zunehmende Beschäftigung mit politischen Themen begrüßt Sebastian. „Ich weiß, dass Poetry Slam belächelt wird und das hat eine gewisse Berechtigung; im Vergleich sind die Texte oft durch Einfachheit geprägt“, sagt er im Gespräch über das Standing der Szene in der Literaturlandschaft: „Das ist aber Absicht: Es handelt sich um ein Format, das Texte für das Publikum zugänglich erfahrbar macht“ – anders als Lyrik-Lesungen, die oft schlecht besucht seien. Im Gegenteil zu Caroline und Friedrich – letzterer merkt selbstironisch an: „Die Literaturszene hat die besseren Texte, wir die besseren Leute“ – nimmt Sebastian die Kluft zwischen Comedy, Literatur und Slam weniger wahr. Es gäbe ausbaufähige Schnittmengen und einige renommierte Künstler*innen hätten als Slammer*innen gelernt vor Publikum zu sprechen, darunter Felix Lobrecht, Hazel Brugger, Sophie Passmann, Nora Gomringer und Saša Stanišić.

Auf einer Bühne zu performen sei sicherlich nicht für jede*n etwas, die Szene biete aber die Möglichkeit, sich ganz ohne elitäre Jury einfach einmal auszuprobieren und sie nach eigenen Vorstellungen mit zu gestalten. Ganz nach Paulines Motto: „Wer mutig ist, der spricht […] Wo Sätze keinen Ausspruch finden, bleibt was leer“. WortLautRuhr veranstaltet offene Events, wie den New Generation Slam im I AM LOVE (nächstes Mal: 19.November.); den monatlichen Slam „Unendlich viele Affen“ im Riff (17. November) und den „Schreibtisch Bochum“, der als Austausch -und Workshopangebot für Einsteiger*innen fungiert (1. Dezember.). Am 10. Dezember veranstaltet der AStA einen Campus-Slam im KulturCafé (Anmeldeschluss: 25. November).  

                                  :Marlen Farina

]]>
https://bszonline.de/2019/11/12/zwischen-theater-und-talenteschmiede/feed/ 0
Unser Grubengold und unser Staub https://bszonline.de/2019/10/29/unser-grubengold-und-unser-staub/ https://bszonline.de/2019/10/29/unser-grubengold-und-unser-staub/#respond Tue, 29 Oct 2019 09:41:43 +0000 https://bszonline.de/2019/10/29/unser-grubengold-und-unser-staub/ Lokalliteratur. Die musikalisch-literarische Reihe „Bücher des Ruhrgebiets“ der Kammerspiele thematisiert lokale Geschichte(n) von Krieg, Kohle und Kolleg*innen.

]]>
Lokalliteratur. Die musikalisch-literarische Reihe „Bücher des Ruhrgebiets“ der Kammerspiele thematisiert lokale Geschichte(n) von Krieg, Kohle und Kolleg*innen.

Wenn wir Geschichten konsumieren, dann oft, um gedanklich fortzureisen. Aber: „Ich kann nur über etwas schreiben, was ich kenne“, sagte Herbert Grönemeyer mal in einem ZEIT-Interview. Er hat den „Pulsschlag aus Stahl“ so anschlussfähig beschrieben, dass seine Bochum-Hymne zu sämtlichen Gelegenheiten inbrünstig mitgeschmettert wird. Auch das Schauspielhaus bietet mit der musikalisch-literarischen Lesereihe „Bücher des Ruhrgebiets“ Poesie und Prosa über Geschichte und Lebensgefühl des Ballungsgebiets eine Bühne. Den Auftakt machte Samstag eine Ensemble-Lesung aus Ralf Rothmanns Romanen „Milch und Kohle“ (2002) und „Junges Licht“ (2006). Der Zeitgenosse Grönemeyers, der im Oberhausen der Nachkriegszeit aufwuchs, skizziert in autobiografischen Werken mit atmosphärischer Klarheit die einfachen Lebenswelten der Arbeiter*innenschicht. Das Ensemble las mit verteilten Stimmen Romanausschnitte, die manchmal ein wenig zusammenhanglos daherkamen. Ein Highlight waren dafür die Musikhits aus den 60ern wie „No Milk Today“ oder „Sixteen Tons“. Rothmanns Alltagsdarstellungen zwischen Zeche, vorpubertärer Verliebtheit und den italienischen Bergbaukollegen, deren Lebensfreude die erstarrten Gesichtszüge der Ruhrgebietler*innen auflockert, sind humoristisch. Doch von Lokalpatriotismus kann keine Rede sein; auch familiäre Entfremdung und häusliche Gewalt werden thematisiert und mittels kriegsbedingter Traumata und Verdrängung der erwachsenen Figuren wird an das historische Erbe unserer Region erinnert. So liest die Mutter des „Milch und Kohle“-Protagonisten desillusioniert aus Jesaja 53: „‚Durch seine Wunden sind wir geheilt.‘ Ist das wahr, Simon, sind wir geheilt?“ Im zweiten Teil der Reihe am 14. Dezember werden Texte von Pott-Persönlichkeiten wie Erika Runge und Werner Streletz inszeniert.

:Marlen Farina

]]>
https://bszonline.de/2019/10/29/unser-grubengold-und-unser-staub/feed/ 0
Was macht eigentlich… das Schreibzentrum? https://bszonline.de/2019/07/29/was-macht-eigentlich-das-schreibzentrum/ https://bszonline.de/2019/07/29/was-macht-eigentlich-das-schreibzentrum/#respond Mon, 29 Jul 2019 15:49:00 +0000 https://bszonline.de/2019/07/29/was-macht-eigentlich-das-schreibzentrum/ Kämpfst Du mit einem Text? Das Schreibzentrum an der RUB bietet Hilfe: kostenlose Beratung, Schreibgruppen und Workshops.

]]>
Kämpfst Du mit einem Text? Das Schreibzentrum an der RUB bietet Hilfe: kostenlose Beratung, Schreibgruppen und Workshops.

Hausarbeiten. Neben Dir stapeln sich die Bücher und in Deinem Kopf die Ideen. Aber Du bekommst sie einfach nicht geordnet aufs Papier. Und immer wieder der Gedanke an die drohende Deadline. Wie ein kleiner Nadelstich. Wo anfangen? Was rauslassen? Bei allen Fragen und Problemen rund um das Thema „Schreiben im Studium“ hilft das Schreibzentrum im Zentrum für Wissenschaftsdidaktik (ZfW).
 „Schreiben – das muss ich doch können“, gibt Maike Wiethoff, die Leiterin des Schreibzentrums, eine falsche Vorstellung wieder, die unter Studierenden herrsche. Wissenschaftlich Schreiben sei etwas, was man lernen und worin man viel Erfahrung sammeln müsse. Das deutsche Universitätssystem biete selten die nötige Unterstützung, so Wiethoff. Obwohl es in einigen Fächern zu Beginn des Studiums Tutorien gebe, beschränkten sich diese oft auf formale Fragen. Zu den strukturellen Problemen käme hinzu, dass einige Studierende einem hohen Perfektionismus und gedanklichen Blockaden ausgesetzt seien.
Diese Leerstelle versucht das Schreibzentrum zu füllen, welches 1997 gegründet wurde und seit April im FNO ansässig ist. Der Trend kommt aus den USA, wo schon lange „Writing Center“ existieren. Das regelmäßigste Angebot sind die individuellen Schreibberatungen: In Sitzungen zu zweit kann intensiv über verschiedene Textprojekte wie eine Hausarbeit, ein Exposé oder eine Dissertation gesprochen werden. Wie alle Angebote können Studierende, Lehrende oder Forschende die Beratungen so lange kostenlos nutzen, wie sie wollen. Studierende können sich von anderen Studierenden, also vom Schreibzentrum ausgebildeten und angestellten Tutor*innen, in der Lernlandschaft der UB beraten lassen (1. OG). Ohne Termin kann man dort montags bis freitags zwischen 10 und 16 Uhr vorbeischauen. Je nach Vorliebe können auch Beratungstermine mit Mitarbeiter*innen des Schreibzentrums per E-Mail an schreibzentrum@rub.de vereinbart werden.

Daneben gibt es Peer-Beratungen, Schreibgruppen und Lehrangebote. Es werden sowohl Seminare und Workshops wie „Hausarbeiten schreiben“ angeboten als auch Mini-Workshops, in denen einzelne Disziplinen erlernt werden können: das Schreiben von Einleitung und Fazit, das Legen des roten Fadens und die Zitierweise. „Viele denken, wir korrigieren nur und können nicht helfen, da wir von dem inhaltlichen Thema nichts verstehen“, sagt Wiethoff. Im Schreibzentrum geht es vielmehr um Hilfe zur Selbsthilfe, das Erlernen von Strukturstrategien wie dem Eingrenzen der Fragestellung und der Einteilung der großen Arbeit in kleine Themen. Dass auf gegenseitige Ermutigung und eine produktive Atmosphäre Wert gelegt wird, wird bei den Schreibevents im UFO deutlich. Am 5. März findet die Schreibnacht und in den Semesterferien die Schreibwoche statt: Die Elfte ging am Freitag zu Ende, mit etwas weniger Teilnehmer*innen als sonst. Einige Dutzend stellten sich aber der Hitze und den Worten. In der Abschlussrunde wird jede*r gefeiert: wer fünf Tage am Stück, wer zwei Stunden dabei war; wer drei Kapitel für die Masterarbeit geschrieben, wer gelesen oder „nur“ Motivation gesammelt hat, alle werden wird mit Beifall verabschiedet.
Obwohl es Kooperationen mit Lehrenden und Tutor*innen für spezielle Fächer gibt, müsse sich die gesamte Coachingkultur und Mentalität in Bezug auf wissenschaftliches Schreiben ändern, Dozierende etwa von eigenen Erfahrungen berichten und das „Mysterium“ gelüftet werden. „Ich wünsche mir, dass es normal wird, über Schwierigkeiten beim Schreiben zu sprechen“, so Wiethoff.        

:Marlen Farina

]]>
https://bszonline.de/2019/07/29/was-macht-eigentlich-das-schreibzentrum/feed/ 0
Bochum, ich schreib‘ in dir https://bszonline.de/2019/07/15/bochum-ich-schreib-dir/ https://bszonline.de/2019/07/15/bochum-ich-schreib-dir/#respond Mon, 15 Jul 2019 15:14:37 +0000 https://bszonline.de/2019/07/15/bochum-ich-schreib-dir/ Roman. „Sturm und Beton“ heißt der Bochum-Roman, den vier RUB-Studierende und Autorin Sarah Meyer-Dietrich im Kollektiv schrieben.

]]>
Roman. „Sturm und Beton“ heißt der Bochum-Roman, den vier RUB-Studierende und Autorin Sarah Meyer-Dietrich im Kollektiv schrieben.

Grau in Grau selbst im Sommer. Lernen im Betonbunker, klappernde Bodenplatten, beißend kahle Wände und ein Panorama aus Zechentürmen. Menschen rau und ehrlich wie die Luft und die höchste Kneipendichte Deutschlands. So ganz spurlos kann diese Stadt doch gar nicht an uns vorbei gehen: Unter vielleicht ähnlicher Prämisse veranstaltete die Autorin Sarah Meyer-Dietrich als selbst erklärtes „Ruhrpottkind“ im Sommersemester 2018 den boskop-Schreibworkshop „TEXT & the CITY“. Die Autorin und vier Studierende verschiedener geisteswissenschaftlicher Fächer schrieben zusammen am Roman „Sturm und Beton“, der in Bochum und an der Uni spielt. Am Donnerstag wurde die Herausgabe des Kollektivromans mit einer Lesung im Hardy’s gefeiert. Haben wir einen Pulsschlag aus Stahl? Den Brutalismus im Blut?

Die detailreiche Beschreibung der Currywurst-Herstellung, das „Zerkleinern und Zerhäckseln, das durch ein Loch quetschen“ von Lebewesen, mit dem Vivien Illigens Protagonistin, die Studentin Lara, in ihre Teilgeschichte einsteigt, ist stilistisch vielleicht bezeichnend. Der studentische Kollektivroman ist ein Konglomerat aus Assoziationen. Momentaufnahmen aus der Stadt des Stahls und dem Leben ihrer Menschen. Tatsächlich haben sich die Autor*innen Bochum als Schauplatz ihrer Handlung nicht ausgesucht; vielmehr sah die finanzielle Unterstützung des Werkes durch UniverCity Bochum und die Gesellschaft der Freunde der Ruhr-Universität Bochum e.V. es so vor. Also tobten sich die Student*innen bei der Wahl ihrer Protagonist*innen aus: Neben der Currywurst-verabscheuenden Studentin Lara gibt es da eine gebürtige Thailänderin, die an der RUB als Reinigungsfrau arbeitet; den Außerirdischen Herrn Walter, der eine Sozialstudie durchführt; den 12-jährigen Oskar, der auf der Suche nach der Wahrheit ist und Teenager Ben, der sich von seinen Eltern entfremdet fühlt. Im Laufe der Rahmenhandlung findet der titelgebende „Sturm“ in Bochum statt, in dessen Verlauf nicht nur das RUB-Sommerfest abgesagt, sondern auch der Förderturm des Bergbaumuseums beschädigt wird. Die Protagonist*innen tänzeln um dieses für Lokalpatriot*innen verheerende Ereignis der Rahmenhandlung herum, treffen ab und an aufeinander. Obwohl der Roman einen zusammenhängenden Plot vermissen lässt, sorgen immer wieder zugängliche Assoziationen, die zu einem selbstironischen Schmunzeln anregen und ein oft „brutaler“ Stil für ein stimmiges Bochum-Gefühl.

So suchen letztendlich alle Charaktere nach einem Stück eigener Wahrheit in einer „metallisch glänzenden“-modernisierten, schnelllebigen und fremdartigen Welt. Felix Sterns desillusionierende Geschichte vom kleinen Oskar fängt schon hoffnungslos an, wenn dieser im Vorlesungssaal nach Antworten sucht: „Das ist die Wahrheit Oskar […] Bei allem was wir tun, sollten wir den Nutzen maximieren und die Kosten minimieren! Und weißt du auch warum? Weil das Leben ein einziger Wettbewerb ist.“ Ein ähnlich düsteres Lebensbild zeichnet sich in den von Christian Biermann etwas zu blumig beschriebenen Kindheitserinnerungen der thailändischen Reinigungskraft ab. Am Ende der parabel-artigen Konversation mit einem Mönch steht die nüchterne Aussage: „Die eigentliche Belohnung dafür, dass man das Spiel zu Ende gespielt hat, ist, dass man es nicht mehr spielen muss.“
Ob brutal oder sanft, grau oder bunt: Sein eigenes, wahres Bochum muss wohl ein jeder selbst finden – auch im Roman „Sturm und Beton“ kann nun danach gesucht werden.
                  

:Marlen Farina

]]>
https://bszonline.de/2019/07/15/bochum-ich-schreib-dir/feed/ 0
Zwei idealistische Menschheitsverbesserer https://bszonline.de/2015/03/23/zwei-idealistische-menschheitsverbesserer/ https://bszonline.de/2015/03/23/zwei-idealistische-menschheitsverbesserer/#respond Mon, 23 Mar 2015 22:16:39 +0000 https://bszonline.de/2015/03/23/zwei-idealistische-menschheitsverbesserer/ Ein Sachbuch in drei Monaten: „Wir sind Goethhoven! Eine neue Untersuchung der Beziehung Goethe – Beethoven.“ So lautet das Buch des RUB-Studis Helge Kreisköther, das nun erschienen ist. Verfasst hat er die Abhandlung aber nicht als Arbeit für das Studium  – es zählte nur der Fun-Faktor. Zumindest mit Goethe hat Kreisköther neben der Begeisterung für`s Schreiben noch eine andere Gemeinsamkeit: Die Angst. Beim Dichter war es die Höhe, bei Kreisköther RUB-Germanistik-Prof und Goethe-Experte Benedikt Jeßing.
 
]]>
Ein Sachbuch in drei Monaten: „Wir sind Goethhoven! Eine neue Untersuchung der Beziehung Goethe – Beethoven.“ So lautet das Buch des RUB-Studis Helge Kreisköther, das nun erschienen ist. Verfasst hat er die Abhandlung aber nicht als Arbeit für das Studium  – es zählte nur der Fun-Faktor. Zumindest mit Goethe hat Kreisköther neben der Begeisterung für`s Schreiben noch eine andere Gemeinsamkeit: Die Angst. Beim Dichter war es die Höhe, bei Kreisköther RUB-Germanistik-Prof und Goethe-Experte Benedikt Jeßing.
 
Komparatistik- und Germanistik-Student Helge Kreisköther ist sichtlich stolz auf die 120 Seiten, die er in nur drei Monaten geschrieben hat – und das ganz ohne CP-Zwang, wie er versichert: „Das hat mit meinem Studium nichts zu tun. Ich spiele seit über zehn Jahren Klavier und lese gerne Goethe – es gab das Interesse und ich war länger damit beschäftigt. Das war dann ein kreativer Prozess.“ Goethe und Beethoven, das klingt eigentlich nach verstaubtem bildungsbürgerlichen Kanon, daher kam es Helge Kreisköther darauf an, „einen Mittelweg zu finden und die Menschen darzustellen.“ Zwar finden sich in seinem „Goethoven“ wegen des wissenschaftlichen Anspruches zahlreiche Fußnoten, trotzdem vermied er unnötig komplizierte, akademische Sätze, um neben den fachwissenschaftlichen auch andere interessierte LeserInnen zu erreichen, wie der Bachelor-Student (viertes Semester) betont: „Die Sprache soll auch unterhaltsam sein.“

„…weil sie‘s schreiben mussten“

Eine enge Verbindung sieht er nicht nur zwischen Literatur und Musik, sondern ebenso zwischen den beiden Künstler-Figuren Goethe und Beethoven (auch wenn Verbindungen beider etwa zu Schiller oder anderen offensichtlicher sind, wie er in der Einführung schreibt), da beide, wie er verrät, „immer gnadenlos von einander abgeschrieben und lange mit ihren Werken gekämpft haben.“ Teilweise zehn Jahre waren es bei Beethoven, Goethe hat sogar knapp 60 Jahre an seinem „Faust“ gewerkelt. Kreisköther weiß aber auch, dass beide so viele berühmte Werk geschaffen haben, „weil sie‘s mussten.“ So verarbeitete Beethoven in seinen Stücken auch Verzweiflung wie Frust über seine Taubheit – ein aktuelles Phänomen künstlerischen Schaffens, wie Kreisköther meint: „Man merkt auch heute bei Menschen, dass sie‘s brauchen.“ Bei Goethe waren es damals etwa auch „massive psychische Komplexe“, die er mit seinen Texten überwinden wollte – z.B. seine krasse  Höhenangst.
 
Angst verspürt nach der Veröffentlichung seines Buches auch Kreisköther – vor seinem Germanistik-Professor Benedikt Jeßing, der als ausgewiesener Goethe-Experte gilt. „Ich habe tatsächlich Schiss, dass er‘s sich unter die Nägel reißt und liest“, gesteht er. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass sein Dozent auch Interessantes finden wird: „Einiges, was er noch nicht wusste – das wäre schon das Beste.“ Genau das ist fast garantiert. Denn sein Werk hält trotz wissenschaftlichen Anspruches am Ende auch eine Überraschung bereit: Er zitiert einen Text aus einer :bsz-Ausgabe! Das Buch sollte sich daher nicht nur Herr Jessing unter die Nägel reißen. 
 
Helge Kreisköther: „Wir sind Goethoven“
 
Wir sind Goethoven!
 
Eine neue Untersuchung der Beziehung Goethe – Beethoven. Re Di Roma-Verlag,127 Seiten, 8,95 Euro.
 
 
]]>
https://bszonline.de/2015/03/23/zwei-idealistische-menschheitsverbesserer/feed/ 0
Die Liebe zum Buch – online https://bszonline.de/2014/01/27/die-liebe-zum-buch-online/ https://bszonline.de/2014/01/27/die-liebe-zum-buch-online/#respond Mon, 27 Jan 2014 17:18:13 +0000 https://bszonline.de/2014/01/27/die-liebe-zum-buch-online/ Als ich zum Treffen der Blog-Redaktion in einem Café im Bermudadreieck eintreffe, unterhalten sich die Komparatistik- Studentinnen gerade über Berufsaussichten, über „Stellen, die es nicht gibt“. Meine Frage, ob es denn jemals Stellen für LiteraturwissenschaftlerInnen gegeben habe, löst ein paar Lacher aus, Lacher mit leicht verzweifeltem Unterton. Das typische Lachen der GeisteswissenschaftlerInnen als Reaktion auf die Frage nach ihren Berufsperspektiven.

]]>
Als ich zum Treffen der Blog-Redaktion in einem Café im Bermudadreieck eintreffe, unterhalten sich die Komparatistik- Studentinnen gerade über Berufsaussichten, über „Stellen, die es nicht gibt“. Meine Frage, ob es denn jemals Stellen für LiteraturwissenschaftlerInnen gegeben habe, löst ein paar Lacher aus, Lacher mit leicht verzweifeltem Unterton. Das typische Lachen der GeisteswissenschaftlerInnen als Reaktion auf die Frage nach ihren Berufsperspektiven. Eine Handvoll Studentinnen der Komparatistik an der Ruhr-Uni hat die Leitung über den Rezensions- und Kritikblog „literaturundfeuilleton“ in die Hand genommen, das ihnen einerseits schon zu Studienzeiten Referenzen für später verschafft, zum anderen aber auch eine Plattform für das ist, was viele PhilologInnen eint und antreibt: Die Liebe zum Buch, die Leidenschaft für das geschriebene Wort.

Mit dem Blog verdienen die RezensentInnen kein Geld, sondern ihre Sporen und ein paar Rezensionsexemplare. Denn längst ist der in einem gleichnamigen Seminar von Dr. Stephanie Heimgartner im Wintersemester 2011/12 entstandene Blog (damals allerdings noch auseinander geschriebene) groß genug, dass die Verlage Ausgaben ihrer Bücher zur öffentlichen Besprechung auf der Seite rausrücken – und auch weiter beachten: Kürzlich erst, erzählt Lina Brünig den anderen Redaktionsmitgliedern, hätte der Verlag Kiepenheuer & Witsch ihren Blog unter den Pressestimmen zu einem seiner Bücher zitiert. Ein Zeichen dafür, dass „literaturundfeuilleton“ ernst genommen wird und als Autorität herhalten kann. „Jeder Rezensent freut sich, zitiert zu werden“, sagt Sylvia Kokot.

Vom gegenseitigen Lernen profitiert die Güte

Da die meisten AutorInnen des Blogs Studierende der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft (Komparatistik) sind, haben sie von Ausbildung wegen ein fundiertes Wissen von der Materie. „Wir versuchen aber, nicht den Literaturwissenschaftler raushängen zu lassen“, erklärt Sylvia. Das Wissen über Literatur ist da, den Anspruch an Beiträge fasst Lina prägnant zusammen: „Die Artikel sollten gut geschrieben und gut lesbar sein.“ Als Qualitätssicherung dient eine Redaktion von sieben KomparatistInnen, die in Kontakt untereinander und mit den „freien MitarbeiterInnen“ (die nicht unbedingt einen philologischen Hintergrund haben müssen) die Artikel besprechen, bevor sie veröffentlicht werden. Dies begreifen die jungen Frauen auch als „Prozess des gegenseitigen Lernens“. Dabei profiliert sich der Blog nicht nur durch diese Genese aus Anspruch, Fachwissen und Liebe zur Literatur heraus. Längst beschränkt sich die Seite nicht nur auf Literatur-Rezensionen. Da wurde auch schon über Poetry-Slams und Lesungen, über Theaterstücke und Buchpreisverleihungen geschrieben. Auch konzeptionell sei eine „stetige Entwicklung“ zu sehen, wie Nadine Hemgesberg sagt. Seit den Seminartagen vor zwei Jahren, als sich Rezension über Rezension stapelte, hat sich einiges getan. Unter der Kategorie „Erlesene Städte“ werden Werke vorgestellt, die in einer Stadt spielen und von RezensentInnen mit einer Vorliebe für Athen oder Lissabon behandelt werden. Die Idee zur Kategorie „Bücherverbrennung“ stammt ebenfalls aus einer Lehrveranstaltung am Germanistischen Institut der Ruhr-Uni. Wie auch die erlesenen Städte werden in dieser Rubrik weniger bekannte AutorInnen und Werke vorgestellt. Es gibt nach wie vor Literatur, die darauf wartet, sich aus der Asche der durch die NationalsozialistInnen verbrannten Bücher zu erheben. In ihrer „Kolumne“ verknüpft Nadine Hemgesberg speisen und schmökern (schließlich werden Bücher ja auch verschlungen) und teilt ihren weiten und subjektiven Blick auf die Welt der geschriebenen Wörter mit – wenn nicht gerade Sylvia einspringt und uns über den Charakter einer Kolumne aufklärt und darüber, „warum es keine Kolumnenvertretung geben kann“.

Das Problem der zu räumlichen Sequenzen angeordneten Zeichen

„Wir behandeln alles, was man unter Literatur fassen kann. Und dazu zähle ich jetzt auch einfach mal Comics und graphic novels“, fasst Sylvia zusammen. Die Meinung, dass Comics minderwertig seien, ist hier schon längst überholt. Diskutiert wird höchstens, ob ein enger Literaturbegriff Comics auch einschließt. Die Redaktion ist sich einig: Comics sind eine wichtige Form narrativen Schaffens und gehören auch auf „literaturundfeuilleton“. Auch gegenüber anderen Medien ist die Redaktion aufgeschlossen, wie etwa Filmen oder Computerspielen. Letztlich haben aber alle, die zum Blog beitragen, ihre persönlichen Vorlieben und ein Gebiet, auf dem sich auskennen. So gibt es zurzeit zwar keineN Poetry-Slam-ExpertIn, dafür kennt sich Hannah Konopka mit Comics aus, Esra Canpalat hat sich Abgründigem und Abwegigem verschrieben, Katja Papiorek nimmt sich gerne die dicken Wälzer vor. Und vielleicht findet sich bald auch jemand, der eine weitere Stadt – „Paris, London, New York sollen auf jeden Fall kommen“ – „erlesen“ will.

literaturundfeuilleton.wordpress.com

]]>
https://bszonline.de/2014/01/27/die-liebe-zum-buch-online/feed/ 0