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Ich bin eine dieser Nervensägen, die auf Konzerten rumstehen und nicht mitgehen, bestenfalls ein Foto machen und mitsingen, um danach zuhause für Klausuren zu lernen oder anderweitig rumzuspießern. Leute, die mir während des Konzerts ins Gesicht brüllen, dass ich gefälligst mitfeiern soll, dass ich ein Spießer bin, und alles mögliche, unflätige andere – versauen mir das Konzert. Das Gefühl ist also beidseitig.
Ich bin autistisch. So. Überhaupt auf ein Konzert zu gehen, ist für mich so beschwingt machbar wie ein Bungeejump mit ausgeleiertem Gummiseil: Kann gut gehen. Kann aber auch furchtbar schiefgehen. Konzert heißt: zu viele Menschen, zu viel Geschrei, Lärm, zuckende Lichter, eine Million Sinneseindrücke gleichzeitig und das ungefiltert. Ausnahmezustand.
Die Band, die all das wert ist, muss wirklich gut sein. Und dann hat man sich selbst überwunden, Zähne zusammengebissen, Standort am Rand, wenig Gedränge, das kann gut werden.
Aber dann kommt ES: der Moshpit. Leute, die sich schubsen, verletzen, anbrüllen. Immer das Risiko: Gleich bist du auch drin. Das ist das Schlimmste, was auf einem Konzert passieren kann – selbst wenn man nicht reingerät. Und danach wird einem hasserfüllt entgegengeschleudert, dass man sich zur Hölle scheren soll als Spießer. Ganz tolles Konzerterlebnis.
Wenn ihr mir – wie Marek auch – sagt, dass ich nach Hause soll, in Zimmerlautstärke meinen Klimperpop hören und für Klausuren lernen soll, dann sagt ihr mir mehr als das. Ihr sagt mir: „Dieser Ort, dieses Konzert, gehört uns ‚normalen‘ Menschen. Du verdienst es nicht, hier zu sein.“ Noch viel schlimmer, Ihr sagt auch: „Du bist zu behindert, um Spaß haben zu dürfen.“
Das tut weh. Und ist nicht lustig für mich.
:Maxim
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Der Saal wird dunkel, die Bühne hell. Die MusikerInnen betreten selbige, lassen sich kurz feiern und hauen in die Saiten beziehungsweise auf die Trommelfelle. Oder Tasten. Wie auch immer. Was für ein Opener! Volles Brett. Ich raste aus, juble, springe, tanze! Meine Lieblingsband live, jawoll! „Ej, hör ma auf damit, ja!“, quäkt irgendeine Nervensäge von hinten.
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Der Saal wird dunkel, die Bühne hell. Die MusikerInnen betreten selbige, lassen sich kurz feiern und hauen in die Saiten beziehungsweise auf die Trommelfelle. Oder Tasten. Wie auch immer. Was für ein Opener! Volles Brett. Ich raste aus, juble, springe, tanze! Meine Lieblingsband live, jawoll! „Ej, hör ma auf damit, ja!“, quäkt irgendeine Nervensäge von hinten.
Die Festivalsaison hat begonnen. Da ist es Zeit, Klartext zu reden. Konzerte sind für alle Sinne da. Wenn Du, quäkende Nervensäge, meinst, auf dem Konzert bloß rumstehen zu müssen, am besten noch mit deinem Scheißtelefon in der Hand für irgendwelche Aufnahmen, die Du dir nicht einmal ansehen oder – noch schlimmer! – auf Youtube hochladen wirst, dann hast Du das Prinzip Konzert nicht verstanden.
Vor rund 130 Jahren hat man für Menschen wie dich die Tonaufnahme erfunden. Heute kannst Du dir deine vorgefertigte Spotify-Playlist anmachen, dich an deinen Schreibtisch setzen und James Blunt auf „Zimmerlautstärke“ hören, während du für die Statistikklausur lernst.
Dies aber, Bürschchen, ist ein Konzert! Kein Zimmer. Hier hat Zimmerlautstärke nichts verloren. Die einzigen, die bei Konzerten sitzen dürfen, sind Leute im Rollstuhl oder Mädchen auf den Schultern ihres Freundes oder eines Typen, der sie nach dem Konzert mit nach Hause nehmen will.
Konzert ist Gemeinschaftsgefühl. Gemeinsame Ekstase. Konzert heißt hunderte von Menschen, die die Musik hören, die Band sehen, die Erregung spüren wollen. Wenn die Musik Gewalt ist, muss ein Moshpit her. Wenn die Musik Gefühl ist, will ich mit hunderten anderen weinen.
Verzeih, wenn ich dir auf den Fuß getreten bin oder dir meine Haare ins Gesicht peitschen. Aber das macht dir sicher nichts aus, deinen Ellbogen habe ich auch schon in meiner Seite gespürt. Du bist ja auch hier, um die Musik mit dem ganzen Körper, mit allen Sinnen zu erleben. Ach, das warst gar nicht Du? Du tanzt gar nicht? Du filmst bloß und meckerst? Dann verpiss dich!
:Marek Firlej