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Der Hauptgrund für den Besuch vieler war allerdings die Rede des ehemaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck. Schon bevor der Einlass in die Halle begann, standen mehrere Hundert Menschen in der Schlange, um Habeck zuzuhören. Auffällig war, dass das Publikum über alle Altersgruppen hinweg sehr durchmischt war.
Schnell war klar, dass die Nachfrage so groß und der Platz so begrenzt war, dass Habecks Rede im Außenbereich auf große Leinwände übertragen wurde. So hatten alle vor Ort die Möglichkeit, die Rede zu verfolgen.
Außerdem spielte Inklusion bei der Rede eine wichtige Rolle, da diese auch vor Ort in Gebärdensprache übersetzt wurde. Auf vier kleineren Bildschirmen, die in der ganzen Halle verteilt waren, waren die Dolmetschenden zu sehen.
Als Moderatorin Janine Steeger Habeck ankündigte, applaudierte das Publikum lautstark. Dazu gab es jubelnde Zwischenrufe, sowohl aus den vordersten als auch aus den hintersten Reihen. Das Publikum wirkte sehr positiv gestimmt gegenüber Habeck und dem, was er repräsentiert. Der Applaus hielt fast eine Minute an und wurde wieder lauter, als Habeck tatsächlich die Bühne betrat. Zunächst hielt er seine Rede, die zweite Hälfte bestand aus einem moderierten Dialog zwischen ihm und Moderatorin Steeger. Raum für Publikumsfragen? Fehlanzeige.
Habeck selbst definierte die Zukunft als „aktives Gestalten in der kommenden Zeit” in den wichtigsten Bereichen wie Politik, Gesellschaft, Familie und Unternehmen.
Im Verlauf der Rede sprach er auch darüber, dass die Unterstützung für den Rechtspopulismus in Deutschland steige. Dabei betonte er, dass dies nicht die Schuld der ehemaligen Ampelkoalition gewesen sei. Denn dieses Phänomen sei auch in anderen Ländern wie beispielsweise Frankreich und England zu beobachten.
Im Dialog sprach Habeck darüber, wie Deutschland die Situation verbessern könne. Und zwar, indem die Politik die Bevölkerung mehr abhole und auf ihre Wünsche und Sorgen eingehe. Zum einen erwähnte der ehemalige Wirtschaftsminister nochmals die Sprache, die die aktuelle Regierung nutzt. Begriffe wie Arbeitskoalition suggerieren nämlich laut Habeck einen Fokus auf der Arbeit selbst, und damit auf den Status Quo, und nicht auf die Zukunft. Einen „Verzicht auf einen großen Plan” nannte er das.
Als ein Kernproblem sieht Habeck die fehlende Repräsentation der Arbeiter:innen in der Politik. Eine potenzielle Lösung könnte die Einführung einer Nicht-Akademiker:innen-Quote im Bundestag sein.
Habecks Rede nahm die Zukunft als solche in den Fokus und zeigte, wie diese aktiv in den verschiedenen Aspekten der Gesellschaft gestaltet werden kann; sei es in der Politik, Wirtschaft oder Bildung. Das Publikum war während der Rede besonders aufmerksam und ruhig, es gab keine Zwischenrufe. Alle Anwesenden wirkten positiv gegenüber Habeck und dem Inhalt seiner Rede gestimmt. Das Publikum applaudierte mehrmals, insbesondere als Habeck über die aktuelle Koalition, erneuerbare Energien, Repräsentation und Bildung sprach. Ein Wermutstropfen blieb, als Fragen aus dem Publikum nicht möglich waren. Darin zeigt sich ein Widerspruch zu Habecks Aussage, dass Politiker:innen nicht nah an der Bevölkerung stehen würden. So wirkte die Rede sehr einkalkuliert und geplant, was jedoch auch dem straffen Zeitplan zuzuschreiben ist.
Insgesamt wirkte die Rede teils optimistisch und auch recht realitätsnah, mit einigen Ansätzen, um die kommende Zukunft offener zu gestalten. Jedoch warnte Habeck auch davor, dass die Aussicht auf eine hoffnungslose Zukunft dazu führen könnte, dass konservative, populistische und extremistische Parteien mehr Zuspruch und Macht erlangen – nicht nur in Deutschland. Umso wichtiger sei es nun, dass die Politik anstrebe, realitätsnaher und zukunftsorientiert zu werden.
]]>Auch bei den Zweitstimmen zeigt sich ein knappes Rennen zwischen SPD und CDU. Die SPD lag mit 39.363 Stimmen (24,20 Prozent) vorne, dicht gefolgt von der CDU mit 38.257 (23,52 Prozent) Stimmen. Die weiteren Ergebnisse:
Die Bundestagswahl 2025 hat in Bochum eine hohe Wahlbeteiligung von 81,7 Prozent verzeichnet. Von den 200.128 Wahlberechtigten gaben 163.505 ihre Stimme ab. Im Vergleich zu den Bundestagswahlen im Jahr 2021 steigt die Wahlbeteiligung von 75,5 Prozent. Das ist die höchste Wahlbeteiligung seit über 20 Jahren.
Bei den Zweitstimmen lassen sich deutlich Gewinner und Verlierer im Vergleich zu 2021 aufzeigen. Die SPD verliert knappe 9 Prozent während Die Linke ganze 7 Prozent zulegt. Die FDP sinkt um fast 6 Prozent und die AfD gewinnt 6,5 Prozent an Stimmen.
Bei den Erststimmen zeichnet sich im Vergleich zu 2022 folgendes Bild: SPD und CDU sind mit 33,4 Prozent und 25,5 Prozent relativ gleichauf. Besonders erfolgreich warendie AfD und die Linke, welche 2022 jeweils noch bei 5,3 und 3,1 Prozent lagen.
:Artur Airich
Mein kleines dreckiges Gellek. Eine typische Pott-Stadt, laut den Medien. Gelsenkirchen steht seit Jahren für wirtschaftlichen Niedergang und soziale Probleme. Ja, die Stadt zählt zu den ärmsten Deutschlands. Die Perspektiven für die Bewohner:innen könnten auch besser sein. Junge Menschen verlassen die Stadt und diejenigen, die bleiben, schlagen sich mit Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und einem Gefühl der Vernachlässigung herum.
Für viele ist auch der Zuzug von Südosteuropäer:innen sowie Geflüchteten aus der Ukraine und anderen Krisenregionen ein Problem. Wie in vielen anderen Städten werden hier die Stimmen bezüglich Überfremdung laut: „In manchen Schulklassen spricht kaum ein Kind bei der Einschulung vernünftig Deutsch“ oder „Hier wohnen kaum noch ‚Deutsche‘“, sind Standardaussagen geworden. Ja, das Stadtbild hat sich verändert – aber ich beziehe mich nicht auf die Menschen, sondern auf den Leerstand. Doch für viele Menschen ist es einfach zu viel des ‚Fremden‘.
Und das weiß die Alternative für Deutschland zu nutzen. Denn von der angespannten Situation profitiert die AfD wie keine andere Partei. Mit ihrem migrationsfeindlichen Kurs und ihrer Kritik an der etablierten Politik trifft sie den Nerv vieler Bürger:innen. Die Partei stellt sich als Stimme der „vergessenen“ Menschen dar – der Arbeiter:innen, der Erwerbslosen, derjenigen, die sich von den etablierten Parteien im Stich gelassen fühlen. Und das Fühlen ist hier ein wichtiger Punkt! Sie gehen nämlich über die gefühlte als die tatsächliche Wahrheit. Die AfD schürt Ängste vor Überfremdung und spielt mit dem Gefühl der Entwurzelung. In einer Stadt, in der viele Bewohner:innen bereits das Gefühl haben, in der eigenen Heimat zur Minderheit zu werden, fallen diese Botschaften auf fruchtbaren Boden. Das kommt auch bei Wählenden der Gastarbeiter:innen-Generation an. Sie sind Arbeitgeber:innen, Eltern, Rentner:innen und haben Angst, dass auch ihre Existenz unter der ‚Überfremdung‘ neuer Migrant:innen leiden wird.
Die meisten von ihnen haben früher die Sozialdemokrat:innen gewählt. Doch die SPD hat es nicht geschafft, Antworten auf die drängenden Fragen der Menschen zu finden. Zwar konnte Markus Töns (SPD) das Direktmandat gewinnen, doch die Partei verliert zunehmend an Rückhalt in der Bevölkerung. Auch die CDU mit ihrem Bundestagskandidaten Sascha Kurth konnte nicht überzeugen.
Wie es auch deutschlandweit zu sehen ist, stehen die etablierten Parteien vor der Herausforderung, das Vertrauen der Wähler:innen zurückzugewinnen. Dat is aber auch gar nich so einfach! Die Altparteien müssen nicht nur Lösungen für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Region finden, sondern eben auch die Ängste und Sorgen der Menschen ernst nehmen. Wichtig! Dabei sollten sie nicht das Geblubber der AfD kopieren und weiter Hass säen. Denn bisher haben die – wie auch die AfD – keine überzeugenden Antworten parat.
So traurig wie dat Ganze als Gelsenkirchnerin auch is: Der AfD-Erfolg in Gelsenkirchen ist ein Symptom für tiefgreifende gesellschaftliche Probleme. Armut, Perspektivlosigkeit und insbesondere ein Gefühl. Das Gefühl, abgehängt zu sein. Es treibt die Menschen in die Arme derjenigen, die einfache Antworten auf komplexe Themen haben. Und das kann die AfD. Die Altparteien haben hier teilweise versagt. Denn die Gelsenkirchner:innen sind tief im Herzen Kumpels, egal mit wem. Doch, wenn das Leben teuer wird, guckt man auf die Teller der Anderen. Und wenn der eigene Teller eh schon leer ist, kann man ihn doch gleich mit Hetze und diskriminierenden Ideologien füllen.
Deswegen ist der Erfolg der AfD in Gelsenkirchen für mich leider kein Zufall. Sondern das Ergebnis tiefgreifender gesellschaftlicher Krisen und jener des Vergessenwerdens. In diesem Jahr steht eine Bürgermeister:innen-Wahl an, und ich kann nur hoffen, dass die Menschen sich wieder auf die alte Gelsenkirchner Ethik beziehen. Denn davon lebte und profitierte die Stadt der 1000 Feuer.
]]>Die Veranstaltung war zunächst im Hörsaal geplant, wurde später jedoch über zoom übertragen und später auf YouTube hochgeladen. Das Referat möchte damit allen interessierten und unentschlossen Studierenden die Möglichkeit geben, sich besser auf die Bundestagswahlen am 23. Februar vorzubereiten.
Die Debatte wird von Taban Abas, der Referatsleitung, geführt, die Ihr vielleicht vom „A Day in History“ kennt. Im Laufe des Gesprächs stellt Taban den Politiker:innen verschiedene Arten von Fragen. So gibt es zum Beispiel Fragen, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden dürfen (über Parteiverbot für AfD, mehr Waffen an die Ukraine, Zufriedenheit mit der Migrationspolitik), aber auch persönlichere, die sich mit der Motivation hinter dem politischen Engagement der einzelnen Politiker:innen beschäftigen. Eine weitere Kategorie stellt „Beende diesen Satz“ dar, bei dem die anwesenden Politiker:innen dazu aufgefordert werden, ihre Meinung zu einem bestimmten Thema darzulegen. Zudem werden kritischere Fragen gestellt, wie die nach der Wahrnehmung der letzten Ereignisse im Bundestag unter anderem im Hinblick auf den Gesetzesentwurf von Friedrich Merz zur Verschärfung der Migrationspolitik.
Während der Debatte berufen sich die Teilnehmer:innen immer wieder darauf , dass es in Ordnung und wichtig sei, andere Meinungen zu vertreten. Aufs Korn nehmen sie sich zwischendurch trotzdem, wodurch wir allerdings die Möglichkeit bekommen, mehr zu bestimmten Aspekten zu erfahren.
In den fast zwei Stunden, die geredet, argumentiert und diskutiert wird, bekommt man einen Einblick in die Werte und Ziele der anwesenden Parteien sowie einen Eindruck von den Menschen, die dahinterstehen:
Frances Noltekuhlemann (Volt)
Frances Noltekuhlemann erhielt bei der vergangenen Europawahl viel Zuspruch und dürfte einigen von Euch vielleicht dadurch bekannt sein. Früher arbeitete sie im Bereich Behörden und Digitalisierung, wodurch sie auf Missstände in diesem Bereich aufmerksam wurde und die Motivation fasste, aktiv etwas daran zu verändern.
Über Volt erzählt sie, die Partei sei „jünger, innovativer und neuer als andere Parteien“. Der Blick der Partei würde sich nicht nur auf Deutschland beschränken sondern auch Europa in den Blick nehmen und über die Grenzen hinaussehen: „europäisch denken“. Volt stehe für pragmatische Lösungen und orientiere sich ebenfalls an Erfolgskonzepten aus anderen europäischen Ländern. Sie würden sich dafür einsetzen, dass sich die Wirtschaft „Grün transformiert“, da die aktuelle Wirtschaft nicht gut fürs Klima und/oder nicht zukunftsfähig sei. Wir würden innovative Ideen brauchen, um Klima- und Wirtschaftsmacht zu bleiben. Die Tendenzen der Partei hätten grüne, soziale und liberale Ansätze.
Auf Nachfrage kritisiert sie zudem, dass in Deutschland Entscheidungen nach Ideologien und Parteiinteressen getroffen werden würden und nicht danach, was die beste Entscheidung für die Gesellschaft wäre. Ihre Meinung zu der Brandmauer ist eindeutig: „Wir müssen alles tun, um sie aufrecht zu erhalten.“
Leon Beck (FDP):
Leon Beck könnte den meisten Bochumer:innen bekannt vorkommen, er ist nämlich der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Bochum. Er glaubt an den familienunabhängigen Aufstieg in der Gesellschaft und das hätte ihn schon früh beschäftigt, weshalb er sich später dazu entschloss, in die Politik zu gehen.
Über die FDP spricht er als „Stimme der Freiheit“ und „liberale Partei der Mitte“, die Chancen schaffen will, wo Ungleichheit herrscht. Sie würden auf den Einzelnen und nicht auf das Kollektiv schauen: „Wie kann der Staat dir die Freiheit lassen, dich zu entfalten“. Die FDP setze außerdem darauf, das System der sozialen Marktwirtschaft zu verbessern. So würden sie beispielsweise die Aktienrente als Zukunft der jüngeren Generationen sehen. Auch die Steuern für Unternehmer:innen sollen gesenkt und mehr Freiraum für sie geschaffen werden. Beck sagt, die FDP setze sich für Bildungsgleichheit, Humanität und Kontrolle bei der Migration ein. Nach ihm müsse man politisch handeln und eine Lösung durch die politische Mitte finden, um die Brandmauer zu halten.
Cansin Köktürk (Die Linke):
Cansin Köktürk sah als Sozialarbeiterin die Schwächen des Systems und wollte daran etwas ändern, weshalb sie sich entschloss in die Politik zu gehen. Für die Linke entschied sie sich, da sie einige Werte und Überzeugungen der Partei wie z.B. die Wahrung der Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit sowie Bildungsgleichheit, teilen würde. Sie weist auch darauf hin, dass sich die Partei nach der Verabschiedung von Sahra Wagenknecht erneuert hätte.
Die Linke stünde „konsequent für ein bezahlbares Leben für alle“ ein: „Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der niemand zurückgelassen wird.“ Dafür strebe man unter anderem ein Sozialforum für Gehaltsangaben an, die an diejenigen gespendet werden sollen, die es dringend brauchen.
Anton Hofreiter (Grüne):
Anton Hofreiter ist schon seit er 14 ist politisch aktiv, dabei wären ihm die internationale Gerechtigkeit und Fragen der Klimakrise eine Motivation gewesen und sind sie auch heute noch. Die Grünen als Partei sagten ihm in dieser Hinsicht am meisten zu. Er sagt, viele Probleme und Lösungen seien nur im europäischen Kontext angehbar.
Was Politik angeht, seien die Grünen erfahren und kompromissbereit. Zu den Zielen der Partei würden das Angehen der Klimakrise, der Frieden in Europa, die Verteidigung der Demokratie sowie die Erhaltung der industriellen Basis gehören. So würde man beispielsweise Milliardärsteuer auf G20 Ebene einführen, da sie in der wachsenden Oligarchenschicht weltweit eine potentielle Gefahr für Demokratie, Freiheit und die Stabilität von Staaten sehen würden.
Hofreiter merkt auch an, dass es wichtig für sei, auch in schweren Zeiten koalitionsfähig zu sein.
Referat ruft nochmal dazu auf, Wählen zu gehen und sich bei Fragen zu den Parteien und ihren Wahlprogrammen an die jeweiligen Politiker:innen zu wenden. Das könnt Ihr zum Beispiel über E-Mail tun. Schaut einfach mal im Internet nach, welche:n Politiker:in Ihr gerne fragen würdet.
Das Gespräch in voller Länge findet Ihr außerdem auf dem YouTube_Kanal unseres Astas unter: https://www.youtube.com/watch?v=Pdp19XkyHBU.
:Alina Nougmanov
]]>Marcel Reifs Vater, Leon Reif, lebt heute nicht mehr, wie so viele Zeitzeugen der NS-Zeit. Mit ihrem Verschwinden, verschwindet auch zum Teil die Erinnerung. Immer wieder gibt es Aufforderungen, jetzt selbst die Geschichten dieser Menschen weiter zu erzählen, auf dass die Erinnerung an sie niemals in Vergessenheit gerät. Doch wie schafft man dies in Zeiten des wiederaufkommenden Faschismus und Rechtsextremismus?
Erinnerungskultur am Leben halten — das wird in Deutschland heute größtenteils über die Gedenkstätten gemacht. Dachau, Neuengamme, Buchenwald – dies sind nur die bekannteren Namen von ehemaligen Konzentrationslagern, die heute noch auf deutschem Boden liegen. Das Unfassbare fassbar zu machen, ist die Aufgabe, die diese Gedenkstätten haben. Durch Ausstellungen, Interviews mit Zeitzeugen, Fotos und das Erhalten der Lager in einem möglichst originalgetreuen Zustand, soll Besucher:innen ein Eindruck von dem Geschehen von damals übermittelt werden. So kommen Schulklassen und Interessierte aus vielen Ländern, um diese Gedenkstätten zu besuchen. Aber nicht nur die Arbeit vor Ort ist wichtig, mittlerweile sind viele der Gedenkstätten in den sozialen Medien und leisten dort ihre Aufklärungsarbeit. Dort trifft man aber dann genau auf das Problem, welches die Aufklärungsarbeit überall, also auch in den Klassenräumen und bei Veranstaltungen, so schwierig macht: Holocaust-Leugner:innen.
Diese Menschen gab es leider schon seit dem Ende des 2. Weltkrieges und es waren überwiegend Nazis, welche ihr Image moderater in der Öffentlichkeit präsentieren. Denn wenn der Holocaust nur ein Fall von „Sieger-Justiz“ und eine Lüge ist, die erfunden wurde, um Deutschland zu bestrafen, dann können sich diese geistigen Nachfolger der Nazis als Opfer des Krieges hinstellen und behaupten, sie wären gar nicht die Bösen gewesen. Mittlerweile ist den Holocaust zu leugnen aber im Internet zu einem echten Problem geworden, vor allem wegen der fehlenden Content-Moderation und der Anonymität vieler Accounts. In den Jahren seit dem Aufkommen der AfD, steigen die rechten Straftaten ständig an. Ganz vorne mit dabei ist Holocaustleugnung und das Hochladen verfassungsfeindlicher Inhalte und Kommentare in den sozialen Medien. Das Problem ist, wie viele Menschen diese Fehlinformationen erreichen. Denn in den vergangenen Jahren ging das Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft zurück, Verschwörungsmythen und Schwurbeln wurden mehr. Leute mit solchen Gedanken finden im Internet schneller Gleichgesinnte als sie es im echten Leben je könnten. Sie teilen Verschwörungstheorien und tauschen sich aus –auf TikTok, X oder auf Telegram.
Auch wenn jemand am Anfang kein:e Holocaust-Leugner:in ist, so kann er von Videos und Falschinformationen doch beeinflusst werden und anfangen zu zweifeln, ob nicht das, was in der Schule beigebracht wird, alles Lügen sind. Warum ein Mensch dies anfängt zu glauben, liegt häufig daran, dass er sich in einer sogenannten „Echokammer“ befindet. Diese funktioniert wie ein von der Außenwelt abgeschlossener Raum im Internet. Im Grunde ist so ein Mensch in einem Teil des Internets von seinem eigenen Algorithmus gefangen. Dieser schlägt ihm immer wieder Content vor, welcher ähnlich zu dem ist, mit dem er zuvor interagiert hat. Also wenn jemand ein Video von Holocaust-Leugner:innen schaut und kommentiert, auch wenn es nur eine Frage ist oder Kritik, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch nochmal ein ähnliches Video vorgeschlagen zu bekommen.
Das entwickelt sich leider auch weiter: Weil ähnliche Hashtags oder Inhalte vom Algorithmus erkannt werden, landen Aufklärungsvideos auch auf der Timeline von Rechtsextremen und Holocaust-Leugnern. Diese fluten dann die Kommentare und geben Leuten das Gefühl, dass sehr viele Menschen anscheinend nicht an den Holocaust glauben würden und ihn leugnen. Vielleicht fangen deswegen noch andere Menschen an, an den Informationen über den Holocaust zu zweifeln, wenn so viele ihn hinterfragen – kann da was dran sein? Nein, ist darauf die ganz klare Antwort. Nur weil eine Kommentarspalte auf TikTok voll von diesen Menschen ist, heißt es noch lange nicht, dass diese Menschen Recht haben oder einen großen Anteil an der deutschen Bevölkerung ausmachen.
So gestaltet sich die Aufklärungsarbeit schwieriger denn je, vor allem, weil es kaum noch Zeitzeugen gibt. Jemanden ins Gesicht zu sagen er lügt und würde sich das nur ausdenken, fällt den meisten schwieriger, als es über das Internet jemanden zu schreiben. Es direkt aus dem Mund einer betreffenden Person zu hören, ist eben für viele nochmal was anderes. Mit der steigenden Popularität des Rechtsextremismus werden Holocaust-Leugner:innen mutiger, sie posten mehr und dadurch fangen nun immer mehr Leute an, daran zu glauben. Auch die Aufklärung in den Schulen scheint nicht mehr den Zweck zu erfüllen, da viele junge Menschen nun auch anfangen, rechte Parteien wie die AfD zu wählen.
Es wird also immer wichtiger und gleichzeitig immer schwierigen über den Holocaust aufzuklären und den Fehlinformationen aus dem Internet, Einhalt zu gebieten. Umso wichtiger ist also, die Aufklärung online zu machen und Lügen sowie Fehlinformationen als solche zu erkennen, sie zu melden und sich gegen sie auszusprechen. Aber auch die sozialen Medien müssen zur Verantwortung gezogen werden und solchen Content entfernen und zur Anzeige bringen. Auch wenn dies eine schwierige Aufgabe ist, darf man den Extremisten keine Narrenfreiheit im Internet geben, ansonsten stellt dies eine ernsthafte Gefahr für die Demokratie da, welche jetzt schon unter Geschichtsrevisionismus leidet. Nie wieder ist Jetzt! Dies ist für uns Rechtschaffende nicht nur ein Versprechen, sondern muss gelebte und absolute Wirklichkeit sein. Wir alle sollten uns in diesen Tagen an die Worte von Leon Reif erinnern und sie verinnerlichen, da wir die Menschlichkeit in unserer Gesellschaft nun am aller meisten brauchen. In dem Sinne: „Sej a Mensch“ und lebe auch so.
:Steven Schöpper
So sieht man, dass es viele Gründe gibt und geben kann, um zu Wählen. Jede/r muss aber selbst entscheiden, ob er von diesem Recht und Privileg Gebrauch machen will. Aber dabei ist immer zu bedenken: Die RUB hat so viele Studierende wie eine kleine Stadt und die Wahlen entscheiden über die Politik, welche das Leben von dieser Studierenden alltäglich beeinflusst. Wahlen sind wichtig für unsere Demokratie, egal wie groß oder klein und jede/r kann mit einer Stimme schon einen Unterschied machen.
: Steven Schöpper
Vielleicht habt Ihr den Begriff „Anthropozän“ schon einmal gehört. Er wird manchmal im Umweltingeneurswesen verwendet, öfters auch im modernen Theaterwesen. Der Begriff, der diese beiden sehr verschiedenen Disziplinen verbindet, steht für das Zeitalter des Menschen und menschengemachten Klimawandels. Für die offizielle wissenschaftliche Zeitrechnung wurde dieser Begriff dieses Jahr abgelehnt, doch er hält sich in aller Munde. Der Beginn dieser Zeitspanne lässt sich mit dem Beginn der Industrialisierung auf das 19. Jahrhundert verorten. Vor allem in den Künsten wird der Begriff des Anthropozän gerne als Symbolbegriff verwendet, mit dem man die Interaktionen des Menschen und dem „mehr-als-menschlichen“, oftmals der Natur, porträtiert. Cool, und was bedeutet das jetzt für diese Konferenz?
Diese dreitägige Konferenz zeigt verschiedene „Szenen“ der Menscheit und Erde auf. Das können Vorträge zum kartieren und forschen des Weltalls oder der künstlerischen Zusammenarbeit in einem verwilderten Wald sein. Das Anthropozän als reiner Zeitalterbegriff wird hier praktisch zu etwas Höherem erhoben: Andere Szenen, die vorgestellt werden, sind beispielsweise Verhandlungen gegen die moderne Kolonialisierung von amerikanischen Landschaften, die sowohl den Menschen – den Anthropos – und die Erde beeinflussten. Auch kunsttheoretischere Ansätze zu Queerness und moderner Politik sind im Programm enthalten.
Was genau eine Szene ist, ist ebenso Subjekt eines Vortrags. Daher auch der Titel „transforming anthropo(s)cene“ – Leben wir im Zeitalter des Menschen, oder ist alles menschliche und übermenschliche eine Szene, der wir uns widmen können? Oder ist es ein Zeitalter der Verwobenheit? Diesem Thema widmet sich Małgorzata Sugiera am 25. Oktober ab 14:30 Uhr. Ihr solltet allenfalls einen Blick auf das Programm werfen, um Euch selbst ein Bild davon zu machen.
Organisiert wird sie von dem Institut der Theaterwissenschaften der RUB. Als Keynote Speaker sind Prof. Dr. Rebecca Schneider und Prof. Dr. Marisol de la Cadena, beide aus Amerika, eingeladen. Neben solchen internationalen Wissenschaftlerinnen, die im wissenschaftlichen Wesen bereits etabliert sind, wurden aber auch Studierende um ihre Teilnahme gebeten. Ob als Teil eines Rundgangs oder Vortrag, als unfertige Idee oder vollendigtes Kunstwerk: Bis zum 6. Oktober konnten Studierende ihre eigenen Werke einreichen, um ins Programm inkorporiert zu werden. Diese werden wohl in den Pausen zwischen verschiedenen Panels besichtigt werden können. Um vorherige Anmeldung auf der Homepage wird gebeten: https://www.transforminganthropo-s-cene.de/registration
:Halima Okanovic
]]>:Die Redaktion
]]>Ich möchte diesen Kommentar gerne mit einem Vergleich beginnen: Das durchschnittliche Nettogehalt der Deutschen lag 2020 laut Statista bei 2.084 Euro. Dem gegenüber stelle ich die monatliche „Abgeordnetenentschädigung“ der Mitglieder des Bundestages. Sie fällt in einer Höhe von 10.012 Euro und 89 Cent aus. Davon abgesehen, dass das Wort Entschädigung für eine Summe von über 10.000 Euro mehr als unglücklich gewählt ist, verdient – pardon, ich meinte, wird ein Bundestagsmitglied in Deutschland mit der fünffachen Summe von dem entschädigt, was der Durchschnitt von uns auf dem Tisch liegen hat. Während zu unserem Gehalt natürlich gelegentliche Boni wie Weihnachtsgeld hinzukommen, müssen die Politiker:innen ihre Abgeordnetenentschädigung allerdings versteuern. Das darf man nicht vergessen.
Bezieht man jedoch mit ein, dass Bundestagsabgeordnete Rentenansprüche in Höhe von 239 Euro pro Jahr haben und von weiteren Benefits wie Gratis-Fahrten mit der Bahn und Erstattungen von Dienstreisen in der höchsten Klasse in Zug und Flugzeug profitieren, sehen unsere 2.000 Euro alt aus. Es ist ja schön und gut, dass Politiker.innen für ihre Arbeit bezahlt werden – da sind wir uns alle einig, oder? Problematisch wird es allerdings, wenn besagte Politiker:innen durch ihre Gehaltserhöhen vergessen, dass sie alleine durch die Abgeordnetenentschädigung brutto über das Fünffache an Geld verfügen als die Durchschnittsbürger:innen. Ganz davon abgesehen, dass ein nicht unbeachtlicher Teil der Bevölkerung noch weiter unter den 2.000 Euro monatlich liegt:
Dazu zählen zum Beispiel Studierende mit 450-Euro-Jobs, Berufe, in denen geringe Gehälter gezahlt werden, Rentner:innen und andere Personen, die gerade eben Ende jeden Monats bei plus minus Null ankommen und sich stark reglementieren müssen, um überhaupt mit ihrem Geld durch das Jahr zu kommen. Das alles spielt für manche Politiker:innen keine Rolle. Bundeskanzler Olaf Scholz äußerte in einer Talk-Show, dass er ja gar nicht auf Spritpreise schaue, denn er betanke seinen Wagen nicht selbst. Er würde nicht zu den Leuten gehören, die immer ganz genau bei den Preisen hingucken, deswegen könne er nicht viele Preise ganz konkret sagen. CDU-Bundesvorsitzender Friedrich Merz (eine kleine Anmerkung an dieser Stelle, die thematisch nicht passt, die mich aber bei Merz immer noch nicht loslässt, und die immer noch Gehör braucht, da sie nicht weniger aktuell wird: 1997 stimmte Merz gegen den Strafbestand der Vergewaltigung in der Ehe. Punkt. Lasst Euch das durch den Kopf gehen.) verteidigte seinen Privatjet – er würde weniger Sprit verbrauchen als ein Auto. Grandios. Warum habe ich keinen Privatjet? Das wäre super, wenn ich Sprit einsparen könnte. Privatjets für alle, bitte. Mit besagtem Privatjet besuchte er die Lindnerhochzeit auf Sylt. Eben jener Politiker verurteilte das Neun-Euro-Ticket als „Gratismentalität“. Nun, Herr Lindner, wie kann es sein, dass sie ein solches Ticket scharf verurteilen, während Politiker:innen gratis in der Ersten Klasse fahren? Eine Jahresnetzkarte für die erste Klasse kostet 6400 Euro. Das sind 711 Neun-Euro-Tickets.
Aber klar, wenn Oma Hildegard mit ihrer knappen Rente zu ihrer finanziellen Erleichterung nur neun Euro zahlen muss, um im Alltag mobil zu bleiben – das geht nun gar nicht. Da muss Oma Hildegard das Kaffeekränzchen ausfallen lassen. Hauptsache, der Partygesellschaft auf Sylt fehlt es an nichts.
:Rebecca Voeste
Vor mittlerweile 3 Wochen teilte ein Instagram-Account ein Bild von zwei Männern. Diese wohnten in der Dortmunder Nordstadt und hätten eine Minderjährige unter Drogeneinfluss sexuell missbraucht. Menschen, die ihre Adresse kennen, sollten sich melden. Wer in Dortmund politisch aktiv ist, hat beide Gesichter wohl schon mal gesehen und war möglicherweise erst geschockt über die Vorwürfe. Doch schnell wird klar: Hier ist was faul. Joshua und Marian, die einigen durch den Podcast Übertage sicherlich ein Begriff sind, stellten schnell klar, dass an diesen Vorwürfen nichts dran sei. Zuerst gingen sie davon aus, dass es eine Aktion der besonders aus Dortmund-Dorstfeld bekannten Nazi-Szene sei. Vielmehr, so wurde schnell klar, steckt hinter der Initiative wohl eine Personengruppe aus einem kriminellen, jedoch eher migrantischen Milieu, die klare Verbindungen zu organisierten Neo-Nazis hat. Diese Hintergründe veröffentlichte kürzlich dann auch das Recherche-Kollektiv NRW (@NrwRecherche) auf Twitter.
Zuerst hofften sie, dass die Geschichte sich wegen mangelnder Verbreitung von selbst erledige, doch die Gerüchte machten ihre Runden. So berichtete Marian davon, beim Essen an der Münsterstraße von einer Personengruppe angesprochen worden zu sein, die ihn mit diesen Vorwürfen konfrontierte. Er konnte die Situation beruhigen, und sowohl den sich sammelnden Personen als auch der hinzugerufenen Polizei erklären, was es mit den Gerüchten auf sich hat. Gegen die Verbreiter der Gerüchte wurde in diesem Kontext auch Anzeige erstattet. Für Joshua und Marian sind aus dieser Situation mehrere Schlüsse zu ziehen. Zuerst dürfe man die rechtsextreme Szene in Dortmund nicht unterschätzen, auch wenn sie an Einfluss verloren hat. Außerdem müsse klar sein, dass Selbstjustiz, besonders gegen vermeintliche Kinderschänder durch einzelne Personen, nicht das Mittel gegen Missbrauch und Vergewaltigung sei. Vielmehr müssten Schutzräume und Präventionsarbeit geleistet werden und feministischer Selbstschutz sichtbarer etabliert werden. Der Großteil an sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Kinder findet in Familien und im engen sozialen Umfeld der Betroffenen statt. Die Informationslage in der Bevölkerung, sei noch viel zu schlecht, und führe zu fehlendem oder falschem Bewusstsein über tatsächliche Fälle, Täter und Betroffene. Die Kampagne, die gegen sie gestartet wurde, sehen beide aber auch als Zeichen, dass sie mit ihrer Arbeit etwas erreichen – offenbar genug, um von Dortmunder Rechtsradikalen als Gefahr wahrgenommen zu werden.
:Anonym