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Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, bewertet die Statistik wie folgt: „Die BAföG-Reform greift“. Die Rede ist von der Reform, die im Oktober 2016 für alle Studierenden in Kraft getreten ist und eine Erhöhung der Elternfreibeträge sowie die Einrichtung eines E-Antrags beinhaltete (:bsz 1095). Dennoch sind die Zahlen gesunken. Marian Thöne vom Akademischen Förderungswerk (Akafö) erklärt: „Viele Studierende stellen keinen BAföG-Antrag, weil das Verhältnis von Aufwand und Ertrag nicht stimmt. BAföG zu beantragen ist kompliziert, die Förderung oft nur gering.“ Christina Wiegelmann, Pressesprecherin des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), erklärt diesbezüglich, dass es sich dabei um „die Abfrage erforderlicher Informationen“ handele, sodass eine „größtmögliche Einzelfallgerechtigkeit“ sichergestellt werden könne. Ebenso verweist sie auf die abgebauten Hürden. Durch die elektronische Antragstellung stehe seit August 2016 ein „zeitgemäßer Weg für die Beantragung von Ausbildungsförderung zur Verfügung.“
An der gesunkenen Zahl scheinen aber nicht nur die Anträge Schuld zu tragen, sondern auch die unzureichende Werbung. „Für die Vorzüge des BAföG muss auch stärker geworben werden, so dass Studierende auch kleinere und mittlere Förderbeträge nutzen“, erklärt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des DSW und appelliert an den Bund: „Wir wünschen uns aber hier auch deutlich mehr Unterstützung der Bundesregierung.“
Wiegelmann sagt diesbezüglich, dass der Begriff BAföG bereits seit mehr als 45 Jahren synonym für Studienfinanzierung stehe und dessen Bekanntheitsgrad daher kaum noch zu steigern sei. Allgemeine Informationen könnten online sowie über eine Hotline bezogen werden, eine persönliche Beratung erfolge im „zuständigen Studentenwerk“. Werbemaßnahmen seien daher laut BMBF weniger notwendig als „beratende Aufklärung vor Ort“.
Auch das Bochumer Akafö ist der Meinung, dass das BAföG „von politischer Seite stärker beworben werden“ könne. Es bestehe allerdings kein Problem bei der Aufklärung bezüglich des BAföG in Bochum: „Informationen rund ums BAföG zu beschaffen, ist einfach, bequem und geht schnell – ob online, telefonisch oder persönlich.“
„Eine Erhöhung im Jahr 2010, eine weitere Erhöhung im Jahr 2016: Das ist zu wenig“, sagt auf der Heyde. Die 21. Sozialerhebung zeige, dass Studierende ebendies durch eine erhöhte Erwerbstätigkeit zu Lasten der Studienzeit kompensieren müssten. Das BAföG müsse daher „regelmäßig erhöht werden“.
Auch Wiegelmann erklärt, „regelmäßige ‚bedarfsgerechte‘ Anpassungen“ seien zwar erforderlich, für einen Anpassungsbedarf entscheidend seien aber nicht die „dokumentierten Gefördertenzahlen“, sondern dass niemand allein aus finanziellen Gründen nicht mehr studieren kann. Diese Anforderung seien zuletzt erfüllt worden. Zudem werde, da der Bund seit 2015 die volle Finanzierung des BAföGs übernimmt, das parlamentarische Verfahren bei künftigen Änderungsgesetzen erleichtert, was „zusätzlich zu einer kontinuierlich verlässlichen Studienfinanzierung mit regelmäßigen bedarfsgerechten Anhebungen“ beitrage.
:Tobias Möller
]]>Bis 2021 soll es an 40.000 deutschen Schulen da sein: Das Breitbandinternet. Zumindest das ist an der RUB (meistens) zu finden. Diese ist allerdings, wie andere deutsche Hochschulen auch, von dem Digitalisierungspaket der Bundesregierung ausgeschlossen. Holger Hansen, Teil des Rektorats eLearning an der RUB, hält die Uni auf dem Gebiet für sehr gut aufgestellt.
Neben Angeboten wie eTutorIn-Ausbildungen bemühe man sich um die Etablierung eines „Inverted Classroom“, einer Verlegung der Vorlesungen in den Online-Bereich – persönliche Treffen mit dem Dozierenden seien so zur Vertiefung des bereits erlernten Stoffes da.
Bis 2018 hingegen wird sich das 2001 eingeführte Blackboard von der Hochschulwebwelt verabschieden – zu stark wird die kostengünstigere Alternative Moodle mittlerweile genutzt.
Für Hansen ist in Sachen E-Assessment noch Luft nach oben: Klausuren sollen in jedem Fach digital gestellt werden. Finanzierung und Bedenken einzelner Dozierender erschwerten die Umsetzung von Ideen bisher, doch man sei dran.
In Anbetracht des aktuellen Politikkurses spielt Digitalisierung für zukünftige Lehrende eine wichtige Rolle. Die Professional School of Education (PSE) sieht sich und die Studis gerüstet: Ein Entwicklungsplan, der noch im laufenden Semester veröffentlicht werden soll, behandelt Digitalisierung als wichtigen Punkt. Laut Dr. Hennig Feldmann, Geschäftsführer der PSE, lernen Lehramtsstudierende nicht nur den Umgang mit Medien wie Smartboards, sondern auch die didaktische Reflexion eines mediengestützten Unterrichts. Besonders wichtig sei zudem die Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Digitalisierung für die Gesellschaft.
:Andrea Lorenz
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sich sehen lassen kann. Und die Studierenden haben Planungssicherheit“, freut sie sich im Interview. „Planungssicherheit?“ Die besteht auch mit dem neuen Bafög für die meisten Studierenden: Fest einzuplanen ist, dass die Reform bis 2016 auf sich warten lässt und Vielen daher nie ausgezahlt wird. Anpassung der Bafög-Sätze an die Lebenswirklichkeit? Um sieben Prozent sollen die Fördersätze steigen, während die Lebensunterhaltskosten seit Jahren schon ohne Bafög-Satzanpassung steigen: Mensa-Preiserhöhungen, Semesterticket-Verteuerung etc. – wir wissen Bescheid. Nur Frau Wanka weiß mehr. Also freuen wir uns. Aber erst 2016. Dann ist es so weit: Die Bildungsgerechtigkeit steht vor der Tür.
:Benjamin Trilling
]]>Im März 2014 mahnte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes Achim Meyer auf der Heyde, dass die Bundesländer eine Anhebung des Bafög nicht länger blockieren dürften. Zuletzt konnte man sich in Berlin 2010 auf eine Reform des Bafög-Gesetzes einigen – damals waren fünf Prozent mehr für die Studierenden drin. Nun sollen es sieben Prozent sein.
In den Medien sorgte die Kunde, dass man das Bafög reformieren werde, für wenig Euphorie und mehrheitliche Skepsis. Vielerorts war zu hören und zu lesen, dass die geplante Reform viel zu spät käme und zahlreiche Entwicklungen ungenügend berücksichtige – zum Beispiel den zunehmenden Anstieg der Lebenshaltungskosten und speziell der Mieten.
Besonders der Umstand, dass die Anhebung des Bafög erst zum Wintersemester 2016/17 erfolgen werde, löste bei vielen KritikerInnen Kopfschütteln und Unverständnis aus. Unter ihnen befindet sich auch die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Marlis Tepe. In einer Pressemitteilung der GEW bemängelte sie, dass viele Studierende nichts mehr von der Reform haben würden – insgesamt hätten zwei Generationen von Bachelor-Studierenden niemals eine Erhöhung ihrer Leistungen erhalten (2010 bis 2016).
Ab 2015 wird der Bund die Finanzierung des Bafögs übernehmen, um die Länder zu entlasten – diese hatten bisher 35 Prozent der Kosten getragen. Insgesamt stehen Nordrhein-Westfalen hierdurch jährlich bis zu 279 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung, die nun anteilig zur Förderung der nordrhein-westfälischen Studierenden eingesetzt werden sollen; das fordern zumindest die NRW-Studentenwerke und das Deutsche Studentenwerk.
Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Studentenwerke NRW Günther Remmel erklärte, dass bis 2020 dringend 5.000 zusätzliche, staatlich geförderte Wohnheime gebaut werden müssten, um preisgünstigen und bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen. Zudem müsse ein Teil der Gelder in den Ausbau der sozialen Infrastruktur fließen.
Entgegen der vielen skeptischen Pressestimmen wurde die geplante Bafög-Erhöhung von vielen Studentenwerken und dem fzs (Freier Zusammenschluss von StudentInnenschaften – überparteilicher Dachverband der Studierendenvertretungen) positiv aufgenommen. Katharina Mahrt, Vorstand des fzs, erklärte, dass die geplanten Vorschläge der Bundesregierung erfreulich seien und sich nun der Lebenswirklichkeit der Studierenden annäherten. Jan Cloppenburg, ebenfalls Vorstand des fsz, ergänzte, dass die Bafög-Novellierung nach sechs Jahren ohne Veränderung in die richtige Richtung gehe. Zudem forderte er eine Zahlung des Bafög über die Regelstudienzeit hinaus, um Studienabbrüche mangels Finanzierung zu vermeiden.
Beim Akafö wurde die angekündigte Bafög-Erhöhung grundsätzlich begrüßt. Die Leiterin der Bafög-Abteilung beim Akafö, Helga Otersen, fand jedoch auch kritische Worte. Nach ihrer Einschätzung sei die Erhöhung nach sechs Jahren längst überfällig gewesen und werde von den Studierenden dringendst benötigt. Angesichts der derzeitigen Lebenshaltungskosten hätte sie jedoch etwas höher ausfallen müssen, heißt es auf der Webseite des Akafö.
]]> Geboren wurde Johanna Wanka am 1. April 1951 in Rosenfeld, einem kleinen Dorf im Freistaat Sachsen. Von 1958 bis 1966 besuchte sie die Polytechnische Oberschule in Großtreben und dann, bis zum Abitur 1970, die Erweiterte Oberschule in Torgau. Das Studium der Mathematik an der Universität Leipzig beendete sie 1974 mit dem Diplom. Es folgte eine Tätigkeit als wissenschaftliche Assistentin an der Technischen Hochschule Leuna-Merseburg. Für die Promotionsschrift „Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potentialtheoretischen Mitteln“ wurde ihr 1980 die Doktorwürde verliehen. 1993 wurde sie als Professorin für Ingenieurmathematik an die Hochschule Merseburg berufen und ein Jahr später zur Rektorin der Hochschule gewählt. Dieses Amt übte sie bis zum Beginn ihrer politischen Karriere 2000 aus.
Die Amtszeit von Annette Schavan ist eine Amtszeit zweier Superlative. Noch nie war eine Bundesbildungsministerin so lange im Amt – noch nie hatte eine Bundesbildungsministerin so viel Geld zur Verfügung. Eine (sehr) gute Grundlage will man meinen. Zum einen lässt eine lange Amtszeit einen hohen Erfahrungsschatz, Routinen und einen geschärften Blick für die Dinge, die wirklich wichtig und hilfreich sind, vermuten. Zum anderen erleichtern gefüllte Kassen die politische Arbeit erheblich. Oft scheitern revolutionäre und fruchtbare politische Ideen an den zur Verfügung stehenden Mitteln. Eine Hürde, die das Bundesbildungsministerium unter Annette Schavan während ihrer Amtszeit nur sehr selten herausforderte. Doch was bewrikte Frau Schavan mit den ihr zur Verfügung gestellten Mitteln? Sie setzte die Exzellenzinitiative ihrer Amtsvorgängerin Edelgard Bulmahn (SPD) zur Stärkung der Spitzenforschung fort und förderte verschiedene Forschungsorganisationen. Diese wurden während ihrer Amtszeit mit so viel finanzieller Unterstützung bedacht wie nie zuvor – zur Freude ihrer RepräsentantInnen und VertreterInnen. Ob das viele Geld für die aus ihrer Sicht richtigen Projekte aufgewandt wurde – darüber scheiden sich die Geister.
Die Bilanz des Bildungsgipfels von 2008, anberaumt durch Angela Merkel und Annette Schavan, ist dürftig. Vielversprechende Vorschläge, wie beispielsweise die Einführung der Ganztagsschule, bezeichnete sie als „Suppenküchenprogramm“. Vehement stemmte sie sich gegen längst überfällige Reformen – rückblickend ein mittelschweres Desaster. Die „DGB-Expertise zur Bildungsbiographie und den prekären Perspektiven der Ausbildungslosen“ kommt zu einer erschreckenden Erkenntnis: 2,21 Millionen Menschen in der Gruppe der 20- bis 34-jährigen sind ohne Berufsabschluss (August 2012). Seit dem Nationalen Bildungsbericht von 2010 habe sich vor allem der Anteil der 30- bis 34-jährigen Männer ohne Abschluss „weiter erhöht“, heißt es. In einer anderen Studie, „Jugendliche ohne Berufsabschluss“, der Friedrich Ebert Stiftung von 2009, waren es noch 1,5 Millionen Jugendliche. Von einer Halbierung der Quote der jungen Menschen ohne Berufsabschluss bis 2015, wie sie auf dem Bildungsgipfel 2008 durch Bundeskanzlerin Merkel und Annette Schavan angekündigte wurde, kann man demnach nicht ausgehen. Vielmehr ist eine Verschlechterung zu erwarten.
Doch damit nicht genug. Ein Großteil der dem BMBF für die aktuelle Amtsperiode von der schwarz-gelben Regierung zugesicherten Mittel, Mehrausgaben in Höhe von 12 Milliarden Euro, wurde für die Finanzierung des „Bildungs- und Teilhabepaketes“ für Kinder aus Hartz-IV-Familien verwendet. Mittel, die in den Etat von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen wanderten und eigentlich für andere Investitionen gedacht waren. Auch die längst überfällige Bafög-Erhöhung lässt noch immer auf sich warten. Das sind nur einige der Entscheidungen, Pläne und Prozesse die, wenn man sie rückblickend betrachtet und bewertet, nicht auf eine jahrelange Routine und Erfahrung hindeuten, sondern vielmehr eine totale Planlosigkeit und politisches Scheitern vermuten lassen.
Johanna Wanka war zuletzt Bildungsministerin in Niedersachsen gewesen. Erst im März 2001 trat sie der CDU bei. Kurz nach ihrer Amtsübernahme kündigte sie an, dass sie den Kurs von Schavan fortsetzten und sich für eine engere Zusammenarbeit von Bund und Ländern einsetzen werde. „Bildung ungeachtet der sozialen Herkunft“ sei ihr Ziel, sagte sie auf einer Pressekonferenz in Berlin. Doch was bedeutet das? Eine Deutung wäre die mögliche Lockerung des Kooperationsverbots. Seit 2006 verhindert diese Regelung, dass der Bund anhaltend in die Bildung auf Länderebene investieren kann. Konkret wurde Wanka jedoch nicht. Auch zur längst überfälligen Reform und Anhebung des Bafög, sowie einer finanziellen Unterstützung der Universitäten und anderer Bildungseinrichtungen, bezog sie keine Stellung.
Das Thema Studiengebühren: Fehlanzeige! Sonderbar, denn im Juli 2012 sagte sie in Hannover – damals war sie noch Wissenschaftsministerin in Niedersachsen – dass es ihrer Ansicht nach ab 2017 in allen 16 Bundesländern wieder Studiengebühren geben werde. Wie sich diese Ansicht mit ihrem proklamierten Kurs „Bildung ungeachtet der sozialen Herkunft“ im Rahmen gerechter und sozialer Studienbedingungen und Möglichkeiten vereinbaren lässt, darauf hat vermutlich nur sie eine Antwort – oder auch nicht.
Fakt ist, dass es nach der verlorenen Landtagswahl der schwarz-gelben Koalition in Niedersachsen im Januar 2013 und nach dem Volksbegehren in Bayern vermutlich bald keine Studiengebühren mehr geben wird – bundesweit. Und das ist auch gut so! Was die neue Bundesbildungsministerin in den ihr verbleibenden sieben Monaten bewirken kann, ist fraglich. Für drastische Veränderungen oder große Innovationen bleibt ihr einfach zu wenig Zeit.