Warning: Constant WP_DEBUG_DISPLAY already defined in /var/www/html/wp-config.php on line 111
Ballroom Szene und Kultur
In Deutschland ist, das eine feste etablierte Szene, die es seit 2017 gibt. Diese hat sich, im Vergleich zur New Yorker Ballroom Szene, zuerst aus künstlerischem Können entwickelt. In den USA entstand die Szene aus einem politischen sozialen Widerstand, welcher von Schwarzen und Latinx trans Frauen geführt wurde, und daraus entwickelte sich der künstlerische Ausdruck beziehungsweise die Gehrart, der Tanz, die Posen etc. In Deutschland war die Szene erstmal aus dem Tanz entstanden, die sich dann zu sozialen Strukturen entwickelt haben, und zu Safer Spaces für marginalisierte Gruppen wurden. Diese sozialen Räume bilden die unterschiedlichen Häuser ab, die bei den Balls gegeneinander auftreten.
Die Häuser
The Houses funktionieren wie eine Form Familie. Es gibt die Führungsperson, namens Mother und die Children, die untergeordnet sind und von der Mutter vieles lernen. Die Mutter erklärt ihren Kindern den Ursprung der Ballroom Culture, sie lehrt ihnen die verschiedenen Ball-Kategorien und wie die Tanz-/Performance-Techniken ausgeübt werden. Dazu gehören Techniken wie beispielsweise Voguing, Male & Female Walk oder Stretching. In Europa gibt es unter anderem folgende Häuser: The House of Saint Laurent, The House of Ninja, The House of LaDurée. Dabei ist nicht außer Acht zu lassen, dass es The House of St. Laurent war, welches die Ballroom Kultur nach Deutschland gebracht hat.
Achtung, weiße cis Meschen!
Ballroom Culture ist ein Safer Space! Ballroom Cultureist trans BiPoC Kultur! In der Ballroom Kultur werden keine Menschen akzeptiert, die nicht solidarisch hinter trans Menschen stehen und diese beschützen. Es ist eine Kultur, die aus dem ästhetischen Erbe von Schwarzen und Latinx, trans Menschen besteht, und das muss wertgeschätzt und beschützt werden. Die Ballroom Kultur geht mit Aktivismus einher – das eine kann nicht ohne dem anderen bestehen. Es wäre eine Frechheit, wenn beispielsweise eine*r nur das Voguing nimmt, und trans Menschen diskriminiert. Mensch nimmt entweder das ganze Paket oder lässt es sein. Wenn (!) weißen cis Menschen erlaubt wird so einen Raum überhaupt zu betreten, dann wird Wertschätzung der Ballroom Kultur vorausgesetzt. Fragt euch, warum ihr an oder in einem Ball teilnehmen wollt: Ist es der Wunsch solidarisch mit LGBTQ+ Leuten zu stehen oder dient es einem Unterhaltungs-Zweck, mit dem du dich schmücken kannst?
Für mehr Infos schaut gerne hier rein: https://www.theaterdo.de/produktionen/detail/xtatic-ballroom-performance/
Der Auftritt fand auf einer Bühne statt, die einen Laufsteg hatte, der direkt ins Publikum führte. Während die Besucher:innen ihre Plätze einnahmen, lief eine live DJ Session ab. Jap, ihr hört richtig – es war ein Ball mit Sitzplätzen. Der ein oder anderen Person mag das komisch vorkommen, weil Balls eigentlich in einem Club-Ambiente stattfinden. Hierzu muss vorab erwähnt werden, dass es sich um eine reine Performance handelt und nicht um die typische Ball Kultur.
Crystal Saint Laurent, Moderatorin des Abends, stellte zunächst einmal Carmel Koster aka DJ CeeKay und Co-Kommentatorin Tara vor. Von Anfang an machte Crystal dem Publikum klar, „we let you in, in our house – appreciate it!“. Daraufhin wurden die antretenden legendären Häuser vorgestellt. The Iconic House of St. Laurent machte den Anfang, dem folgte The House of La Durée und abschließend kam The Iconic House of Ninja Alle Teilnehmer*innen waren natürlich top gestylt und bewegten sich wie Queens, aber besonders fiel mir The House of La Durée auf. Sie traten in einheitlicher Farb-Kombi aus schwarz und Feuer-rot auf, und deren Mutter war am glowing mit ihrer Army Officer Cap und den ganz viel Ketten da drum.
Die Mothers der Häuser kriegten einen Sitzplatz am Laufsteg. Sie stellten die Judges des Abends dar und da sie auch
auftreten mussten, gab es ab und zu einen Judge-Wechsel. Die einzige Person, die kontinuierlich Judge blieb war Mary-Jo of La Durée, die sich wegen ihrer Bein-Verletzung schonen musste. Crystal erklärte den groben Ablauf des Abends und es ging direkt mit dem ersten Walk los, der einer der bekanntesten im Ballroom ist: Face Performance. The Iconic House of Ninja gewann diese erste Kategorie. Ingesamt gab es sieben Katergorien: Runway with a twist, Performance with a Prop, New Wave, Fashionkiller, Mother vs. Mother und die Publikumskategorie Best Dressed. Hinter jede der Kategorien steckte viel Überraschendes zu sehen, wie bunte Farben, ganz viel Glitzer, artistische Bewegungen und das alles von nicer Musik und energetisierenden Kommentaren der Mods begleitet. Zu Anfang war die Stimmund etwas almanmäßig gehemmt, aber nach jeder Kategorie lockerte das Publikum etwas auf. Für mich wurde totally wilde, als es zur letzten Kategorie kam. Tara und Crystal suchten zwei Auserwählten für den Walk Best Dressed aus und die Entscheidung fiel, durch euphorisches Zurufen des Publikums, schnell auf Energieball Valentina und mich. Bei unserer Performance taten wir alles, um unsere Kleider zu präsentieren und die Jury für uns zu gewinnen. Valentina, selbst Schauspielerin am Theater Dortmund, zog ihr schönes, besticktes, schwarzes, langes Kleid bis zum Busen hoch und ich wirbelte mit meinem roten, Blümchen-Kleid umher und kroch auf allen vieren vor der Jury her. Die Entscheidung fiel knapp aus, aber das kriechen und „boobies & booty shaken“ zahlte sich aus – ich gewann Best Dressed! Und bekam den einzigartigen Einblick die Energie von der Bühne aus einzufangen. Zum Ende war das ganze Publikum so hyped, dass alle standen und tanzten, während auf der Bühne sich alle Teilnehmenden mit einem „last walk“ verabschiedeten.
Was euch aufgefallen mag – es gab keine richtigen Gewinner:innen und keine Preise. Das ist ein Unterschied im Vergleich zu typischen Balls. Dort gibt es pro Kategorie einen Preis, doch hier wurde es andersgehandhabt. Zum Ende hin sollte ein Gewinner:innen-Haus gekürt werden, doch wegen Zeitmangel fiel das weg. Was noch aufgefallen ist: Das Publikum war sehr weiß…und queer. Und die Sitzplätze waren natürlich etwas ungewohnt. Real Talk: Ich war zu Anfangs etwas verwundert darüber, dass gerade eine Bühne als Auftrittsort benutzt wurde. Ich habe mich geärgert, dass gerade dieser Club-Charme, welcher besonders in der Ballroom Kultur ist, weggenommen wurde und stattdessen so ein elitärer weißer Raum benutzt wurde. Aber im Nachhinein freue ich mich und sehe es als einen großartigen politischen Statement! Queere BiPoC haben mit ihrer Ballroom-Perfomance auf dieser Bühne weiße elitäre Strukturen aufgebrochen. Die Performance ist, was es ist: Eine Performance, eine Show, kein typisches Ballroom Battle. Die Show hatte einen Aufklärungscharakter, zum Beispiel wurde erklärt, was Runway with a twist bedeutet, (Catwalk mit der Performance-Technick Female & Male Walk). Diesen finde ich besonders wichtig, gerade wenn der Raum für alle aufgemacht wird. Als ich mich beim Anstehen an der Schlange umguckte, hatte ich schon Sorge, dass Uwe und Annika sich erneut eine Kultur aneignen würden. Crystal und Tara haben mit ihrer Art und Weise zu moderiert das nicht zugelassen. Sie haben klar und deutlich gemacht, dass wir Gäst*innen in ihrer Kultur sind und diese respektieren und wertschätzen sollen. Die Stimmung an sich war energetisierend. Um es in den Wörtern der Befragten zu packen „Klasse Show, richtig geil!“, „richtig gut und mega schöner Abschluss!“, „energetic, educational, aber manchmal weird weil es so ein stop and continue war“, „super, aber wir haben eher erwartet wir stehen, aber es ist halt ein Theater“. Für die meisten war es der erste Ball und die kritischeren Stimmen kamen von Queens und Queers. Nach diesem Abend, mit so vielen tollen, wunderschönen und energiespendenden Menschen, habe ich definitiv Bock auf noch einen Ball. Aber dann ein richtiger Ball, wo ich auch mehr Energie mit queeren BiPoC Geschwister teilen kann. Ich freu mich jetzt schon drauf!
:Nathalia Rodriguez
]]>
Eine stolze Geschichte
Die Wurzeln des Pride Month, von Befreiungskämpfen bis Paraden gehen weit zurück. Die Stonewall-Unruhen waren das Schlüssel-Ereignisse für eine LGBTQ*-Bewegung, die sich bis dato oft nur mit Vorsicht und im Hintergrund bemerkbar gemacht hat. Vor allem homosexuelle weiße Männer und Frauen konnten am Anfang des 20. Jahrhunderts in US-amerikanischen Großstädten relativ sicher leben – wenn sie nicht auffielen. Doch auch diese relative Sicherheit war keine Garantie, und die Verfolgung Homosexueller intensivierte sich unter dem radikalen Antikommunismus der McCarthy-Ära ab den 50er-Jahren. Eine Konstante waren Repressionen seitens des Staates in Form von Razzien und Festnahmen. Die Verfolgung und rechtliche Diskriminierung führte jedoch auch dazu, dass viele bekannte Bars und Treffpunkte der Mafia gehörten, die als einzige zumindest relativen Schutz vor der Polizei bot, weil sie diese bestach und erpresste. An diesen Orten konnten Menschen, die in der restlichen Gesellschaft kein Recht auf freie Entfaltung hatten, ein wenig Ruhe und Freiheit genießen. In der damaligen Zeit der Verfolgung und vor vielen Begriffen, die heute im Diskurs selbstverständlich scheinen, waren sie vor allem an Schwule und Lesben gerichtet – aus heutiger Sicht verschwimmen dabei jedoch die Linien zwischen Crossdressing, Drag und Transidentität. Doch war die Mafia selbstverständlich nicht an den Rechten der Kund*innen, sondern am Profit interessiert, den sie durch diese Orte machen konnten – oftmals auch indem sie wohlhabende Kunden erpressten. Einer dieser Orte? Die Stonewall Inn in Manhattan.
Bereits vor dem Widerstand gegen Übergriffe durch die Polizei gab es öffentliche politische Versammlungen der LGBTQ*-Bewegung. Seit 1965 erinnerte sie bei sogenannten Annual Reminders daran, dass Mitgliedern ihrer Community keine grundlegenden Rechte garantiert wurden. Doch die Stonewall-Unruhen gaben dem Ganzen eine zuvor nicht da gewesene Dimension. Bekannt als die Gay-Bar der Stadt, waren für die Stonewall Inn Polizeirazzien ein erwartetes Risiko. Eine dieser Razzien, gegen 1:30 morgens am 28. Juni 1969, verlief jedoch anders als erwartet. Während Festgenommene abgeführt und die Bar geschlossen wurde, versammelten sich immer mehr Menschen auf der Straße. Nach Gewalt durch die Polizei kippte die Stimmung, und es brachen Kämpfe zwischen der Gruppe Personen und den Einsatzkräften aus.
Einige Aktivisten aus der schwulen Community waren zunächst geschockt und distanzierten sich von den Ereignissen. Als Schlüsselfiguren einer Bewegung, die sich bis dahin auf Überzeugung und Gespräche verlassen musste, sahen sie die gewaltsamen Aufstände als Fehler an. Einige äußerten später Scham und Bedauern für ihre Aussagen. Die Zeit vor Stonewall stoß auch bei der nun neuen Bewegung jedoch auch auf Ablehnung und wurde oft als schamvolle Zeit des Versteckens gesehen. Ein Jahr nach den Aufständen war klar, dass die Bewegung sich geändert hatte. Beim ersten Christopher Street Liberation Day in New York wurden aus den kleinen Versammlungen, die bisher übliche waren, plötzlich Menschenmassen, und schnell folgten andere Beispiele in den USA und Europa. Die jährlichen Märsche waren von diesem Moment an fest etabliert. Bis aus dem Tag ein Monat wurde, dauerte es jedoch noch einige Jahrzehnte. Bis 1999 der erste offizielle „Gay & Lesbian Pride Month“ von US-Präsident Bill Clinton ausgerufen wurde, hatte die Bewegung sich erneut stark geändert. Erst nach und nach wurden Sexualitäten und Identitäten außerhalb cis Homosexualität ab Mitte der 90er auch offiziell anerkannter Teil der Bewegung und Diskurse der Inklusivität und Intersektionalität dauern bis heute an. Aspekte der Befreiung, Erkämpfung von Rechten und Widerstand rückten in den 80er und 90er-Jahren immer mehr in den Hintergrund. 2010 kritisierte Philosoph:in und einflussreiche Gender-Theoretiker:in Judith Butler die Kommerzialisierung der Christopher Street Day Parade in Berlin. Das alles zeigt, dass die LGBTQ*-Community, Pride und der Pride Month sich weiterhin in einem konstanten Prozess der Entwicklung befinden. Klar ist jedoch auch, dass es die Bewegung, wie sie heute existieren würde, ohne den Widerstand der Menschen am 28. Juni 1969 nicht geben würde.
:kjan
LGBTQ+
Queer durch die Zeit: LGBTQ+ Personen waren und sind Teil der Gesellschaft!
LGBTQ+ Menschen waren schon immer Teil der Gesellschaft. Aber wie ist die mainstreame, westlich-weiße Gesellschaft mit queeren Menschen umgegangen und wie ist es heutzutage so. Hier eine kleine Reise durch die Zeit – Achtung spoiler: Queers are the best!
1721
Anastasius Rosenstengel ist als Catherina Linckin im 17. Jahrhundert geboren, bis sie sich im 18. Jahrhundert unbenannte, um ihre Geliebte heiraten zu können. Das konnte sie nur als Mann, also spielte sie dies auch jahrlang, bis sie während des spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) von Soldaten entarnt wurde. Sie musste daraufhin geloben, fortan als Frau weiterzuleben. Für eine kurze Zeit nahm sie ihren Geburtsnamen wieder an, aber 1717 heiratet Anastasius Rosenstengel ihre nächste Geliebte. Einige Jahre kamen das Paar unentdeckt davon, doch sie flogen auf und Anastasius musste 1721 mit der Enthauptung bezahlen. Bis heute ist unklar, ob Anastasius Rosenstengel trans und hetero oder nur lesbisch war. Aber eins ist sicher Anastasius hat mit diesem Kampf um Liebe und Selbstidentifikation einen Schritt für LGBTQ+ Geschichte getan.
1854
Oscar Wilde war leidenschaftlicher Schriftsteller. Der heute so bekannte Künstler wurde aber damals von der irischen Gesellschaft wegen seiner Liebe zu Männern verurteilt und eingesperrt. Durch Homofeindlichkeit musste er in Armut leben und starb letztlich daran. Wilde hatte eine scharfzüngige und humorvolle Art Gedichte, Theaterstücke, Geschichten und auch Essays zu schreiben. Diese bestanden zum Teil aus seiner Sympathie zum Sozialismus. Heute wird er als hoch angesehener Dichter gefeiert, doch seine Sexualität scheint vertuscht zu werden oder wie Heten es sagen würden “das ist doch egal”. Aber nein isxt es nicht – Oscar Wilde ein Poet und Pionier der LGBTQ+ Community!
1934
Das Jahr der Geburt von Audre Lorde. Wenn es um berühmte LGBTQ+-Aktivist:innen geht, ist Lorde eine Ikone. Sie ist legendär und eine selbsternannte Schwarze, lesbische, Mutter, Kriegerin und Dichterin – mehr als lieben kann Mensch sie nicht. Sie arbeitete als Bibliothekarin, bevor sie sich der Poesie zuwandte. Ihr erstes Band First Cities veröffentlichte sie im Jahr 1968. In diesen thematisiert sie besonders Sexualität, Bürger:innenrechte und wie es war, eine Schwarze, lesbische Frau in den USA zu sein. Sie war es die nach Deutschland den Intersectional Feminism brachte, wo daraufhin sich Schwarze Menschen als afro-deutsch identifiziert verstanden fühlten. Von 1991 bis zu ihrem Todesjahr 1992, wurde Lorde als Dichterin New Yorks ausgezeichnet. Eines ihrer berühmtesten Zitate ist: „Your silence will not protect you.“
2022
Und heute? Da ist es so, dass mir keine Menschen des öffentlichen Lebens einfallen, die nicht queer sind. Little Simz, Ezra Furman, Nura, Todrick Hall, Kristen Stewart, Elliot Page und noch so viele mehr. Wenn ich mich aber für zwei entscheiden müsste, die meiner Meinung nach Geschichte schreiben werden, dann sind es: Janelle Monáe und Lil Nas X. Janelle Monaé als nicht-binäre Schauspielerin, Sängerin und Rapperin mit Fokus auf Afrofuturismus. Dadurch verfestigt und baut Monaé afrofuturistische Konzepte weiter aus. Lil Nas X ist der erste dark skinned Schwarze Rapper, der so offen seine Sexualität auslebt und darstellt und Erfolg damit hat. In einem Musikvideo gibt er dem Teufel einen Lapdance und im anderen Video ist er im Knast umzingelt von handsome Männern. Er und seine boyz tanzen nackt in der Dusche, während er ganz lässig ein paar Lines zu seinem Erfolg dropt.
:naro
:Die Redaktion
]]>
Medizin
Wie in der Ausgabe (:bsz 1292) schon vorgestellt wurde, gibt es die Intergeschlechtlichkeit. Also Menschen mit angeborenen körperlichen Merkmalen auf genetischer, hormoneller oder anatomischer Ebene, die nicht in die gesellschaftliche binäre Form von männlich und weiblich passen. Dabei gibt es nicht die eine intergeschlechtliche Entwicklung des Körpers, sondern eine Reihe an verschiedenen Formen. Es gibt keine genauen Daten dazu, wie viele Menschen intergeschlechtlich sind. Die höchsten Schätzungen gehen von bis zu 1,7 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Vergleichsweise gebe es laut einer Studie in Deutschland ungefähr ein bis zwei Prozent an Menschen mit natürlichen roten Haaren, um das mal in einen Kontext zu setzen.
In Deutschland gibt es im Bereich der Medizin den Begriff der „Varianten der Geschlechtsentwicklung“, wozu 2016 eine Leitlinie von Betroffenenverbänden und medizinischen Fachgesellschaften veröffentlicht wurde. Im Englischen wird es DSD bezeichnet, dabei steht DSD im glimpflichen Fall für Differences of Sex Development, aber es gibt auch die stark kritisierte Form, wo es für Disorders of Sex Development steht. Das setzt voraus, dass der Körper gestört sei, weswegen sich viele richtigerweise gegen diese Bezeichnung aussprechen.
Variationen
Die körperlichen Voraussetzungen und Entwicklungen können stark voneinander abweichen. So gibt es den 5-α-Reduktase-Typ-II-Mangel, bei dem männliche Geschlechtsmerkmale kaum bis gar nicht ausgeprägt sind, wodurch das Erscheinungsbild eher weiblich scheint. Im weiteren Verlauf des Lebens kann es dennoch zu Bartwuchs oder Stimmbruch führen und auch der Penis kann wachsen. Das Thema Geschlechtsidentität kann dann in besonderem Maße von Bedeutung sein.
Anders ist es beim Adrenogenitalen Syndrom (AGS). Hier kommt es aufgrund der Hormone Cortisol („Stresshormon“), Aldosteron und Androgenen (zum Beispiel Testosteron) zum Erscheinungsbild eines männlich gelesenen Menschen, während die inneren Geschlechtsorgane männlich oder weiblich sein können. In der Pubertät kommt es stark auf die Ausprägung an, was genau dann passieren wird. Hier kann es nötig sein, verschiedene medizinische Schritte durchzuführen, da es sonst lebensbedrohlich sein kann.
Zuletzt betrachten wir die Gemischte Gonadendysgenesie. Auch hier kann das innere und das äußere Geschlecht voneinander abweichen. Es kann zu Kleinwuchs führen, der Hoden produziert weniger Testosteron und die monatliche Regeblutung kann komplett ausbleiben. Das alles variiert von Mensch zu Mensch, dennoch ist eine regelmäßige Untersuchung angemessen, da ein erhöhtes Krebsrisiko besteht.
Operationen
Es gibt noch mehr Varianten, die aus unterschiedlichen Gründen wie einer Variation der Chromosomen auftreten können. Aber viele intergeschlechtliche Menschen teilten und teilen immer noch ein ähnliches Schicksal, nämlich die operativen Eingriffe ohne das Einverständnis der Kinder oder Jugendlichen und ohne gesundheitliche Notwendigkeit. Teils empfehlen Ärzt:innen bis heute einen Eingriff, damit das Geschlecht der „Norm“ angepasst wird. Das kann auf der einen Seite körperliche Folgen wie eine Problematik beim Wasserlassen hervorrufen, auf der anderen Seite kann es zu einer psychischen Belastung im Verlauf des Lebens kommen. Das Signal, das einem Menschen damit gegeben wird, zeugt nicht von bedingungsloser Liebe und Akzeptanz von Seiten der Eltern. Außerdem liegt ein was wäre, wenn…-Gedanke nahe. Auch hier kann die geschlechtliche Identität eine große Rolle im Leben spielen. Es gibt einen kleinen Trost, denn diese Operationen, die ohne Einwilligung des Menschen das Geschlecht anpassen sollen, gelten mittlerweile als Menschenrechtsverletzung. Trotzdem ist es gesetzlich nicht verboten, womit das Innehaben der Menschenrechtsverletzung unterlaufen werden kann.
Wichtig sind zudem auch die freiwilligen Operationen. Bis zur eigentlichen Durchführung von medizinischen Maßnahmen kann es vorkommen, dass die Krankenkasse den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) beauftragt, ein Gutachten der Person durchzuführen. Ein bekannter Grund für die Ablehnung eines Antrags ist eine nicht durchgeführte mehrmonatige Psychotherapie. Damit muss sich ein Mensch nicht zufriedengeben, doch die darauffolgenden Schritte können langwierig und anstrengend werden. Kommt es allerdings beispielsweise zur Operation und/oder Hormontherapie, warten auch hier einige mögliche Komplikationen. Neben der Tatsache, dass Operationen allgemein ein Risiko mit sich bringen, kann der Atlas der Nerven, an dem sich orientiert wird, nicht unbedingt gleichzusetzen mit der individuellen Person sein, wodurch Nerven beschädigt werden können. Außerdem sei es leichter, aus einem Penis eine Vagina zu machen. Andersherum ist es auch möglich, aber das Ergebnis kann in puncto Größe und Funktionsweise nicht zufriedenstellend ausfallen. So kann es ebenfalls vorkommen, dass bei der Hormonbehandlung, um optisch weiblich zu erscheinen, das Brustwachstum gering ausfällt, wodurch Mensch sich eine Brustvergrößerung wünscht. Hieraus lässt sich ziehen, dass selbst bei freiwilligen medizinischen Maßnahmen, nachdem alle Hürden dafür genommen wurden, noch nicht auf wundersame Weise alles gut ist für den Menschen selbst.
Zahlen, die für sich sprechen
Auf der Seite des Lesben- und Schwulenverbands tinyurl.com/4m26t9ke gibt es eine Fülle an Statistiken mit dem Thema Inter*. Passend zu den Operationen steht dort, dass sich 54 Prozent der Inter*-Menschen einer geschlechtsangleichenden Maßnahme unterzogen haben. Insgesamt wurden drei Prozent der Maßnahmen bei Menschen mit oder unter fünf Jahren durchgeführt. Von den Menschen, die versucht haben, ihren Familienstand oder die Geschlechtszugehörigkeit zu ändern, erfuhren 46 Prozent dabei Belästigung und 54 Prozent gaben an, ihre Privatsphäre sei verletzt worden. Von den Menschen, die ihren Geschlechtseintrag nicht haben ändern lassen, sehen es 51 Prozent als nicht notwendig an oder wollen es nicht. Die restlichen erfüllen die Bedingungen nicht, sind mit den Bedingungen nicht einverstanden, finden es zu teuer oder zu schwierig.
:Lukas Simon Quentin
]]>Polen
In Polen haben sich ungefähr 100 Regionen und Kommunen im Südosten des Landes vor etwa 1,5 Jahren selbst zu „LGBT-Ideologiefreien-Zone“ erklärt. Diese entsprechen fast einem Drittel der Fläche Polens. Das stieß gleich drei Mal auf, weil es erstens absolut feindlich gegenüber einer Gruppe von Menschen ist, zweitens gab es im zweiten Weltkrieg die sogenannten Judenfreien-Zonen, die Namensstruktur wurde also von den Nazis übernommen und drittens degradierte es die Community zu einer Ideologie. Die Zonen blieben, nur der Name wurde geändert zu charters of the rights of the family. So könnten rechte Politiker:innen in Polen argumentieren, dass das Regionen zur Sicherung der Rechte der Familie sind. Was nicht stimmt. Das Problem bei der Sache ist, es sei schwer zu greifen, was diese Gebiete in der Praxis bedeuten. Sie senden ein deutliches symbolisches Signal, was den Werten der EU widerspricht, aber konkret sind sie wenig angreifbar. Von der EU-Kommission kommen starke Worte gegen dieses Verhalten. Ursula von der Leyen hat in ihrer „State of the Union“ bekanntgegeben, „LGBT-freie Zonen“ seien „Menschenrechtsfreie Zonen“ und die EU hat sich in dem Zuge als LGBT-Freiheitszone erklärt. Das ist natürlich auch eine Geste symbolischer Natur. Wenn es um konkrete Maßnahmen geht, wird es gleich kompliziert. Polens Regierung entziehe sich der Verantwortung, sodass nur die Regionen bestraft werden können. Es gibt bestimmte Förderprogramme für Regionen, deren Anträge dann abgelehnt werden können von der EU, aber hierbei geht es um überschaubare Summen, sodass es zwar die Regionen trifft, nur leider in geringem Ausmaß. Nun, was wären die anderen Schritte, die unternommen werden könnten, wenn die finanziellen Sanktionen wenig bewirken?
Die härteste Maßnahme wäre wohl die Androhung des Vertragsbruchs. Das würde ein längeres Verfahren bedeuten, nachdem man bei Erfolg eindeutig mehr Gelder streichen und im Extremfall sogar das Stimmrecht entziehen könnte. Bei solchen Schritten ist die EU jedoch vorsichtig und uneins. Auf der einen Seite befürchten manche einen Präzedenzfall, der in anderen Situationen wiederholt werden könnte. Auf der anderen Seite geht es interessanterweise um das Wohlergehen der LGBTQIA+-Community. Denn im letzten Wahlkampf wurde stark versucht, die Community als Ideologie darzustellen. Das hat dem Ruf der queeren Community erheblich geschadet. Wenn jetzt harte Maßnahmen gegen Polen verhängt würden, bestünde die Möglichkeit, dass die Regierung diese brisante Situation und den Schaden, der dadurch entsteht, auf die Community schiebt. Die EU will dieses Narrativ nicht befeuern und sucht deshalb die Nähe zu der dort ansässigen Community, um auch im Einklang mit der Protestbewegung zu handeln. Die Bewegung und die Opposition werden aktuell lauter. Diese gesellschaftliche Veränderung ist in Ungarn noch nicht so weit fortgeschritten.
Rechtsstaalichkeit
Ein grundlegendes Kriterium für die Mitgliedschaft in der EU ist es, ein Rechtsstaat zu sein. Das heißt, es gibt EU-weite Gesetze, die mit den Mitgliedsstaaten abgesprochen wurden und in einige staatliche Bereiche eingreifen, diese müssen mit den landesspezifischen Gesetzen vereinbar sein. Das alleinige Vorliegen der Gesetze reicht noch nicht aus. Auch der Einfluss der Regierung auf Richter:innen und deren Position sind ein Faktor. Es muss gesichert sein, dass ein Gericht unabhängig entscheidet, was äußerst wichtig für Minderheiten sein kann. Es wird daher zum Beispiel von der EU überprüft, wie Richter:innen in welche Ämter kommen, ob sie nach Urteilen, die der Regierung vielleicht nicht passen, versetzt werden oder sogar in Frührente gehen müssen. Sowohl in Polen als auch in Ungarn ist diese Art von Rechtsstaatlichkeit nur unbefriedigend vorhanden. Im letzten EU-Haushalt wurde vereinbart, dass es einen Rechtsstaatenmechanismus gibt, also sämtliche EU-Mittel an die Rechtsstaatlichkeit geknüpft sind und diese bei begründeten Zweifeln entzogen werden können. Noch wird allerdings diskutiert, wie er in der Praxis genau eingesetzt werden kann.
Was ist das aktuelle Problem mit Ungarn?
Obwohl es viel Kritik an den neuen Gesetzen gibt, seien die Aussichten auf Besserung teilweise schlecht. Das hat den einfachen Grund, dass die Gesetze zwar den Werten der EU widersprechen und sich nicht mit dem Minderheitenschutz und der Diskriminierungsfreiheit decken, aber ganz grundsätzlich sei es gesetzlich nicht verboten, eine Gruppe von Menschen aus dem Sensibilisierungsprogramm im Bildungssystem und der Werbung zu streichen. Ungarn kann leicht argumentieren, dass die EU in diesen Bereichen keinen Einfluss ausüben kann. Womit sie gerichtlich Recht bekommen könnten.
Auch in Ungarn wird daran gearbeitet, die LGBTQIA+-Community als schlecht darzustellen. Sie sei eine von der linken Elite aufgezwungene Ideologie und deswegen muss man sich davor schützen. Wenn dieses Weltbild in manchen Köpfen der Bevölkerung existiert, dann festigt es sich noch mehr, wenn die EU diese neuen Gesetze anprangert oder gar darauf aufbauend Sanktionen veranlassen will. Es ist das Sündenbock-Prinzip wie in Polen.
:Lukas Simon Quentin
]]>
Crystal Queer. Die LGBTQIA*-Szene ist für Leute, die sich nicht auskennen, gerne mal ein Wortsalat. „Wer braucht denn schon so viele Label?“ fragen
einige, für andere ist es das, was ihnen ein Gefühl von Zugehörigkeit und Akzeptanz gibt.
]]>
Crystal Queer. Die LGBTQIA*-Szene ist für Leute, die sich nicht auskennen, gerne mal ein Wortsalat. „Wer braucht denn schon so viele Label?“ fragen
einige, für andere ist es das, was ihnen ein Gefühl von Zugehörigkeit und Akzeptanz gibt.
Als queere Person hat man es vor queer-feindlichen Menschen nicht leicht und recht machen kann man es ihnen sowieso nicht. Mal hat man zu viele Label und Leute fragen sich „wie soll ich mir denn das alles merken?!“ oder man weigert sich, sich selbst zu labeln – so oder so ist es der Weltuntergang für Menschen, die nichts mit der queeren Community anfangen können. Aber auch innerhalb der Community gibt es Spannungen und es kommt nicht selten vor, dass Menschen, die selbst queer sind, z.B. transphob sind. Dabei ist es egal, wo genau man sich in der queeren Community befindet: man begegnet Labels und Stereotypen hinter jeder Ecke. Sogar innerhalb der jeweiligen Labels labelt man sich nochmal: es reicht nicht, schwul oder lesbisch zu sein. „Bist du Top, Bottom oder Switch?“ ist eine Frage, die gerade beim Daten sehr früh gefragt wird. Gut, je nachdem was die eigenen Absichten beim Daten sind, kann die Frage durchaus berechtigt sein. Aber auch mit diesen Labels sind Stereotypen verbunden. Eine Butch-Lesbe und Bottom sein? Ein femininer, schwuler Mann und gleichzeitig Top sein? Unmöglich!
Es ist irgendwo ironisch, dass viele queere Menschen den Drang haben, sich zu labeln. Ist man nicht sowieso irgendwie ein:e „Außenseiter:in“, weil man queer ist? Es ist natürlich nicht so, dass Labels etwas Schlechtes sind: vielen Menschen helfen sie, ihre Identität in Worte zu fassen. Und eine Community zu haben, die so ist wie man selbst, ist das Wunderbarste auf der Welt. Aber eins steht fest: egal, wie ausgefallen man sich labelt oder egal, wie „basic“ man ist – irgendwie ist man immer individuell. Gerade diese Vielfalt macht die queere Community zu dem, was sie ist. Bunt, schrill und voller Leben – aber auch irgendwo ganz normal.
]]>Stonewall was a riot! Und nicht nur das: Stonewall war der Start für die moderne queere Freiheitsbewegung. Alles begann am 28. Juni 1969 in der Schwulenbar „Stonewall Inn“ in der Christoper Street in New York City mit einer Razzia der Polizei und endete in den Stonewall-Unruhen. Genau ein Jahr später erinnerte eine Pride-Parade an das Ereignis – eine Tradition, die sich bis heute fortsetzt in Form des Christoper Street Days (CSD), der jedes Jahr am 28. Juni stattfindet. Wer den ersten Stein bei den Stonewall-Unruhen geworfen hat, ist umstritten sowie einige andere Details der Unruhen – nichtsdestotrotz war Stonewall ein signifikantes Element der queeren Geschichte.
:gust
Das LGBTQIA* 1×1
Gender
Hiermit ist nicht der Überbegriff für das Geschlecht gemeint, sondern die soziale Dimension des Geschlechts. Im Englischen wird zum Beispiel zwischen „Gender“ (Geschlecht mit dem man sich identifiziert) und „Sex“ (biologisches Geschlecht) differenziert.
Trans*
Transmenschen fühlen sich nicht zu dem Geschlecht zugehörig, mit dem sie geboren wurden. So gibt es MTF (male to female) und FTM (female to male). Im englischsprachigen Raum sind auch die Begriffe AFAB und AMAB (assigned fe/male at birth) bekannt. Als Schreibweise bevorzugen wir den inkludierenden Begriff ohne Gender, da auch Inter* sich als Trans* identifizieren können.
Inter*
Menschen, die zum Inter* gehören, können aufgrund ihrer Geschlechtsmerkmale nicht fest dem klassischen männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden. Dies kann genetische oder hormonelle Gründe haben. Ihr körperliches Geschlecht befindet sich daher auf einem Spektrum.
Nonbinary/Genderqueer/Nichtbinär/Enby
Nichtbinär sind Menschen, die sich nicht in das streng zweiteilige Geschlechtersystem einordnen. Die Begrifflichkeiten können als Überbegriff gesehen werden, da die Lebensrealitäten von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind. Aus diesem Grund beschreibt sich Mensch als nichtbinär manchmal mit einer zusätzlichen Ausprägung (Genderfluid, Agender, usw.).
Homosexualität
Hier findest Du auch direkt das L und G und LGBTQIA* wieder. Diese Buchstaben stehen für Lesbian und Gay, zu Deutsch Lesbisch und Schwul und meint, dass Mensch auf Menschen mit dem eigenen oder ähnlichen Geschlecht steht.
Bisexualität
Das Präfix „Bi“ bedeutet zwei und Bisexualität bedeutet, dass man sich von zwei Geschlechtern angezogen fühlt. Dabei ist es egal, ob Mann, Frau oder nichtbinär.
-sexualität vs. -romantisch
Eine wichtige Unterscheidung, die man bei Labels treffen muss. Ja, es gibt Menschen, die sich von verschiedenen Geschlechtern sexuell bzw. romantisch angezogen fühlen. Allerdings wird im Großteil der Community romantische und sexuelle Anziehung unter dem Suffix „-sexualität“ zusammengefasst.
Pansexualität
„Pan“ bedeutet „alles“ und beschreibt die Anziehung zu allen Geschlechtern.
Wichtig: Oft fühlen sich pansexuelle Menschen nicht aufgrund des Geschlechts zu einer Person hingezogen.
Asexualität, A_sexualität
Asexuelle Menschen fühlen sich zu keinem Geschlecht
sexuell hingezogen. Asexualität ist ein Spektrum, in dem weitere Sexualitäten vertreten sind.
Wichtig: Ob asexuelle Menschen Sex haben hängt nicht von ihrer Sexualität ab, sondern ist eine individuelle Sache.
:gust und :ben
]]>Revolution. Am 28. Juni 1969 wollte die Polizei routinemäßig das „Stonewall Inn“ an der Christopher Street räumen. Doch an diesem Abend lief alles anders und es wurde eine Revolution gegen die Diskriminierung und Kriminalisierung homosexueller Menschen gestartet.
]]>
Revolution. Am 28. Juni 1969 wollte die Polizei routinemäßig das „Stonewall Inn“ an der Christopher Street räumen. Doch an diesem Abend lief alles anders und es wurde eine Revolution gegen die Diskriminierung und Kriminalisierung homosexueller Menschen gestartet.
Krank, unsichtbar und ansteckend – so wurde vom „Public Service Announcement“ im amerikanischen Fernsehen vor Homosexualität gewarnt. Denn Menschen, die die gleichgeschlechtliche Liebe ausleben, wurden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als krank angesehen. In diesen Zeiten wurden homosexuelle Beziehungen in Amerika als illegal anerkannt. Und so konnten die Nachbarn und/oder die eigene Familie als Feindbild gesehen werden.
Denn wenn man geoutet wurde, sollte man vermeintlich geheilt werden und das mit Mitteln der Zeit, sogenannte Elektroschocktherapien. Diese Schocktherapien ließen die „Patient:innen“ jedoch eher psychischen Schaden erleiden, als sich von der „Krankheit“ zu heilen. Auch in Kunst und Literatur war die Möglichkeit für ein positives Leben als homosexueller Mensch nicht angedacht. So starben viele Charaktere in Büchern oder begangen Selbstmord, wodurch ein positives Lebensmodell für Menschen aus der Community nicht vorstellbar war und man das Klischee verbreitete, dass „Schwule und Lesben ihr Leben lang leiden würden“, so Lee Zevy, Mitbegründerin des Identity Houses in New York.
Clubs und Bars dienten den Menschen als Schutzort, wo sie sich nicht verstecken mussten und befreit unter Gleichgesinnten sein konnten. Um in diese zu kommen, gab es spezielle Regeln.
In der Nacht vom 27. Juni auf den 28. Juni 1969 wollten sich Sylvia Rivera, Marsha P. Johnson und viele anderen Besucher:innen des „Stonewall Inn“ das nicht mehr gefallen lassen und setzten sich aktiv gegen die Razzia und die anhaltende rassistischen, queer- und transfeindlichen Polizeigewalt zur Wehr. Sie begannen, Ihr das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und schreiben Geschichte.
Nach den Krawallen erschien innerhalb der heute genannten LGBTQIA*-Community das Leben einfacher zu werden. Da viele Leute sich outeten, Homosexualität sichtbarer wurde und nicht mehr als Krankheit zu sehen war, sondern als eine Art „Normalität“. Auch wenn die Gesetze innerhalb der Vereinigten Staaten Amerikas kein freies Leben garantierten, da die sogenannten „Sodomie Gesetze“ noch Mitte der 80er Jahre vom höchsten Gericht in der USA bekräftigt wurden, fühlten sich viele Menschen freier.
Deswegen ist „Stonewall“ bis heute als eine Nacht des Aufruhrs zu verstehen. Die Unruhen in der Christopher Street waren ein Anstoß für einen Wendepunkt und der Beginn von etwas Neuem. Es war der Grundstein für eine Revolution, das Land Veränderung über das Land brachte und mehr Rechte sowie Akzeptanz homosexueller Menschen gegenüber. Aus diesem Grund ist der Juni ein wichtiger Monat für die Community, da in diesem an Widerstand und andere Erfolge, aber auch Missstände erinnert wird. So finden sich jährlich viele Menschen zusammen und zelebrieren gemeinsam den „Pride Month“ und die Paraden rund um denChristopher Street Day.
:Abena Appiah
LGBTQIA* heute: schon viel geschafft
Aktualität. Viele zentrale Themenschwerpunkte haben sich heutzutage verlagert. Hier ein kurzer Einblick.
21. April 2001: Die Niederlande verabschieden als erstes Land ein offizielles Gesetz, das die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt. Zuvor waren in einigen Ländern Konstrukte wie Lebenspartner:innenschaften für gleichgeschlechtliche Paare genehmigt. In Deutschland wurde selbst die Möglichkeit zur eingetragenen Lebenspartner:innenschaft für gleichgeschlechtliche Paare erst im August 2001, also nachdem die Niederlande bereits das Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe verabschiedeten, erlaubt. Erst im Herbst 2017 verabschiedete Deutschland ein Gesetz, das die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubte. Zuvor geschah dies bereits in vielen anderen Staaten, darunter Puerto Rico, den USA, Finnland, Frankreich, Neuseeland, Uruguay, Brasilien und Irland als erstes Land, in dem die Entscheidung durch ein Referendum fiel. Aktuell können Paare gleichen Geschlechts in 29 Ländern heiraten; zuletzt wurde dies in Costa Rica legalisiert.
Auch wenn die Ehe für alle noch immer ein Ziel der LGBTQIA*-Community ist, reiht es sich heutzutage zu einer Vielzahl differenzierter Ziele ein. Meist setzen sich LGBTQIA*-Organisationen und -Proteste für die Gleichstellung aller Menschen unabhängig ihrer sexuellen, romantischen oder geschlechtlichen Orientierung in allen Bereichen des Lebens ein. So spricht sich die Organisation Stonewall auf ihren Social Media-Kanälen für ,,Acceptance without exception for all LGBT people‘‘ aus und bezeichnet die folgenden vier Punkte als Prioritäten: „Empowering individuals“, „transforming institutions“, „changing hearts and minds“ und „changing and protecting laws“. Es geht also sowohl um die soziale Komponente und Individuen als auch die Gesetzesgrundlage und Gesellschaft als Ganzes. OutRight Action International, eine weitere gemeinnützige Organisation, beschreibt sich als ,,dedicated to human rights advocacy on behalf of people who experience discrimination or abuse on the basis of their actual or perceived sexual orientation, gender identity or expression“.
Ein zentraler Aspekt, der erst seit Ende des 20. Jahrhunderts langsam in der Community sowie Gesellschaftsforschung anerkannt wird, ist der Unterschied zwischen ,,gender“ (Geschlechtsorientierung) und ,,sex“ (biologisches Geschlecht). Dies hebt traditionelle, binäre Trennung zwischen Mann und Frau auf und beschreibt, dass die Geschlechtsorientierung nicht mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmen muss und dass es Geschlechtsorientierungen gibt, die sich nicht mittels der binären Trennung definieren lassen – beispielsweise bei non-binären oder genderfluiden Menschen.
Außerdem werden langsam auch andere sexuelle Orientierungen neben Homosexualität als relevant angesehen. Dies betrifft zum Beispiel Bi- und Pansexualität sowie alle sexuellen Orientierungen, die sich auf dem Ace-Spektrum befinden (also: zum Beispiel Asexualität oder Demisexualität, bei der sich Menschen nur bei einer emotionalen Bindung sexuell angezogen fühlen können). Des Weiteren wird zwischen sexueller und romantischer Anziehung unterschieden. Das bedeutet, dass die romantische und sexuelle Orientierung sich gleichen können, aber nicht müssen.
Langsam werden also die Ziele und das Eigenverständnis der LGBTQIA*-Community vielfältiger. Dadurch erweitert sich der Fokus und verschiedene Organisationen legen ihre Schwerpunkte auf unterschiedliche Aspekte.
Ein Gastartikel von :Charleena Schweda
]]>
Kommentar. Happy Pride Month! Black Lives Matter! Wir haben Masken, die zu allem passen. Wie Unternehmen einfach alles ausschlachten, das Geld bringt.
]]>
Kommentar. Happy Pride Month! Black Lives Matter! Wir haben Masken, die zu allem passen. Wie Unternehmen einfach alles ausschlachten, das Geld bringt.
Na? Könnt Ihr vor lauter Regenbogen die ganzen Einhörner nicht mehr sehen? Ich mein es ist ja auch „Pride Month“ und das sollen alle wissen! Deswegen planen Unternehmen schon lange im Voraus „Pinkwashing“ zu betreiben. Denn Gay und Queer ist nicht nur okay, sondern verkauft sich auch ganz gut. Und hierbei ist den Unternehmen die eigentliche politische Message des Regenbogens egal. Hauptsache schön und bunt. So gibt es zum Beispiel von Listerine (eine Mundspülung) eine „Happy Pride Month limited edition“, weil es eine politische Nachricht hat? Bestimmt nicht. Und was schafft der Regenbogen auf der Verpackung einer Mundspülung? Nichts, richtig. Zumal mit der Regenbogenflagge von der allgemeinen Öffentlichkeit vor allem schwule und lesbische Menschen wahrgenommen werden, da sind Transidentität und Intersexualität oft außen vor, obwohl auch diese zum „Pride Month“ gehören. Aber das ist den Unternehmen egal! Just give them your ca$h. Aber was sehe ich dort am Klamottenhorizont? Eine Lawine von „Black Lives Matter“-Shirts! Genau das brauchen wir jetzt! Ich freue mich jetzt schon auf meine empowernde „Black Lives Matter“- Mundspülung. Wie konnte ich all die Jahre ohne auskommen? Unternehmen sollten nicht nur profitgeil denken, sondern mal hinterfragen, was sie durch diesen Hype erschaffen. Denn viele sehen solche Bewegungen nicht mehr als politisches Konstrukt, sondern vielmehr als Trend of the Month. Danke dafür! In diesem Sinne freue ich mich schon jetzt auf die „Rosa Parks Eye Shadow“-Palette oder den „Martin Luther King Memorial“-
Wodka. Denn genau das gibt es für den Pride Month ja schon und der Markt ist ja so gut wie abgegrast. Deswegen lasst uns auf den nächsten Trend warten und unsere Geldbeutel ausschlachten und uns vorgaukeln lassen, dass gespendet wird. Weil genau das machen wir immer wieder, sonst würde es ja nicht funktionieren. Und ob die Mundspülung jetzt mit einem Regenbogen oder einer schwarzen Solidaritätsverpackung bekleidet ist, ist uns doch egal. Spätestens wenn die Kardashians, Cristiano Ronaldo oder Jeffree Star es bei Instagram als gesponserten Beitrag posten, wird es vielen nicht mehr egal sein.
:Abena Appiah
]]>