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Ein Held wie er im Buche steht, zieht in die große weite Welt, um ein Abenteuer zu erleben. Er gewinnt Turniere, erobert Herzen, bezwingt Drachen und kämpft an der Seite einer Löwin. Dabei kommt er natürlich das ein oder andere Mal von seinem Weg ab, aber was wäre eine Heldenreise ohne Umwege? Im Musischen Zentrum machte diese Reise zumindest am vergangenen Wochenende eine Menge Spaß!
Ein Mittelalter-Epos, das sich in der im Musischen Zentrum (MZ) aufgeführten Fassung nicht zu ernst nimmt und so immer wieder den gelegentlichen witzigen Spruch in Petto hat. Die Idee besteht seit Herbst 2018, wie uns Martin Wilke (:bsz 1235) bereits aufklärte. Und man merkte, wie viel Liebe und Mühe in dieser Produktion steckte. Die Schwertkämpfe wurden gemeinsam mit der Schwertkampfgruppe der TVG Steele erarbeitet, einer Gruppe von historischen Fechtern und Schwertkämpfern, zu denen auch Regisseur Wilke gehört. Mehrere Showkämpfe, bei denen die Schwerter gehörig aufeinander knallten, versorgten den mittelalterlichen Text (von ca. 1200) auch heute noch mit Action. Schauspielerisch wurde sich eher amüsiert: Iwein (Constantin Mianowski) wirkte in vielen Teilen sympathisch verpeilt, Keie, der Ritter mit der scharfen Zunge (Alex Dohle), lockerte die Szenen durch seine Untugendhaftigkeit auf und der Waldmensch (Yannis Deden) brach so sehr die vierte Wand, dass man gar nicht anders konnte, als mit ihm zu lachen. Auf der Bühne wanderte ebenso immer wieder der Iwein-Dichter Hartmann von Aue (Kilian Stargadsky) ein und aus, während er die Geschichte erzählte, sie aber auch stellenweise beeinflusste.
Gute Zwei Stunden verbrachte man mit Rittern, Burgdamen, Löw*innen und Hartmann von Aue im MZ. Währenddessen gab es bei den Zuschauer*innen viel Spaß und Begeisterung, bei der man nicht das Gefühl hatte, dass der Stoff eingerostet sei. Das liegt natürlich auch an der Modernisierung, die durch Wilke und sein Team erarbeitet wurde. So reist man doch am liebsten in die Vergangenheit: funny.
:Christian Feras Kaddoura
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:bsz: Kannst du uns sagen, was es mit dem ominösen Ritter vor dem Musischen Zentrum auf sich hat?
Martin Wilke: Ein ominöser Ritter auf der Unibrücke vor dem Musischen Zentrum? Das war ich! In unserem Stück geht es nun mal um Ritter und auch darum, Außergewöhnliches zu tun. Flyern und Plakate aufkleben kann jeder. Vorlesungen der Mediävistik haben wir mit Helm unterm Arm und Begeisterung in der Stimme besucht, um lebendiges Mittelalter in Form lebendigen Auftretens zu bewerben.
Sich dann in voller Montur auf die Unibrücke zu stellen, ist also bloß der nächste logische Schritt, um möglichst alle Interessierten aufmerksam zu machen.
Worauf kann sich das Publikum von „Iwein, eine Aventüre und noch mehr“ freuen?
Wir zeigen keine bloße Übersetzung des mittelhochdeutschen, sondern erzählen das Werk Hartmann von Aues neu, mit kritischem Blick und Witz. Wir haben die Geschichte Iweins lebendig gemacht durch moderne Kommentare und Sprache, besondere Ausgestaltung, Aufwertung von Figuren und viele Anspielungen auf die seltsamen Eigenheiten vom eigentlichen Text Hartmanns. Zudem wird unsere Aufführung durch vielfältige Kostüme, tolle Tonkulisse und Schwertkämpfe einer historischen Fechtgruppe lebendig gemacht.
Wie lange arbeitet ihr schon an der Aufführung?
Die Idee stammt vom Herbst 2018. Angefangen zu schreiben habe ich im Januar 2019. Seit April arbeiten wir als Gruppe von 14 Leuten an unseren Figuren, Text, Kostümen und Sprache an einem Text, der zunächst 100 Prozent von Hartmanns Vorlage abbildete. Das hätte aber natürlich völlig den Rahmen eines Theaterabends gesprengt! Daher fokussierten wir unser Stück auf das Wesentliche: Das Streben eines jungen Ritters, nach Ruhm und Ehre der merkt, dass diese Werte nichts bedeuten, wenn er dafür die Liebe seiner Frau verliert.
Wer ist alles an der Produktion beteiligt?
Freunde, die ich um mich scharen konnte! Zusammengekommen aus den unterschiedlichsten Interessensgebieten, die mich mit allen verbinden: Studentische Theatermenschen vom MZ, mit denen ich bereits mehrere Stücke seit 2018 spielte, Kommilitonen aus Germanistikseminaren, historische Fechter meiner Sportgruppe und deren Freunde und Familien. Weitere Hilfe außerhalb des MZ und meines Sportvereins nahmen wir nicht in Anspruch und haben das Projekt finanziell und organisatorisch allein gestemmt.
Was macht euer Stück außergewöhnlich?
Der „Iwein“ ist bereits eine Neuerzählung, als er 1200 von Hartmann (ab-)geschrieben worden ist. Es gab bereits weitere Retextualisierungen des Stoffs, aber bisher noch keine, die den Weg des Theaterstückes ging. Die Geschichte ist keine bloße Aneinanderreihung von Heldentaten, sondern die psychologische Entwicklung einer Figur, die eine tiefe persönliche Krise fast bis zur Selbstaufgabe durchmacht, aber durch einen Neuanfang und Aufschwung zu neuem Leben sich seiner Vergangenheit erneut stellen kann. Weil mich diese Geschichte einfach nicht kalt lässt, widmete ich mein Jahr 2019 fast völlig der Produktion dieses Stücks.
Was ist das „und noch mehr“?
Eine Aventüre und noch mehr ist ein Titel, der bereits das Stück anerzählt, „âventiure“ ist ein Begriff, der eine Reise beschreibt, in der ruhmreiche Rittertaten geschehen sollen. Unser Stoff geht über „eine“ Aventüre hinaus und erzählt neben weiteren Episoden der Vorlage, die auch Aventüren sind, eine tiefere, persönliche Geschichte. Außerdem bietet unser Stück eben dieses „mehr“. Es ist keine bloße Übersetzung. Es ist Nacherzählung, Neuerzählung, Reanimation. Und mittlerweile auch kein geringer Teil meines Lebens.
Das Interview führte :Christian Feras Kaddoura
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