Warning: Constant WP_DEBUG_DISPLAY already defined in /var/www/html/wp-config.php on line 111
Westpark und Audioguide re:ANIMA
Der Westpark, unweit von der Bochumer Stadtmitte entfernt, ist mit seiner Eröffnung im Jahr 1999 noch relativ neu. Auf großen, weiten Flächen kann man sich sonnen, skaten, die Füße im Wasser baumeln lassen oder auch spazieren. Doch hinter den weiten Wiesen, der Jahrhunderthalle und den Industriebauten schlummern vergessene Geschichten, Utopien von Kitsch und Künstlertum und verquere Entstehungsgeschichten. Diese alternativen Welten werden in dem Audioguide re:ANIMA der RUB-Alumna Vivane Lennart offenbart. Dieser ist in der Besucherzentrale des Pumpenhauses erhältlich. Wie in einem Abenteuerbuch mit Entscheidungsmöglichkeiten und vergabelten Erzählreihenfolgen können sich die Besucher*innen durch den Park schlängeln und dabei bei einem Spaziergang einiges über das, was der Park ist, was er war und was er vielleicht hätte sein können, erfahren.
Zeche Zollverein und Ruhr-Museum
Auch auf dem Gelände des UNESCO-Weltkulturerbes Zeche Zollverein in Essen lassen sich entspannte Spaziergänge inmitten von Industriekultur, die in die Ruhe gekommen ist, machen. Doch ein weiteres Highlight auf dem Gelände
bietet das Ruhr-Museum. Neben der Dauerausstellung, die die Industriegeschichte des Ruhrgebiets anschaulich beleuchtet und auf drei Etagen der ehemaligen Kohlewäsche die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Region thematisiert, werden regelmäßig Sonderausstellungen eröffnet. Am 11. Mai öffnet beispielsweise die Ausstellung „100 Jahre Ruhrgebiet. Die andere Metropole“, die Infrastruktur, Mobilität, Kulturleben und Architektur sowie die sozialen und gesellschaftlichen Verhältnisse des größten Ballungsraums Deutschlands seit Beginn der Gründung des Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) zeigt. Und auch virtuell kann man derzeit einen Museumsbesuch machen. Auf zeitalterderkohle.de können Interessierte einen Rundgang durch die Sonderausstellung „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ starten und über die geschichtlichen, kulturellen und technischen Dimensionen des Rohstoffs lernen.
Preise: Dauerausstellung: 8 Euro/erm. 5 Euro. Sonderausstellung: 7 Euro/erm. 4 Euro. Kombi: 10 Euro/erm. 6 Euro.
Theater aus dem Pott und darüber hinaus
Trotz leerer Säle arbeiten auch die Schauspielhäuser des Ruhrgebiets weiterhin an Programmen und Möglichkeiten, Kulturbegeisterten ihr Angebot näher zu bringen. Das Theater Dortmund bietet beispielsweise einige Highlights der letzten Jahre kostenlos unter dem Motto „Mitschnitt & Chill“ an, darunter „Hamlet“, die bombastische Mediensatire „Die Show“ oder auch das Sexploitation-Live-Hörspiel „Sexmonster!“. Auch das erst im Februar angelaufene Lolita „(R)Evolution“ ist frei verfügbar. Die Seite nachtkritik.de hat außerdem einen kompletten Online-Spielplan mit allen streambaren Angeboten erstellt. Auch das Schauspielhaus Bochum lässt Theaterfreunde nicht allein und stellt mit „Judas“ eine intensive, einstündige Performance mit Schauspieler Steven Scharf zur Verfügung. Die Aufnahme findet Ihr auf schauspielhausbochum.de.
:Stefan Moll
Bilder: stem
Die Frage nach dem Zweck von Krieg beschäftigt unsere Gesellschaften heute stetig. Ob dies Konflikte in Krisenregionen sind, daraus resultierende Fluchtbewegungen, oder das moralische Dilemma von humanitären Interventionen. Wie die Ausstellung „Krieg. Macht. Sinn.“ im Ruhr Museum in der Zeche Zollverein zeigt, wurde die Antwort auf diese Frage mehrfach umgedeutet und befindet sich weiterhin in einem konstanten Diskurs. Die Ausstellung, die Teil des EU-geförderten Projekts UNREST ist und unter anderem in Kooperation mit dem Institut für Soziale Bewegungen an der RUB entstand, liefert dabei keine Antworten, sondern zeigt die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Kriegen des 20. und 21. Jahrhunderts.
Geteilt in vier Abteilungen, die jeweils unter den Themen „Krieg“, „Bombenkrieg“, „Völkermord“ und „Flucht und Vertreibung“ stehen, führt die Ausstellung zunächst chronologisch die Blicke der Besucher*innen entlang der Exponate. Dies beinhaltet klassische Darstellungsformen wie Kriegsmaschinerie oder Stahlhelme. Auch werden traditionelle Konzeptionen vom Krieg als Heldenreise am Beispiel von Erich Maria Remarques bedeutendem Roman „Im Westen nichts Neues“ und dessen eintretende Umdeutung behandelt. Doch recht schnell werden diese üblichen Darstellungsformen aufgebrochen. Daher sind beispielsweise Comics, Filmplakate, Satiren von Bundeswehr-Werbeplakaten ebenfalls Exponate.
Ein wesentlicher Bestandteil von „Krieg. Macht. Sinn.“ ist die Instrumentalisierung von Kriegen und welche Narrative darum gesponnen werden. Beispielsweise lässt die Ausstellung die Bombardierung der deutschen Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg nicht unerwähnt, rückt diese aber gleichzeitig in das Licht aktueller Debatten und Instrumentalisierungen durch beispielsweise rechtsextreme Gruppierungen, die die Totenzahlen um den zehnfachen Faktor erhöhen, um die Bombardierung durch die Alliierten argumentativ für sich einzunehmen. An anderer Stelle wiegt Joschka Fischers Zitat, welches er während des Kosovo-Kriegs äußerte, schwer „Ich habe nicht nur gelernt: Nie wieder Krieg. Ich habe auch gelernt: Nie wieder Auschwitz“. Durch diese Kontextualisierungen stellt die Ausstellung Kriege nicht als abgeschlossene historische Ereignisse dar, sondern thematisiert vielmehr deren Nachklang. Die Ausstellung verhandelt, wie Kriege in einer Zeit, in der diese längst nicht mehr als heroische Abenteuerfelder gesehen werden, weiterhin sinnbildend sind – als Mahnung sowie als Deutung.
Dabei zeigt „Krieg. Macht. Sinn.“ ein breites Ausmaß des Leids, das durch Kriege und insbesondere den Holocaust entstand. Nachdem die Ausstellung den Blick der Museumsgänger*innen durch diese Trümmerfelder menschlicher Grausamkeit führt, bleibt dieser am Ende im Bereich „Flucht und Vertreibung“ bei dem Ausspruch des AfD-Politikers Alexander Gauland stehen: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Die Platzierung scheint bewusst gewählt zu sein. Denn nach dem zuvor Gesehenen wirkt dieses Zitat umso befremdlicher.
Die Ausstellung hat bis zum 30. April 2019 geöffnet. Der Eintritt kostet 3 Euro.
:Stefan Moll
]]>