Warning: Constant WP_DEBUG_DISPLAY already defined in /var/www/html/wp-config.php on line 111
Mit dem Sozialismustag 2018, organisiert durch die Sozialistische Alternative (SAV), fand in Dortmund eine Versammlung statt, bei der sich eine Reihe von Aktivist*innen aus linken Vereinigungen zusammenfanden und über eine Vielzahl von Themen diskutierten. Der Tag stand im Zeichen „100 Jahre nach der Novemberrevolution: Für eine Revolution gegen Krieg, Rassismus, Ausbeutung und Kapitalismus!“ So gab es neben einem Workshop zur Abschaffung der deutschen Monarchie auch Beiträge zu weiteren Jubiläen wie dem 200. Geburtstag von Karl Marx oder dem 50. Jahrestag der 68er-Bewegung. Doch neben den historischen wurden auch aktuelle Themen behandelt, wie beispielsweise der Notstand in Pflegeberufen, derzeit stattfindende Kämpfe um Abtreibungsrechte auf der Welt oder der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Großstädten.
Besonders beschäftigte die Teilnehmenden die Wahrnehmung eines derzeit stattfindenden Rechtsrucks und wie dieser aus einer antikapitalistischen Perspektive zu betrachten sei. Ein Augenmerk fiel dabei auf bürgerliche Parteien, die durch eine überwiegende Diskussion um Einwanderungsthemen von anderen Problemen ablenken würden. So sagte beispielsweise die Hamburger Aktivistin Katharina Doll: „Die bürgerlichen Parteien machen das, um von den eigentlichen Problemen in der Gesellschaft abzulenken. Nämlich, dass viele Menschen von sozialen Problemen in Deutschland frustriert sind und dass die Politiker im Fernsehen immer nur reden, sich aber für sie eigentlich kaum je was verbessert.“
Zudem wurde die #unteilbar-Demo, bei der sich am 13. Oktober über 240.000 Menschen zusammenfanden, um gegen Rassismus zu demonstrieren, diskutiert. Diese sei, wie einige Teilnehmende anmerkten, durch einen breiten Zusammenschluss vieler Bewegungen entstanden, ohne dass die Unterstützung großer Parteien nötig gewesen wäre. Dies sei ein Modell für die Zukunft, bei dem sich Menschen themengebunden und abseits von Parteipolitik für Themen wie Anti-Rassismus zusammenschließen können.
:Stefan Moll
]]>
Am 9. November 1848 wurde der demokratische Revolutionär Robert Blum von einem Erschießungskommando hingerichtet. Zuvor hatte er sich am Wiener Oktoberaufstand beteiligt, der den Unabhängigkeitskrieg Ungarns gegen Österreich unterstützte. Der Publizist und Politiker Blum war ein einflussreicher linker Abgeordneter des ersten gesamtdeutschen Parlaments, der Frankfurter Nationalversammlung, außerdem ein Gegner des religiösen Dogmatismus, Befürworter der Gleichberechtigung der Frau und Unterstützer der Unabhängigkeit Polens. Sein Tod gilt als Symbol für das tragische Scheitern der Deutschen Revolution 1848/1849.
Statt durch Demokratie und Liberalismus wurde Deutschland dann später 1871 auf machiavellistisch-autoritäre Weise durch Bismarck vereint. Die Herrschaft der preußischen Monarchie endete am 9. November 1918, im Zuge der Novemberrevolution. Doch während Könige und Kaiser in Deutschland fortan gebannt blieben, scheiterten die sozialistischen Kräfte jener Revolution – und wurden 1919 von Freikorps und Reichswehr gewaltsam zerschlagen.
Dennoch hätte die Weimarer Republik eine positive Zukunft haben können. Als die Putschisten Hitler und Ludendorff am 9. November 1923 in München mit ihren Anhängern auf die Feldherrenhalle marschierten, endeten ihre Pläne im Kugelhagel der Polizei. Dass Hitler dies überlebte, um später eine totalitäre Diktatur zu errichten, ist ein weiteres Unglück der deutschen Geschichte, das mit diesem Tag verknüpft ist.
Der 9. November 1938 schließlich ist das Datum der antisemitischen Reichspogromnacht. Deutschlandweit brannten die Synagogen. Zudem wurden tausende Geschäfte und Wohnungen von den Schergen des NS-Regimes verwüstet und geplündert. Die folgende Deportation von etwa 30.000 jüdischen Menschen in Konzentrationslager war ein Vorbote des Holocausts.
Diesen überwiegend düsteren Ereignissen steht der 9. November 1989 als Tag des Mauerfalls gegenüber. Zehntausende DDR-BürgerInnen erhielten endlich die ersehnte Möglichkeit zur Ausreise aus dem SED-Staat. Anstatt der knapp ein Jahr später erfolgten staatlichen Vereinigung mit der BRD hatten sich viele Menschen im Osten jedoch eine radikale Erneuerung ihres eigenen Staates gewünscht, in Richtung eines freiheitlichen und tatsächlich demokratischen Sozialismus.
Ob die deutsche Wiedervereinigung dann als historische Chance gut genutzt worden ist, wäre Inhalt eines weiteren (pessimistischen) Essays. Es dürfte jedoch deutlich geworden sein, dass der 9. November eine gute Ausgangsbasis darstellt, um die Essenz der modernen deutschen Geschichte zu erfassen.
:Gastautor Patrick Henkelmann
]]>