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Geduldig in die Knie, bis der Einsatz kommt. Und dann wird gezappelt zu den Beats, Pauken und Trompeten von Meute. Beim Festival-Finale am Sonntagabend verwandelt die Techno-Marching-Band mit ihrem unverkennbaren Mix aus Club- und Blasmusik die Kreuzung Südring/Viktoriastraße zu einer pulsierenden Tanzfläche.
Ein Bild, das es an diesen vier Partytagen öfter gab: Von Donnerstag (19. Juli) bis zum Sonntag (22. Juli) verwandelte sich die Bochumer Innenstadt rund ums Bermuda3Eck bei bestem Wetter in ein buntes Menschenmeer. Die verschiedenen Freilichtbühnen boten Live-Acts aus Pop und Rock, Poetry-Slam oder Open Air Kino. Die Bilanz: 120 Auftritte, 700.000 Besucher*innen.
Doch so harmonisch verlief es nicht immer: Der Auftritt der Punkband Radio Havanna zog am Samstagabend einen Polizeieinsatz nach sich. Radio Havanna gewährte Antifa-Aktivist*innen, die Bühne für Protest gegen die Politik der AfD und Seehofer zu nutzen. Dafür hielten sie ein Transparent hoch. Auch ein Bengalisches Feuer wurde auf der Bühne gezündet – eine geplante Aktion, wie Bandmitglied Oliver Arnold im Gespräch mit der :bsz untermauert: „Wir haben das mit denen abgesprochen und fanden das auch cool.“ Die Polizei nahm die Aktivist*innen in Gewahrsam, ließ sie aber später wieder frei. Aktuell laufen Ermittlungen gegen weitere zwei Personen, die im Publikum waren. Ihnen wird ein Verstoß gegen das Versammlungs- und Sprengstoffgesetz zur Last gelegt. Die Betroffenen waren allerdings nicht in die Aktion von Radio Havanna eingebunden. „Das waren ganz andere Leute, mit denen hatten wir nichts zu tun gehabt“, stellt Arnold klar.

Politisches Engagement gehört bereits seit Jahren zum Selbstverständnis der Band: 2011 organisierten die Berliner etwa ein Benefizkonzert zugunsten der Initiative „Kein Bock auf Nazis“ oder setzten sich für die Freilassung von inhaftierten Mitglieder der Band Pussy Riot ein.
Nach ihrem Auftritt in Bochum meldet sich jedoch die Polizei bei ihnen. „Sie hat uns nach dem Konzert mitgeteilt, dass sie die Leute festgenommen hat“, sagt Arnold. Von schweren Verletzungen habe er schließlich gehört. Umso verärgerter ist der Gitarrist wegen der Festnahmen: „Das ist doch quatsch. Wir haben sie ja sogar anmoderiert“, so Arnold. „Das ist an den Haaren herbei gezogen und schade für das Festival“.
:Benjamin Trilling
]]>Demokratisch, lebendig und vielfältig – die Leitkultur der Uni Leibniz wollte auch der Verband der Studierenden Kurdistans (YXK) beanspruchen. Für den 27. November lud die eingetragene Hochschulgruppe zu einer Informationsveranstaltung ein. Thema: der Demokratische Konföderalismus und die Schriften von Abdullah Öcalan.
Bereits zwei Wochen zuvor wurde die Veranstaltung angemeldet. Drei Tage vorher kam eine Mail der Verwaltung: Aus „gegebenem Anlass“ müsse der Raumnutzungsvertrag aufgelöst werden. Eine Begründung folgte nicht. Ein YXK-Mitglied hakte telefonisch bei der Verwaltung nach, diese begründete die Vertragsauflösung mit der Einstufung der Veranstaltung als verfassungswidrig.
Grund dafür: Der Bezug zu Abdullah Öcalan, dem Führer der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die in den USA und Europa als terroristisch eingestuft wird.
Doch die Absage erfolgte sehr kurzfristig und YXK lud weiterhin ein. Vor Ort forderten die Raumverwalter die VeranstalterInnen auf, den Hörsaal zu verlassen. Die Studierenden wollten diskutieren, die Raumverwaltung benachrichtigte die Polizei. Diese drohte den Anwesenden mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Nach Drängen der Studierenden erschien Universitätspräsident Epping, um sich zum Vorgehen zu äußern. Doch er las nur eine Pressemitteilung vor.
Nach einer mündlichen Zusage verlagerten die VeranstalterInnen den Vortrag ins Foyer des Lichthofs der Uni. Doch dazu kam es nicht. Der Einsatzleiter riss dem Referenten das Mikrofon aus der Hand und, so YXK, „ein Dutzend PolizistInnen in voller Kampfmontur marschierten in den Lichthof“. Nachdem der Referent versuchte, ohne Mikrofon fortzufahren, erteilte die Polizei den VeranstalterInnen einen Platzverweis.
Aram*, Mitglied von YXK, erlebte den Abend und zeigt sich fassungslos. „Normalerweise setzt sich der Verfassungsschutz in die Veranstaltung rein und greift nur ein, wenn es kritisch wird“, sagt er. Doch seit Monaten würden kurdische AktivistInnen eine härtere Gangart erfahren. Grund dafür seien die verschärften Verbote des Innenministeriums, die seit Frühjahr 2017 Öcalan-Porträts, PKK-Fahnen und Symbole der kurdischen Miliz YPG untersagen. „Sobald auf einer Demo ein Symbol auftaucht, greift die Polizei ein“, sagt Aram. Auch an den Unis werde die Situation für kurdische Organisationen schwieriger. Sogar für Sprachkurse haben sie in Hannover keinen Raum erhalten.
Die Leibniz-Uni wollte sich auf Anfrage der :bsz nicht konkret zu den Vorfällen äußern und verwies auf die Pressemitteilung. Kommunikativer war die Uni dagegen auf Anfrage des Türkischen Jugend- und Studentenbundes e. V. (TÖB). Der Verein, dem Kontakte zur faschistischen Organisation „Graue Wölfe“ nachgesagt werden, forderte die Univerwaltung in einem Schreiben auf, die YXK-Veranstaltung zu unterbinden. Die Antwort der Uni hat TÖB auf Facebook veröffentlicht. Darin heißt es, dass die Überlassung des Raumes zurückgenommenwerde. Erst im März stand die Uni in der Kritik, als sie Räumlichkeiten für eine TÖB-Veranstaltung genehmigte. Damals referierte Christian Johannes Henrich, ein bekennender Leugner des türkischen Genozids an den ArmenierInnen.
*die Redaktion hat den Namen des YXK-Mitglieds geändert
:Benjamin Trilling