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Viele Popstars haben ihre Äras. Diese fuktionieren wie eigene politische Systeme oder geologische Zeitalter. In der Popwelt sieht das Ganze dann so aus: Synthpop, Trennung, Glamrock, Reue. Miley Cyrus ist ein musikalisches Chamäleon. Ihre Karriere ist kein roter Faden, sondern eine sich ständig wandelnde Landkarte. Nun also: das Zeitalter der psychedelischen Prog-Pop-Oper. Wobei sich der psychedelische Anteil mehr an frühem Tarantino als an 13th Floor Elevators orientiert – Sample-lastig, dramatisch, ein bisschen kaputt.
Der Opener „Prelude“ etabliert die dystopische Vision: ein futuristischer Monolog über Züge, luzide Träume und vorbeihuschende Landschaften – Edgar Froese trifft Cyberpunk. Das ganze Album klingt wie der Soundtrack zu einem verlorenen 80er-Film über Apokalypse und Wiedergeburt. Und tatsächlich: Ein Kurzfilm zur Platte, inspiriert von Pink Floyds The Wall, erscheint demnächst. Man hört ihn schon jetzt.
Cyrus’ Stimme steht dabei im Zentrum. Mal verletzlich, mal allmächtig. Ihre Stimmbanderkrankung gibt ihr eine zusätzlich raue Tiefe, die an Janis Joplin erinnert. Besonders eindrücklich im Titelstück „Something Beautiful“: soulig, warm, getragen von Saxofon und schwebenden Harmonien. Bis der Lärm plötzlich einbricht, sich zurücknimmt und eine zerbrechliche Stille hinterlässt. Hier kulminiert das Album – zwischen Sehnsucht, Reue und Schönheit. „I'm like a pearl“, singt Cyrus – und meint es ernst.
Das Thema des Albums? Endlichkeit. Das Ende der Welt. Oder zumindest: das Ende einer Version von uns selbst. „End of the World“ erinnert musikalisch an ABBA auf einem Acid-Trip, klingt sonnig, während der Text den finalen Countdown zählt. Cyrus paraphrasiert die Beatles und Janis Joplin zugleich: „Let’s spend the dollars you’ve been saving on a Mercedes Benz / and throw a party like McCartney with some help from our friends“. Popkultur als Katastrophenbewältigung.
Ein besonderes Highlight für mich ist „Every Girl You’ve Ever Loved“, das mit einem überraschenden Feature von Naomi Campbell kommt. Campbells Sprechpart wirkt fast geisterhaft – ihre Stimme schwebt über düsteren Streichern und schrägen Harmonien und verleiht dem Song eine gewisse Schwere. Es ist kein klassisches Feature, sondern ein spoken-word-artiger Einschub. Wie ein Moment aus einem Hörspiel. Der Track spielt mit Erinnerung, Eifersucht und der Konstruktion von Weiblichkeit – ein postmoderner Fiebertraum in Zeitlupe.
In der zweiten Hälfte verschiebt sich der Fokus auf dunklen Dancepop. „Reborn“ ist das interessanteste Stück: ein treibender Beat, über dem Cyrus quasi ihre eigene Auferstehung performt – komplett mit Mönchsgesang, Basswummern und der radikalsten Zeile des Albums: „Kill my ego, let’s be reborn“. Man fühlt sich eher in einem Ritual als in einem Popsong. Danach „Walk of Fame“ – ein sarkastisches, discolastiges Highlight mit Brittany Howard, irgendwo zwischen Underworld und Pet Shop Boys. Alles glitzert, aber nichts ist sicher. Das Kunstwerk endet mit „Give Me Love“. Akustisch, verletzlich, schlicht. Keine Erlösung, nur der Wunsch nach Nähe. Der Abschied wirkt wie ein letzter Blick zurück – traurig, aber auch schön. Something Beautiful ist kein Konzeptalbum im klassischen Sinne, aber es erzählt eine Geschichte: von Zerstörung, von Rückbesinnung, von dem, was vielleicht bleibt.
Miley Cyrus hat auf diesem Album nicht nur ihre Stimme gefunden, sondern auch einen Sound, der ihren wilden Karriereweg bündelt. Something Beautiful ist kein lauter Neuanfang, sondern ein selbstbewusstes Statement in Moll – düster, verletzlich, brillant.
:bsz Autorin
South of Midnight ist das neueste Werk von Compulsion Games, bekannt für ihre experimentellen Titel wie Contrast und We Happy Few. Dieses Third-Person-Action-Adventure entführt Spieler:innen in eine stilisierte Version des amerikanischen Südens. Nach einem verheerenden Hurrikan begibt sich die Protagonistin Hazel auf die Suche nach ihrer verschollenen Mutter und erweckt dabei schlummernde Kräfte in sich, die uns das Tor zur magischen Welt von South of Midnightöffnen.
Die visuelle Gestaltung von South of Midnight ist einzigartig. Charaktere und Kreaturen bewegen sich in einem bewusst reduzierten Stop-Motion-Stil, der an handgefertigte Puppen erinnert. Diese ungewöhnliche Animation verleiht dem Spiel einen besonderen Touch, der jedoch nicht bei allen Spieler:innen Anklang finden dürfte. Die Umgebungen – von nebligen Gewässern bis zu surrealen Landschaften – sind detailreich und schaffen eine dichte, immersive Atmosphäre. Der Soundtrack, eine Mischung aus Blues, Gospel und Country, unterstreicht die emotionale Tiefe des Spiels und verstärkt das Gefühl, in eine lebendige Südstaaten Atmosphäre einzutauchen.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hazel, die nicht nur ihre Mutter sucht, sondern auch die spirituellen "Stigmas" – Manifestationen vergangener Traumata – heilen muss. Das Spiel behandelt Themen wie Verlust, familiäre Bindungen und kulturelle Identität. Hier macht das Spiel besonders große Pluspunkte. Die Handlungsstränge sind nicht nur spannend, sondern ziehen die Spieler:innen auch emotional in ihren Bann. South of Midnight macht die Folklore des schwarzen Süden Amerikas auf eine ganz besondere Weise spielbar.
Dochkommt South of Midnight nicht ganz ohne ein paar Mängel daher. Abzüge gibt für das Action-Adventure in Punkto Gameplay. Während die wunderschöne Welt zum Erkunden und Entdecken einlädt, lassen die Kampfszenen oft zu wünschen übrig. Das Kampfgeschehen läuft in großen Teilen immer im selben Schema ab und bringt über den Spielverlauf hinweg nur selten neue Nuancen hinein. Man macht also sehr oft das Gleiche. Dadurch werden die Gefechte zwischen Hazel und den Geistern schnell langweilig.
Das Gesamtpaket von South of Midnight ist trotz Mankos im Gameplay, alle mal einen Blick wert. Die Stop-Motion Optik wirkt zunächst sehr ungewohnt und fast wie ein Programmierfehler, doch bringt schnell seinen ganz eigenen Charme mit in die Spielwelt.
Die Story, Charaktere und die Atmosphäre sind ein Liebesbrief an den amerikanischen Süden und der lokalen schwarzen Kultur. Viel Arbeit leistet dabei der Soundtrack, der für richtig Emotionen sorgt. Wer sich mit repetitiven Gefechten abfinden kann, wird in South of Midnight ein paar erzählenswerte Stunden verbringen können. South of Midnight erschien am 03. April 2025 und ist für die Xbox One und für den PC (Steam oder PC Game Pass) erhältlich.
:Artur Airich
]]>Noch in ihrem letzten Album inszenierte man die Kanadierin als sportliches „Hockey Girl“, eine Identität, die aufgrund ihrer Heimat zwar irgendwie authentisch wirkte, aber nicht wirklich zu greifen war. Hockey ist eine beliebte Sportart, aber transportierte in Tate McRaes Fall nur wenig Persönlichkeit. Mit So Close to What ist dieser Versuch nun scheinbar endgültig beendet worden. Jetzt setzt man auf knappe Outfits, intensive Blicke in die Kamera und einen Sound, der an den Girl Pop der frühen 2000er erinnert. Online-Vergleiche mit Britney Spears sind keine Seltenheit – wie Spears liefert McRae freilich ein Gesamtpaket aus Tanz, Gesang und makelloser Inszenierung. Doch während Britney Spears am Höhepunkt ihrer Karriere als Pop-Persona vollkommen aufging, bleibt McRae oft an der Oberfläche. So singt sie in PurpleLaceBra: „Vielleicht hört man mir besser zu, wenn ich nackt bin?“ Das klingt schon fast ein bisschen symptomatisch für das Album: Viel Fokus auf Äußeres, weniger auf Inneres.
Dennoch kann man So Close to What nicht vorwerfen, langweilig und eintönig zu sein. Tracks wie bloodonmyhands erinnern an die US-Sängerin SZA und zusätzlich belebt der dynamische Rap von Flo Milli das Stück. Auch das Feature „I know love“ mit The Kid Laroi ist eine gelungene Ergänzung.
Songs wie Sports Car oder 2 Hands sind überdies eine waschechte Hommage an den R&B-Pop der 2000er und triefen nur so vor expliziter Sinnlichkeit.
Überraschend ehrlich wird es dann doch noch: In means I care singt sie sinngemäß: „Wenn ich dich ghoste, mag ich dich am meisten.“ Eine Zeile, die auf den ersten Blick toxisch wirkt, aber in der sich viele Hörer:innen wiedererkennen können. Die Singer-Songwriterin versteht es offensichtlich, ihre Generation anzusprechen. Das Problem? Leider bleibt sie dabei oft auf halbem Weg stehen.
Aber ich möchte das Album nicht schlecht reden. Die Tracks sind extrem catchy und machen trotz allem Freude. So Close to What ist zweifellos ein stark produziertes Album, das sie auch als Entertainerin auf ein neues Level hebt! Doch während die Musik per se überzeugt, bleibt für das Album als Ganzes die Frage: Wer ist die echte Tate McRae? Die Lyrics offenbaren wenig über ihre Persönlichkeit, und ihr Imagewechsel wirkt eher wie eine strategische Neuausrichtung — weg von der authentischen Teenagerin in den 2010er.
Fans von Mainstream Pop mit R&B-Anleihen werden mit So Close to What Gefallen finden – doch wer auf tiefere Einblicke in das Innere der Künstlerin hofft, wird wahrscheinlich etwas enttäuscht sein. Das Album ist selbstbewusst und catchy, aber hinter all der Fassade bleibt ein Gefühl zurück: Die alte Tate McRae vermisst man ein wenig.
:Levinia Holtz
]]>Sebastian Fitzek gilt als einer der erfolgreichsten Thriller Autoren Deutschlands, wenn nicht sogar weltweit. Kein Wunder, dass nun auch sein Bestseller „die Therapie“, welcher ihm damals zum Durchbruch als Auto verhalf, verfilmt wurde.
Es geht um den bekannten Psychiater Viktor Larenz, dessen Tochter unter ungeklärten Umständen verschwunden ist. Vor ihrem Verschwinden litt sie unter einer unbekannten Krankheit, deren Symptome sich einfach niemand erklären konnte. Zwei Jahre später taucht plötzlich eine unbekannte Frau vor Viktors Tür auf, die scheinbar etwas über den Verbleib der 13-Jährigen weiß. Anna Spiegel bittet den Psychiater um Hilfe, da sie unter lebhaften Halluzinationen leidet. Allerdings sind die Halluzinationen nicht verstörender als es nach und nach die Realität sein wird. Was sich im Verlauf der sechs Folgen herausstellen wird, ist einfach unglaublich. Wenn ich für jeden Plottwist einen Cent bekommen würde, hätte ich mir schon längst ein Heimkino gekauft, um die Serie nochmal zu schauen.
Ein großer Teil der Handlung spielt sich auf der fiktiven Nordsee-Insel Parkum ab, ganz nach dem Motto: die Ruhe vor dem Sturm. Die gemütliche Insel-Atmosphäre lässt die Zuschauer:innen sich zunächst sicher wiegen. Spannung erzeugt zunächst vor allem, dass etwas in dieser idyllischen Szenerie nicht stimmt. Nach und nach werden die schönen Bilder von Sandstrand und Natur von unerklärlichen Ereignissen getrübt. Wem kann Viktor auf der Insel noch vertrauen? Erst spät folgt die Auflösung, doch langweilig wird es nie. Die Handlung ist alles andere als leer; sie führt immer wieder in die Irre und scheucht einen in eine neue Sackgasse. Wer jedoch sehr ungeduldig ist, dem könnte das missfallen. Langatmig ist hier vielleicht das falsche Wort, da die Protagonisten eher zu Kurzatmigkeit gedrängt werden. Jedoch ist die Interpretation von Spannung in der Serie, dass vieles ungewiss bleibt und eine Entwicklung der Handlung dadurch nicht immer sofort ersichtlich ist.
Mit Helena Zengel als 13-Jährige Josy legen wir langsam mehr und mehr die Ereignisse frei, die sich vor ihrem Verschwinden ereignet haben. Rückblenden lassen Zuschauende jedoch eine echte Nähe zu den bereits vergangenen Geschehnissen aufbauen — man fiebert sowohl in der gegenwärtigen Handlung als auch in der der Vergangenheit mit.
Bekannt ist die Kinderdarstellerin bereits unter anderem aus deutschen Produktionen wie dem Drama „Systemsprenger“.
Stephan Kampwirth wird mit der Figur des Viktor Larenz vor eine schauspielerische Herausforderung gestellt. Der eher introvertierte Psychiater muss auch in seinem Inneren viele Kämpfe ausführen, die der Schauspieler in ihrer Tiefe überzeugend darstellt.
Emma Bading verleiht der attraktiven Anna Spiegel eine kokette Art, die einen interessanten Kontrast zu ihrer Schrulligkeit schafft.
Trystan Pütter spielt den Workaholic Dr. Roth, der eine erstaunliche Entwicklung in der Serie durchmacht. Weiß man am Anfang noch gar nicht, was für eine Funktion seine kühl wirkende Figur wirklich hat, mutiert er nach und nach zu einer der geschätzten Hauptfiguren. Auf ähnliche Weise wird auch seine Serien-Tochter Eva Hirschburger in der Rolle der Mila Roth vom Querkopf zur liebenswerten Rebellin.
Die Auflösung ist insgesamt unerwartet, auch wenn es vielleicht nicht alles an ihr ist. Zugegeben, Sebastian Fitzek ist nicht dafür bekannt, Trhillergeschichten aus dem Alltag zu erzählen. Seine Handlungen sind immer etwas von dem Unfassbaren, dem Absurden und dem – ja– eher Unwahrscheinlichen geprägt. Dennoch fügt sich nun alles zu einem großen Puzzle zusammen, das einem mit einem zufriedenen Gefühl hinterlässt.
Wer in den Semesterferien also weniger zu tun oder einfach keine Lust hat, an der Hausarbeit zu arbeiten, hat mit dieser Serie eine Beschäftigung mit Suchtpotenzial für sich gefunden.
:Levinia Holtz
]]>Das Album, das pünktlich zum Día de Reyes (Dreikönigstag) veröffentlicht wurde, ist ein musikalisches und kulturelles Kaleidoskop. Dieses musikalische Stück stellt Bad Bunnys Heimat Puerto Rico in den Mittelpunkt. Es erzählt von seinen Wurzeln, seiner Geschichte und seinen Menschen. Schon der Titeltrack „DtMF“ zeigt, wie Bad Bunny universelle Gefühle von Nostalgie und Verlust mit persönlichen Reflexionen verbindet – über vergangene Lieben, verlorene Momente und seine Sehnsucht nach der Heimat. Von der ersten Note an gelingt es ihm, Emotionen greifbar zu machen und die Hörer:innen in seinen Bann zu ziehen. Die Schönheit und die Wehmut eines vergangenen Momentes sind irgendwie spürbar.
Doch „Debí Tirar Más Fotos“ ist weit mehr als eine nostalgische Rückschau. Der Künstler, der sich selbst als „Conejo Malo“ (böser Hase) bezeichnet, erweist sich erneut als Meister darin, die musikalische Vergangenheit Puerto Ricos mit modernen Sounds zu verweben. Salsa-Samples wie in NUEVAYoL oder die bomba- und plena-inspirierten Klänge von CAFé CON RON holen traditionelle Genres in die Gegenwart. Besonders beeindruckend ist die Zusammenarbeit mit Künstler:innen wie RaiNao, Chuwi und den Pleneros de la Cresta, die für authentische Klänge sorgen und das kulturelle Erbe Puerto Ricos zelebrieren.
Ein echtes Highlight des Albums ist der Song LO QUE LE PASÓ A HAWAii (Was mit Hawaii passiert ist). In diesem Track thematisiert Bad Bunny nicht nur die koloniale Vergangenheit Puerto Ricos, sondern prangert auch den Verlust kultureller Identität an. Mit der Zeile „No quiero que pase contigo lo que pasó a Hawaii“ (Ich will nicht, dass mit dir passiert, was mit Hawaii passiert ist) macht er deutlich, wie sehr ihn die Gentrifizierung und die Veränderungen in seiner Heimat bewegen. Auch in dem Song „Turista“ beleuchtet Bad Bunny die Folgen von Kolonialismus und Massentourismus. Ein begleitender Kurzfilm dazu soll die Gentrifizierung in Puerto Rico visuell greifbar machen. Hier zeigt sich der Künstler von seiner engagierten Seite, der nicht nur für Unterhaltung sorgt, sondern sich auch für soziale Gerechtigkeit einsetzt.
Dass Bad Bunny all dies auf einem Karrierehöhepunkt tut – als globaler Superstar mit über 46 Millionen Social-Media-Followern und unzähligen Spotify-Rekorden – macht das Album umso bemerkenswerter. Es ist eine Liebeserklärung an Puerto Rico, die gleichzeitig weltweit Resonanz findet – auch in Deutschland. Europäische Fans sehnen sich seit Jahren danach, dass Benito nach Europa kommt, doch der Künstler zeigt sich diesbezüglich verhalten. Für ihn steht im Sommer eine Resdiency in Puerto Rico fest. Dort tritt er mehrere Wochen auf mit dem kleinenExtra, das in den ersten Wochen nur Menschen aus dem Land auf seine Konzerte können und das zu lokal bezahlbaren Preisen. Fans aus der Welt können hoffen, dass sich die Residency auch für sie öffnen wird, mit dem schönen, aber auch teuren Manko nach Pietro Rico reisen zu müssen. Doch wenn ich jetzt mal die Kostenbrille absetze, können wir sein Engagement für das Land schätzen und die damit verbundene finanzielle Stärkung. Natürlich nur, wenn es nicht zum Massentourismus führt!
Bad Bunny beweist mit Debí Tirar Más Fotos, dass Musik nicht nur für TikTok gemacht ist. Dieses Album ist ein genre- und generationsübergreifendes Kunststück. Es zeigt uns, dass es okay ist nostalgisch zu sein und sich gemeinsam zu erinnern. Aber! wir sollten die Momente im Hier und Jetzt nicht verpassen. Es hat einen Vibe, der zum Tanzen und Nachdenken einlädt. Und dabei ist es egal, ob man Spanisch kann oder nicht. Bad Bunny selbst sagte erst kürzlich dasselbe. Denn dieses Album ist für Puerto Ricaner:innen. Das heißt nicht, dass wir es nicht verstehen können! Viele Menschen insbesondere mit Zuwanderungsgeschichte fühlen sich gesehen. Sie teilen ihre Erinnerungen an ihre Heimat, Verwandten auf Social Media. Hiermit hat Bad Bunny einen Trend des Wertschätzens der Zeit und des Festhaltens dieser geschaffen. Ja, ich weiß das ist nicht neu! Aber in Zeiten des politischen Wirrwarrs ist es ein wohliges Gefühl. Te júro!
„Now he’s thinking ‚bout me, every night, oh“ — kommt Euch diese Zeile irgendwie bekannt vor? Falls ja, kein Wunder! Mit „Espresso“ landete Sabrina Carpenter dieses Jahr einen Sommerhit, wie er im Buche steht. Dass sie auch in der kalten Jahreszeit nicht abgeschrieben werden will, beweist sie nun mit der Weihnachtshow „A Nonsense Christmas“. Gleichzeitig ist die Sängerin bekannt dafür, in ihren Lyrics nicht immer familienfreundlich zu sein. Dies fällt meist erst bei näherer Betrachtung der Liedtexte auf, da sie gerne auf Double Entendres, also zweideutige Wortspiele zurückgreift. Frivole lines wie „And when you‘re coming down the chimney, oh it feels so good“ lassen nicht nur das ein oder andere Großelternteil im Schaukelstuhl nach vorne kippen. Sicherlich fragt Ihr Euch nun: Passt das mit Weihnachten zusammen? Ich würde sagen — nein! Aber gerade das ergibt einen hohen Unterhaltungswert.
Nun erobert sie also neben den Musik-Charts auch Netflix. Und entweder mag man es, oder man mag es nicht, aber Sabrina steht einfach für ihren „trashigen“ Humor. Bereits zu Beginn der Show transportiert Sabrina so eben jene ironische Leichtigkeit durch den Bildschirm, die sofort ansteckend ist. Als Zuschauende:r begleitet man sie einen Abend lang durch ein großes heimisch wirkendes Haus, das vor Weihnachtsdeko nur so strotzt. In dieser nostalgisch wirkenden Behausung, die an den 90er Variety Optik erinnert, wird sie auf verschiedene Prominente treffen, die ihr Gesellschaft leisten. Dabei gibt sie neben klassischen Weihnachtshits auch die Tracks ihres Weihnachtsalbums „fruitcake“ zum Besten.
Neben ihren 12 Gästen aus der Welt der Stars hat die „Espresso“-Sängerin auch Kontakt mit einer anderen berüchtigten Persönlichkeit — und zwar in der Weihnachtsversion ihres Hit Songs „Nonsense“. Hier wird es mit dem Auftritt eines großen Autors auf den ersten Blick überraschend intellektuell. Oder wie man es eben nimmt. Die Zeile „I need that Charles Dickens“ soll vermutlich eher auf jemand anderes beziehungsweise etwas anderes anspielen. In der neuen Weihnachtsshow wird es jedoch wieder wortwörtlich genommen. Hier reinszeniert die Sängerin mit der Weihnachtsgeschichte einen waschechten Klassiker. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie nun auf Wortspiele verzichtet. Tatsächlich gelingt es ihr, auf geistreiche Weise, die Geister der Weihnacht mit dem Thema Dating zu verbinden. So erscheinen einem eher unzuverlässigen jungen Mann seine Ex-Freundinnen, die er eben geghostet hat. Ein guter Einfall, der mich zum Lachen gebracht hat.
Auf Instagram hatte ich bereits zuvor Ausschnitte des Duetts mit Chapell Roan gesehen, auf das ich äußerst gespannt war. Tatsächlich muss ich jedoch feststellen, dass Letztere mit dem Hit „Last Christmas“ auf mich stimmlich unterfordert wirkt. Ihr Gesangstil passt eher weniger zu dem eher simpel gestrickten Pop-Hit und lässt sie leider nicht so gut wegkommen, wie Sabrina Carpenter mit ihrer eher soften Stimme.
Da überzeugen eher andere Gäste wie Tyla oder Shania Twain, welche Sabrina Carpenter mit ihrer Performance sogar das Rampenlicht stiehlt. Dennoch haucht auch Chapell mit ihrem Auftritt im Karaoke-Style dem Special noch mehr Christmas Spirit ein. Schließlich ist Weihnachten für viele eine Zeit des Beisammenseins — entgegen großer künstlerischer und stilistischer Unterschiede.
Ebenso in Erinnerung geblieben ist mir ein Sketch, der die Lebensrealität vieler Familien wohl ins Herz trifft: Man kennt sich schon lange, aber man weiß einfach nicht, was man sich zu Weihnachten schenken soll. Verpackt mit einem catchy Trap sound kontrastiert die Comedy Einlage das sonst glitzernde kitschige Set.
Insgesamt liegt das Cringe-Level noch höher, als der Stern auf der Baumkrone. Aber wer etwas anderes erwartet hat, kennt Sabrina Carpenter als Künstlerin wahrscheinlich auch nicht. Wer sich jedenfalls auf die Festtage einstimmen und dabei den stressigen Alltag vergessen will, sollte sich das Christmas Special nicht entgehen lassen.
:Levinia Holtz
]]>„From Zero” – Besser hätte der Albumtitel eigentlich gar nicht sein können, denn das Ganze wirkt tatsächlich wie ein Neuanfang für die Band und doch bleibt vieles ach so vertraut. Nach dem tragischen Tod von Frontsänger Chester Bennington im Juli 2017 war lange Zeit unklar was aus der Band, die eine ganze Generation geprägt hat, wird. Nur langsam erholten sich die damaligen Bandmitglieder Rob Bourdon (Drums), Joe Hahn (DJ), Dave „Phoenix” Farrell (E-Bass), Brad Delson (Lead-Gitarre) und Mike Shinoda (Rap und Gitarre) von der schrecklichen Nachricht rund um Chester. Doch eins war klar: Die Band aus dem sonnigen Kalifornien geht auf unbestimmte Zeit in die musikalische Funkstille und hinterlässt eine trauernde Fangemeinde. Lediglich ein paar Live-Alben und Alben Remaster erschienen zum 20-jährigen Bandjubiläum, doch von neuer Musik war keine Spur. Das sollte sich dieses Jahr nun endlich ändern. Fast schon wie aus dem Nichts gibt es dann Anfang September ein neues Lebenzeichen der Band während eines Live-Auftritts. Mit neuer Single „The Emptiness Machine” starten Linkin Park in die große Welttournee, die auch schon nach Deutschland führte. Mit dabei waren auch die neuen Bandmitglieder Collin Brittain (Drums) und Emily Armstrong (Gesang), die in die Fußstapfen von Chester Bennington tritt. Die neue Frontfrau sorgte unter Fans für viel Aufsehen.
Wer ist Emily Armstrong?
Emily Armstrong ist kein unbeschriebenes Blatt. Sie gründete 2002 mit einer Freundin die Band Epiphany, die später auch als Dead Sara bekannt sein würde. Es entstanden drei Studioalben. 2012 gewann die Band Preise für ihren Song „Weatherman”. Sie sorgte in den sozialen Medien mit fragwürdigen Verbindungen zur Scientology Kirche für Stirnrunzeln, davon distanzierte sich die 38-Jährige aus Los Angeles aber mittlerweile und schaffte Klarheit. Für viele Fans der Band ist Emily kein Ersatz für Chester Bennington, sondern eher ein komplett neues Kapitel in der Bandgeschichte. Unter Beweis stellt sich Emily vor allem live, wenn sie alte Gesangspassagen von Chester wiedergibt und dabei ihren „Scream” (Gesangstechnik in der Metal Musik) unter Beweis stellt.
Wie ist das neue Album?
Auch mit neuer Besetzung durch Emily Armstrong und Collin Brittain ist der unverkennbare Nu-Metal Sound von Linkin Park auch auf dem neuen Album zurück. Besonders fällt auf, dass Mike Shinoda, Rapgesang und Kopf der Band, deutlich mehr Raum einnimmt, wenn es darum geht auch mal den Gesang anzustimmen. Hat er sich doch sonst größtenteils auf Background Voice und Rap-Passagen reduziert, singt er auf „From Zero” selbstbewusst und im Einklang mit Emily zum Beispiel auf dem Outro „Good Things Go” oder „Emptiness Machine”. Die beiden ergänzen sich von der Klangfarbe schon richtig gut. Das lässt alte Erinnerungen von Mike und Chester wach werden. Wo sich die Band am meisten wiedererkennt, ist die Musik an den Instrumenten. Gewohnt harte Riffs in Begleitung von soliden Drums, die trotzdem Raum für Emilys und Mikes Gesang und Schreipassagen lassen. Ebenso unverkennbar ist die Arbeit von Joe Hahn, der am Mischpult einen einzigartigen Sound mit Scratches und Synthesizer kreiert.
Auf „From Zero” zeigt die Band vor allem auch, welche klangliche Bandbreite sie an den Tag legen kann. Von Songs die absolut nach vorne gehen und zum Mitschreien motivieren, wie etwa „Causality” bis hin zu ruhigen Nummern wie etwa „Over Each Other", ist für jede Stimmung etwas dabei.
Für mich ist das Album fast schon eine kleine Reise in meine Kinder- und Jugendzeit, in der Linkin Park nicht wegzudenken war. Schöne Erinnerungen an den ersten Live-Auftritt kommen beim Hören von „From Zero" wieder hoch, auch wenn es diesmal nicht Chester ist, der sich die Seele aus dem Leib schreit. Die neue Zusammensetzung kommt zumindest bei mir, und vielen Stimmen aus der Fancommunity gut an. Zu danken ist das wohl zu einem großen Teil dem unverkennbaren Klangbild sowie Mike Shinodas Rap und Gesang, die ein ganz essentielles Fundament für Linkin Park bilden. Die neue Frontfrau fügt sich in dieses Fundament fast schon nahtlos ein. Das neue Album ist mit 32 Minuten vielleicht etwas kurz, überzeugt musikalisch aber in jeder Hinsicht. Für mich kommt auf dem Song „Stained” alles zusammen was ich an Linkin Park liebe. Eine absolute Empfehlung für Fans und neue Hörer:innen.
:Artur Airich
]]>Maxton Hall erfüllt zunächst alle Vorraussetzungen fü„Maxton Hall“ ist nur eine weitere kitschige Teenie-Serie?r ein romantisches Serienerlebnis: Hauptfigur Ruby, gespielt von Harriet Herbig-Matten, will hoch hinaus. Da sie aus einer Familie mit wenig Geld kommt, wirkt sie inmitten der ganzen Snobs auffällig geerdet. Für ihre Zeit an der Privatschule Maxton Hall hat sie ein Stipendium bekommen. Ihr Ziel ist es, später in Oxford angenommen zu werden. Dabei porträtiert die Serie sie als optimistisch und engagiert. Unbestreitbar überzeugt die Serie dabei mit den Drehorten, die definitiv einen englischen, noblem Charme ausstrahlen. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine deutsche Produktion mit deutschen Schauspieler:innen. Die Buchvorlage „Save Me“ lieferte die deutsche Autorin Mona Kasten im Jahre 2018. Maxton Hall wirkt genauso, wie es auch von Ruby wahrgenommen wird: Es ist eine andere Welt. Demnach steht die Serie mit ihrer Ästhetik für eine jugendliche Leichtigkeit.
Gleichzeitig gelingt es Maxton Hall jedoch auch Tiefgang zu schaffen, insbesondere bei ernsten Themen wie häuslicher Gewalt — zumindest bis zu einem bestimmten Grad. Die wichtigen Dynamiken zwischen den Hauptfiguren werden zwar entschlüsselt, dies geschieht jedoch stark vereinfacht: James Beaufort, gespielt von Damian Hardung, ist Schüler der Maxton Hall und Sohn eines Millionärs. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein überhebliches Klischee, doch es wird rasch deutlich, dass sein Verhalten in tieferliegenden Problemen verankert ist. So erfährt James von seinem Vater psychische und physische Gewalt. Ihm wurde eingetrichtert, nach außen hin das perfekte Image zu wahren – Sensibilität oder Schwäche sind in seiner Familie nicht erwünscht; Zweifel und Versagen haben keinen Platz in seiner Welt. James weiß, dass das Äußern seiner wahren Ansichten und Emotionen nichts daran ändern würde, weil sein Vater den Druck auf ihn nur weiter erhöhen würde. Aus dieser inneren Zerrissenheit heraus entwickelt er eine Fassade der Unantastbarkeit, um sich zu schützen. Diese psychologischen Mechanismen enthüllt die Serie zwar wirkungsvoll, aber durchbricht sie auch etwas zu schnell. Denn dann kommt Ruby in sein Leben – ein Mädchen, das laut James’ Vater in der gesellschaftlichen Hierarchie weit unten steht. Für James’ Vater steht fest, dass Ruby es nie weit bringen wird, allein aufgrund ihrer Herkunft. Ruby jedoch tritt selbstbewusst auf, stellt James nach einigen Streitigkeiten vor der ganzen Klasse bloß und demütigt ihn. Sie entlarvt seinen Schutzmechanismus der Arroganz. Aus psychologischer Sicht durchlebt James in diesem Moment eine schwere Krise seines Selbstwertgefühls. Nach dieser Demütigung entschuldigt sich Ruby jedoch, und plötzlich scheint es, als würde James gerade diese widerspenstige, selbstbewusste Art anziehen. Er fühlt sich zu ihr hingezogen, weil sie all das verkörpert, was er nicht ist.
Die „Enemies-to-Lovers”-Geschichte wirkt vielleicht auf den ersten Blick stimmig, doch auf den zweiten Blick eher übereilt. Eine Entschuldigung und alles ist vergeben und vergessen? James mag sich wünschen, so zu sein wie Ruby, doch tief in seinem Inneren weiß er, dass dies unter den Bedingungen, die in seiner Familie herrschen, unerreichbar ist. Ruby hat ihm bis jetzt Gründe gegeben, sie zu respektieren — für die Gefahr, die sie für sein Image bedeutet. In diesem Sinne wirkt die schnelle Entwicklung ihrer Romanze wenig überzeugend. Es wird nicht klar, was die beiden wirklich zusammenhält, zumal sich James’ Umfeld massiv gegen die Beziehung zu Ruby stellt.
(Spoiler-Warnung):
Später setzt James’ Vater ihn wegen der Beziehung zu Ruby auch noch unter Druck und erpresst ihn sogar. Er droht, Rubys soziale Herkunft öffentlich zu machen und dafür zu sorgen, dass sie in den höheren Kreisen keinen Respekt mehr genießen wird, wenn James weiterhin mit ihr zusammen ist. Letzterer entscheidet sich daraufhin, Ruby glauben zu lassen, dass seine Zuneigung nur vorgespielt war. Doch war diese zermürbende Erklärung wirklich notwendig? Vielleicht, um zu verhindern, dass Ruby sich ansonsten einer Trennung widersetzt und keinen Abstand zu James hält. Gleichzeitig dürfte es mindestens genauso schlimm sein, eine Beziehung auf diese Weise zu beenden.
Romantisierungen ungesunder Beziehungskonstellationen können für Spannung sorgen, aber auch falsche Vorstellungen von Liebe stärken. Maxton Hall zeigt in einem traumhaften Setting eine leider toxische Beziehung, die wahrscheinlich deshalb gerade so packend ist. Die ständige Weiterentwicklung trägt Folge um Folge durch die Serie und Nebenhandlungen garantieren Abwechslung und Spannung. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob Staffel zwei die Beziehung zwischen James und Ruby noch vertiefen und entgiften kann. Eine deutsche Serie, die von dem Klischee der High School Romanze nur so strotzt, hat abschließend auch mich in ihren Bann gezogen.
: Levinia Holtz
]]>2009: Dragon Age: Origins und Awakening
Der erste Titel der Reihe ist stark von Dungeons und Dragons inspiriert und reiht sich somit mit anderen Klassikern des RPG-Genres, wie etwa The Elder Scrolls III: Morrowind, Baldurs Gate I und II und Neverwinter, ein. In dem Spiel taucht man in die magische Welt von Thedas ein. Das Setting erscheint anfangs typisch Fantasy-mäßig mit Elfen und Zwergen. Der Schein trügt jedoch: Die Welt wird bedroht von abscheulichen Dämonen, die aus den Tiefen der Welt kommen .Magier werden oft schon als Kinder entführt und dazu gezwungen, zwecks konstanter Überwachung und Abschirmung in Türmen zu leben. Elfen leben zu großen Teilen in Slums und als Haussklaven. Und die Liste geht immer weiter; jeder Spieldurchlauf fängt mit der Auswahl der persönlichen Biographie an. Durch diese und Beziehungen mit seinen Mitstreitern kann man so Schritt für Schritt diese Welt erkunden.
Das Gameplay kann für Neueinsteiger:innen zäh sein. Als taktisches Spiel ermutigt es Dich dazu, mitten im Kampf zu pausieren und die nächsten Züge zu planen. Zudem ist es sehr textlastig.
Doch keine Angst: Du kannst das Spiel auch auf die einfachste Schwierigkeitsstufe stellen und eine der vielen Synchronisationen genießen. Dragon Age wurde nämlich vollständig in mehreren Sprachen synchronisiert
Dragon Age war sofort ein Hit und bleibt auch positiv in Erinnerung: Das Spielmagazin IGN gab dem Spiel neun von zehn Punkten, GiantBomb fünf von fünf Sternen, und dieses Muster zieht sich durch die meisten Rezensionen. Auch ich erachte Dragon Age: Origins und seine Erweiterung Awakening als Perlen des Rollenspielgenres, die es definitiv wert sind, mindestens einmal gespielt zu werden.
2011: Dragon Age II
Wir sind noch immer in der Welt von Thedas, diesmal auf einem anderen Kontinent. Der Spielercharakter ist automatisch ein Mensch, die Klasse und das Geschlecht können noch immer gewählt werden. Du fliehst vor den Dämonen des ersten Teils und landest im Stadtstaat Kirkwall. Die Geschichte ist sehr viel persönlicher: Du, Deine Familie und Deine Mitstreiter:innen sind der Fokus der in drei Akten gegliederten Geschichte. Beziehungen mit Mitstreiter:innensind nicht auf einer Skala von eins bis hundert angegeben, sondern reichen von Rivalitäten bis zu engsten Vertrauten – und die Romanzen mit ihnen sind an beiden Enden des Spektrums zugänglich.
Das ambitionierte Sequel musste so einiges stemmen: Die Erwartungen waren durch den Vorgänger sowohl seitens der Entwickler und der Fans hoch. Dazu wurde BioWare 2010 von Electronic Arts (EA) gekauft. EA gab dem Entwicklerteam eine Deadline von 14 bis 16 Monaten, wodurch viele Grafiken und Modelle wiederholt vorkamen und neue Inhalte auf das DLC ausgelagert wurden.
Das Gameplay ist um einiges fluider. Das Durchplanen aller Attacken ist nicht mehr notwendig und die normalen Attacken der Charaktere sind um einiges schneller. Das Spiel wurde wieder mehrsprachig synchronisiert und um einiges zugänglicher als der erste Titel gestaltet. Dieser Titel wurde durchschnittlich mit acht von zehn Punkten bewertet, wobei oft Konsequenzen der engen Deadlines kritisiert wurden. Mich störten diese Sachen größtenteils nicht. Mit den persönlichen Schicksalen, die man über neun Jahre hinweg verfolgt, ist dieses Ableger mein Favorit der Reihe.
2014: Dragon Age: Inquisition
Durch diverse Gründe, die man nun wieder komplett personalisieren kann, findest Du Dich bei einem Riss in der magischen Barriere der Welt wieder. Dort wird bekannt, dass Du diese Risse anscheinend schließen kannst, weshalb Du der neue Anführer der Inquisition wirst. Hier geht es somit wieder mehr um die Politik der Welt, in der Du spielst. Das Spiel beschränkt sich nicht auf ein Land oder Gebiet. Stattdessen wählst Du aus, wohin du reisen möchtest, um die Geschichte des Spiels zu verfolgen … oder auch, um einfach nur rumzulaufen. Dieses Spiel ist nämlich sehr non-linear und beinhaltet – auf Anforderung EAs – sehr viele Extrainhalte. Ob Du den Bürgerkrieg auf Seite der Magier unterstützen, die Quests deiner Begleiter:innen erledigen oder einfach nur die Welt erforschen willst: Die Entscheidung liegt immer bei Dir.
Dieses Spiel lehnt sich stark in flüssiges Action-Gameplay rein. Die Option zum Pausieren ist versteckt und die Skill-Leiste auf acht Fähigkeiten beschränkt. Die Klassen wurden allesamt offensiver aufbereitet und mit neuen Spezialisierungen ausgestattet, um sie daran anzupassen.
Dragon Age: Inquisition hatte ähnliche Hürden wie der Vorgänger. Durch Sparmaßnamen EAs waren die Entwickler:innen unglaublich hohen Anforderungen ausgesetzt. Trotz kurzer Deadline wie auch unpassender Programmierwerkzeuge sollte das bisher größte Spiel der Serie entstehen. Trotz dessen bleibt Inquisition meiner Meinung nach ein starkes Spiel. Der große Fokus auf non-Linearität eröffnet den Spieler:innen eine Menge an neuen Türen.
Fazit
Einen klaren Favoriten zu finden, ist in dieser Serie, die vor Diversität, Repräsentierung, politischen Intrigen und vielem mehr strahlt, schwer zu finden. Mit dem neuen Titel sollte das noch schwerer werden: Versprochen wurde den Fans ein Spiel mit noch fluiderem Gameplay, wiederkehrenden Charakteren und lang ersehnten Regionen, in die man sich nun endlich einspielen kann. Dementsprechend hoffnungsvoll erwarte ich nun Dragon Age: The Veilguard.
:Halima Okanovic
Viele autistische Personen sehen sich mit einem Sehnen nach Liebe und Ungeschicklichkeit im Dating konfrontiert. Dies will eine Dating-Show tacklen: Sie interviewt und begleitet diese Autist:innen, während sie Dates arrangieren.
2018 kreierte der Australier Cian O'Clery eine Dating Show, in der autistische Personen in der Hauptrolle standen. 2022 wurde diese Serie von Netflix erworben. Das Original wird als ,,Love on the Spectrum Australia" angeboten,während die für Netflix produzierte Version nur als ,,Love on the Spectrum" vermarktet wird und in den USA spielt. Passenderweise wurde dieses Jahr die dritte Staffel des amerikanischen Ablegers bestätigt – der perfekte Zeitpunkt, um Dir die erste Staffel dieser Serie einmal vorzustellen.
Hier stehen Personen auf dem Autismusspektrum im Mittelpunkt. Die jeweiligen Teilnehmer:innen stellen sich anfangs vor und werden gefragt, was autistisch sein für sie bedeutet. Für alle, die sich darunter wenig vorstellen können: Die Autismusspektrums-Störung, oft verkürzt als Autismus, ist eine seelische und teils geistige Behinderung. Sie zieht klassischerweise Symptome wie verzögerte Entwicklung im Kindesalter, eingeschränkte und untypische soziale Fähigkeiten, sensorische Probleme wie Reizüberflutung und vieles mehr mit sich. Da diese Symptome bei allen Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt sind, wird heutzutage vom Autismusspektrum gesprochen. Oftmals wird dieses vereinfacht dargestellt. Dann stehen an einem Ende Personen, die keine bis wenig Assistenz im Alltag brauchen. Am anderen Ende stehen Personen, die Rund um die Uhr pflegebedürftig sind.
„Love On The Spectrum“ featuret Personen an verschiedenen Stellen dieses Spektrums. So ist die erste vorgestellte Teilnehmerin Dani, eine junge Unternehmerin, die sich von anderen Autist:innen missverstanden fühlt und von ihren Eltern wegen ihres Autismus' abgelehnt wurde. Ein weiterer Teilnehmer ist Subodh, ein Mann in seinen Dreißigern, der mit seiner Familie lebt und noch keinerlei Erfahrungen in Sachen Beziehungen gemacht hat. Auch autistische Personen mit oft einhergehenden Krankheiten und Behinderungen werden repräsentiert: Kaelynn ist eine junge Frau mit ADHS, Autismus und mehreren Lernstörungen. Mit Steve, der um die 60 Jahre alt ist, wird selbst älteren Erwachsenen die Chance auf Liebe gegeben.
Die Serie leistet wenig Bildungsarbeit, dafür aber einen anderen wichtigen Beitrag: Autistische Personen werden als vollkommene, empathische und emotionale Menschen dargestellt. Personen, die wenig über Autismus wissen, werden also neue Berührungspunkte finden. Abseits dessen ist ,,Love On The Spectrum" auch für Fans des Genres allgemein empfehlenswert. Die Serie ist zu großen Teilen unbeschwert und fröhlich. Autistische Verhaltensweisen werden in neutralem oder positivem Licht dargestellt, manche Szenen sind fast beschämend schnulzig. Die Atmosphäre ist locker während man die Teilnehmenden auf ihren romantischen Abenteuern begleitet. Es wird kaum auf die Schattenseiten ihrer Behinderungen eingegangen und dementsprechend auch wenig Aufklärungsarbeit geleistet. Trotzdem ist sie es dank ihrer Stärken wert, gesehen zu werden. Allgemein stellt diese Show nämlich einen positiven Beitrag zum Verständnis von autistischen Personen und ihrer Akzeptanz in der Gemeingesellschaft dar. Und das, während Berührungspunkte zu nicht-autistischen Personen erhalten bleiben.
:HalimaOkanovic
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