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Ultras sind laut. Sie gehen zu jedem Fußballspiel, sind sofort erkennbar an ihren Fanschals und farbigen Choreographien. Es sind fanatische AnhängerInnen.
Doch die Ultras des Festivals sind anders. „Wir meinen Ultra nur in positivem Sinne“, erklärt Mitorganisatorin Anna-Lena Weckesser. Ein paar Gemeinsamkeiten gibt es: Sie werden sich jede Aufführung des Showcase-Programms im Ringlokschuppen Ruhr ansehen, es gibt Stammtische, Fanutensilien und man wird sie bemerken. Organisiert von vier Studierenden der Szenischen Forschung (Philipp Hohmann, Viviane Lennert, Franziska Schneeberger und Anna-Lena Weckesser) ist es ein Bestandteil des Rahmenprogramms des Impulse Festivals vom 13. bis zum 24. Juni. Die Veranstaltung ist die wichtigste Plattform für die freie Szene in Deutschland. Das komplette Programm findet Ihr unter impulsefestival.de/programm.
Zustande kam das Projekt durch einen Besuch von Heiko Pfost, dem künstlerischen Leiter des Festivals. „Wir haben jeden Montag ein Praxiskolloquium bei der Szenischen Forschung“, erklärt Viviane Lennert. Pfost bot den Studierenden an, dass sie sich mit einem Projekt ins Festival einbringen können. Die vier sammelten gemeinsam Ideen. Schließlich entstand das Konzept der Festival-Ultras, für das sie auch die Organisation übernehmen: „Wir haben eine eigene Dispo gemacht, das Design des Werbematerials und der Gimmicks selbst übernommen.“ Vom Festival erhalten sie finanzielle Unterstützung und die räumliche Infrastruktur. Im Gegenzug dazu helfen die Ultras beim geplanten Grillen aus.
Diese Frage beantwortet Anna-Lena Weckesser so: „Man guckt als Ultra das ganze Impulse-Programm, es gibt Stammtische, bei denen man über die Stücke spricht, man grillt an zwei Tagen zusammen, wenn die WM-Spiele sind“, erzählt die RUB-Studentin. Im WM-Song der Sportfreunde Stiller hieß es bekanntlich: „Wir haben Träume und Visionen“. Theater-Ultras übertragen das natürlich auf die Bühne. Daher freuen sie sich auf genügend Support: „Wünschenswert wäre es, wenn wir eine Gruppe von zehn bis 20 Leuten sind“, sagt Weckesser. Aber natürlich hoffen sie auf einen größeren Anhang.
Für 50 Euro, ermäßigt 25 Euro, kann man sich alle elf Aufführungen anschauen und erhält ein Fanpaket. Außerdem werden Gespräche mit Mitarbeitenden des Festivals und eingeladenen KünstlerInnen geplant. Das Projekt ist für jedeN offen, egal ob Studierende, SchülerInnen oder Berufstätige. Wenn man nicht zu allen Terminen kommen kann, ist das kein Problem. Auch BesucherInnen, die keine Ultras sind, sind zum Grillen und zum täglichen Stammtisch herzlich eingeladen. „Es soll auf jeden Fall Spaß machen und nicht nur um akademische Inhalte gehen“, meint Viviane Lennert. „Wir haben eine gute Zeit zusammen und wir können durch verschiedene Perspektiven neu auf die Dinge schauen.“ Die vier Studierenden werden natürlich selbst mit im Fan-Block stehen.
Schreibe bei Interesse eine Mail an ultras@impulsefestival.de. Du erhältst dann alle weiteren Informationen.
:Maike Grabow
]]>„REVOLUTIONARY LEFTOVERS #1 LOCAL UPRISINGS RUHRAUFSTAND“ an den Kapp-Putsch und fragt sich, ob Revolution noch möglich ist.
]]>„REVOLUTIONARY LEFTOVERS #1 LOCAL UPRISINGS RUHRAUFSTAND“ an den Kapp-Putsch und fragt sich, ob Revolution noch möglich ist.
Mit Rechten zu reden, kam für die ArbeiterInnen im Ruhrgebiet nicht in Frage. Als sich 1920 allerhand Reaktionäre um den Nationalisten Wolfgang Kapp nicht mit der jungen Republik in Deutschland abfinden wollen und putschen, rufen KPD, USPD, SPD und andere linke Organisationen zur Gegenoffensive auf. Nach einem Generalstreik ist der rechte Staatsstreich abgewendet. Doch die ArbeiterInnen wollen jetzt mehr: In Essen, Bochum, Dortmund und anderen Städten werden Betriebe besetzt und Räte gebildet. Die ArbeiterInnen versuchen, eine demokratische Regierungsgewalt von unten aufzubauen. Die Rebellion wird schließlich von der Reichsregierung unter Sozialdemokrat Friedrich Ebert blutig niedergeschlagen – auch mit Hilfe rechter Freikorps.
Turbulente Ereignisse, doch der sogenannte Ruhraufstand ist nahezu aus den Geschichtsbüchern an Schulen und aus dem Diskurs verschwunden. „Das ist insgesamt ein sehr unbekanntes Thema, das komplett raus ist aus dem öffentlichen Leben“, sagt Florian Thamer von der EGfKA (Europäische Gemeinschaft für Kulturelle Angelegenheiten). Trotz der brisanten Aktualität dieses Kapitels. Nicht nur was die rechten Freikorps-Verbände betrifft, wie Florian Thamer erklärt: „Da sehe ich Parallelen zur Neuen Rechten, die sich auch auf die ‚konservative Revolution‘ beruft.“ Damals raufte sich eine zerstrittene Linke nicht nur gegen die proto-faschistische Gefahr zusammen, sondern etablierte gleichzeitig eine rätedemokratische Alternative.
Das Theaterkollektiv EGfKA und der Ringlokschuppen Ruhr möchten dieses vergessene Kapitel mit ihrer Erinnerungsarbeit ausgraben. Anastrophische Zukunftsszenarien nennen sie das, was Kunst- und PolitikaktivistInnen interdisziplinär in „Laboren der Sozialen Imagination“ erarbeiten und schließlich auf die Bühne bringen. Ausgangsfrage: Sind Prekarisierung, Austerität und Rechtsruck alternativlos? Oder gibt es noch Utopien jenseits des Neoliberalismus? Zurück in die revolutionäre Zukunft?
Zumindest sollen die revolutionären Geister des Ruhraufstandes in verschiedenen Performances, Vorträgen und Diskussionen verhandelt werden. Unter anderem in einer Veranstaltung mit Ulrike Haß, emeritierte Professorin und geschäftsführende Direktorin des Instituts für Theaterwissenschaft der RUB, und der Autorin Bini Adamczak, die in ihrem Buch „Beziehungsweise Revolution: 1917, 1968 und kommende“ den Wandel von Geschlechterverhältnissen in gesellschaftlichen Umwälzungen analysierte. Lange Vorträge soll es nicht geben. Stattdessen ein „spielerisches Diskurs-Format“, bei dem sich alle TeilnehmerInnen beteiligen können, wie Florian Thamer betont: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass dann eine spannende Diskussion entsteht.“ Das hätte sicher auch den einstigen revolutionären ArbeiterInnen gefallen.
:Benjamin Trilling