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Dieser Kommentar kann Spuren von Sarkasmus enthalten.
Schauen wir uns eine typische Romantasy-Story an: Sie ist anders als die Anderen und – eine Überraschung, mit der niemand gerechnet hat –, sie ist die Auserwählte, obwohl sie bis Seite 500 fest behauptet, „nichts Besonderes“ zu sein. Manche nennen sie ein Pick-me Girl, doch sie weiß, sie ist nicht so eine. Sie ist nämlich eine wahre Konfliktmaschine mit scharfer Zunge und Girlboss-Attitude, die niemandem vertraut – abgesehen von dem moralisch verkorksten und absolut nicht vertrauenswürdigem Love Interest nach zwei Kapiteln. Mal ist sie eine heimliche Königin (die zufälligerweise als bitterarme Waise geboren wurde), mal eine perfekte Heilige, die so sehr strahlt, dass man schon einen Blendschutz braucht. Die Außenseiterin wird hier schnell zum Allstar.
Und wenn sie nicht gerade eine Welt rettet oder zerstört, von der sie zehn Minuten zuvor noch nie gehört hatte, arbeitet sie ihre Traumata auf einer supergefährlichen Abenteuerreise auf und macht dabei den Eindruck, als sei das alles ganz normal. Mal ehrlich, wer braucht schon Therapie, wenn es einen hübschen Prinzen gibt, mit dem man zufälligerweise irgendwo im Nirgendwo à la Forced Proximity eingesperrt wird. Ganz abgesehen von den häufig vorhanden dark-romance-Elementen, die sicherlich eine sehr positive Wirkung auf die angeschlagene mentale Gesundheit der Protagonistin haben. Aber wer bin ich schon, dass ich das beurteilen kann.
Tja, hätten die Protagonistinnen nicht alle einen absolut ungewöhnlichen Namen, bei dem hin und wieder das „I“ gegen ein „Y“ getauscht und das „K“ durch ein „X“ ersetzt wird, würden wir wohl alle denken, ich rede gerade von der gleichen fiktiven Person. Alles frei nach dem Prinzip: „Schreib ruhig ab, but don’t make it obvious.“
In ihrem verzweifelten Streben danach, sich vom Rest abzuheben, misslingt den Autor:innen leider genau das. Denn je mehr solcher Bücher ich lese, desto öfter bekomme ich das Gefühl, hier hat jemand die Leertaste mit copy und paste verwechselt. Immer wieder dieselben Erzählmuster und dieselben Charakterentwicklungen: Feinde, die sich wider Erwarten ineinander verlieben (Enemies-to-Lovers), vom Schicksal vorbestimmte Partner:innen (Fated Mates) oder eine Liebe, die gegen jegliche Regeln verstößt (Forbidden Love). Natürlich nicht zu vergessen das gute Liebesdreieck (Love Triangle), was vielen bereits auch aus Trash-TV-Sendungen wie Are You The One (RTL) bekannt sein dürfte.
Und trotzdem – und hier kommt der überraschende Part – macht genau das alles einen riesigen Teil des Charmes aus. Genau diese Vertrautheit hat auch ihre Stärke. In einer Welt, die chaotisch, unsicher und manchmal ziemlich frustrierend sein kann, bieten diese Geschichten einen gesicherten Ort, an den man zurückkommen kann. Die repetitiven Tropes und Plots sind nicht einfach nur der Ausdruck von Einfallslosigkeit. Sie sind Bausteine einer literarischen Sprache, die schnell verständlich ist und Emotionen effektiv transportiert. Die Protagonistinnen erlauben uns, sofort in ihre Welt einzutauchen, weil man diese Archetypen schon kennt, liebt und vielleicht sogar heimlich ein bisschen bewundert. Diese Bücher sind oft kleine emotionale Trainingslager: Sie zeigen, wie Menschen (oder Elfen, Vampire und Hexen) mit Verlust, Angst, Loyalität und moralischen Dilemmata umgehen.
Sind wir mal ehrlich: Ich lese diese Stories wirklich gerne. Sie sind nicht „total blöd“, wie man am Anfang vielleicht denkt. Und ja – ich gebe zu, manchmal erwische ich mich dabei, wie ich gespannt darauf warte, wie genau diesmal das typische Enemies-to-Lovers-Spiel ausgeht oder welches dunkle Geheimnis die verbotene Liebe noch enthüllen wird.
Die Wiederholung von Tropes ist dabei nicht etwa faul, sondern eine Art moderne Märchenstruktur. Sie folgt einem bestimmten Schema – nichts Ungewöhnliches, sondern sehr typisch in der literarischen Welt. So werden beispielsweise auch Krimis als Schemaliteratur klassifiziert. Das Romantasy-Genre müsste jedoch näher untersucht werden, um es endgültig als Schemaliteratur bezeichnen zu können.
Schließlich ist Romantasy mehr als nur ein Genre: Es ist eine Einladung, sich in fantastische Welten zu verlieren, die einen für ein paar Stunden den Alltag vergessen lassen.
]]>Bunte Lichter, das Gekreische von Kindern, welches sich mit der lauten Musik vermischt und aus jeder Ecke weht der Geruch von Köstlichkeiten – in Deutschland folgt ein Rummel dem nächsten, vor allem um Ostern herum. Die Jahrmärkte in den verschiedenen Städten und Gemeinden erwarten ihre Besucher:innen mit offenen Armen. Kein Wunder, denn bei den meisten Gästen liegt das Portmonee griffbereit in der Hosen- oder Handtasche. Mandeln für lasche fünf Euro, ein Baumstriezel zum Schnäppchenpreis von sechs Euro und zum Nachspülen ein Wasser (0.2 L) für knapp drei Euro – das ist ja fast umsonst! Zumindest, wenn man zur oberen Mittelschicht gehört oder zum vierten Mal im selben Monat von der Finanzspritze von Papa profitiert – kein Vorwurf, manche haben mehr Glück und manche weniger.
Für die meisten Studierenden sieht die Realität etwas anders aus und ein finanzielles Gleichgewicht zu wahren, ist gar nicht mal so einfach. Zwischen steigenden Mieten, Jobstress und Prüfungsdruck wirkt da ein 6-Euro-Fahrchip fürs Riesenrad eher wie ein schlechter Scherz als ein Freizeitvergnügen. Dabei wollen wir doch auch nur in Erinnerungen schwelgen, vom stressigen Alltag abschalten und einfach nur einen schönen Tag verbringen, wenn wir zwischen den bunten Gassen der Jahrmärkte hin- und herwandeln.
Die Kirmes ist und bleibt allerdings auch ein guter Ort zum Gruseln. Eine Gänsehaut können wir uns hier nämlich nicht nur in den Gruselhäusern und Geisterbahnen abholen, die gibt es bei dem Blick auf die Preistabelle kostenlos dazu – und das ist dann auch das Einzige, was wirklich umsonst ist. Denn nicht nur das Essen ist vergleichsweise echt teuer, auch eine Fahrt mit den Fahrgeschäften kostet uns mittlerweile ein halbes Vermögen und dauert dabei oftmals nicht länger als drei Minuten. Und wofür?
Um auf der Wilden Maus für acht Euro ruckelnd in dem Sitz hin- und hergeworfen zu werden, beim Kettenkarrussel einen Drehwurm zu bekommen oder sich für ca. fünf Euro im Spiegellabyrinth die Nase zu richten – immerhin günstiger als die Nasen-OPs in der Türkei – weil man vergessen hat, dass man sich am besten mit den Händen vorantastet und nicht mit dem Gesicht, aber naja, you do you boo. Vielleicht ist das ja eine neue Technik, die wir noch nicht kennen. Und sollten die Fahrgeschäfte nichts für Euch sein, dann ja vielleicht das Dosenwerfen mit einer 0,0001 prozentigen Chance auf ein Plüschtier. Nach so viel Spaß klingt der ganze „Spaß“ dann auf Dauer irgendwie doch nicht mehr. Es erinnert eher an ABBAs: „Money, money, money – must be funny – in a rich man‘s world.“ (Gern geschehen für den Ohrwurm). Als Andenken gibt’s dann zumindest ein paar Prellungen und ein Dröhnen im Gehörgang, da hat man sogar am nächsten Tag noch was von.
In den meisten Fällen laufen wir über die Kirmes, essen was und fahren mit der ein oder anderen Attraktion. Je nachdem, ob man mit dem Auto anreist, kommen noch die Parkkosten auf einen zu. Möchte man nicht jeden Cent zweimal umdrehen, können da an einem Nachmittag locker 40 Euro draufgehen. Das ist verdammt viel Geld für das bisschen, was man bekommt! Beispiel: Bei Freizeitparks bezahlt man zwar auch viel Geld, allerdings hat man hier die Möglichkeit, die Fahrgeschäfte nach Belieben zu nutzen, weil diese im Eintrittspreis mitinbegriffen sind (als Student:in kann man sogar einfacher die Stoßzeiten umgehen).
Tatsächlich schwanke ich mit meiner Meinung zwischen Für und Wider.
Natürlich sieht die Welt heute anders aus als vor ein paar Jahren und auch die Schausteller müssen ihre Preise an die steigenden Lebenserhaltungskosten anpassen. Doch leider wirkt die Kirmes mittlerweile wie ein Ort, an dem man möglichst schnell möglichst viel Geld lassen soll. Fahrgeschäfte gleichen sich in jeder Stadt, das Essen ist überall gleich teuer. Früher war Kirmes ein magisches Fest. Heute ist sie ein Preisvergleich mit Musikbeschallung. Während sich die Lichter drehen, dreht sich einem beim Blick ins Portemonnaie der Magen – und das hat dann nichts mehr mit der letzten Runde Breakdance zutun.
Andererseits bietet der Rummel auch eine gute Möglichkeit, eine kurze Auszeit zu nehmen. Kirmes bietet Nervenkitzel, Geschwindigkeit und schwindelerregende Höhen. Es ist laut, schrill, übertrieben – und ja, manchmal genau das, was man nach einem Tag in der langweiligen Vorlesung oder einem Monat im grauen Studienalltag braucht.
Am Ende zahlen wir vor allem für das nostalgische Erlebnis und die Alltagsflucht und nicht etwa für das ach so leckere Essen oder den Adrenalinkick, wenn man im Freefall-Tower hockt und die Menschen unter einem aussehen wie kleine Ameisen. Das ist zwar auch cool, aber wiegt die Gegenseite eben nur zum Teil wieder auf.
Kirmes lohnt sich dann, wenn man bereit ist, für einen Moment Kindheitsgefühl ein paar erwachsene Kompromisse einzugehen.
:Alina Nougmanov
]]>„Ja, es ist irgendwie alles viel zu schnell außer Kontrolle geraten. Leider eine Sache, die wegen der Umstände passiert ist und dementsprechend haben die Leute auch gewählt. Es gibt halt leider keinen starken Politiker, der dagegenhält. Man sieht auch noch die Teilung innerhalb von Deutschland, als wäre die Mauer nicht wirklich weg. Aber Berlin hat Links gewählt, das gibt mir Hoffnung.“
„Gut, dass die Linke wieder so stark drin ist, 8,8 Prozent ist Ultra stark. Sozen haben das Image der Arbeiterpartei verloren. Ich finde es krass zu sagen Wahlsieger CDU, wenn man das zweit schlechteste Ergebnis jemals hat. Hätte man vielleicht jemand anders hinstellen können und jemand Sympathischeren. Befürchtung, also jetzt habe ich gelesen die ersten Sondierungsgespräche waren OK, hoffentlich wird Schwarz nicht Schwarz-Blau. Wenn die jetzt, auf gut Deutsch Scheiße bauen, dann wird 2029 ganz schlimm.“
„Ja also ich fand sehr erschreckend zu sehen, wie sehr die AfD an Stimmen gewonnen hat, sowohl Erst- als auch Zweitstimmen. Das einmal. Ich finde es auch krass zu sehen, dass im Grunde die Mauer eigentlich nicht gefallen ist, wenn man das so sagen will. Denn man sieht ja eindeutig eine klare Teilung, genau da wo die Mauer lang verlaufen ist. Und man sieht dann irgendwie doch, dass das kein geeintes Deutschland ist, wie man so gedacht hat. Dementsprechend habe ich dann Sorge, dass die neue Regierung sehr zerstritten sein wird und ob man dann überhaupt irgendwas zustande kriegt.“
„Ich darf hier zwar nicht wählen, aber alles Hauptsache keine AfD.“
„Fürchterlich, mehr kann ich dazu nicht sagen.“
„Schlimm, einfach nur schlimm.“
Man sieht also, ein Großteil der Studies am Campus scheinen doch eine klare Meinung zu haben und diese ist nicht besonders positiv. Wir werden sehen, was die nächsten vier Jahre und die Zukunft bereithalten.
:Steven Schöpper
]]>Surft man im internetischen Ozean, trifft man früher oder später auf den ersten Schwarm fliegender Werbe-Fische, die Dir unaufhörlich in die Sicht springen. Das ist nicht nur ganz schön nervig, sondern kann Dich sogar aus dem Gleichgewicht bringen – und zack, stürzt Du vom Brett hinein in die brechenden Wellen. Da kommt man schnell mal vom Kurs ab und gerät mit ganz viel Glück (Achtung, Ironie-Gefahr) auch noch in die Kaufrausch-Strömung. Die wirbelt Dich dann so lange an verschiedenen vollgemüllten Online-Shop Inseln vorbei, bis Du nicht mehr weißt, wo Dir der Kopf steht. Wirklich atemberaubend ist die Aussicht dabei offensichtlich auch nicht – sie raubt einem höchstens die Nerven; falsche Versprechungen, Duplikate ohne Ende und viel heiße Luft. Und das praktisch überall, wo Du hinguckst. Kein Wunder, wenn man sich in so einer Situation wünscht, endlich wieder vertrautes Land zu sehen.
Ist aber nahezu unmöglich. Denn wir leben in einer Welt, in der Marketing dem Kapitalismus ständig schöne Augen macht. Sie gehen Hand in Hand und das nicht etwa auf nimmer Wiedersehen in den Sonnenuntergang, sondern Richtung Gewinnmaximierung. Immer hin hilft Marketing Unternehmen dabei, ihre Dienstleistungen und Produkte effektiv zu bewerben und zu verkaufen. Marketing wird also so zum Werkzeug des Kapitalismus. Ganz schön toxisch diese Beziehung, wenn Du mich fragst.
Wenn ich im Internet surfe, treibe ich mich meistens irgendwo zwischen Instagram, Tik Tok und den unzähligen Streamingdiensten rum, die es mittlerweile gibt. In dem letzten Jahr ist mir dabei aufgefallen, dass ich immer öfter mit Werbung konfrontiert werde. Es scheint, als hätte sich die Menge an Werbespots und -Posts seitdem noch weiter verdoppelt, wenn nicht sogar verdreifacht. Allein schon die Influencer:innen-Werbung auf den großen Social Media Plattformen spammt einen so lange zu, bis man entweder mit seinem Account freiwillig in den Freitod geht oder sich wie ein Konsumzombie für den Kauf der zehnten Bleaching-Zahnpasta entscheidet, obwohl man ganz genau weiß, dass sie weder das Geld wert, noch besonders gut für die Zähne ist. Aber so ist das eben, irgendwie sind wir ja alle ein bisschen Konsumopfer.
Oftmals ”vergessen‟ die Werbehäschen dann auch noch, die Werbung als Anzeige zu kennzeichnen oder die Markierung ist so klein und weiß, dass sie mit dem Hintergrund verschwimmt. Ähnlich wie unsere Selbstkontrolle, wenn die Werbung dann doch genau da kratzt, wo es gerade juckt.
Besonders auf Social Media Plattformen boomt Werbung krasser als die Babyboomer:innen Generation in ihrer Primetime. Mit welchen verwerflichen Methoden dabei geworben wird, ist den meisten egal – denn nur bares ist Bares. Ob es irgendwelche Beauty-Eingriffe sind, die gerade einen kurzlebigen Hype verspüren oder doch lieber die Shaping-Unterwäsche, die Dir falsche Hoffnungen macht und damit ein verzerrtes Körperbild promoviert sowie unrealistische Standards normalisiert. Aber was soll man schon machen; für ein operiert-aussehendes Ergebnis wirbt man am besten mit einem operierten Körper, macht doch Sinn. Vor der Tatsache, dass so eine Herangehensweise irreführend ist, kann man ja ein Auge zudrücken. Oder Lasern lassen, auf Instagram findet Ihr bestimmt einen Rabattcode dafür.
Wusstet Ihr schon, dass die nette Werbung mit Nachnamen „Penetrant“ heißt? Letztens erst habe ich mir auf YoutTube ein Video angeschaut, das fünf Mal durch Werbung unterbrochen wurde. So oder so schon ätzend, weil es immer an der ungünstigsten Stelle in die Werbepause schaltet, allerdings waren vier von diesen fünf Werbungen für ein und dieselbe Versicherung – so copy paste mäßig –, deren Namen ich hier jetzt nicht nennen werde (auch wenn sie mich so sehr aufgeregt hat, dass sie mich als potentielle Kundin auf ewig verloren haben). Welches Marketing-Genie hat hier seinen Job nicht richtig gemacht? Jedenfalls habe ich mich teilweise so gefühlt als wäre ich in einer endlos-Zeitschleife gefangen, die mich jedes Mal aufs Neue zum Startpunkt zurückschickt, um meine freien Minuten mit irgendwelchen Werbe-Slogans und Fahrstuhlmusik zu verschwenden. We love that.
Sorry, bin ich hier noch auf YoutTube oder etwa doch beim Tele-Shopping?
Werbung wird aber nicht nur immer penetranter, sondern auch kreativer. Es muss schnell was Neues her, wenn die alte Masche nicht mehr zieht – je polarisierender, desto besser! Man orientiert sich schließlich an den konsumliebenden und sensationsgeilen Kunden. Denn mit der Zeit entwickeln sich auch die Konsumenten weiter und stellen andere Ansprüche. Und natürlich schläft die Konkurrenz nicht – man muss sich von der breiten Masse abheben. Auch das noch!
Es muss eben schneller, besser und größer sein. Mehr Farben, lustigere Sprüche und wildere Musik, über die man schon auf Tik Tok und cCo. gestolpert ist. Was vor Jahren noch für Verkaufsschlager gesorgt hat, ist heute mit der falschen Taktik bereits Schnee von gestern – und das bevor es überhaupt im hier und jetzt angekommen ist.
So hat Aldi Nord zum Beispiel beschlossen, sich dem Zeitgeist anzupassen und Werbung für die coolen Kids unter uns zu machen. Mit einem als Rapper verkleideten Hund – selbstverständlich inklusive schräger Cap und Goldkette – und der passenden gangster-Musik dazu, wird fleißig für die Süßigkeit Milchmäuse geworben. Verrücktes Bild und das meine ich wörtlich; ver-rückt, denn es passt eigentlich so gar nicht zusammen und man hat das Gefühl, hier wurde was durcheinandergebracht. Es ist so schlecht und bescheuert, dass es schon wieder komisch genug ist, um einem dann im Gedächtnis zu bleiben. Ganz schön gewitzt, lieber Herr Verkaufsverein. Dass es allerdings nicht nur bei Tieren als Werbegesichter bleibt, zeigt eine Kooperation aus 2023 zwischen Kaufland und den Atzen, welche sogar extra einen ihrer Songs in Preisparty umschrieben, damit Ihr Euch auch noch bis in Eure Träume von den Angeboten aka „Knaller“ und „fette Knüller“ verfolgen lassen könnt.
Ja, Werbung ist in der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken und das ist auch okay, denn schließlich stecken da nicht nur geldgierige Unternehmen hinter, sondern auch Menschen, die einfach ihr Brot damit verdienen wollen. Auch für den Verbraucher kann Werbung von Vorteil sein, wenn sie auf etwas Wichtiges oder Nützliches hinweist – so zum Beispiel Blutspenden oder die unzähligen Aufrufe der letzten Wochen, seine Stimme bei den Wahlen sinnvoll zu nutzen.
Das Problem dabei ist, dass nicht nur jeder Quatsch – sei er noch so schlecht, schädlich oder einfach überflüssig – beworben wird, sondern dass viele Kunden, und besonders die jüngeren unter ihnen, darauf reinfallen. Denn viele informieren sich nicht richtig und nehmen die Werbung als bare Münze, ohne zu merken, dass sie gerade ihr Geld aus dem Fenster werfen. Schließlich stammt sie ja von der/dem Content Creator:in Deines Vertrauens.
Das Ausmaß ist mittlerweile so groß, dass man die Catfishes kaum noch von den echten Meeresbewohnern unterscheiden kann. Ob sich in Zukunft etwas daran ändern wird, ist schwer zu sagen. Angebot und Nachfrage sind schließlich die besten Freunde jeder Verkaufsstrategie. Und wo man was erwerben kann, da gibt es auch Werbung und von dieser hält die Moral ja bekanntlich gerne mal ein paar Meter Abstand, nicht wahr?
Also dann, genug Internet für heute.
:Alina Nougmanov
]]>Ich meine, bei Elon Musk ist spätestens seit der Präsidentschaftswahl in den USA bekannt, was er für politische Ansichten hat. Er unterstützt alle, die ihm helfen, mehr Geld zu machen. Außerdem diejenigen die genau wie er Verschwörungsmythen glauben und verbreiten, welche sich gegen die „Woke Cancelculture“ richten oder seit neustem gegen Multikulturalismus. Dabei unterstützt er vor allem rechte Politiker:innen, eben weil diese meistens seine Ansichten teilen und auch eine ähnliche Politik anstreben. Eine Politik, in der Firmen ohne große Einmischung des Staats handeln können und in welcher Arbeiter:innen weniger Rechte gegenüber ihren Arbeitgeber:innen haben. Er unterstützt also diejenigen, die ihm die größten Vorteile verschaffen können.
Alice Weidel und die AfD
Bei Alice Weidel sind die meisten auch mittlerweile gut im Bilde über ihre politischen Ansichten. Sie lehnt erneuerbare Energie grundsätzlich ab, glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel, sie will, dass Deutschland keine Geflüchteten mehr aufnimmt und die, die schon da sind, abschiebt. Deutschland soll wie Großbritannien aus der EU austreten und sie strebt eine Wirtschaftspolitik nach Margrid Thatcher an. Die beiden passen wie die Faust aufs Auge. Mit der einzigen Ausnahme, dass Elon Musk tatsächlich an grüne Energie als Zukunftstechnologie glaubt, auch wenn ihm dabei die Nachhaltigkeit der Rohstoffe für die Technologie nicht interessiert. Gleichzeitig hat er in den letzten Jahren immer stärker auch für einen Ausbau der Atomenergie geworben hat, weil er diese für eine gute grüne Alternative zur fossilen Brennstoffen hält.
Meine Erwartungen wurden also größtenteils erfüllt, das Gespräch bestand eigentlich nur aus nur zwei Menschen, die sich die ganze Zeit in ihren Meinungen bestärkt haben, ohne über konkrete Pläne oder Ideen zu sprechen. Beim nächsten Punkt war ich dann aber das erste Mal Sprachlos. Als erstes großes Thema des Abends wird die eben schon erwähnte Energiepolitik angesprochen. Alice Weidel bezeichnet hier erst einmal Angela Merkel als erste grüne Kanzlerin. Jap, da habe ich auch dumm reingeschaut. Es ist zwar so, dass Merkel immer mal wieder, als Klimakanzlerin bezeichnet wurde. Denn sie war die erste Kanzlerin die konkret über Klimaziele und Maßnahmen gesprochen hat. Sie hat jedoch auch in den letzten zehn Jahren ihrer Amtszeit zugelassen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energie in Deutschland massiv zurückging und kaum noch Fortschritte gemacht wurden. Auch beim Verbrenner-Aus und bezüglich neuer Abgaswerte für die Automobilindustrie handelte ihre Regierung die ursprünglichen Maßnahmen immer wieder runter.
Als Alice Weidel dann aber gegen die Solarenergie argumentierte, kam es zur einzigen nennenswerten Meinungsverschiedenheit des Abends. Elon Musk sagte, dass er Fan der Solarenergie ist, Weidel wechselte daraufhin schnell das Thema auf atomare Energie. Hier kam dann der nächste große Schwachsinn, denn ihrer Meinung nach sei Deutschland das einzige Industrieland, welches aus der Atomenergie ausgestiegen ist. Das ist schlicht und ergreifend falsch, aber was erwartet man auch anderes? Italien ist wahrscheinlich das beste Beispiel; Mitglied der G7 als Industrieland und ebenfalls ausgestiegen aus der Atomenergie. Man kann zu diesem Thema verschiedene Meinungen haben, pro und contra Argumente für Atomenergie gibt es viele, jedoch mit Falschbehauptungen so zu Argumentieren ist einfach lächerlich für jemanden, der Kanzlerin werden will. Auch wenn sie es sehr wahrscheinlich und hoffentlich niemals werden wird.
Zensur auf social Media: das Live auf X in dem man nichts mehr sagen darf!
Als nächstes ging es bei den beiden um Zensur – Lieblingsthema von so vielen Rechten und Konservativen. Der Digital Services Act (DSA), ein neues Gesetz der EU, soll es einfacher machen, Aussagen und Straftaten, die online stattfinden genauso zu bestrafen, als würden sie analog passieren. Es werden also weder Faktenchecks verpflichtend gemacht, noch wird die Meinungsfreiheit irgendwie eingeschränkt. Es wird nur gegen Hassrede und Onlinehetzte vorgegangen, genau wie es im echten Leben auch gemacht wird. Die Social Media Plattformen sollen sich dabei selbst entsprechend moderieren, ansonsten drohen empfindliche Strafen. Elon Musk als Verfechter der Meinungsfreiheit findet das nicht gut, auch die AFD und Alice Weidel sind gegen dieses Gesetz. Schockierend, ich weiß. Was solche Menschen nicht verstehen, ist das Meinungsfreiheit nicht automatisch heißt, dass es eine Freiheit von Konsequenzen gibt. Es wurde bei diesem Gesetz mehrfach betont, dass immer noch Menschen das posten dürfen, was sie wollen, nur müssen sie bei Straftaten eben mit rechtlichen Schritten rechnen oder halt mit Content-Moderation der einzelnen Plattformen.
Das nächste Thema war schon quasi ein alter Hut, es ging um die Corona-Impfungen und Alice Weidel beschwerte sich, dass Bill Gates „seine Impfungen“ verbreitet hat, welche unausgereift und nicht genug getestet wären. Ich gehe hier nicht weiter darauf ein, aber die AFD liebt es, solche Sachen zu sagen, um die Stimmen von den ganzen Corona-Verschwörungstheoretiker:innen abzugreifen. Interessant wurde es aber als sie sich daraufhin über den Kommentar von Friedrich Merz beschwerte, dass ihr Gespräch mit Elon Musk ein Eingriff von außen in den deutschen Wahlkampf sei. Sie behauptete die Gates-Familie hätte selbst mit Geld die Kampagnen von anderen Parteien in Deutschland finanziert. Begründet oder bewiesen hat sie diese Aussage aber natürlich nicht. Bill Gates ist in den letzten Jahren zum Lieblings Strippenzieher in der Verschwörungs-Community geworden, also auch hier wenig überraschend, dass Alice Weidel so etwas behauptet.
Verwirrung, Falschbehauptungen und Geschichtsrevision
Bei den nächsten Thema Ukraine Krieg und Aufrüstung konnte ich beim besten Willen nicht herausfinden, was Alice Weidel eigentlich jetzt für eine Meinung vertritt. Auf der einen Seite soll es Aufrüstung geben, weil man sich unabhängig von den USA machen soll, auf der anderen Seite aber doch nicht, weil von Russland keine Gefahr ausgeht. Waffenlieferungen an die Ukraine sind doof, aber sich hier auch nur auf die USA zu verlassen und sich immer zurückzunehmen, aus Angst vor Eskalation, scheint auch nicht das Richtige zu sein. Nur, dass Alice Weidel große Hoffnungen in Trump setzt den Krieg zu beenden, konnte ich raus hören. Das Putin schon jetzt im Vorfeld mehrere Gespräche und Angebote von verschiedenen Seiten abgelehnt hat, wird aber gekonnt ignoriert, Trump macht das schon oder so ähnlich.
Danach kommt der Höhepunkt des Abends, die Links-Rechts Debatte. Zunächst wird sich darüber beschwert, dass es ja offensichtlich ist, dass linke Bewegungen in Deutschland ein Antisemitismusproblem haben, das würde man durch die ganzen Vorfälle seit Oktober 2023 erkennen. Beispiele dafür seien pro-Palästina Demos. Also wieder einmal das Argument, dass eine Kritik am Vorgehen von Israel in Gaza direkt gleichzusetzen ist mit Antisemitismus. Und ja, es gab und gibt Antisemitismus auch in der linken Szene in Deutschland, nur dies von einer Partei zu hören, die Rechts-extrem ist und schon mehr als ein paar Mal durch Antisemitismus aufgefallen ist, bringt mein Blut zum Kochen. Genau hier kommt dann aber für mich als angehender Historiker der Punkt, an dem ich alles hinterfragt habe. Alice Weidel, Kanzlerkandidatin der AfD, einer Partei, die in den Umfragen die zweitmeisten Stimmen hat, behauptet Adolf Hitler und die Nazis seien links gewesen – nicht nur links, Hitler war auch noch ein Kommunist.
Verschwörungsmythen einer Kanzlerkandidatin
Spätestens hier fehlen einem die Worte. So eine Falschbehauptung lese ich nicht zum ersten Mal, in den letzten Jahren gibt es vermehrt Leute, die so einen Scheiß glauben. Mittlerweile findet man unter fast jeden Post auf social Media über die Nazis diese Behauptung in den Kommentaren. Es wird dabei argumentiert, dass die „Nationalsozialistische Arbeiter Partei Deutschlands“ (NSDAP) ja das Wort „sozialistisch“ im Namen hatten. Für einige Idioten ein klarer Beweis für die linke Gesinnung der Nazis. Alice Weidel verbreitet nun auch so einen Schwachsinn und macht damit Deutschland vor Millionen von Leuten lächerlich. Nicht nur lächerlich, sie zeigt auch der Welt, dass offensichtlich viele Deutsche nichts aus der Geschichte gelernt haben.
Das Ausmaß der Katastrophe und die Reaktionen
Dieses Gespräch hat mich nur sauer gemacht. Elon Musk hat Alice Weidel einfach eine Plattform zum Präsentieren gegeben. Er hat kaum selber Themen angesprochen und nur seinen Senf zu vielem dazu gegeben. Er hat sich selber über Bürokratie und strenge Auflagen für die Industrie beschwert, vor dem Hintergrund seiner Tesla Fabrik in Brandenburg. Sonst kam vom reichsten Mann der Welt fast nichts, nur als ihm ganz am Ende Weidel auf seine SpaceX Raketen und Mars Projekt anspricht, redet er einfach seine Ansichten runter. Im Großen und Ganzen hat Elon Musk zwar Alice Weidel diese Plattform gegeben und sie auch ausreden lassen, trotzdem hatte man das Gefühl, sie wird von ihm im Gespräch gelenkt. Wenn er zu etwas seine Meinung abgab, stimmte sie viel zu, auch er tat dies, nur Musk sagte auch wenn er bei etwas anderer Meinung war als Weidel. Ein weiterer Punkt war das Englisch von Weidel. Ich persönlich bin auch in Englisch besser, wenn ich schreibe, als wenn ich rede, nur bei ihr wirkte es wirklich teilweise unüberlegt und hastig, wenn sie etwas sagte. Als hätte sie keinen geordneten Gedanken und wüsste selbst nicht, wo sie mit ihren Sätzen hinwill. Kurz um: Eine zu erwartende Katastrophe, mit sehr vielen wütend machenden Aussagen und Lügen.
Gute und schlechte Nachrichten sind, dass es einmal viel Gegenwind gab, auch aus den eigenen Reihen der AfD und anderen rechten Bewegungen. Gut ist dies, da so der Einfluss auf unentschlossene Wähler:innen, den das Interview eventuell gehabt hätte, geschmälert wurde. Uneinigkeit in den eigenen Reihen ist ein weiterer positiver Punkt. Schlecht ist nur, dass sich Maximilian Krah nun in Stellung bringt, um an Alice Weidels Stuhl zu sägen. Wir könnten also bald den Mann an der Spitze der AfD sehen, der schon während der Europawahl mit unglaublich menschenverachtenden Aussagen auf sich aufmerksam gemacht hat. Außerdem hat das Livegespräch zu einer breiten Reaktion in den Medien geführt, Alice Weidel wurde zu vielen Interviews vom Fernsehen und von Zeitungen eingeladen. Dies alles brachte natürlich noch mehr Aufmerksamkeit auf den AfD-Parteitag. Mehr Aufmerksamkeit, selbst wenn diese kontrovers ist, scheint das bisher das Ziel der AfD gewesen zu sein.
Was bleibt also von diesem Livegespräch? Auf der einen Seite bin ich, wie gesagt von den meisten Punkten und Aussagen nicht überrascht gewesen. Auf der anderen Seite ist es genau das, was mich wirklich hat reflektieren lassen. Wie kann das sein, dass das unsere neue politische Realität ist? Wie kann diese Partei, mit dieser Frau an der Spitze, Zweiter in den Umfragen sein? Wo sind wir bitte gelandet? Noch vor einigen Jahren hat man Verschwörungsmythen und Rechtsextreme als die Idioten bezeichnet, die sie sind und ihnen nicht in den Bundestag geholfen. Man konnte vernünftig über Themen diskutieren und die Menschen haben auf Logik und Wissenschaft gehört. Nun ist der Klimawandel nicht mehr real und die Impfungen waren eine Methode die Menschen zu vergiften. Das Schlimme ist nicht, dass Leute so etwas sagen, sowas gab es auch schon früher, sondern, wie viele Leute dies mittlerweile glauben. Ansonsten gibt es einen erschreckend großen Teil der Bevölkerung, die einfach die Augen vor der wahren Natur der AfD verschließt. Rassismus und Antisemitismus in der Partei sind nur Einzelfälle und die Lügenpresse macht die AFD nur schlecht, da sie die Wahrheit sagt und den Status-quo ändern will. Rassismus ist wieder etwas, was salonfähig ist und der Rest der AfD-Wählerschaft will einfach die Wahrheit über die Partei nicht sehen und hören. Wir sind an einem schwierigen Punkt in der Demokratie in Deutschland angekommen. Deswegen ist es wichtig, sich zu Wehr zu setzten und die Demokratie zu verteidigen.
:Steven Schöpper
]]>You‘d have to stop the world just to stop the (s)talking. So hätte die Line in Chappell Roans Hit „Good Luck Babe“ alternativ heißen können. Denn es scheint Normalität zu sein, dass Stars und übergriffige Fans oft wortwörtlich Hand in Hand gehen. Viele Menschen haben bereits Erfahrungen mit Stalking gemacht, jedoch treiben es vermeintliche Fans oder Paparazzi vor allem bei Celebreties oft auf die Spitze.
Nicht selten hört man von Einbrüchen in die Anwesen von Pop-Giganten. Auch Taylor Swift wurde bereits mehrmals Opfer von vermeintlichen Fans, die eine gestörte Vorstellung von Liebe haben. Schließlich gehört zu letzterer wohl kaum, ohne zu fragen die Dusche oder das Bett einer fremden Person zu benutzen.
Chappell Roan setzte nun auf Social Media ein deutliches Zeichen gegen übergriffiges Fanverhalten. Es sei ihr egal, dass es Teil des Jobs ist, belästigt oder sogar gestalkt zu werden. Hierbei bezieht sie sich auch auf übergriffige Fans, die das Zuhause ihrer Familienmitglieder aufsuchen oder sie auf offener Straße „anschreien“. Im erregten Ton fügt sie hinzu: „Es ist komisch, zu glauben, man kennt eine Person, (….) weil man sich ihre Kunst anhört.“ Auch zu der Kritik, Fotoanfragen abzulehnen oder sie nicht umarmen zu dürfen sei egoistisch, hat sie eine klare Haltung: „I don’t give a fuck“.
Zudem will sie auch nicht mit ihrem bürgerlichen Namen angesprochen werden, da sie sich als Kunstfigur versteht und ihr Privatleben schützen möchte. „Unsympathisch“ oder „Sie muss das aushalten können, wenn sie damit Millionen verdient“, sind Aussagen, die man in Kommentarspalten auf Social Media immer wieder liest. Aber stimmt das wirklich?
Die Bindung zwischen Stars und ihren Fans ist aller meistens einseitig, aber dennoch kann sie sich real anfühlen. Für die Fans jedenfalls. Bereits in den 1950er Jahren beschrieben Horton und Wohl indirekt, dass das Gehirn nicht immer zwischen Bindungen mit Charakteren in den Medien und im echten Leben unterscheidet. Das heißt konkret, wir können uns zu einem Star verbunden fühlen, mit dem wir selbst noch nie ein einziges Wort in Person gesprochen haben. Dennoch rechtfertigt diese gefühlte Nähe nicht per se übergriffiges Verhalten. Manche würden jetzt nämlich schlussfolgern, dass es demnach vollkommen normal ist, wenn Fans dazu neigen, Stars wie Vertraute zu behandeln. Eine ungefragte Umarmung? Gehört doch zu jeder Freundschaft dazu! Naja, wenn es so einfach wäre. Dass es parasoziale Beziehungen gibt, ist zwar normal. Wie manche vermeintlichen Fans damit umgehen, ist aber, um die Sängerin zu zitieren, tatsächlich „fucking weird”.
Denn obwohl sich diese Bindungen real anfühlen, sollte der Verstand noch intakt sein. Wer eine gewisse Reife erreicht hat, weiß also hoffentlich, dass man die Person, die vielleicht zum ersten Mal vor einem steht, eigentlich gar nicht kennt. Vor allem die berühmte Person selbst verspürt faktisch keinerlei persönliche Verbindung zum einzelnen Fan. Denn wie bereits oben gesagt, Fanliebe ist eine ziemlich einseitige Beziehung.
Eine Umarmung kann deshalb schnell unangenehm werden — für beide Seiten. Denn sind wir mal ehrlich. Wenn der Star uns wirklich etwas bedeutet, dann wollen wir selbst auch nicht, dass wir ihn unwohl fühlen lassen. Meine persönliche Handlungsempfehlung? Vor einer Umarmung einfach danach fragen.
Was ist denn nun noch angebracht?
Darf ich noch nicht mal den amtlich eingetragenen Namen einer Bürgerin sagen? Nun, ich denke, man sollte sich einfach fragen, wie man anderen Fremden im echten Leben begegnen würde. Mit Respekt, oder nicht?
Wenn mich jemand darum bittet, einen anderen Namen zu verwenden, um die Person anzusprechen, dann würde ich das grundsätzlich akzeptieren. Ich darf theoretisch eine eigene ablehnende Meinung dazu haben, aber gleichzeitig ist mir Höflichkeit im Umgang mit anderen wichtig.
Wahrscheinlich ist Chappell die wachsende Berühmtheit alles andere als geheuer und sie versucht einfach mit aller Kraft ihre Privatsphäre zu bewahren. Ist es nicht eigentlich erfrischend zu sehen, dass jemand sich offenbar mehr für die Kunst interessiert als dafür, von anderen Menschen bewundert zu werden? Wenn sie weiterhin gute Musik macht, dann ist es mir weitgehend egal, wie man sie nennen soll.
Ich stecke nicht in ihren Schuhen.
Vielleicht hat sie vor allem junge Fans mit ihren Worten verletzt. Junge Fans oder LGBTQ+ Personen, die sie respektieren oder sogar verehren. Für die ihre Community eine Safe Space ist. Aber vielleicht sind das auch Wachstumsschmerzen. Roan ist schließlich einer der ersten Prominenten der Gen Z, die so deutlich zu ihren Fans spricht. Da ist es klar, dass ihre Worte weh tun. Auch, weil Stars aus Marketinggründen ihre Fans normalerweise geradezu mit Liebe überschütten. Aber sind wir ehrlich: Auch Chappell Roan darf Grenzen setzen. Und wenn man sich wirklich dadurch angegriffen fühlt, dann sollte man vielleicht seine Energie in Personen im realen Leben investieren, die einem eher die Verbundenheit geben können, die wir uns alle wünschen.
:Levinia Holtz
Humor und Comedy können angespannte Stimmungen auflockern und ein herzhaftes Lachen in uns auslösen. Humor kann aber auch mal unter die Gürtellinie gehen, wenn er einen Nerv trifft und auf Kosten anderer Menschen und Menschengruppen gemacht wird. Doch geht das dann schon zu weit, wenn es auch mal wehtut?
Der Diskurs um das, was Comedy “darf”, wird auch so schnell nicht gelöst werden – zumal der gesellschaftliche Rahmen dafür auch im stetigen Wandel ist. Was vor 20 Jahren vielleicht noch als allgemein lustig galt, kann heute schon als No-Go angesehen werden. Deshalb treten Comedians und Hobby-Sprücheklopfer auch immer wieder ins Fettnäpfchen. Es sind auch nicht immer die Witzereißenden, auf die wir in diesem ethischen Diskurs mit dem Finger zeigen müssen. Wie Serdar Somuncu es schon einmal auf der Bühne sagte: „Ist es verwerflich, dass ich diese Witze mache, oder dass Ihr (das Publikum) darüber lacht? ” Die Frage ist berechtigt. Denn manchmal sind Witze gerade weil sie über die Stränge schlagen und politisch sowie gesellschaftlich nicht korrekt sind, lustig. Alles eine Frage der Delivery und Intention. Gute Comedy sollte ihren Inhalt nicht erklären müssen und Anhaltspunkte bieten, die den Diskurs über das Gesagte nicht meiden,anstatt nur belanglos Witze über Minderheiten zu reißen.
Dieser Diskurs wirft auch die Frage auf, ob nicht alle, egal ob Teil einer Minderheit oder nicht, das “Recht” darauf hätten, dass man sich über sie lustig mache. Oder verweigert eine privilegierte Mehrheit vielleicht aus Angst vor Repressionen eben diesen Menschen dieses “Recht”. Im Umkehrschluss könnte das aber auch heißen, dass eben Menschen, die einer Minderheit angehören, auch darüber exklusive Witze schreiben und bringen dürfen. Man könnte ja meinen, dass Humor am besten funktioniert, wenn wir über uns selbst lachen können. Doch das müssen sicherlich nicht alle so sehen, denn das Humorverständnis ist nun mal auch sehr subjektiv, wenn es darum geht, was lustig ist und was nicht.
Dabei muss es vollkommen akzeptabel sein, dass man sich dieser Komik, auch wenn man Teil einer Minderheit ist, abwendet. Einfach gesagt: Ein Mensch mit Behinderung sollte auch “normale” Comedy machen dürfen, ohne dass das Publikum in seiner Erwartung enttäuscht ist, weil jetzt doch keine Behindertenwitze performed wurden. Dieselbe Akzeptanz sollte ebenso für alle Comedians gelten.
Comedy hat in meinen Augen nur sehr selten die Absicht, Menschen und ihre Gefühle ernsthaft zu verletzen oder sie zum Gespött zu machen. Und Comedy eckt natürlich auch immer wieder an die Grenzen von Gut und Böse an, das liegt in ihrer Natur. Doch wie man damit umgeht, ist für mich letztendlich entscheidend. Wenn Witze und Comedy auf Kosten aller gemacht werden, sind auch Minderheiten mit einbegriffen. Dann kommt es eben darauf an, in welchem Kontext und mit welcher Absicht und Rhetorik solche Scherze gemacht werden. Und das erfordert einen gewissen Grad an Professionalität – vor allem aber ein präzises Feingefühl, wenn man den nächsten Shitstorm vermeiden möchte.
:Artur Airich
]]>Das gute alte Studi-Leben. Drei Monate reinhauen, Klausuren schreiben und dann 2-3 Monate die Beine hochlegen. Dieses Bild haben immer noch viele Menschen in der Gesellschaft von unserer Gruppe. Und auch in meinem Umfeld wird oft angenommen, dass ich ein entspanntes Leben verbringe, schließlich kann nicht jede:r bis 9 Uhr im Bett liegen bleiben und flexibel Termine vereinbaren. Konnte ich in meinem früheren Berufsleben auch nicht so einfach. Und sicher, es gehört zu den Vorteilen des Studierens, dass unsere Veranstaltungen oft nicht vor 10 Uhr beginnen, wir lange Semesterferien haben und freitags oft keine Pflichtveranstaltungen haben und dafür Donnerstagabend schon das Bermuda unsicher machen können. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille (um mal bei der olympischen Metaphorik zu bleiben).
Hürde 1: Geld verdienen
Ich kenne kaum jemanden, der/die studieren kann, ohne mindestens einen Nebenjob zu haben. Die wenigstens können allein von der Förderung durch BAföG, Verwandte oder andere Gönnende leben. Ich halte es generell nicht für falsch, dass sich Studierende mithilfe eines Nebenjobs etwas dazuverdienen, denn es bringt auch einige Vorteile mit sich. Blöd nur, wenn ein Job alleine nicht reicht oder aber die Regelstudienzeit und die damit einhergehende staatliche Förderung bedroht sind. Denn so ein Nebenjob ist nicht nur eine planerische Aufgabe, sondern kann eben auch ein ganz schöner Energiefresser werden.
Hürde 2: Haushalten
Viel schneller, als das Geld auf dem Konto eingeht, geht es auch wieder weg. Neben gängigen Kosten, wie Miete, Essen und Kleidung, kommen für Studis auch noch Materialkosten hinzu. Kaum ein Studium ist heutzutage ohne funktionierendes Endgerät zu bewältigen. Und auch die Bibliotheken haben nicht für alle Studis alle Bücher rund um die Uhr verfügbar. Schon mal gesehen, was so eine Grundausstattung an Lehrbüchern kosten kann? Da sind schnell mal 200 Euro pro Semester weg. Als Generation, die vermehrt Wert auf Nachhaltigkeit legt, ist es bei Kleidung und Co. eventuell noch möglich durch Second-Hand-Ware zu sparen, aber spätestens bei der Ernährung ist das Portemonnaie schnell überfordert.
Hürde 3: Freizeit
Freizeit ist im Studium eher ein dehnbarer Begriff. Richtig „frei“ hat man eigentlich nie, da es immer irgendeinen Text gibt, den es zu lesen gilt, eine Prüfung ansteht oder man für eine Hausarbeit recherchiert. Und das kann ganz schön herausfordernd sein. Denn während es vielen Berufstätigen möglich ist, Arbeit und Freizeit zu trennen, verschwimmen die Grenzen im Studium sehr schnell. Fertig ist man nie. Außer vielleicht geistig.
Hürde 4: Selbstdisziplin
Eng verzahnt mit dem Thema Freizeit ist die Selbstdisziplin. Die einen haben sie mehr, andere weniger. Sicher etwas, das man trainieren kann und im Studium auch muss. Denn Anwesenheitspflicht gibt es nicht überall. Aber damit eben auch keine externe Kontrolle. Alle Impulse müssen aus eigener Motivation kommen — und das jeden Tag. Auch das kann anstrengend sein.
Versteht mich nicht falsch: Ich liebe es zu studieren. Ich liebe es, mir in den Semesterferien Gedanken zu machen, welche Veranstaltungen ich fürs nächste Semester interessant finde. Ich liebe es, den vielen verschiedenen Menschen zu begegnen und ständig Neues zu lernen. Aber manchmal finde ich es auch ganz schön anstrengend. Und das ist okay, denn ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Das hilft mir dabei, dran zu bleiben und die kritischen, teilweise belächelnden Stimmen aus meinem Umfeld zu ignorieren. Ich habe die Ziellinie vor Augen. Und wenn ich mal unter einer Hürde durchklettere oder als Letzte den Schluss erreiche, ich wachse im Studium über mich hinaus und habe dabei Whitney’s „one Moment in Time“ im Ohr. Denn ich gebe jeden Tag „the best of me“.
:Sharleen Wolters
]]>öffnet Netflix und möchte in Ruhe einfach nur einen Film schauen, nur um dann mit
misogyner, diskriminierenden Militär-Propaganda überrascht zu werden?
Genauso mussten sich so ziemlich alle Menschen gefühlt haben, die den neuen Netflix Film „Purple Hearts“ geschaut haben. Netflix beschreibt den Film als eine Romanze, welche
sich in der Realität allerdings etwas „anders“ anfühlt. Kurze Zusammenfassung: Cassie Salazar ist eine liberale, aufstrebende Musikerin, die um sich über Wasser zu halten als Kellnerin in einer Bar und als Klavierlehrerin arbeitet. Doch das Geld reicht vorne und hinten nicht, denn Cassie hat Diabetes und wie allgemein bekannt, ist Amerikas Gesundheitssystem nicht grade das Beste. Luke ist beim Militär, um seine Schulden abzubezahlen, die er aufgrund von Drogenproblemen hat. Die beiden treffen durch eine gemeinsame Bekanntschaft aufeinander und entscheiden sich dazu eine Scheinehe zu führen. Die perfekte Lösung für das Geld- und Krankenversicherungsproblem, denn Cassie kann als Soldatenfrau ihr Insulin bezahlen und Luke seine Schulden. Wie es das Schicksal will, verlieben sich die beiden ineinander und werden glücklich. Nur stimmt etwas nicht ganz…Ganz abgesehen von der totalabgehakten Storyline haben beide sehr unterschiedliche politische und damit auch moralische Vorstellungen. Etwas zu unterschiedlich, wie die kritischen Stimmen berechtigt behaupten. Ja, wir lieben einen enemies-to-lovers trope, aber nicht, wenn das US-Militär mit an der Produktion des Filmes beteiligt ist oder wenn der Film sexistischen und islamophoben Dialog fördert. Die Cassie, die zu Beginn des Filmes über ihren „ethischen Kodex“ prahlt und das Militär, mitsamt Soldaten verabscheut, schafft es schnell diese Gefühle zu vergessen und verfasst sogar einen Song für die Soldaten der „Come back home“ heißt. Dass Luke sie eine „liberale Nuss“ nennt, ihre Mutter für die illegale Einwanderung ins Land verurteilt und ihr befiehlt sich hinzusetzen und zu schweigen, nachdem sein Freund beim Abendessen auf „die Araber, die wir da unten jagen werden“ (auf Englisch: „hunting down some goddamn arabs“) anstößt-scheint sie wohl doch nicht so sehr zu stören. Auch eine abfällige Line bezüglich Pronomen fällt hier und da. Plötzlich hängt dann die amerikanische Flagge neben ihrer BLM und Pride-Flagge. Doch der Filmregisseurin Elizabeth Allen Rosenbaum sind die Anschuldigungen nicht fremd - Stören tun diese sie allerdings nicht. Sie bezeichnet die Charaktere als blau und rot. „Extreme“ Persönlichkeiten, die lernen müssen sich zu „mäßigen“, um die Liebe zuzulassen und dann Lila werden. Komisch ist nur, dass Cassie allein sich ändern muss. Luke darf Luke bleiben. Ist es nun Mäßigung, wenn man sich nicht gegen Ungerechtigkeit ausspricht und seit wann ist liberal-sein gleich extrem? Und wer immer noch nicht daran glaubt, dass der Film Militär-Propaganda ist, sollte einen Blick in das Interview von Rosenbaum mit military.com werfen, in dem sie sogar zugibt, dass das Militär das Skript umschreiben ließ. Traurig ist nur, dass so viele Menschen den Film trotzdem anpreisen. Ein Teil 2 ist bereits in Planung. Also hier die wahre Zusammenfassung von Purple Hearts: Einer farbigen Frau werden die moralischen Vorstellungen eines weißen Mannes aufgezwungen. Sie lernt sich ihm zu unterwerfen, brav Frauchen zu spielen und muss ihren Aktivismus und den Sinn für Gerechtigkeit „mäßigen“, damit sie wahre Liebe finden und eine tolle Ehe führen kann. So leicht geht das heutzutage mit der versteckten Propaganda und dabei wollte man doch nur eine Romanze auf Netflix schauen…
:Mina Momandi
]]>Auf der Suche nach einem friedlichen Leben, dem Krieg entflohen, mehrere Länder durchquert, die Überfahrt auf einem klapprigen kleinen Boot überlebt nur, um in Österreich zu verschwinden. Die traurige Realität für 4.489 Flüchtlingskinder 2021 in Österreich. Das es über die Jahre sicherlich noch tausend mehr waren und jetzt 2022 noch sind, ist ein unausgesprochener Fakt. Klar ist allerdings, dass der Großteil aller unbegleiteten Flüchtlingskinder in Österreich regelrecht spurlos verschwindet. Aber wo sind die Kinder?
Expert:innen gehen davon aus, dass die meisten Kinder dem Kinderhandel, Zwangsprostitution oder der Drogenkriminalität verfallen sind. Auch das sind keine neuen Neuigkeiten für die österreichische Regierung. Das Verschwinden der Kinder führt zu Verfälschungen in den tatsächlich gestellten Asylanträgen, denn wenn die Hälfte der Kinder, die einen Antrag gestellt haben verschwindet, bleibt die Hälfte der Anträge unbearbeitet und offen.
Grund für das Verschwinden der Kinder sind mangelnde Finanzierung und eine Abweisung der Verantwortung. Die meisten Kinder kommen nicht in spezielle Einrichtungen für Kinder, sondern in „normale“ Einrichtungen in denen Kinder deutlich leichter verschwinden können und in die falschen Hände geraten können.
Es ist unbegreiflich, wie wenig Aufmerksamkeit diese Sache bekommt und wie wenige es interessiert, was mit diesen Kindern geschieht. Menschen, die Asyl suchen sind keine Menschen zweiter Klasse. Die Doppelmoral ist ganz klar zu sehen, denn wären es österreichische oder deutsche Kinder, wäre der Trubel (verdient) groß. Die Regierungen freuen sich womöglich sogar, dass so viele Asylanträge jetzt nicht mehr bearbeitet werden müssen. Diese Kinder und ihre Eltern verdienen Gerechtigkeit
und die Wahrheit.
:Miena Momandi
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