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2023: Yorgos Lanthimos bringt mit Poor Things eine Neuinterpretation des Romans „Frankenstein“ von Mary Shelley in die Kinos. Der Film zeichnet sich vor allem durch seine Steampunk-Ästhetik aus und spielt in einer surrealen Fantasiewelt. Im Mittelpunkt steht die Figur Bella Baxter. Ihre Leiche wird von Dr. Godwin Baxter wiederbelebt und muss nun neu lernen, sich im Körper einer erwachsenen Frau in der Welt zurechtzufinden. Emma Stone in der Hauptrolle wurde für ihre Performance sogar mit dem Oscar für die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.
Die öffentliche Meinung zum Film geht weit auseinander. Manche sehen ihn als künstlerisches Meisterwerk, andere an erster Stelle als feministisches Werk. Das liegt überwiegend daran, dass Bella ohne das Wissen über gesellschaftliche Konventionen wie Scham aufwächst, geschweige denn Konzepte wie das Patriarchat kennt. Dadurch erlebt sie die Welt unbeschwert und kann sich ihr zu Beginn mit kindlicher Naivität nähern. Gegenstimmen sehen die Inszenierung Bellas kritischer. Für viele verkörpert die Figur vor allem weibliche Lust im Blickwinkel männlicher Fantasien. Ihre sexuellen Erfahrungen, unter anderem in einem Bordell, werden als reiner Selbstbestimmungsakt dargestellt, anstatt die tatsächliche emotionale Lage von Frauen in Betracht zu ziehen.
2025 dann die nächste Adaption des Klassikers: „Frankenstein“ von Guillermo del Toro erscheint in den Kinos. Der Film wird bei den Oscar-Verleihungen sogar drei Mal ausgezeichnet. In dieser Inszenierung geht es mehr um das Wissenschaftler-Monster-Verhältnis. Oder mehr noch: die Beziehung von Schöpfer und Schöpfung. Besonders Themen wie Verantwortung, Angst und Schuld beschäftigen hier die Hauptcharakter:innen.
Und nun vor Kurzem erschienen: der Film „The Bride!“ von Maggie Gyllenhaal - eine weitere Neuinterpretation des Romans, welche sowohl Horror-, Krimi- und Romanzen- als auch Thriller-Elemente vereint. Im Mittelpunkt der Inszenierung steht hier die wiederbelebte Frau namens Ida, gespielt von Jessie Buckley, und ihr Liebesverhältnis mit ihrem Schöpfer. Ähnlich wie Poor Things ist auch dieser Film in den Themen und Charakteraufstellungen stark feministisch gefärbt. Ida bricht ebenfalls aus den patriarchalen Strukturen der 1930er-Jahre aus und kämpft für Autonomie und Selbstbestimmung.
Auch das Schauspielhaus Bochum hat Gefallen an dem über 200 Jahre alten Klassiker gefunden und ihm ein neues künstlerisches Gewand verliehen. Im seit diesem Jahr aufgeführten Stück ist die Herangehensweise dabei eine etwas andere als in den zuvor genannten Filmen.
In der Inszenierung von Tom Schneider begleitet das Publikum nämlich Mary Shelley selbst. Dabei fließen viele autobiografische Fakten der Autorin und tatsächliche historische Ereignisse der Zeit in die Handlung ein.
Die Autorin bekam die ersten Ideen für ihre Geschichte im Jahr 1816. Das Jahr war im wahrsten Sinne des Wortes ein sehr düsteres für die Menschen jener Zeit. Im April 1815 kam es nämlich zum Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien. Der Austritt von Asche und Schwefelgas verdunkelte den gesamten Erdball, wodurch das Jahr auch ,,Jahr ohne Sommer“ genannt wurde. In genau diesem Sommer verbrachte (die damals noch unverheiratete) 18-jährige Mary Godwin mit ihrem Geliebten Percy Shelley und dem Poeten Lord Byron ihre Zeit am Genfer See. Dort kam es eines schicksalhaften Abends dazu, dass Lord Byron und Mary Shelley sich gegenseitig zu einem Schreibwettbewerb herausforderten. Die Aufgabe, inspiriert von der allgemeinen düsteren Atmosphäre: Wer kann die bessere Geistergeschichte verfassen? Die wesentliche Inspiration für die Handlung von Frankenstein bekam die Autorin von neuen Praktiken der Wissenschaft ihrer Zeit. Es gab öffentliche Vorführungen von Tieren und Menschen, die mit hoher Elektrizität berührt wurden, was zu Zuckungen und teilweise lebensecht aussehenden Muskelbewegungen führte. Die Unsterblichkeit von Menschen schien auf einmal nicht mehr undenkbar. Die Idee von Frankenstein und seiner Kreatur war geboren. Der Wissenschaftler Victor Frankenstein erweckt seine zusammengebaute Kreatur durch Elektrizität zum Leben.
Das Schauspielhaus schreibt über Mary Shelley selbst: „Hier […] erobert sich eine junge weibliche Stimme künstlerischen Raum.“ Und genau das finde ich am Stück, das zwangsläufig durch den Fokus auf die Autorin als machtvolle Frau ihrer Zeit feministisch diskutiert werden kann, sehr erfrischend und wertvoll. Mary Shelley selbst wird im Rampenlicht für ihr Werk zelebriert. Nicht das Monster ist das primäre Zentrum der Handlung, sondern die Frau, die hinter der Idee steht. Sie selbst veröffentlichte die ersten Auflagen des Buches noch anonym, da sich Werke von Frauen zu dieser Zeit schlechter verkauften und mit Stereotypen versehen waren. Eine Frau, die über wissenschaftlich inspirierte Fantasmen schrieb, hätten damals wahrscheinlich nur wenige ernst genommen. Doch heute, 200 Jahre später, begeistert ihre Geschichte immer noch Menschen auf der ganzen Welt.
,,Monster“ waren als Figuren schon immer beliebt. Seien es Vampire, Werwölfe oder auch einzelne Figuren wie Graf Dracula. Das Monster von Frankenstein unterscheidet sich jedoch in einem wesentlichen Punkt von den anderen. Es wurde bewusst von einem Menschen erschaffen, indem ein toter menschlicher Körper zum Leben erweckt wird. Der Mensch wird gottgleich und überwindet die Grenzen der Sterblichkeit allein durch seinen Verstand mithilfe der Wissenschaft. Der Mensch wird unsterblich, eine Vorstellung, die Menschen zu Zeiten Mary Shelleys, wie auch heute fasziniert.
In Zeiten von KI gibt es Personen wie Elon Musk, der davon träumt, das menschliche Gehirn auf einen Chip zu überspielen, sodass das Bewusstsein auch nach dem Sterben des Körpers überlebt. Ein Mann, der sich gleich dem Wissenschaftler Frankenstein mit den aktuellen Umständen und Möglichkeiten der Zeit über die Grenzen der menschlichen Sterblichkeit hinaussetzt. Doch auch Themen wie Selbstbestimmung, mit denen sich die Kreatur auseinandersetzt, beschäftigen aktuelle Gesellschaften. Sei es in anhaltenden Diskussionen über die Wehrpflicht in Deutschland oder in aktuellen Debatten über die Rechte von trans Personen in den USA, dem Land, in dem die meisten genannten Filme produziert wurden.
Mittlerweile haben bereits über die Hälfte der Bundesstaaten geschlechtsangleichende Behandlungen für trans Jugendliche verboten, ein Akt der Verletzung der Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung, der vom Supreme Court selbst als rechtens erklärt wurde. Oder auch Frauenrechtsdebatten wie die um Abtreibungsrechte in den USA, die bei den Wahlen 2024 eine wesentliche Rolle gespielt haben. Sie sind ebenfalls im Kern Debatten darüber, wie weit eigene Selbstbestimmung reicht bzw. reichen „darf“ und wer genau das bestimmt. Diese Frage kann für manche bis ans Existenzminimum und die eigene Menschenwürde gehen.
Ein momentan wieder viel besprochenes Beispiel dafür ist die Lage von Frauen in Afghanistan. Dort dürfen Frauen außerhalb ihres Hauses nicht einmal laut sprechen. Diese Frauen haben nicht das Privileg, aus Konventionen ausbrechen zu können, so wie es Figuren wie Ida oder Bella in ihren erdachten Welten können. Die Charaktere scheinen nun plötzlich nicht mehr so skurril und überzogen, sondern fungieren als Projektionsfläche für Sehnsüchte nach Freiheit und Autonomie in einer Welt, in der der absolute Gegenentwurf tagtäglich gelebt wird.
Diese Umstände nun in einem Werk zu verarbeiten, das von einer Frau vor 200 Jahren geschrieben wurde, die ebenfalls mit den sexistischen Umständen ihrer Zeit zu kämpfen hatte, erscheint fast wie eine universelle weibliche Verbundenheit, die aus den geteilten Erfahrungen erwächst. Der neuzeitliche Begriff ,,Sisterhood“ über zeitgeschichtliche und örtliche Grenzen hinaus bringt dieses Gefühl auf den Punkt. Shelley verfasste ihr Buch ebenfalls in einer düsteren Zeit, sowohl den Umständen der Natur entsprechend als auch im Hinblick auf die Position weiblicher Autorinnenstimmen in der Literatur. Und doch ist ihr Werk eines der erfolgreichsten jemals!
Dies birgt Hoffnungen für alle Frauen, die nach ihr kamen, und erklärt mit Sicherheit den Großteil der Kraft, die ihrem Werk ,,Frankenstein“ in heutigen Zeiten erneut verliehen wurde.
PS: Wer Interesse an der Vorstellung im Schauspielhaus bekommen hat, kann sich für die Termine im Juni und Juli Karten holen. Wie immer ist der Eintritt für Studierende der RUB kostenlos!
]]>Auftakt des avantgardistischen Kulturfests war, wie jedes Jahr, am 1. Mai auf dem Hügel vor dem Ruhrfestspielhaus. Neben einem kleinen Programm auf mehreren Bühnen ist dieser Tag aber, aus eigener Erfahrung, eher bekannt für die Horden an angetrunkenen Jugendlichen, die die Wiese im Stadtgarten für sich beanspruchen. Wenn ihr mich fragt, ist das ein gebührender Start eines international angesehenen Kulturfestes. An einem Freitag unter dem Vorwand der Kultur sich mal ein paar alkoholische Spaßgetränke zu genehmigen – das geht vermutlich nur in unserem geliebten Pott.
Wer aber ein bisschen mehr Kunst und Kultur erleben möchte, wird bei dem diesjährigen Programm zwischen dem 2. Mai und dem 13. Juni fündig. Neben zahlreichen Theaterinszenierungen und Tanzeinlagen erwarten die Besucher:innen Lesungen, Kabarettvorstellungen und andere Performance-Shows national und international renommierter Künstler:innen. Und diese finden in verschiedenen Kulturstätten in ganz Recklinghausen fast täglich statt. Das Publikum variiert bei diesem breiten Programmangebot von Jung bis Alt sowie von ruhigeren bis hin zu bunteren Charakteren.
Meine persönlichen Highlights sind unter anderem die Vorstellung „Gala“ des französischen Choreografen Jérôme Bel, in der nicht nur die Tänzer:innen mit ihren unterschiedlichsten Lebenswegen, sondern auch die Choreografie mit Konventionen und Erwartungshaltungen bricht. Aber auch das Theaterstück „K.“, eine schrille und mit Musik unterlegte Inszenierung des „Prozesses“ von Kafka, das eingefleischte Kafka-Fans nicht missen dürfen, sowie die dokumentarische Inszenierung „Catladies“ über die von Klischees geprägte Gruppe alter, einsamer und katzennaher Damen stehen bei mir ganz oben auf der Liste. Genauso dürften sowohl die Lesung der Texte Erich Kästners über das Berlin der 20er- und 30er-Jahre als auch der Kabarettauftritt von Teresa Reichl viele Menschen ansprechen.
Wem davon bis jetzt nichts zusagt, findet vielleicht unter den restlichen 65 Produktionen etwas Passendes für sich. Und wer lieber auf den altbewährten Promistatus setzt: Bjarne Mädel, Joachim Król, Katharina Thalbach und Kathrin Bauerfeind werden alle während der Ruhrfestspiele bei verschiedenen Performances live auf der Bühne zu sehen sein. Während in der Vergangenheit auch schon Hollywoodstars wie Cate Blanchett oder Jeff Goldblum in Recklinghausen zu sehen waren, setzen die Ruhrfestspiele dieses Jahr vor allem auf deutsche Promis.
Über das Programm und die Vorstellungsorte könnt ihr euch, teils sogar durch Trailer, auf der Website der Ruhrfestspiele informieren. Tickets könnt ihr euch sowohl dort als auch an verschiedenen Verkaufsstellen in Recklinghausen besorgen. Studierende erhalten 50% Rabatt auf den normalen Ticketpreis und müssen selbst an den Abendkassen nur 10 Euro pro Vorstellung bezahlen. Und wer noch ein bisschen extra Wissen tanken will, solange die Speicherkapazitäten am Anfang des Semesters noch nicht so ausgelastet sind, kann sich auf der Website über den besonderen Ursprung der Ruhrfestspiele informieren. Also: Wer nun bereit ist, bis zum 13. Juni ein bisschen „Kultur gegen Kohle“ einzutauschen, der sollte sich beeilen – vielleicht sehen wir uns dann ganz bald in Recklinghausen.
]]>Weitere Preisträger:
Bester Dokumentarfilm: "Holding Liat" von Brandon Kramer
Die Berlinale 2025 bleibt jedoch nicht ohne Kritik und Empörung.Die Dankesrede von Preisträger Radu Jude für seinen Film „Kontinental 25” war gespickt mit kontroversen Aussagen. Zunächst sprach er seine Hoffnung aus, dass der Gerichtshof von Den Haag seiner Arbeit gegen die „Mordenden Bastarde” nachkäme. Wen er damit genau meint, führte er nicht weiter aus. (Anm. d. Red.: Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hatte vergangenes Jahr Haftbefehle gegen den israelischen Premier Benjamin Netanjahu, Ex-Verteidigungsminister Joaw Galant und den Hamas-Anführer Mohammed Deif sowie den russischen Präsidenten Wladmir Putin erlassen.) Er beendet seine Rede mit einer Anmerkung zur Bundestagswahl in Deutschland und ob man je nach Ausgang die Berlinale nicht mit Leni Reifenstahls „ Triumpf des Willens” eröffne.
Ebenfalls kritisch wurden die Aussagen von Jury-Mitglied Maryam Joobeur, die auf der Bühne über „Bombenabwürfe auf Kinder” sprach, bewertet. Sie kritisierte die Bombenabwürfe auf Schulen und Krankenhäuser, wurde dabei allerdings nicht konkreter. Es liegt nahe, dass damit die Bombenangriffe auf UN-Schulen im Gaza-Streifen gemeint waren.
Auch die Ehrenpreisträgerin Tilda Swinton machte Schlagzeilen. Sie bekannte sich als Befürworterin von Boycott, Divestment and Sanctions (kurz BDS), eine Kampagne, die den Staat Israel wirtschaftlich isolieren möchte. Swinton teilte mit, sich noch zuvor für einen Boycott der Berlinale von jener Kampagne entschlossen zu haben, sie habe aber nach eigenen Aussagen beschlossen, dass es für sie wichtiger sei zu kommen.
Nicht zuletzt zerriss der Berliner CDU-Fraktionschef Dirk Stettner auf dem roten Teppich seine Karte für die Abschlussgala. Er ist der Auffassung, dass das Filmfest zu politisch und zudem eine Bühne für Antisemitismus geworden sei, und möchte deshalb auch die finanzielle Förderung des Filmfests streichen.
:Artur Airich
Ich bin ausm Pott, hier komm ich wech und ich bin stolz drauf! Meine Liebe für das Ruhrgebiet wurde unter anderem durch meinen Vater geweckt, der mir schon früh unsere Industriekultur gezeigt und mich samstags zum Fußball mitgenommen hatte – Auf Schalke natürlich. Ich wohne in einem Bergmannshaus gegenüber einer der unzähligen umfunktionierten Zechen, welche man überall hier findet. Mir wurde also diese Identität quasi in die Wiege gelegt. Einen großen Anteil an meiner Liebe für die Region und die Menschen hier, kommt aber auch von dem Projekt Ruhr 2010. Ein Projekt des RVR, um sich von der Europäischen Union den Titel Kulturhauptstadt geben zu lassen.
Mit Fördergeldern und Spenden wurde ein Projekt zusammengestellt, welches allen Besucher:innen zeigen sollte: Wir können mehr als Kohle und Fußball. Was nämlich weniger Beachtung gefunden hat, waren zum Beispiel die unzähligen Shows; ob Theater, Kino oder Musical, welche 2010 hier stattgefunden haben. Ob im Schauspielhaus Bochum oder auf unzähligen Open Air Bühnen, die Kunst des Schauspiels ist Teil der Identität des Ruhrgebiets. Auch der Film und das Kino sind untrennbar von der Geschichte dieser Region, so ist es nicht verwunderlich, dass einige der am längsten dauerhaft bestehenden Theater und „Lichtspielhäuser“ sich hier im Ruhrgebiet befinden. Im Jahr, in dem wir das Kulturzentrum Europas waren, war es nur logisch diesen Teil dieser Identität zu feiern.
Es gab aber auch viele Projekte, die sich rund um den Bergbau drehten; Kohle, Stahl und Maloche! So gab es die Schachtzeichen, gelbe mit Gas gefühlte, Ballons, welche überall da waren, wo sich früher der Eingang für einen Bergschacht befunden hat. Über 300 dieser Ballons markierten für einige Wochen den Strukturwandel für alle. Denn die meisten standen nicht bei einem Förderturm, sondern auf Parkplätzen, in Waldstücken oder in Wohnsiedlungen.
Auch sahen wir 2010 die Eröffnung des Ruhrmuseums Essen – eines Museums, das wie kaum ein anderes für das Ruhrgebiet steht. Aber auch das Bergbau-Museum nahm eine besondere Rolle ein: Es war das größte Besucherzentrum im Ruhrgebiet und empfing Millionen von Besucher:innen, die sich hier über das Programm der Kulturhauptstadt informieren konnten.
Ein weiteres sehr interessantes Projekt war die Sperrung der A40, dort wurden dann Tische und Stühle aufgebaut und ein Picknick veranstaltet. Die A40 steht für das Ruhrgebiet wie kaum ein anderes Stück Infrastruktur. Sie so zu nutzen und Menschen mal anders zu verbinden, war ein schönes Zeichen für diese Region. Der Ruf des Ruhrgebiets ist schließlich geprägt von dem Satz „Arm aber Ehrlich“ oder „Arm aber herzlich“. Ein solches Projekt, um also den Zusammenhalt und die Gemeinschaft zu feiern, war den Veranstaler:innen sehr wichtig. Allgemein stärkte Ruhr 2010 das Gemeinschaftsgefühl des Ruhrgebiets, man kommt halt nicht einfach aus Essen oder Dortmund, sondern aus dem Pott. Das ist eine Sachen, die auch noch 15 Jahre später geblieben ist; das Bewusstsein dieser Region. Aber was sonst noch?
Erst einmal die Route der Industriekultur, welche eine Strecke durch das ganze Ruhrgebiet markiert und auf dessen Weg alle Industriedenkmäler liegen. Die Strecke ist so geplant, dass man sie theoretisch mit dem Fahrrad oder mit dem Auto abfahren kann. Dies ist aber nur ein Beispiel für das Sichtbare; das nicht-Sichtbare ist aber der Abschluss des Strukturwandels der Region. Von einer ehemaligen Industrieregion zu einer boomenden Kultur-Metropole, die unglaublich viel zu bieten hat. So viele Theater, Museen oder Landschaftsdenkmäler findet man selten wo anders in Deutschland und hier sind sie auf nur einem Fleck versammelt. Das Ruhrgebiet ist mit über fünf Millionen Einwohner:innen eines der größten Ballungszentren in Europa und dementsprechend groß ist hier auch die Vielfalt. Das Ruhrgebiet ist bunt, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sehen kann. So war dieses ganze Jahr der Kulturhauptstadt insgesamt ein Segen für das Ruhrgebiet, nur deswegen konnte auch dem Kulturangebot hier die Aufmerksamkeit zuteilwerden, die es jetzt immer noch hat. So besteht vieles davon auch heute noch und sorgt weiter dafür, dass dieses wunderschöne Fleckchen Erde so pulsierend mit Leben gefüllt ist. In diesem Sinne: Glück Auf!
:Steven Schöpper
]]>Gladiator setzte im Jahre 2000 ein sehr gutes Beispiel dafür, wie ein Action Film mit antikem Setting auszusehen hat. Der Film spielt zur Zeit des Kaiser Komodos und folgt der Geschichte von Maximus, einen Römischen Feldherren, welcher verraten wird und später als Sklave in der Arena kämpfen muss. Die Musik und die praktischen Effekte halten sich auch noch über 20 Jahre später sehr gut im Vergleich zu modernen Filmen. Auch wenn heutzutage die Computer-Effekte und Kulissen etwas eingestaubt wirken, kann der Film immer noch durch seine epische Szenerie und Geschichte überzeugen. Doch wie sieht es nun mit dem zweiten Teil aus?
In Gladiator II folgen wir der Geschichte von Hanno, gespielt von Paul Mescal, ein Soldat und Befehlshaber im Heer des Nubischen Königs, ein Königreich an der Mittelmeerküste von Afrika. Hanno kam als Kind nach Nubien, doch niemand weiß so genau, woher er ursprünglich stammt. Das Königreich widersetzt sich dem Römischen Reich und den beiden Kaisern, Geta und Caracalla. Dafür entsenden diese den Tribun Justus Acacius, gespielt von Pedro Pascal, um das Königreich zu unterwerfen. Bei der darauffolgenden Schlacht wird Hannos Frau Arishat getötet und er selbst als Sklave genommen. Er wird nach Rom verschleppt und vom Sklavenhändler Macrinus, gespielt von Denzel Washington, gekauft. Eben dieser erkennt Hannos Stärke und Zorn und bildet ihn zum Gladiator aus, um im Kolosseum anzutreten.
Der Film beeindruckt, wie auch der Vorgänger, durch seine Inszenierung. Schiffskämpfe im gefluteten Kolosseum, mit Haien im Wasser, große Schlachten und blutige Kämpfe. Das CGI muss sich hier definitiv nicht verstecken, auch wenn man bei einige Sachen doch schon sehr die Animationen sieht. Genug praktische Effekte sind aber auch vorhanden, um Fans bei Laune zu halten. Die Charaktere des Films sind wieder großartig gespielt und klassisch ausgearbeitet. Es ist nicht kompliziert zu verstehen, welche Charaktere hier die Guten und welche die Bösen sind. Es gibt auch nicht wirklich eine Vielschichtigkeit und der Film folgt eher der Spannungskurve des klassischen Dramas.
Doch Gladiator II ist natürlich hauptsächlich gefragt wegen der Action, Gladiatoren, die sich in blutigen Kämpfen zur Belustigung der Massen töten. Dies macht der Film ausgezeichnet, die Choreografien sehen gut aus und sowohl die Zweikämpfe als auch die großen Schlachten machen Lust auf mehr. Ein Film, den man versteht, ohne groß im Thema drin zu sein und der ein Bildspektakel auf die Leinwand bringt.
Jedoch gibt es auch etwas zu kritisieren. Gladiator II hat wie bereits erwähnt einige Schwächen beim CGI, auch wenn das schon Meckern auf hohen Niveau ist. Mehr Abzüge muss ich hier bei der Musik machen, auch wenn sie im Ganzen gut zum Film passt. Die Musik kommt bei weitem nicht an den ersten Teil heran, auch wenn ein bis zwei alte Titel wiederverwendet werden. Auch die Charaktere sind nicht so gut ausgearbeitet wie im ersten Teil. Alle Schauspieler machen ihren Job super, aber leider ist die Interaktion zwischen manchen Schlüsselcharakteren sehr begrenzt, weswegen zwischenmenschliche Beziehungen manchmal etwas gehetzt wirken. Dafür ist aber wie gesagt hauptsächlich das Screen Play verantwortlich.
Im Großen und Ganzen ist der Film aber gelungen, er wäre wahrscheinlich besser, wenn man ihn nicht mit den Vorgänger vergleichen würde. Aber auch so muss er sich nicht verstecken. Mit einem Boxoffice von 153 Millionen Dollar ist er auch aus finanzieller Perspektive nicht unerfolgreich. Es bleibt nur abzuwarten, wie er bei den Oscars abschneidet. Der erste Teil konnte fünf Oscars gewinnen, darunter den für den besten Film.
Für Fans von Action Filmen in historischen Settings definitiv zu empfehlen, aber eine Sache möchte ich noch erwähnen, der Film ist keine Doku und nimmt sich viele Freiheiten, um eine Geschichte zu erzählen, welche grob auf historischen Begebenheiten basiert. Es ist wichtig zu erwähnen, weil solche Filme die Vorstellung der meisten Leute über die Antike beeinflussen. Das heißt nicht, dass der Film diesbezüglich schlecht ist oder einen besseren Job hätte machen müssen. Der Film ist lediglich eine fiktive Geschichte und Kostüme, Kulissen, Dialoge und Personen spiegeln nicht die realen historischen Begebenheiten wider.
Ich hatte mit dem Film viel Spaß! Dieses Action-Spektakel voller Blut und Intrigen ist definitiv einer der besseren Kinofilme des Jahres 2024.
: Steven Schöpper
Dass sich Kunst mit Armut beschäftigt, ist keine neue Entwicklung. „The Family of Man“ war eine Fotoausstellung im New Yorker Museum of Modern Art, welche im Jahr 1955 eröffnet wurde und auf ihrer Welttour auch in Deutschland haltmachte. Auf dieser Ausstellung wurde unter anderem auch Dorothea Langes weltberühmtes Foto „Migrant Mother“ ausgestellt. Als „Porträt der Menschheit“, welches eine universelle Natur aller Menschen darstellen sollte, konzeptioniert, wiesen Kritiker*innen schnell auf eine Mystifikation einer Naturverbundenheit und auch Armut hin. Zugrunde läge ein sentimentaler Humanismus, der in armen, oft nicht-weißen Menschen eine romantisierte Reflexion der eigentlichen menschlichen Natur sah – schlussendlich eine intellektualisierte Form der als „Völkerschau“ bezeichneten Zurschaustellung entführter, exotisierter und rassifizierter Menschen aus den Kolonien für die Menschen in Europa und Nordamerika. Aus einer weißen Perspektive, für ein weißes Publikum, wird über Menschen geredet, statt mit ihnen. Darstellungen von Armut in Kunst und Medien bewegen sich oft in einem Spannungsfeld aus othering, Ausgrenzung, sogar Verachtung, aber auch Verpflichtung und Sorge bis hin zur schon erwähnten Romantisierung des „einfachen Lebens“ in einer vermeintlich immer komplexer werdenden Welt.
Die Ausstellung „Die Unsichtbaren“ zeigt schwarz-weiß Fotografien von Obdachlosen und wurde seit 2014 an vielen deutschen Bahnhöfen gezeigt. Auf das Verdrängen, das Vorbeigehen und Wegsehen soll aufmerksam gemacht werden, die Geschichte der Fotografierten erzählen und sie als Menschen statt als Problem oder Störfaktor darstellen. Der Verkaufserlös des dazugehörigen Bildbandes geht an die Bahnhofsmissionen. Die Realität an den Bahnhöfen ist oft eine andere. Ob selbst den Porträtierten überhaupt Zugang zur Ausstellung gewährt wird, bevor sie von DB-Sicherheit oder Bundespolizei des Platzes verwiesen werden, bleibt zweifelhaft. Die Verfolgung bettelnder Menschen beispielsweise ist alltäglich, obwohl Bettelei nicht mehr strafbar ist. Über juristische Tricks und Subunternehmen schafft die BRD die Grundlage, Bahnhöfe – die eigentlich öffentlicher Raum sein müssten, zu 100 Prozent dem Staat gehören – wie Privatgrund zu behandeln. Und somit auch Menschen, die dort Betteln oder Schlafen wegen Hausfriedensbruch zu belangen. So wurde bei der Ausstellung eventuell noch „auf Augenhöhe“ mit den Menschen geredet. Im nächsten Moment sind sie jedoch wieder mit der Realität ihrer Armut und Obdachlosigkeit konfrontiert. Da ist auch der Erlös des Bildbandes, der irgendwie einen warmen Platz im Bücherregal findet, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
:Jan-Krischan Spohr
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Nicht allein militärische Einsätze sind Teil der ukrainischen Verteidigungsstrategie im gegen sie geführten russischen Angriffskrieg. Auch Zensur und Verbote russischer Medien – neben Presse auch Filme, Bücher, Musik und vieles mehr – gehören zu den Mitteln. Ein durchaus verständlicher Schritt, wenn man annimmt, dass eine bewusste Verneinung und Untergrabung einer „ukrainischen Identität“ integraler Teil der russischen Strategie sind. Eine Einschätzung, die Beobachter:innen und Fachleute durchaus unterstützen. Es gäbe demnach ein Narrativ, welches die Annexion der Ukraine, als Rückeroberung vermeintlich russischen Gebiets rechtfertigt, welches auch in Kunst und Kultur perpetuiert wird. Doch auch auf deutschen Bühnen haben es russische Künstler*innen derzeit nicht leicht. Das Festival „Odyssee: Musik der Metropolen“ auf der Freilichtbühne Wattenscheid spricht sich beispielsweise gegen diesen vermeintlichen „Kultur-Boykott und für das Weiterführen des Dialogsmit russischen Künstler:innen“ aus – im Kontext der Einladung der russischen Band Iva Nova auf die diesjährige Ausgabe des Umsonst-und-Draußen-Festivals in Bochum. Auch der Intendant der Semperoper, Peter Theiler, sieht es kritisch, wenn man Personen allein wegen ihrer Staatsangehörigkeit auslädt. Besonders zu denjenigen, die bereits seit langem der Putin-Regierung gegenüber kritisch seien, dürfe der Kontakt nicht abgebrochen werden, da sind sich selbst sonst uneinige Stimmen überraschend einig. Auch unlautere Stimmen äußerten sich jedoch bereits zum vermeintlichen Kulturboykott, und selbst Vergleiche zum Umgang Nazideutschlands mit jüdischen Kunstschaffenden wurden gezogen. Oft traf der Boykott bisher jedoch eben solche, die sich zum Krieg gar nicht positionierten oder eben in der Vergangenheit oder aktuell Nähe zur russischen Regierung und gute Beziehungen zu Putin bewiesen. Dirigent Waleri Gergijew befürwortete zum Beispiel die Annexion der Krim und steht seit langem dem russischen Präsidenten nahe. Sein Schweigen zum Ukrainekrieg reichte somit vielen westlichen Veranstalter*innen dafür, sich von ihm zu trennen. Die Opernsängerin Anna Netrebko unterstütze in der Vergangenheit aktiv die Interessen Putins, äußerte sich jedoch gegen den Krieg. Vielen war ihr Statement offenbar nicht klar genug, und es folgten Absagen ihrer Aufritte in europäischen Opernhäusern. Auch sie selber sagte jedoch Konzerte ab, und nach einer klareren Positionierung gegen den Krieg im März wurde sie in russischen Staatsmedien als Verräterin bezeichnet. Nun spielte sie auch wieder auf europäischen Bühnen, jedoch nicht ganz ohne Proteste.
Der russische Pianist Alexander Melnikov äußerte sich kurz nach Beginn des Krieges bei seinem Auftritt in Bochum klar: Dieser Krieg zwinge ihn dazu, sich dafür zu schämen Russe zu sein. Auch er machte später deutlich: Einen allgemeinen Boykott russischer Künstler*innen, oder Diskriminierung russischer Menschen, wegen des Krieges dürfe es nicht geben. Seine Aufritte wurden bisher nicht in Frage gestellt. Die Band Pussy Riot, deren (nicht nur) Putin-kritische Einstellung bereits seit langem bekannt ist, brauchte sich ebenfalls keine Sorgen um derartige Absagen und Proteste machen. Das Künstlerinnen-Kollektiv bekam eher mehr Aufmerksamkeit, seit Kritik an Russland wieder größere Aufmerksamkeit und breitere Plattform bekommt. Die Gruppe IC3PEAK, die sich auch musikalisch eher im Untergrund bewegt, sagte alle Konzerte in Russland ab, touren aber weiter um die Welt. Auch ihre Position zur russischen Regierung ist bereits seit langem klar und kritisch. Anzeichen von einem generellen Boykott alles russischen gibt es in der Kulturbranche also kaum. Ebenso klar ist jedoch, dass von denen, die weiter akzeptiert werden, eine Positionierung gegen der Krieg und gegen Putin erwartet wird. Gegen diejenigen Künstler*innen, die sich so äußern, wird in Russland jedoch seit Kriegsbeginn besonders rigoros vorgegangen. Um auf europäischen Bühnen stehen zu dürfen, muss man demnach durchaus bereit sein in Russland als Dissident*in zu gelten und verstoßen und verfolgt zu werden. Ein Anspruch, der in Fällen anderer Staaten – so kritisch man diese seitens einiger Politiker*innen und Medien, zumindest mit Worten, einordnet – nicht in vergleichbaren Ausmaßen gestellt wird.
:Jan-Krischan Spohr
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Wer am vergangenen Samstagabend durch die Dortmunder Nordstadt spaziert ist und dem Geräusch lauter elektronischer Musik in Richtung Hafen folgend, durfte etwas Erstaunliches bewundern. Im Zuge des Kulturfestivals Beyond Opera 22 zog eine „performative Soundkarawane“ vom Blückerpark in Richtung Kanal. Finaler Stopp am „Umschlagplatz“ – Der Name dieses Events? Nordstadtoper. Wer sich ein wenig in Dortmund auskennt, wird bei der Kombination von „Nordstadt“ und „Oper“ vielleicht staunen. Der stark migrantisch geprägte Stadtbezirk Innenstadt-Nord – in den Medien oft als „Ghetto“ und voll mit vermeintlichen No-Go-Areas geframed – steht nicht unbedingt mit solch anerkannter Hochkultur wie der Oper in Verbindung. Aufmerksamkeit bekommt man dort meist nur in Form von Taser-Pilotprojekten bei der Polizei und gutbürgerlicher Angst vor allem was anders ist. Doch seit einigen Jahren befindet sich der Stadtteil in einer konfliktreichen Entwicklung zwischen selbstverwalteten Projekten und Gentrifizierung. Eins ist jedoch immer noch klar, nördlich des Hauptbahnhofs ist es anders als im Rest der Stadt. Dieses „anders“ gehört zu dem, was die Nordstadtoper in ihrer Konzeption einfangen will. Um 19 Uhr sollte es losgehen, schon vorher sammelten sich viele Menschen im Blücherpark. Dort konnte man bereits tänzerische Bewegung auf einem Spielplatz zu meditativen Parolen von Sicherheit, Geborgenheit und Liebe betrachten. Jemand steht an einer Telefonzelle, singt Oper in den Hörer. Bereits auf dem Weg zum Park fallen die gesperrten Straßen und fragende Anwohner:innen auf. Irgendwas liegt in der Luft, so viel ist klar. Eine Hochzeitsgesellschaft wird – wahrscheinlich unfreiwillig – kurz Teil der Inszenierung, als sie feierlich hupend versuchte, noch zwischen Soundkarawane und Straßenabsperrungen hindurch zu schlüpfen. Dann aus nicht allzu weiter Ferne die Klänge von Bass und Kickdrums, während ein LKW mit einer Bühne vorfährt. Dieses Fahrzeug bildete das Herzstück der Karawane, die nun mit einigen Schlenkern durch die Straßen der Nordstadt lief. Immer wieder kamen zu den repetitiven Beats andere Impulse hinzu: Am Eingang einer Schule spielte ein Jazzensemble, vor einer Bar erklungen Streichinstrumente, Balletttanz im Hof einer Kirche, ein Gitarrist auf einem Balkon, Schlagzeuger in einem Treppenhaus … Mal mehr Zeit, mal weniger Zeit, um innezuhalten und die neue Kombination aus elektronischem und akustischem Klang auf sich wirken zu lassen. Eine große Masse Menschen hatte sich dem Zug angeschlossen, zwischen den Schaulustigen spontanen und extra Angereisten immer wieder eine kostümierte Person und dann eine zweite und eine dritte, die sich durch die Menge schlängelt. Oft fällt erst im allerletzten Moment auf, dass gerad eine weitere Performance beginnt. Immer wieder auch der Klang von Operngesang, der die fast profanen Klänge der Tanzmusik durchdringt. Klänge, die man auch an jedem anderen Wochenende auf den Straßen der Nordstadt vernimmt, vermischt mit Klängen, die sonst nur in exklusiven Veranstaltungen in Opern- und Konzerthäusern zu hören sind. Angekommen am Ziel erwartete die Karawane eine Bühne, darauf all die Musiker:innen die uns bereits unterwegs an ihren Stationen erwartet hatten. Noch ein letztes Mal spielten alle zusammen, als vorläufiger Klimax der Veranstaltung. Doch auch nach dem dankenden Abschlussgruß der Organisator:innen war es noch nicht vorbei mit der Nordstadtoper. Für alle, die noch nicht genug hatten, gab es noch Musik bis zur Mitte der Nacht – rollende Bässe und rhythmische Bewegungen, Impulse und Ekstase, die die Straßen und das Nachtleben der Städte prägen, während anderswo in den heiligen Stätten der Hochkultur mit Weißweinglas in der Hand applaudiert wird. Die Nordstadtoper das Bindeglied, ein zaghaftes, gegenseitiges Ausstrecken der Finger entgegen einer Kultur, die man vielleicht nicht versteht, wohl aber respektieren kann.
:Jan-Krischan Spohr
]]>Feiern im Bochumer Bermuda3Eck? Nichts Neues, altbekannt und immer gut! Feiern rund um das Bochumer Rathaus? Das war seit der Wiedereröffnung der Clubs nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen nur im „Goo“-Club möglich. Der kleine neue Indie-Club im Ratskeller, der das ehemalige Clubbing-Programm der „Trompete“ übernommen hat – „Königskinder & Rebellen“, „Love Will Tear Us Apart“, „90s Riot“ und weitere bekannte musikalische Erlebnisse sind nun im „Goo“ zu finden – wird wohl ab dem 26. August 2022 durch das Projekt „Rathaus Clubbing“ eine beeindruckende Konkurrenz bekommen. Die Veranstaltenden Bochum Marketing GmbH und das Kulturbüro der Stadt Bochum möchten die Innenfläche des Gebäudes am Willy-Brandt-Platz zum multifunktionalen Raum machen. Er soll zu Konzertplatz, Club oder auch Theaterbühne werden, ganz nach Bedürfnissen der Kunstschaffenden flexibel anpassbar. Ziel dieser „Kerninitiative der Bochum Strategie 2030“ ist es, insbesondere junge Studierende und Menschen aus der freien Szene anzusprechen und sie mit Live-Acts, elektronischer Musik und alternativen „Clubfeeling“ unter freiem Himmel zu versorgen, weitab von altbekanntem Bermuda3Eck und mit ganz eigenwilligem Flair, der sich nicht mit dem der Kneipen in Bochums Partystraßen vergleichen lässt. Das Projekt klingt vielversprechend; es lässt auf Freiluft-Festival-Feeling und bereichernde Kunst-Kultur-Angebote hoffen, welche das flexibel gestaltbare „Rathaus Clubbing“ einen ganz besonderen Stellenwert in der Partystadt Bochum verleihen könnten. Es bleibt trotzdem abzuwarten, wie sich „Rathaus Clubbing“ letztendlich in der Realität gestaltet. Zum Glück müssen wir nicht lange auf heißen Kohlen hocken. Bereits knapp acht Wochen nach dem beliebten Stadtfestival „Bochum Total“ Anfang Juli 2022 gibt der erste Act des „Rathaus Clubbing“ den Startschuss für das neue Projekt. Am 26. August von 18 bis 22 Uhr soll im Rahmen des 14. Bochumer Musiksommers von der Bochumer Marketing GmbH umsonst eine audiovisuelle-künstlerische Show geboten werden. Darüber hinaus soll der neue Kulturraum grundsätzlich vor allem Bochumer Künstler:innen, Kultureinrichtungen, Agenturen, Vereinen, Initiativen, Theatergruppen und DJs die Gelegenheit bieten, Veranstaltungsformate auf die Bühne, auf die Straße und vor das Publikum zu bringen. Zu diesem Zweck hat das Kulturbüro der Stadt und die Bochum Marketing GmbH einen öffentlichen Ideenwettbewerb ins Leben gerufen, auf den sich mit kreativen Veranstaltungskonzepten für den Innenhof und auch die Räumlichkeiten unseres Rathauses beworben werden kann. Des Weiteren werden bereits für drei konkrete Termine von September bis November künstlerische Darbietungen für Abendveranstaltungen gesucht. Es kann sich dafür noch bis zum 30. April von kunstschaffenden Bochumer:innen beworben werden, Ansprechpartner ist Oliver Osthoff von der Bochumer Marketing GmbH, die in der Huestraße 21 bis 23, 44787 Bochum (Mo.-Fr. von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet) zu finden oder per Mail durch osthoff@bochum-marketing.de zu erreichen ist. Ihr kennt jemanden, der jemanden kennt oder seid zufällig selbst Künstler:in? Dann lasst Euch diese Chance nicht durch die Lappen gehen. Wir sehen uns im Sommer vorm Rathaus!
:Rebecca Voeste
]]>Seit 1965, also schon eine Ewigkeit, gibt es das Akademische Förderungswerk und bietet seitdem Studierenden der Ruhr-Uni viele interessante Angebote rund um das Studierendenleben. Das AKAFÖ ist auf dem Campus eigentlich gar nicht zu übersehen und befindet sich im Studierendenhaus, direkt neben dem Kulturcafé. Mit ganzen 110€ schlägt sich der Anteil des AKAFÖ im Semesterbeitrag nieder, weshalb es besonders spannend sein sollte, zu erfahren, was uns dieser Beitrag im Detail bringt.
Fangen wir mal mit der Bereitstellung von Wohnräumen in den insgesamt 22 Wohnanlagen, die sich alle in Universitätsnähe befinden, an. Hier lässt sich für einen erschwinglichen Mietpreis alles von Einzelzimmern bis über Apartments und WG-Zimmern mieten. Nach der Online-Bewerbung um einen Wohnplatz kommt man meist auf eine Warteliste, denn die Wohnplätze sind beliebt und nicht immer verfügbar. Deswegen rechtzeitig bewerben, dann klappt es auch etwas schneller mit dem eigenen Wohnraum in Uni-Nähe.
Ein weiterer großer Bereich, den das AKAFÖ abgedeckt, ist die Bereitstellung des BAföG und anderen Studiendarlehnen und Krediten. Ob Ihr für finanzielle Hilfsmittel in Frage kommt und wie Ihr diese beantragen könnt, ist auf der Homepage des AKAFÖ Schritt für Schritt erklärt.
Die Bereitstellung von ganz verschiedenen Essensangeboten ist auch Aufgabenbereich des AKAFÖ. Viele werden das Essen in der Mensa aus der Schule kennen. Hier an der RUB ist es nicht großartig anders, lecker Essen für kleines Geld. Auch wenn sich die Sanierungsarbeiten an der Hauptmensa noch ein wenig in die Länge ziehen, gibt es auch viele weitere Essensangebote, für jeden Geschmack. Direkt neben der Mensa, noch im selben Gebäude, findet Ihr die Rote Bete, ein veganes Restaurant, das wir in Ausgabe (:bsz 1318) in einem Testessen genauer unter die Lupe genommen haben. Wer gerne etwas mehr ausgeben möchte, wird im Q-West fündig, hier gibt es zu verschiedenen Zeiten abwechslungsreiche Gerichte, die etwas abseits der Mensa-Theke sind.
Auch im Bereich Kultur hat das AKAFÖ Einiges zu bieten. Neben diversen Events wie das Kneipenquiz, das endlich wieder monatlich live im Hardys stattfindet, sind auch Kurse und Workshops im Repertoire des AKAFÖ. Hier bietet das BOSKOP, das AKAFÖ-Kulturbüro in einem Workshop-Programm ein spannendes Angebot. Für das kommende Sommersemester steht hier zum Beispiel ein Workshop zum Thema Mealprepping an, in dem uns die orientalische Küche nähergebracht wird.
Zudem kümmert sich das AKAFÖ um das Thema Inklusion und stellt umfassende Beratungsangebote bereit, um allen ein Studierendenleben zu ermöglichen.
Wer sich näher über die vielfältigen Angebote des AKAFÖ erkundigen möchte, kann das aus der Homepage https://www.akafoe.de/ und auf den social Media Plattformen Facebook, Instagram und Twittern tun.
:Artur Airich