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Das Album Unity von Joost hört sich wie eine Reihe Tagebucheinträge. Wer ihn bereits vorher hörte, weiß, dass seine Songs sich zwischen Comedy und persönlichen Beiträgen bewegen. Und keineswegs ist jedes Lied auf diesem Album höchst emotional: Friesenjung ist eher ein weiterer Baustein in diesem persönlichen Manifest, der für seinen Werdegang steht. Schließlich war das Feature mit Ski Aggu ein riesiger Hit und hat ihn auf das Radar vieler deutscher Hörer:innen befördert.
Das Album startet ebenso stark mit Why Not??? – ein kurzer Track, der sich in Klang und Musikvideo an 2010er Emo-Ästhetik bedient und auf dem Thumbnail seinen Rauswurf vom Eurovision Song Contest (ESC) erwähnt. Kein Wunder, er war ein fan favorite und erfüllte sich mit der Teilnahme einen Kindheitswunsch. Letztendlich wurde auch die Anklage, wegen der er rausgewurfen wurde, fallen gelassen.
In Luchtballon geht’s stark weiter: Im Musikvideo wird der blaue Vogel, gespielt von seinem langjährigen Kumpel Appie Mussa, abgeschossen. Laut eigenen Aussagen symbolisierte dieser genau diesen Traum. Am Ende kehrt Appie als Black Bird zurück, während Joosts Charakter sich mit GTA-themed overlay durch Gegner kämpft.
Knapper gesagt: Es passiert schon in den ersten zwei Tracks des Albums ziemlich viel. Oftmals erwähnt oder impliziert er den Rauswurf aus dem ESC und seine Verbindung zu seinen Eltern, die beide starben als er ein Kind war und denen er eine Teilnahme am ESC versprach. Mega politisch wird er nicht, aber auch momentane Krisen werden widergespiegelt. Ein Album, bei dem sich die Zahnräder in meinem Kopf konstant drehen. Die Songtexte lesen, Musikvideos angucken und Verbindungen finden ist ungemein interessant.
Aber auch musikalisch ist es mir ein Schmaus. Mit der Renaissance, die -cores seit 2020 erlebt haben, wundern moderne Acts im Stil der 00er und 10er nicht mehr. Nightcore bleibt beliebt, Hyperpop hat sich als populär bewiesen. Dennoch fühlen sich Joosts Releases an wie ein Geschenk an alle, die im Internet aufwuchsen. Luchtballon samplet ein Lied im Nightcore, 1 ein weiteres. Gabberland ist offensichtlich ein Gabberlied, ein Hardcore-nahes Genre der späten 90er und frühen 00er, und United By Music erinnert an Lieder des frühen Internets.
Unity hat weitaus mehr Electro in sich als Joosts letztes Album. Auch wenn einige Beats sich wiederholen sind die meisten Lieder eine solide 7/10 in meinen Augen (oder höher!). Von absolut kurzen, humorösen Tracks die einfach nur wenige Lines remixen, bis zu dreiminütigen Songs mit verschiedenen Segmenten und nostalgischen Beats ist alles dabei. Dieser Musik zuhören macht einfach hype, auch wenn die Songtexte es nicht sind. Joosts vokale Performance hilft sehr: Mal schreit er fast schon, bevor das Lied in starke Beats übergeht, andernmal sagt er den Text sanft auf. In Europapa hört man eine überzeugende Darstellung, die den Vibe des Lieds unterstreicht. Direkt auf das Outro spielt der abschließende Track Last Man Standing, in dem Joost sich ohne Anflüge von Humor oder Schauspiel fragt, ob er endlich genug für sich selbst sei. Dieser Track rundet das Album zudem perfekt ab.
Unity nimmt einen mit auf eine Reise. Am Anfag steht Joost, frisch aus dem ESC rausgeschmissen. Frisch in den Charts. Frisch weltweit bekannt. Er führt Dich durch vergangene Zeiten, die er selbst gut kennt. Er redet von Gabber und Internetcafés, von alten Freunden und Scooter. Die Musikvideos zeigen GTA und PS2-Grafik. Gegen Ende kommt sein bisher größter Hit, Europapa, oft missverstanden als rein positiv trotz teils finsterer Lyrics und Stellen im Musikvideo. Ein Outro für Europapa, eine Widmung für seine Eltern. Eine Nachricht, wie sehr er sie liebt und vermisst. Er blickt auf seine Kindheit zurück, auf seine Eltern, und er fragt sich: Bin ich endlich gut genug?
Oder man hört das Album, ohne auf die Texte zu achten. Das tun die Meisten. Und wer kann’s ihnen übel nehmen? Eingedeutscht gesagt: Das Album geht hart. Es geht megafett. Es ist jetzt schon einer meiner Favoriten des Jahres und ich kann es allen nur empfehlen.
:Halima Okanović
]]>Das soll sich dieses Jahr nicht noch mal wiederholen. In der Schweiz soll das Duo Abor & Tynnaden Karren aus dem Dreck ziehen, bestehend aus den Geschwistern Attila (26) und Tünde Bornemisza (24). Mit ihrem Song „Baller“ scheinen sie damit einen Nerv getroffen und einen Hit gelandet zu haben – schaut man sich die Kommentare unter dem Auftrittsvideo des Songs auf dem internationalen Youtube-Kanal des Eurovision Song Contests (über 1 Million Aufrufe) an: „So good. This needs to win, it’s modern, very 2020s and will become a hit!“, schreibt etwa ein User. „Best offer from Germany in years!“, hält ein anderer fest. „Finally Germany coming with something cool since Lena. This is such an earworm”, adelt ein weiterer User den Song.
Bis man einen ersten negativen Kommentar findet, muss man ewig scrollen. Der Grundtenor ist sehr positiv. Etliche Kommentierende scheinen es auch sehr zu begrüßen, dass Deutschland zum ersten Mal seit 2007 wieder mal einen deutschsprachigen Beitrag ins Rennen schickt. Damals trat Roger Cicero mit dem Song „Frauen regier’n die Welt“ auf. Viele in den Kommentaren freuen sich auf einen „deutschen Vibe“.
Schaut man sich die Kommentare unter dem Auftrittsvideo auf dem deutschen ESC-Account (über zwei Millionen Aufrufe) an, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Die Kommentare zerreißen den Song auf allen Ebenen – eine regelrechte 180-Grad-Wendung: Zu schlecht gesungen, zu austauschbar, schlicht zu schlecht und nicht konkurrenzfähig soll der sein. Hier scrollt man eher lange, bis man erste positive Kommentare findet und die Kommentare lauten eher so: „Wir landen auf dem alalalalalalalalalalaletzten Platz“ (über 1.000 Likes) oder „Hab das Lied meinem Onkel im Rollstuhl vorgespielt aber dann ist er aufgestanden um es wieder aus zu schalten“ (über 2.400 Likes). Ein weiterer schreibt: „Das soll der beste Song sein?! Sie kann nicht singen, nicht atmen. Der Song ist belanglos. Komplett “ballerballer“ (über 1.400 Likes). Was unter die Gürtellinie geht, habe ich hier vorsichtshalber mal außen vorgelassen. Die Häme der User scheint keine Grenzen zu kennen – nicht mal unter dem eigenen Posting des Duos auf Instagram. Auch dort reiht sich Hate- an Hate-Kommentar.
Das kann doch nicht sein, Deutschland!? Was sagt das über unsere Mentalität aus? Haben wir verlernt, optimistisch zu sein, Euphorie zu entwickeln, ja schlicht Hoffnung und Fantasie zu haben? Oft scheint es so, als geben viele hierzulande Dingen oft nicht mal eine Chance – Hate aus Prinzip scheint deutlich verbreiteter zu sein.
Klar, Kritik ist in Ordnung und das muss auch so sein. Aber es ist nicht damit zu erklären und zu rechtfertigen, dass die Meinungen in Deutschland zum Song so konträr zu denen im Ausland stehen. Das kann nicht mit konstruktiver Kritik erklärt werden. Die Niederreder-Mentalität lässt jede Euphorie im Keime ersticken.
Dass wir es doch eigentlich doch noch können, hat die Heim-EM im vergangenen Jahr gezeigt. Um die Nationalmannschaft entstand ein Hype – und das nach langwierigen Jahren des Niederredens, des Murrens und Besserwissens.
Die deutschen ESC-Beiträge scheinen über diese Phase noch nicht hinaus zu sein. Auch der letztjährige 12.-Platzierte Isaak wurde vor dem ESC-Wettbewerb mit Hate und Häme quittiert.
Dabei kann das bei Künstler:innen zu einer großen Verunsicherung führen. Abor & Tynna stehen am Anfang ihrer Karriere, noch nicht alles kann da perfekt sein. Ziel sollte es da aber sein, zu er- und nicht zu entmutigen. Die Nationalmannschaft dürfte dies bei der Heim-EM auch sicherlich beflügelt haben. Auch wenn es nicht zum EM-Sieg gereicht hat, dürften die meisten hierzulande das Turnier in positiver Erinnerung haben. Können wir eine solche Geschichte nicht auch mal beim ESC schreiben?
Der Song hat doch eigentlich beste Voraussetzungen dafür: Endlich mal wieder ein deutschsprachiger Beitrag, was scheinbar insbesondere im Ausland auf sehr viel Begeisterung stößt. Ein charismatisches und authentisches Geschwisterduo. Eine originelle Melodie mit einzigartigem Cello-Einsatz. Ein Song, der ballert.
Auch über den Song hinausgehend steckt dahinter eine echt schöne Geschichte, die verbindet. Mit Abor und Tynna tritt für Deutschland ein österreichisches Duo mit rumänischen und ungarischen Wurzeln in der Schweiz an. Besser gehts doch gar nicht für die Idee und Vision des Eurovision Song Contests.
International wird all das anerkannt. Und in Deutschland? Naja, da ist man eben typisch deutsch. Wenn du auch so bist, ändere das doch mal, und gib Neuem erstmal eine Chance, bevor du dich vom typischen Niederreder-Reflex leiten lässt! Fühlt sich gut an!
:Leon Hartmann
]]>„From Zero” – Besser hätte der Albumtitel eigentlich gar nicht sein können, denn das Ganze wirkt tatsächlich wie ein Neuanfang für die Band und doch bleibt vieles ach so vertraut. Nach dem tragischen Tod von Frontsänger Chester Bennington im Juli 2017 war lange Zeit unklar was aus der Band, die eine ganze Generation geprägt hat, wird. Nur langsam erholten sich die damaligen Bandmitglieder Rob Bourdon (Drums), Joe Hahn (DJ), Dave „Phoenix” Farrell (E-Bass), Brad Delson (Lead-Gitarre) und Mike Shinoda (Rap und Gitarre) von der schrecklichen Nachricht rund um Chester. Doch eins war klar: Die Band aus dem sonnigen Kalifornien geht auf unbestimmte Zeit in die musikalische Funkstille und hinterlässt eine trauernde Fangemeinde. Lediglich ein paar Live-Alben und Alben Remaster erschienen zum 20-jährigen Bandjubiläum, doch von neuer Musik war keine Spur. Das sollte sich dieses Jahr nun endlich ändern. Fast schon wie aus dem Nichts gibt es dann Anfang September ein neues Lebenzeichen der Band während eines Live-Auftritts. Mit neuer Single „The Emptiness Machine” starten Linkin Park in die große Welttournee, die auch schon nach Deutschland führte. Mit dabei waren auch die neuen Bandmitglieder Collin Brittain (Drums) und Emily Armstrong (Gesang), die in die Fußstapfen von Chester Bennington tritt. Die neue Frontfrau sorgte unter Fans für viel Aufsehen.
Wer ist Emily Armstrong?
Emily Armstrong ist kein unbeschriebenes Blatt. Sie gründete 2002 mit einer Freundin die Band Epiphany, die später auch als Dead Sara bekannt sein würde. Es entstanden drei Studioalben. 2012 gewann die Band Preise für ihren Song „Weatherman”. Sie sorgte in den sozialen Medien mit fragwürdigen Verbindungen zur Scientology Kirche für Stirnrunzeln, davon distanzierte sich die 38-Jährige aus Los Angeles aber mittlerweile und schaffte Klarheit. Für viele Fans der Band ist Emily kein Ersatz für Chester Bennington, sondern eher ein komplett neues Kapitel in der Bandgeschichte. Unter Beweis stellt sich Emily vor allem live, wenn sie alte Gesangspassagen von Chester wiedergibt und dabei ihren „Scream” (Gesangstechnik in der Metal Musik) unter Beweis stellt.
Wie ist das neue Album?
Auch mit neuer Besetzung durch Emily Armstrong und Collin Brittain ist der unverkennbare Nu-Metal Sound von Linkin Park auch auf dem neuen Album zurück. Besonders fällt auf, dass Mike Shinoda, Rapgesang und Kopf der Band, deutlich mehr Raum einnimmt, wenn es darum geht auch mal den Gesang anzustimmen. Hat er sich doch sonst größtenteils auf Background Voice und Rap-Passagen reduziert, singt er auf „From Zero” selbstbewusst und im Einklang mit Emily zum Beispiel auf dem Outro „Good Things Go” oder „Emptiness Machine”. Die beiden ergänzen sich von der Klangfarbe schon richtig gut. Das lässt alte Erinnerungen von Mike und Chester wach werden. Wo sich die Band am meisten wiedererkennt, ist die Musik an den Instrumenten. Gewohnt harte Riffs in Begleitung von soliden Drums, die trotzdem Raum für Emilys und Mikes Gesang und Schreipassagen lassen. Ebenso unverkennbar ist die Arbeit von Joe Hahn, der am Mischpult einen einzigartigen Sound mit Scratches und Synthesizer kreiert.
Auf „From Zero” zeigt die Band vor allem auch, welche klangliche Bandbreite sie an den Tag legen kann. Von Songs die absolut nach vorne gehen und zum Mitschreien motivieren, wie etwa „Causality” bis hin zu ruhigen Nummern wie etwa „Over Each Other", ist für jede Stimmung etwas dabei.
Für mich ist das Album fast schon eine kleine Reise in meine Kinder- und Jugendzeit, in der Linkin Park nicht wegzudenken war. Schöne Erinnerungen an den ersten Live-Auftritt kommen beim Hören von „From Zero" wieder hoch, auch wenn es diesmal nicht Chester ist, der sich die Seele aus dem Leib schreit. Die neue Zusammensetzung kommt zumindest bei mir, und vielen Stimmen aus der Fancommunity gut an. Zu danken ist das wohl zu einem großen Teil dem unverkennbaren Klangbild sowie Mike Shinodas Rap und Gesang, die ein ganz essentielles Fundament für Linkin Park bilden. Die neue Frontfrau fügt sich in dieses Fundament fast schon nahtlos ein. Das neue Album ist mit 32 Minuten vielleicht etwas kurz, überzeugt musikalisch aber in jeder Hinsicht. Für mich kommt auf dem Song „Stained” alles zusammen was ich an Linkin Park liebe. Eine absolute Empfehlung für Fans und neue Hörer:innen.
:Artur Airich
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Der Einfluss von TikTok auf die Musikindustrie wird immer größer. Die Folgen sind mittlerweile so groß, dass es für die Branche unumgänglich scheint, ihre Musik und deren Verwertung an die App anzupassen.
“Es gibt einen Song, den ich so bald wie möglich veröffentlichen möchte, aber mein Label lässt mich nicht. Ich bin seit acht Jahren in dieser Industrie, habe über 165 Millionen Einheiten verkauft, und mein Label sagt, sie können den Song nicht veröffentlichen, bis sie einen viralen Moment auf Tiktok faken können.“ das sind die Worte der Künstlerin Halsey. Der Vorwurf ging nicht primär gegen TikTok, sondern gegen die Bosse ihres Labels. Mit ihrer Kritik schaffte sie den Viralen Moment, den sich die Obrigkeiten anders vorgestellt hatten. Doch mit dem „Viralen Moment“ haben sie recht. TikTok hat mittlerweile um die 1,6 Milliarden Nutzer:innen, Tendenz steigend, und ist mit den Sounds mehr als nur ein Global Player in Sachen Musikvermarktung. Gefühlt startete alles mit Lil Nas X der mit seinem Song „Old Town Road“ über die App an die Spitze der Charts mauserte. Nach ihm kamen viele andere und das auf vielfältigen Wegen. Während es bei Lil Nas X sich noch organisch aufbaute, wie zu Justin Biebers YouTube-Zeiten, gibt es Künstler:innen die gezielt auf der Plattform ihren Song als Karrierestarter gesehen haben. So zum Beispiel Gayle, die mit ihrem Song „abcdfu“ einen Nummer-Eins-Hit verbuchte. Sie fragte die TikTok-Community nach Song-Ideen. Mittlerweile gibt sie zu, dass sie den Song schon vorher fertig hatte und der Einfluss der TikTok-Community doch eher gering ausgefallen ist. Dennoch hatten sie das Gefühl Teil eines Songs zu sein und teilten fleißig, die Videos zu dem Song. Dieses Perfekt durchdachte Konstrukt, sorgte dafür, dass Gayle sich auch dem Vorwurf der Industry-Plant stellen musste. Industry Plants sind Künstler:innen, die sich als unabhängig verkaufen, aber im Hintergrund ein Major-Label haben, die sie auf dem Weg begleiten und vorgeben, welcher der richtige ist, um möglichst Viral zu gehen und die Reichweite möglichst gut nutzen zu können.
Es kristallisiert sich heraus, dass die Messung eines möglichst viralen Moments der größte Wunsch der Plattenbosse ist. Doch die meisten viralen Momente verstehen sich eher nicht als kalkulierbaren Vibe. So kann es auch sein, dass Songs die nicht neu sind nochmal zum Hit werden. So zum Beispiel Fleetwood Macs „Dreams“, welches durch den User Nathan Apodaca viral ging. Ein einfaches Video, wie er auf dem Skateboard durch die Straßen fährt, und im Hintergrund läuft der Song. Ein Boost für die Charts, den Song und die Künstler:innen. Songs sind in diesem Day and Age möglichst gut, wenn sie „tiktokable“ sind. Heißt: Instrumentale Hooks, einfache Melodien und am besten gleich zur Tanz-Challenge mitvermarkten. So ist es auch nur sinnvoll von der App aus eine eigene Musikabteilung zu haben, die nichts anderes macht als die Musiktrends der App zu überwachen. Eine hausinterne Studie gab auch heraus, dass rund 80 Prozent der Nutzer:innen, die App eine der ersten Anlaufstelle sei, um Musik zu entdecken. Zwar gehen die Sounds und Songs nicht in die Messungen der Charts ein, aber sie haben einen großen Einfluss auf die Charts der Streamingdienste. Damit sich dieser Kreis schließt, gibt es Faustregeln, die für Produzent:innen wichtig sind, damit sie wissen, ob der Song ein Erfolg auf der Plattform und in den Charts wird. Denn TikTok ist eine extremere Form von Spotify. Hier zählen die besten 15 Sekunden, der Text, die Beats, Samples etc..
Macht TikTok nun die Musik kaputt?
Ich sage Nein! TikTok führt dazu, dass Künstler:innen aus verschiedenen Teilen der Welt in ihrer Nativetounge weltweite Erfolge haben und sich der Musikmarkt vom amerikanischen Ideal trennt. Was man natürlich nicht außer Acht lassen kann ist, dass die Songs schneller werden, wie auch die Langlebigkeit von Künstler:innen. Und die die es auf den klassischen weggeschafft haben, bereichern die App auf ihre Art und Weise. So treffen verschiedene Musikgenerationen auf einander und schaffen mit Samples und Remixe ein neues Konstrukt. :Abena Appiah
:Abena Appiah
Musikstreaming in der Pandemie
In großen Teilen der Welt wurden während der immer noch anhaltenden Corona-Pandemie Lockdowns verhängt, was zur Folge hat, dass währenddessen auch zahlreiche Menschen in ihren eigenen vier Wänden festsaßen. Nicht nur viele Arbeitsprozesse wurden in Zeiten des Lockdowns vom Home-Office aus erledigt, auch die Freizeitgestaltung hat sich für viele verändert und spiegelt sich in einem höherem Medienkonsum wider. Kaum überraschend haben davon viele Entertainment-Medienformate, und insbesondere Streaming Plattformen profitiert.
Durch Versammlungs- und Reiseverbote während der Corona-Pandemie mussten weltweit auch Konzerte und Musik-Events verschoben oder sogar abgesagt werden. Musik-Streaming Plattformen konnten somit in der Pandemie als Ersatz an Bedeutung gewinnen. Was sich bei Spotify und Co. in den letzten zwei Jahren so getan hat und welche Genres und Formate besonders an Zuhörer:innen gewonnen hat, haben wir uns einmal genauer angeschaut.
Statistische Erhebungen aus dem Global Music Report zeigen, dass die weltweiten Einnahmen durch das Musik Streaming auf den gängigen Plattformen seit 2019 von rund 11 Milliarden Dollar auf knapp 17 Milliarden im Jahr 2021 gestiegen sind. Dabei stieg der Umsatz von Streamingdiensten allein im Jahr 2021 um 24 % im Gegensatz zum Vorjahr. Streaming ist damit für 65% der Umsätze in der Musikindustrie ausschlaggebend. Mit einem Anstieg von 26% besitzen rund 524 Millionen User:innen einen bezahlten Zugang zu einer Musik Streaming Plattform im Jahr 2021.
Die Musikindustrie hat vor allem in Latein-Amerika, im Mittleren Osten und Nordafrika sowie in Kanada und den USA den größten Anstieg in den Verkaufszahlen verbuchen können. Auch wenn Streaming in diesen Regionen für über 85% der Einnahmen verantwortlich ist, ist nicht zu vernachlässigen, dass auch der Verkauf von CDs und Vinyls sich überraschend rasch von der Pandemie erholt hat und ebenso seinen Teil für den Wachstum der Industrie beigetragen hat. Spotify ist und bleibt auch nach der Pandemie mit 31% Marktanteil die führende Plattform. Die Konkurrenz ist jedoch nicht zu unterschätzen. Apple Music ist mit 15% Marktanteil auf dem zweiten Platz und sowohl Amazon Music und Tencent Music teilen sich mit 13% den dritten Platz.
Und was hörte man so im Lockdown? Sowohl Pop, Hip-Hop und Latin und Rock bleiben die Spitzenreiter der Musikgenres. Einen bemerkenswerten Anstieg konnte laut Google Trends Analysen das Genre der klassischen Musik verbuchen. An das Home-Office gebunden begleiteten die textlosen Kompositionen die User:innen in ihrer Arbeit. Wenig Text bedeutet hier auch wenig Ablenkung. Im Kontrast dazu, kommt mit sehr viel Text das Format der Podcasts daher und konnte einen regelrechten Podcast-Boom aufweisen. Der Boom ist aber weniger der Pandemie, sondern einer Podcast Offensive seitens Spotify zu verdanken, in Zuge dessen das Angebot erweitert und exklusive Verträge mit Podcast-Größen wie zum Beispiel Joe Rogan abgeschlossen wurden.
Das Musik Streaming wird Hochrechnungen zufolge auch lange nach der Pandemie noch wachsen. Die Pandemie hat sich in einer schon vorher stetig steigenden Entwicklung von Streaming Angeboten durchaus positiv niedergeschlagen. Die Angebotsvielfalt hat enorm zugenommen und auch weniger beliebte Musikrichtungen finden innerhalb der Plattformen neue Zuhörer:innen. Kritisch zu betrachten ist allerdings, dass von dem Wachstum die Anbieter bislang mehr als die Künstler:innen profitieren können, denn der steigende Umsatz spiegelt sich nicht in höheren Einnahmen pro gestreamten Song wider.
:Artur Airich
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Durch die Covid 19-Pandemie ist es vielen Menschen, in der Kulturbranche lange Zeit nicht möglich gewesen, wie gewohnt aufzutreten. Unter anderem auch vielen Künstler:innen. In einem Interview mit Anna-Maria Beckmann vom AKAFÖ Kulturbüro, erzählt sie mir, wie das Projekt Kultur vorm Fenster in der Pandemie zustande gekommen ist. Durch die Initiative zwischen der Radio Bochum-Moderatorin Katja Leistenschneider und der GLS Bank, welche das Projekt Fenster auf ins Leben gerufen haben, wurden die Grundsteine für Musiker:innen gelegt, die während der Pandemie keine Auftrittsmöglichkeiten bekamen. Hierbei sollen Musiker:innen vor den Wohnheimen in Bochum und Umgebung die Möglichkeit haben Coronakonform aufzutreten. Das Genre ist bunt durchmischt, um allen die Möglichkeiten zu geben, sich selbst zu entfalten. Außerdem wurden dadurch mehr Menschen mit unterschiedlichen Musikgeschmäckern angesprochen. Die Zuschauer:innen haben demnach die Möglichkeit, die Fenster ihres Wohnheims aufzumachen und der Musik zu lauschen. Damit auch wirklich ALLE bis zur obersten Etage erreicht werden konnten, hat man einen Verstärker mitgebracht. Meist fanden die Auftritte montags und dienstags statt, doch den Veranstalter:innen ist es wichtig gewesen, sich den Künster:innen anzupassen. Im Jahr 2021 fand ein „Fenster auf“ in dem Studentenwohnheim in Grimberg statt, wo der Mambo Kurt aufgetreten ist. Zu diesem sagt Frau Beckmann mir folgendes: „Das kam super gut an, der Mambo Kurt hat seine Heimorgel mitgehabt und da die Wohnheimparty angestimmt“. Da gesehen wurde, dass eine große positive Resonanz auf diese Art von Auftritten herrschte, wollte man das Projekt weiterführen, wodurch das Kultur vorm Fenster ins Leben gerufen wurde. Über Wohnheim Newsletter und die Social Media Kanäle, wurden zunächst Studierende gesucht, die gerne vor den Wohnheimen Musik machen wollen, was auch sehr gut geklappt hat. Im Winter gab es neben einer Decke und einem Tee, wahlweise auch Glühwein. Um in die winterliche Stimmung zu gelangen, gab es auch zwischendurch Weihnachtslieder, zu denen gesungen wurde. Neben alldem fand ebenfalls eine Ausweitung für das Projek Kurse vorm Fenster im Sommer 2021 statt, indem draußen verschiedene Kurse angeboten wurden. Der Fokus lag hier bei Angeboten, bei denen darauf geachtet wurde, keinen direkten Kontakt mit anderen Menschen zu haben, wie z.B. einem Selbstmassagekurs, einem Fotografieworkshop und ein Improtheater. Letzteres steht für improvisiertes Theater. Durch die zeitliche Flexibilität der Kursangebote ist es möglich gewesen, sich auch kurzfristig anzumelden, um teilzunehmen. Vielen Wohnheimbewohner:innen hat diese Art der Auftritte und Kursangebote viel Freude bereitet, weswegen im kommenden Wintersemester 22/23 ebenfalls daran gearbeitet wird, das Projekt weiter stattfinden zu lassen. „Jeder, der mag, kann sich melden“, so Frau Beckmann. Wer Interesse daran hat, im kommenden Wintersemester als Künstler:in aufzutreten, kann sich gerne auf der Instagram Seite Kulturbuero.boskop unter den Highlights „Fenster auf“ genauer informieren und sich zu gegebener Zeit melden. Außerdem können Interessierte auf folgender Seite mehr nachlesen: www.akafoe.de/kultur
:Asli Baskas
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Wer sich für die musikalische Seite der RUB interessiert, sollte beim Musischen Zentrum vorbeischauen. Es befindet sich direkt im Eingangsbereich der Universität auf der rechten Seite. Hier gibt es nicht nur Musik, sondern auch Theater, Tanz, Fotografie und bildende Kunst. Studierende und Mitarbeitende der Universität haben die Auswahl aus einem Angebot an Konzerten, Theateraufführungen und Ausstellungen. Natürlich können auch Besuchende von außerhalb von dem Kulturprogramm profitieren. Des Weiteren bietet das Musische Zentrum auch Übe-Räume an, welche von Montag bis Freitag immer von 9.30-20 Uhr zum Singen oder Musizieren genutzt werden können.
Laut Universitätsmusikdirektor Nikolaus Müller (seit 2016) singe der Universitätschor vorrangig chorsinfonisches Repertoire. Traditionell gebe es abwechselnd gemeinsame Konzerte von Chor und Orchester im Sommersemester und jeweils eigene Konzerte der Ensembles im Wintersemester. Bis 2016 habe der Chor durch eine Kooperationsvereinbarung jährlich einen Auftritt mit den Bochumer Sinfonikern gehabt, die man leider nach Bezug des neuen Konzerthauses nicht habe fortführen können.
Die Konzerte des Chores wie auch des Orchesters fänden meist im Audimax statt – hin und wieder auch in einer der Bochumer Kirchen.
Der Lockdown sei für das gemeinsame Musizieren katastrophal gewesen. Die Chor- und Orchesterleitung habe versucht, über Jamulus und Zoom verschiedene Angebote zu machen (Chorproben, Stimmbildung, ein Angebot mit Atem und Bewegung). In den Zeiten, in denen Präsenzproben möglich gewesen seien (Sommer 2021), habe man mit großen Abständen (3 Meter) im Audimax geprobt. Dass dies für die Sängerinnen und Sänger eine große Umstellung gewesen sei, sei wahrscheinlich vorstellbar.
Im Sommersemester habe man immer noch in größeren Räumen mit Abständen geprobt. Gerade vor den Konzerten zum Ende des Sommersemesters (Chor mit Johann Sebastian Bachs Messe in h-Moll; Orchester mit u.a. Peter Tschaikowskys 5. Sinfonie und Felix Mendelssohns Violinkonzert) habe es sowohl im Chor als auch im Orchester ziemlich hohe Krankenstände gegeben, die teilweise die Probenarbeit etwas schwieriger gestaltet hätten. Insofern seien die Planungen für das Wintersemester etwas zurückhaltender, da auch da mit etlichen Ausfällen zu rechnen sei.
Die nächsten Aufführungen stünden noch nicht fest. Die genauen Termine würden im August festgelegt. Es stehe für den Chor das Thema Heinrich Schütz auf dem Programm. Ein weiteres Chorangebot sei in Planung. Das Orchester werde wieder ein sinfonisches Programm spielen.
Interessierte könnten sich unter mz-musik@rub.de für Chor und/oder Orchester anmelden und würden dann zu einem kleinen Stimmcheck bzw. Vorspiel eingeladen. Das sei viel weniger prüfungsmäßig als es klinge – es diene vor allem dem Kennenlernen und sei für die Einteilung der Stimmgruppen wichtig.
Nicht nur im Musischen Zentrum selbst, auch an anderen Orten der RUB gibt es Möglichkeiten, dem Ohr musikalische Nahrung zuzuführen. Jeden Montagnachmittag der Vorlesungszeit dürfen Interessierte bei den „LunchtimeConcerts“ der großen Klais-Orgel im Audimax lauschen. Sie wird von Gästen gespielt, die Zuhörenden die vielfarbigen Klangwelten des beeindruckenden Instruments näherbringen. Jeden vierten Donnerstag im Monat findet „Klang im Quadrat“ im Blue Square der RUB in der Bochumer Innenstadt statt, hierbei wird Kammermusik gespielt.
:Alissa Wolters
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In den letzten Monaten ging es in den Ruhrpott-Städten aus der Perspektive der Musikliebhaber:innen heiß her. Im Mai feierten die Essener Essen Original – mit Bands, Sänger:innen und Entertainer:innen wie Kuult, Choma, Weekend und der WDR 4 Band – und im Juli ging Bochum Total an den Start. Beide Festivals zeichneten sich dadurch aus, dass sie ein Programm boten, dass einen Großteil des musikalischen Spektrums abdeckten. Besonders bei Bochum Total, wurden auch Fans von subkulturellen musikalischen Stilen fündig. Am vergangenen Wochenende, vom 29. bis zum 30. Juli, bespielte nun das nächste kleine Festival die Straßen Essens.
Das Nord Open Air ist verglichen mit seinen großen Festivalgeschwistern eine kleine Nummer, spricht allerdings, ganz im Stil der Veranstalter:innen aus dem Cafe NORD, nur Rock- und Metalfans an. Unter freiem Himmel traten gegenüber dem Café auf dem Viehofer Platz auf einer Bühne die Headliner Sick Of It All und Paradise Lost auf, begleitet von kleineren Bands wie Drei Meter Feldweg, Indecent Behavior, The Night Eternal und Toxpack.
Für Fans des Metal, Rock und Hard Rock lohnte sich bei diesem musikalischen Aufgebot auch die mehrstündige Anreise in den Pott – zumal der Eintritt des Festivals wie in den Jahren vor der Coronapandemie kostenlos war.Da ließ sich auch über fünf Euro für ein Bier (ohne Pfand) hinweg sehen. Wer gerade knapp bei Kasse ist, konnte sich außerdem in den umliegenden Kiosken der Stadt non-alkoholische und alkoholische Getränke für einen Euro besorgen und die lauten Klänge der Musik auf einer Wiese sitzend ein Stück vom Gelände entfernt genießen, denn das Nord Open Air ließ sich nicht beirren und auch einige Querstraßen vom Schauplatz des Geschehens entfernt ließen sich die Songs sehr gut hören und genießen. Insgesamt war die Stimmung der vielen Konzertfans ausgelassen fröhlich.
Die Menschenmasse bezeugte, dass sich auch die kleineren und alternativen Festivals nach Corona weiterhin – sogar noch stärker, denn der Wunsch nach Live-Konzerten musste lange zurückgestellt werden – halten können. Insbesondere bei einem Kultcafé wie es das Cafe NORD ist, das schon über 30 Jahre besteht, ist es zwar nicht erstaunlich, dass das Festival mit solchem Andrang besucht wurde, aber nichts desto weniger faszinierend, dass dieser Andrang weiterhin so hoch geblieben ist und bleibt.
:Rebecca Voeste
6,4 Millionen Todesfälle wurden seit Beginn der Pandemie weltweit verzeichnet. Unter ihnen befinden sich folglich auch Instrumentalist:innen, Musiker:innen und Produzent:innen. Die Musikbranche hat einige prägende Persönlichkeiten verloren, darunter …
… der US-amerikanische Sänger, Bassist und Komponist John Davis
2021, Im Alter von 66 Jahren, starb der in Deutschland im Landkreis Führt lebende Davis. Er erlangte 1990 Bekanntheit als einer der tatsächlichen Sänger hinter den Songs des Trittbretts fahrenden Pop-Duos Milli Vanilli. Von da an verschlug es Davis nach Deutschland, wo er unter anderem mit den Nürnberger Symphonikern auf dem Classic Open Air auftrat, in verschiedenen Fernsehshows auftauchte und die Musik für zwei Filme produzierte – Workaholics und Tafelspitz. Bis einschließlich 2020 tourte der Sänger mit seinen Songs durch Deutschland.
… Hana Horká, eine Sängerin der tschechischen Folk-Band Asonance
Asonance spielt seit 1976 mit wechselnden Bandmitgliedern irische, englische und schottische Volksmusik. 1985 stieß Horká hinzu. Über 30 Jahre stand sie mit Asonance auf der Bühne, bevor sie sich während der Coronapandemie in Impfgegnerkreisen radikalisierte und sich absichtlich einer Infektion aussetzte, die letztlich zu ihrem Tod führte. Sie wurde 57 Jahre alt.
… Meat Loaf
Es ist nicht gesichert, ob der Sänger, dessen bürgerlicher Name Marvin Lee Aday war, kurz vor seinem plötzlichen Tod an einer Coronainfektion gelitten hat. Einige Quellen und Stimmen aus dem näheren Umfeld des Verstorbenen weisen jedoch darauf hin. Mit Meat Loaf verliert die Musikwelt einen prägenden Rocksänger, der mehr als 100 Millionen Alben verkaufte – vor allem seine Songs I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) und Bat Out of Hell haben zu seiner großen Berühmtheit beigetragen. Seinen letzten Auftritt hatte Meat Loaf im März 2021 in Nashville.
:Rebecca Voeste
Bereits Friedrich Nietzsche schrieb: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum” und er sollte damit Recht behalten. Musik begleitet die zivilisierte Menschheit schon seit ihrem Anbeginn. Mit Gesängen und Liedern, die den sozialen Zusammenhalt bereits im Mutterleib zu stärken vermögen, ist die Musik ein Bestandteil des Menschseins. Sie vermag es, sowohl als Bekräftigung positiver Stimmungen, wenn sie uns zum Tanzen motiviert oder uns beim Entspannen hilft, als auch ein Begleiter durch schlechte Zeiten wie Trauer bei Seite zu stehen. Letzteres soll hier das grobe Thema sein, denn die Corona-Pandemie und der Lockdown hat vielen Menschen seelisch zu schaffen gemacht. Wie sich der Umgang mit der Musik während der Corona-Lockdowns veränderte und ob sie sich als Heilmittel in Krisenzeiten bewahrheiten konnte hat eine Studie des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik untersucht.
Der Anstoß für die Studie waren die zahlreichen Berichte über Menschen, die auf ihrem Balkon sangen und Live-Konzerte die vom Wohnzimmer aus über das Internet gestreamt wurden. Die Studie nahm die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Musikpsychologen Nils Christian Hansen, der sich ebenfalls einen sehr ähnlichen Fragestellung widmete, auf. Für die Studie befragte man rund 5.000 Menschen aus vier europäischen Ländern, sowie Indien und den USA, um eine Vielfalt in der Härte von verhängten Lockdowns einzufangen.
Dabei wurde schnell klar, dass die Härte des Lockdowns keinen Unterschied machte und die Musik in als wichtiges Hilfsmittel in Krisenzeiten zu sein scheint. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie zeigen, dass rund 57% der Befragten Verhaltensänderungen in Bezug auf das Musikhören oder Musizieren, den Situationen und Formaten. Das Musikhören gehörte zu den Top-6 Alltagsbeschäftigungen, die im eingeschränkten Bewegungsradius des Lockdowns an Wichtigkeit gewonnen haben. Mehr als die Hälfte gaben an, dass die Musik emotional helfe und sie sich dadurch weniger einsam fühlten. Die Musik habe geholfen Freude zu verspüren, Zustände zu mildern und Trost zu spenden. Die Musik wurde während des Lockdowns auch anders genutzt als sonst. Dabei sei ein wichtiger Punkt das Musikauswahlverhalten gewesen. Über die Hälfte entwickelte ein Interesse an „Coronamusik”, in der die Pandemie thematisiert wird, und ein Drittel höre nun sogar andere Musik und Musikgenres als vorher. Die Studie schließt daraus, dass die Änderung im Musikgeschmack auf eine gezielte Suche von Musik, die dabei hilft mit der Situation zurechtzukommen, hinweist. Viele Teilnehmer:innen berichteten, dass sie Musik öfters allein und konzentriert hörten und nicht nur im Hintergrund laufen ließen. Menschen seien intuitiv sehr gut darin, passende Musik für die momentane Stimmung auszusuchen. Auch der Austausch von Musik habe stark zugenommen und man habe öfter Playlisten und Links geteilt als sonst. Hier sei ein gewisser sozialer Zusammenhalt geformt worden, denn durch den Austausch signalisierte man, dass man im selben Boot wie sein Gegenüber sitze. Aber auch ohne den Austausch mit anderen, wirkte die Musik als Gesprächspartner und konnte die reduzierte soziale Interaktion ersetzen. Egal wie schlimm das Virus verbreitet oder wie hart die Lockdowns in den jeweiligen Befragten waren, die Effekte der emotionalen und sozialen Stressbewältigung waren überall zu finden. Der Umgang mit der Musik hilft bei Angst, Depressionen, Stress und Einsamkeit. Sie ist leicht verfügbar und kann helfen emotional stabil zu bleiben. Selbst habe ich während meiner Quarantäne auch festgestellt, dass ich mehr Musik als sonst gehört habe und auch mal in andere Genres reinschnupperte während man krank im Bett lag oder meinen Alltag bewältigte. Natürlich ließ ich meine Lieblingsplaylist auch immer mal wieder laufen, fügte neue Songs hinzu, löschte welche raus, die mir nicht mehr gefielen. Auch neue Formate wie Podcasts haben dafür gesorgt, dass man sich nicht ganz so alleine gefühlt hat. Besonders Hörbücher haben mir das ein oder andere Mal beim Einschlafen geholfen. Der Gefallen an der „Coronamusik” ist mir nicht gekommen und auch das Teilen von Musik hat nicht großartig zugenommen. Jedoch hörte ich Musik bewusster und gewählter. Habt Ihr, liebe Leser:innen, ähnliche Erfahrungen mit Eurem Umgang mit der Musik gemacht?
:Artur Airich
]]>Nach Gagas letzter und fünften Tournee, der Joanne World Tour 2017, steht die US-Amerikanerin nun nach fünf Jahren wieder auf den Bühnen unserer Welt. In der ausverkauften Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena eröffnete die Sängerin ihre Tour. Knapp 60.000 Menschen wohnten der spektakulären Show bei, die für alle Geschmäcker etwas zu bieten hatte.
Nachdem es keine Vorband gegeben hatte und die Zuschauer:innen lediglich knapp drei Stunden von elektronischen Beats beschallt worden waren – was der Stimmung im gefüllten Stadion nichts anhaben konnte –, legte Lady Gaga mit drei alten und gut bekannten Songs den fulminanten Start ihrer Show hin. Mit Bad Romance betrat Lady Gaga die Bühne, gefolgt von Just Dance und Poker Face. Grundsätzlich gab die Künstlerin viele ältere Lieder zum Besten. Darunter auch The Edge of Glory und Telephone. Den Gaga-Hit Born this Way gab es in einer erfrischenden Akustik-Version, den die Sängerin eigens auf dem Klavier begleitete. Somit lohnte sich der Abend gerade für Fans der älteren Musik. Neuere Songs waren mit 911, Sour Candy und Babylon vertreten.
Gaga bleibt Gaga
Die gebotenen Songs, wurden durch eine herausragende Bühnenshow begleitet. Während sich die Sängerin selbst zu jedem Song in einem neuen schrillen Outfit präsentierte, tanzte sie durchgehend gemeinsam mit mehreren Background-Tänzer:innen. Zusätzlich wurden vorgedrehte Videos zwischen den Songs auf drei großen Bildschirmen übertragen, welche Gaga mal in einem futuristischen Setting, mal steampunkig zeigten und auf die Songs einstimmen sollten. Insgesamt ergab sich daraus eine aufregende, typisch amerikanische sowie typisch „Gaga“-Show wie sie zu erwarten war.
Die von der Sängerin und ihrem Team gebotene Show, wurde höchstens von der Atmosphäre auf dem Pop-Konzert übertroffen. Die LGBTQI+-Community sowie FLINTA* waren stark vertreten, sodass sich das Gefühl eines Safer Spaces einstellte. An dieser Stelle muss ich eine persönliche Anekdote einbringen: Ich war noch nie auf einem Konzert, auf dem ich nicht einen Ellenbogen abbekommen habe, oder nicht wachsam war, um als kleine Person im Notfall aus den sich bildenden Moshpits verschwinden zu können. Bei Lady Gagas Konzert wurde sogar dann, als sich alle Menschen im Innenraum in der Mitte zusammendrängten, um einen Blick auf die Sängerin zu erhaschen, respektvoll Abstand gehalten. Gleiches gilt an dieser Stelle für das Security-Personal. Das erste Mal wurde ich vor dem Abtasten gefragt: „Darf ich dich abtasten?“ Insgesamt ergab sich daraus eine sehr gelöste Stimmung und ein großes Gefühl des Miteinanders.
Auch Gaga selbst war sehr ergriffen. Die Sängerin musste ihre Performance von Born This Way unterbrechen, um nicht in Tränen auszubrechen. Sie sei sehr froh, wieder auf der Bühne zu stehen und habe alle ihre Fans vermisst, sagte sie. Damit war der Tourauftakt, sowohl für die Fans, als auch für die Performerin gelungen. Die nächsten Ziele auf der Liste sind Stockholm am 21. Juli, Norwich am 23. Juli, außerdem Saint-Denis am 24. Juli, Arnhem am 26. Juli (noch nicht ausverkauft, falls ihr Lust auf einen spontanen Trip nach Holland habt), Japan und noch einige weitere Länder.
:Rebecca Voeste