Warning: Constant WP_DEBUG_DISPLAY already defined in /var/www/html/wp-config.php on line 111 Junges Licht | BSZ https://bszonline.de Deine Bochumer Stadt- & Studierendenzeitung Thu, 10 Nov 2022 08:56:09 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 https://bszonline.de/wp-content/uploads/2022/11/cropped-favicon-32x32.jpg Junges Licht | BSZ https://bszonline.de 32 32 Unser Grubengold und unser Staub https://bszonline.de/2019/10/29/unser-grubengold-und-unser-staub/ https://bszonline.de/2019/10/29/unser-grubengold-und-unser-staub/#respond Tue, 29 Oct 2019 09:41:43 +0000 https://bszonline.de/2019/10/29/unser-grubengold-und-unser-staub/ Lokalliteratur. Die musikalisch-literarische Reihe „Bücher des Ruhrgebiets“ der Kammerspiele thematisiert lokale Geschichte(n) von Krieg, Kohle und Kolleg*innen.

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Lokalliteratur. Die musikalisch-literarische Reihe „Bücher des Ruhrgebiets“ der Kammerspiele thematisiert lokale Geschichte(n) von Krieg, Kohle und Kolleg*innen.

Wenn wir Geschichten konsumieren, dann oft, um gedanklich fortzureisen. Aber: „Ich kann nur über etwas schreiben, was ich kenne“, sagte Herbert Grönemeyer mal in einem ZEIT-Interview. Er hat den „Pulsschlag aus Stahl“ so anschlussfähig beschrieben, dass seine Bochum-Hymne zu sämtlichen Gelegenheiten inbrünstig mitgeschmettert wird. Auch das Schauspielhaus bietet mit der musikalisch-literarischen Lesereihe „Bücher des Ruhrgebiets“ Poesie und Prosa über Geschichte und Lebensgefühl des Ballungsgebiets eine Bühne. Den Auftakt machte Samstag eine Ensemble-Lesung aus Ralf Rothmanns Romanen „Milch und Kohle“ (2002) und „Junges Licht“ (2006). Der Zeitgenosse Grönemeyers, der im Oberhausen der Nachkriegszeit aufwuchs, skizziert in autobiografischen Werken mit atmosphärischer Klarheit die einfachen Lebenswelten der Arbeiter*innenschicht. Das Ensemble las mit verteilten Stimmen Romanausschnitte, die manchmal ein wenig zusammenhanglos daherkamen. Ein Highlight waren dafür die Musikhits aus den 60ern wie „No Milk Today“ oder „Sixteen Tons“. Rothmanns Alltagsdarstellungen zwischen Zeche, vorpubertärer Verliebtheit und den italienischen Bergbaukollegen, deren Lebensfreude die erstarrten Gesichtszüge der Ruhrgebietler*innen auflockert, sind humoristisch. Doch von Lokalpatriotismus kann keine Rede sein; auch familiäre Entfremdung und häusliche Gewalt werden thematisiert und mittels kriegsbedingter Traumata und Verdrängung der erwachsenen Figuren wird an das historische Erbe unserer Region erinnert. So liest die Mutter des „Milch und Kohle“-Protagonisten desillusioniert aus Jesaja 53: „‚Durch seine Wunden sind wir geheilt.‘ Ist das wahr, Simon, sind wir geheilt?“ Im zweiten Teil der Reihe am 14. Dezember werden Texte von Pott-Persönlichkeiten wie Erika Runge und Werner Streletz inszeniert.

:Marlen Farina

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Tiefenbohrungen in die Ruhrgebietsseele https://bszonline.de/2018/12/17/tiefenbohrungen-die-ruhrgebietsseele/ https://bszonline.de/2018/12/17/tiefenbohrungen-die-ruhrgebietsseele/#respond Mon, 17 Dec 2018 16:25:02 +0000 https://bszonline.de/2018/12/17/tiefenbohrungen-die-ruhrgebietsseele/ Lokalgeschichte. Eine Begegnung mit der Bergbauvergangenheit in Kultur und Literatur: Das erforschten Bochumer Schulen und ein Germanistik-Team beim Projekt „Unter Tage“. Zur Abschlusspräsentation am Samstag im UFO erschienen die Drehbuchautoren des Films „Junges Licht“.

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Lokalgeschichte. Eine Begegnung mit der Bergbauvergangenheit in Kultur und Literatur: Das erforschten Bochumer Schulen und ein Germanistik-Team beim Projekt „Unter Tage“. Zur Abschlusspräsentation am Samstag im UFO erschienen die Drehbuchautoren des Films „Junges Licht“.

Schlote rauchen und kohleverstaubte Gesichter schauen traurig. So sieht die Region zwischen Duisburg und Dortmund aus. Zumindest im Film „Junges Licht“ von Adolf Winkelmann, der das harte Malocherleben im Jahr 1961 darstellt. Alles natürlich längst vorbei. Denn mit der Schließung von Prosper-Haniel in Bottrop, der letzten noch betriebenen Ruhrpott-Zeche, ist noch vor Weihnachten „Schicht im Schacht“.
Doch der Bergbau hat das Ruhrgebiet wie kaum eine andere Region geprägt und ist noch heute identitätsstiftend. Mit dem Projekt „Unter Tage“ erinnern verschiedene Kooperationspartner an diese Ruhrpott-Seele. Unter der Leitung von Sebastian Susteck, Professor für Neugermanistik und Didaktik der Literatur an der RUB, haben in insgesamt drei Jahren sieben Schulen über die Bergwerkrealitäten und -phantasien geforscht.
Außerhalb des Unterrichts haben die Schüler*innen jeweils ein Jahr lang gemeinsam an ihren Projekten gearbeitet. Die Ergebnisse des dritten und letzten Durchgangs präsentierten sie an diesem Samstag auf bunten Plakaten: Angefangen von den Märchen und Sagen rund um die Bergbauwelt, über die einstige industrielle Größe bis hin zum Imagewechsel einer grünen Tourismus-Ecke. Der Strukturwandel stürzte das Ruhrgebiet in eine Ungewissheit. Das sprach auch Sebastian Susteck in seiner Einleitung an: „Wird diese Region noch eine Rolle für die Energieversorgung spielen oder werden wir uns in einem großen Industriemuseum  befinden?“


Ringen um Identität  

Zur Abschlusspräsentation im UFO erschienen auch die Drehbuchautoren von „Junges Licht“, Nils und Till Beckmann, um über ihr Filmprojekt und die Bergbauvergangenheit zu plaudern. Die Brüder haben das Drehbuch für die Verfilmung von Ralf Rothmanns Roman geschrieben: „Wir haben gemerkt, dass Ralf Rothmann wer ist, der uns aus der Ruhrgebietsseele spricht“, erzählte Nils Beckmann.
Was sie überzeugte, war weniger Rothmanns Plot, sondern seine Sprache. Und natürlich die Darstellung der Region, wie Till Beckmann lobt: „Das ist ein Blick auf die Menschen, bei dem zwar mit Klischees gespielt wird, aber auf eine Weise, wie ich sie bisher noch nicht gesehen habe.“ Die aufwendige Verfilmung, die 2016 in Essen Premiere feierte, erscheint als triste und schroffe Lebenswelt: knochenharte Maloche im Pütt, patriarchalische Macker-Verhältnisse in den eigenen vier Wänden.  „Das ist ein realistisches Bild, so war es eben“, sagt Nils Beckmann. „Das Ruhrgebiet hat eine gewisse Enge, baulich und natürlich geistig.“
Diese Enge verkörpert in „Junges Licht“ der 12-jährige Arbeiter*innensohn Julian Collien, der in einer Dortmunder Bergbausiedlung aufwächst. Die Lebenslaufoptionen variieren zwischen Anstellungen in der Zeche oder der Kokerei. „Daraus versucht der Junge zu entkommen“, wie Nils Beckmann erklärt. Als verkörpere dieser Protagonist ein Stück weit auch die Ruhrgebietsseele, so der Drehbuchautor: „Darin kann man ja seine Identität wiederfinden.“ Um diese ringen schließlich noch heute die Menschen in der einstigen Bergbauregion.                 

    :Benjamin Trilling
 

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