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Der Hauptgrund für den Besuch vieler war allerdings die Rede des ehemaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck. Schon bevor der Einlass in die Halle begann, standen mehrere Hundert Menschen in der Schlange, um Habeck zuzuhören. Auffällig war, dass das Publikum über alle Altersgruppen hinweg sehr durchmischt war.
Schnell war klar, dass die Nachfrage so groß und der Platz so begrenzt war, dass Habecks Rede im Außenbereich auf große Leinwände übertragen wurde. So hatten alle vor Ort die Möglichkeit, die Rede zu verfolgen.
Außerdem spielte Inklusion bei der Rede eine wichtige Rolle, da diese auch vor Ort in Gebärdensprache übersetzt wurde. Auf vier kleineren Bildschirmen, die in der ganzen Halle verteilt waren, waren die Dolmetschenden zu sehen.
Als Moderatorin Janine Steeger Habeck ankündigte, applaudierte das Publikum lautstark. Dazu gab es jubelnde Zwischenrufe, sowohl aus den vordersten als auch aus den hintersten Reihen. Das Publikum wirkte sehr positiv gestimmt gegenüber Habeck und dem, was er repräsentiert. Der Applaus hielt fast eine Minute an und wurde wieder lauter, als Habeck tatsächlich die Bühne betrat. Zunächst hielt er seine Rede, die zweite Hälfte bestand aus einem moderierten Dialog zwischen ihm und Moderatorin Steeger. Raum für Publikumsfragen? Fehlanzeige.
Habeck selbst definierte die Zukunft als „aktives Gestalten in der kommenden Zeit” in den wichtigsten Bereichen wie Politik, Gesellschaft, Familie und Unternehmen.
Im Verlauf der Rede sprach er auch darüber, dass die Unterstützung für den Rechtspopulismus in Deutschland steige. Dabei betonte er, dass dies nicht die Schuld der ehemaligen Ampelkoalition gewesen sei. Denn dieses Phänomen sei auch in anderen Ländern wie beispielsweise Frankreich und England zu beobachten.
Im Dialog sprach Habeck darüber, wie Deutschland die Situation verbessern könne. Und zwar, indem die Politik die Bevölkerung mehr abhole und auf ihre Wünsche und Sorgen eingehe. Zum einen erwähnte der ehemalige Wirtschaftsminister nochmals die Sprache, die die aktuelle Regierung nutzt. Begriffe wie Arbeitskoalition suggerieren nämlich laut Habeck einen Fokus auf der Arbeit selbst, und damit auf den Status Quo, und nicht auf die Zukunft. Einen „Verzicht auf einen großen Plan” nannte er das.
Als ein Kernproblem sieht Habeck die fehlende Repräsentation der Arbeiter:innen in der Politik. Eine potenzielle Lösung könnte die Einführung einer Nicht-Akademiker:innen-Quote im Bundestag sein.
Habecks Rede nahm die Zukunft als solche in den Fokus und zeigte, wie diese aktiv in den verschiedenen Aspekten der Gesellschaft gestaltet werden kann; sei es in der Politik, Wirtschaft oder Bildung. Das Publikum war während der Rede besonders aufmerksam und ruhig, es gab keine Zwischenrufe. Alle Anwesenden wirkten positiv gegenüber Habeck und dem Inhalt seiner Rede gestimmt. Das Publikum applaudierte mehrmals, insbesondere als Habeck über die aktuelle Koalition, erneuerbare Energien, Repräsentation und Bildung sprach. Ein Wermutstropfen blieb, als Fragen aus dem Publikum nicht möglich waren. Darin zeigt sich ein Widerspruch zu Habecks Aussage, dass Politiker:innen nicht nah an der Bevölkerung stehen würden. So wirkte die Rede sehr einkalkuliert und geplant, was jedoch auch dem straffen Zeitplan zuzuschreiben ist.
Insgesamt wirkte die Rede teils optimistisch und auch recht realitätsnah, mit einigen Ansätzen, um die kommende Zukunft offener zu gestalten. Jedoch warnte Habeck auch davor, dass die Aussicht auf eine hoffnungslose Zukunft dazu führen könnte, dass konservative, populistische und extremistische Parteien mehr Zuspruch und Macht erlangen – nicht nur in Deutschland. Umso wichtiger sei es nun, dass die Politik anstrebe, realitätsnaher und zukunftsorientiert zu werden.
]]>Es ist Dienstagabend in der Jahrhunderthalle und zum ersten Mal seit März diesen Jahres findet die Bochumer Blues Session wieder live auf einer Bühne statt. Seit über 25 Jahren ist die Blues Session fester Bestandteil des Kulturprogramms der Stadt Bochum. Bis 2016 wurde im Kulturcafé der Ruhr-Uni performt, seit fast vier Jahren nun zieht es Liebhaber:innen des Blues nach frein’s Event Location, wo jeden ersten Freitag im Monat nicht nur Bands, sondern auch Einzelpersonen zusammenkommen, um sich gemeinsam dem Blues hinzugeben. Denn die Bochumer Blues Session steht allen offen, die schon immer mal auf einer Bühne stehen wollten.
Auch wenn die Bundesregierung mithilfe von Förderprogrammen wie NEUSTART KULTUR und der Initiative Musik insgesamt 10 Millionen Euro für Künstler:innen bereitstellt, ist das nur ein kleiner Schritt, um das Kulturprogramm wieder auf den Stand zu bringen, auf dem es vor der Pandemie war. Die Jahrhunderthalle wird beispielsweise nicht von dem Programm NEUSTART KULTUR gefördert. Nichtsdestotrotz haben sich Künstler:innen aus Bochum und Umgebung, die Bochumer Veranstaltungs-GmbH und das Kulturbüro der Stadt Bochum zusammengeschlossen, um das Projekt KulturRaum Bochum in die Wege zu leiten.
Der KulturRaum Bochum sieht vor, eine Bühne für Kulturschaffende zu stellen, damit diese wieder vor Publikum performen können. Dafür wurde ein Hygienekonzept entwickelt, das den Corona Maßnahmen der Bundesregierung entspricht. Die insgesamt 256 Plätze, die in der Jahrhunderthalle zur Verfügung stehen, sind in Zweier- und Vierer-Sitzgruppen aufgeteilt, sodass der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann, wenn man mit seiner Freundesgruppe die Jahrhunderthalle besucht. Anhand von Bodenmarkierungen besteht auch die Möglichkeit, im Eingangsbereich den Mindestabstand einzuhalten. Mund-Nasen-Schutz sowie das Hinterlassen von Kontaktdaten sind Pflicht.
Wer die Bochumer Blues Session am 6. Oktober verpasst hat, kann aufatmen: Am 30. November wird es eine weitere Session in der Jahrhunderthalle geben. Aber nicht nur Blues kann man im KulturRaum genießen, es gibt auch zahlreiche andere Veranstaltungen.
Am Montag, den 19. Oktober, habt ihr die Möglichkeit, von den Künstler:innen des ZDF Traumschiffs mit der Veranstaltung „Calvero’s Salon-Zaubertheater“ in den Bann gezogen zu werden. Der Eintritt beträgt 30 Euro für Erwachsene. Am Freitag, den 23. Oktober, wird im KulturRaum die antike Tragödie „Antigone“ von Lucia Lork als moderne Dystopie inszeniert. Der Eintritt ist frei, Tickets können unter der E-Mail-Adresse karten.antigone@gmx.de reserviert werden. In Kürze werden auch Tickets für die Multivisions-Show „wildes Namibia“ von Bernd Wasiolka verfügbar sein, die am Dienstag, den 24. November stattfinden wird. Zuschauer:innen werden in der Show von der Landschaft und Tierwelt Namibias verzaubert.
Solange die Fallzahlen in Bochum nicht zu sehr steigen, bietet das Projekt KulturRaum Bochum Künstler:innen eine Bühne, die für sie unverzichtbar ist. Mithilfe des Hygienekonzepts versucht die Stadt Bochum, das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten, damit Projekte wie der KulturRaum Bochum weiterhin existieren können.
:Augustina Berger
]]>Am 7. Dezember eröffnete die Zollverein-Eisbahn auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes. Die Eislaufbahn erstreckt sich auf 150 Metern und Eislaufliebhaber*innen können dort entlang der Koksöfen und Schornsteine der Kokerei entlang flanieren. Bei rustikalem Ruhrgebietsschick wird es in den späten Abendstunden nicht nur kühl, sondern auch ziemlich bunt. Eine spezielle Installation sorgt für eine stimmungsvolle Belichtung, sodass sich auch im Dunkeln skaten lässt. Und damit Ihr Euch nicht unterkühlt, bekommt Ihr an den Buden im Winterdorf direkt an der Eisbahn das ein oder andere warme Getränk und ein paar Snacks zur Stärkung. Falls Ihr doch schon gänzlich durchgefroren seid, gibt es neben der Eisbahn das Café und Restaurant „die kokerei“ mit der Möglichkeit Euch von innen und außen aufzuwärmen.
Am kommenden Samstag, den 14. Dezember und am 4. Januar 2020 können die Musikfans unter Euch zu den besten Disko-Klassikern der letzten 30 Jahre Schlittschuh laufen und auf der Eisbahn das Tanzbein schwingen. An der Kokerei könnt Ihr nicht nur zwischen den Schornsteinen mit den Kufen aufs Eis, für alle, die den geselligen Wettkampf mögen, steht auch das Eisstockschießen zur Verfügung. Das im Gegensatz zur Eisbahn, bei jeder Wetterlage stattfindet.
Nicht nur in Essen heißt es Kufen raus, auch in Bochum eröffnet diese Woche der „EisSalon Ruhr 2019“. Dort könnt Ihr in der Jahrhunderthalle die Schlittschuhe auf die Eisbahn bringen. Auch wenn die Eisbahn mit 90 Metern etwas kürzer ist, als in Essen macht das Eislaufen genauso Spaß im besten Ruhrpottambiente. Ab dem 14. Dezember eröffnet der „EisSalon“ seine Tore und ab 10 Uhr kann der Eistanz beginnen. Das Besondere in Bochum, Rollstuhlfahrer*innen bekommen einen eigenen Zugang zur Eislaufbahn, sodass ein barrierefreier Eingang sowie Ausgang für Mobilitätseingeschränkte zur Verfügung steht. Wie an der Kokerei werden auch in der Jahrhunderthalle Eislaufparties veranstaltet. Kurz vor Weihnachten am 19. Dezember findet „Der beste Mix on Ice – by Radio Bochum“ satt. Dort gibt es ein breites Programm, bei dem man sich gebührend in die Weihnachtsferien verabschieden kann. Bei spannenden Eisstock-Battles und vielen weiteren Aktionen des Lokalsenders, bekommt Ihr frische Musik auf die Ohren. Die Zweite Party wird unter dem Motto „SchwarzlichtParty“ kurz nach den Weihnachtsfeierlichkeiten zelebriert. Ausgeschlafen und gut erholt vom Schmausen mit der Familie, gibt es in der EisDisco nicht nur eine Party, sondern auch eine Show von TurtleStyle Dortmund. Sie zeigen exklusiv zum ersten Mal in Bochum ihre brandneue Show „Live your Dream“. Die Outfits der Künstler*innen sind extra an das Schwarzlicht angepasst und „Alles was zählt“-Star Kevin Bock ist auch mit von der Partie. Das Künstler*innen Kollektiv trat in diesem Jahr auch schon bei Dancing on Ice auf.
Egal ob jung oder alt, Partytier oder gemütlich unterwegs – wer sich gerne auf die Eisbahn begibt, wird hier glücklich.
:Abena Appiah
]]>Info:Box
Zollverein Areal C (Kokerei)
Preise:
Tagesticket 7 Euro, Studierende 5 Euro
Eisdisco 5 Euro, Studierende 3 EuroJahrhunderthalle Bochum
Preise:
Tageskarten 7 Euro, Studierende 5 Euro
Der beste Mix on Ice 3,50 Euro, Studierende 2,50 Euro
Schwarzlichtparty 8 Euro
Leihschlittschuhe 5 Euro
Flanieren. Spazieren. Umhertrödeln. Es gibt viele Bezeichnungen für diese eine, gefühlt ach-so-deutsche Art des Zeitvertreibs und Entspannens. Es ist gleichzeitig die Aktivität, der man nachgeht, während man sich den Audioguide re:ANIMA, der die Spaziergänger*innen durch den Westpark führt, anhört. Der Guide wurde von der Studentin Viviane Lennert als Abschlussprojekt im Masterstudiengang Szenische Forschung an der RUB erstellt. Doch irgendwann, während man umherschlendert oder gerade die Jahrhunderhalle aus der Ferne betrachtet, kommt die Beichte: Sie selbst war nie sonderlich vom Spazieren angetan. Wie denn auch? Die Natur war in ihrer pfälzischen Heimat überall, kein Grund zu spazieren. Es ist eines der vielen persönlichen Details, die witzig bis persönlich daherkommen und den Guide zu einer unterhaltsamen, nachdenklich stimmenden und faszinierenden Erfahrung machen. re:ANIMA funktioniert dabei ein wenig wie ein Abenteuer-Spielbuch für die Ohren – nach den meisten kurzen Kapiteln hat man die Wahl, über was man mehr erfahren möchte. Die Geschichte des Westparks? Fraktaltheorie? Die Enstehung des Audioguides? Die utopische Vision des ANIMA-Parks? So dauert der Rundgang je nachdem wie zielgerichtet man vorgeht auch kürzer oder länger, maximal jedoch rund zwei Stunden.
Doch einen Schritt zurück – denn was ist das titelgebende ANIMA überhaupt? Für Viviane startete das Projekt vor rund drei Jahren, als sie auf eine Broschüre der Stadt Bochum aus den 90ern stieß. Darin beschrieben war ANIMA, ein Projekt des Künstlers André Heller, ein geplanter, ganzheitlicher Entspannungspark, der auf dem Gelände des neues Westparks um die Jahrhunderthalle entstehen sollte. Ein magisch-sensationell klingender Ort. „ANIMA – ein stiller Ort von meditativer Kraft, der bewußt dem Lärmen und Brausen der reizüberfluteten Welt entgegensteht. Alle Sinne werden erreicht, aktiviert, Verschüttetes aus Kinderzeit zutage gefördert. Sehnsüchte, die jeder Mensch in sich trägt, finden den Raum, ausgelebt zu werden“ heißt es in der Broschüre. Doch dann konnte ANIMA doch nicht geschaffen werden – zumindest nicht in Bochum, dafür jedoch in Marrakesch. Was bleibt, ist eine Erinnerung, die in den Köpfen der Spaziergänger*innen neu belebt wird.
re:ANIMA überlagert den reinen geographischen Raum des Westparks mit vielen Schichten des Sichtbaren, des Unsichtbaren, Vergangenem sowie Heutigem, dem utopisch-magisch Verspieltem und der rauen und kalten Realität des Ruhrgebiets. Und durchweg ist da diese Stimme, die ge- und begleitet und einen Anker gibt. Denn bei allem weit Entferntem, der Philosophie und dem kurios wirkenden Kitsch führt der locker-witzige Charme der Erzählerin die Zuhörer*innen durch den Park und lässt diesen auf eine völlig andere Art erscheinen.
:Stefan Moll
]]>Info:Box
re:ANIMA wurde in Unterstützung mit der Betreibergesellschaft der Jahrhunderthalle Bochum, der Bochumer Veranstaltungs-GmbH, der Kunstvereine Ruhr sowie der Gesellschaft der Freunde der RUB erstellt. Ab dem 18. Oktober kann man sich den Audioguide samt Karte und Broschüre im Pumpenhaus an der Jahrhunderthalle ausleihen.
Der große Hund ist nicht Atréju. Auch wenn ich das dachte! Erst wurde mir berichtet das Atréju gar nicht der Hund ist, sondern Fuchur und im Anschluss, dass das Ganze sowieso nichts mit der Unendlichen Geschichte zu tun hat. Shattered my world. Dennoch gibt es viel zu bestauenen bei der Materialverwaltung on Tour, einer von 22 Stationen mit Kunstprojekten, die sich im Zuge der Urbanen Künste Ruhr und dem Ruhr Ding: Territorien in Bochum, Dortmund, Essen und Oberhausen, von Anfang Mai bis Ende Juni, ereignen. An der Jahrhunderhalle gibt es gleich zwei Kunstinstallationen. Direkt an Tor 5 die Materialverwaltung und ein kurzes Stück dahinter eine Betonoper mit Namen „Die Taube“. Bei der Materialverwaltung on Tour kann man verschiedenste Materialien und Requisiten abgeben, bestaunen, leihen oder auch kaufen. Zudem finden hier eine Vielzahl an Workshops und Veranstaltungen statt.
:Die Redaktion
]]>Beim Betreten der Jahrhunderthalle steigt ein süßlicher Geruch von Zuckerwatte und frischen Crêpes in die Nase. Es ist freudiges Lachen zu vernehmen, während Musik der 50er und 60er Jahre die Menge in Tanzstimmung bringt. Rock’n’Roll-Tanzclubs – teilweise aus Krefeld oder Münster – versammelten sich in Bochum. Das Publikum war buntgemischt und Altersgrenzen gab es nicht. Auch ein Pärchen aus Oberhausen hat kein Lied ausgelassen: Ihre glücklichen, reifen Gesichter lassen erahnen, dass sie bereits in den 50er Jahren als TeenagerInnen im Viervierteltakt Rock’n’Roll getanzt haben.
Die Einrichtung hat an die Schlussszene von „Grease“ erinnert, als John Travolta auf dem Rummelplatz am „Hau-den-Lukas“ vorbei schlendert. Bei diesem, nur eben in Bochum, ergatterten die Herren für ihre Begleitungen ein Röschen, während sich eine junge Dame über den mickrigen Gewinn beim Schausteller beschwert. Daneben die Geisterbahn: Besucherin Yvonne ist sich nicht sicher, ob sie hereingehen soll. Der Schausteller erkennt mit seinem geübten Auge ihre Unsicherheit. Nachdem die Fahrt für sie begonnen hatte, begab er sich von ihr unbemerkt in die Bahn, um sie persönlich zu erschrecken. Eine Minute und mehrere kreischende Schreie später öffnet sich die Ausgangstür und eine verschreckte, aber trotzdem lachende Yvonne taucht wieder auf. Neben den Fahrgeschäften wurde auch Live-Musik geboten: Dieses Jahr haben Rock’n’Bella das Publikum eingeheizt. Um 00:30 Uhr haben sie mit „Johnny B. Goode“ ihre letzte Zugabe gegeben und sich mit den Worten „Vielleicht bis zum nächsten Jahr“ verabschiedet.
:Katharina Cygan
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Sich auf dem Weg zu einem Vortrag über den Beitrag des Kulturbetriebs zur Verbesserung der Lage der Geflüchteten machen, während man zu brasilianisch angehauchten Klängen tanzt und Kulinarisches aus aller Welt verschlingt – all das ist möglich an einem Wochenende. Bei der Neuauflage des seit 2012 alle zwei Jahre stattfindenden Festivals mit freiem Eintritt geht es um Kulturen, um den Austausch und um eine gemeinsame Zeit. So stehen dieses Jahr neben Comedians wie Dave Davis, Musikern wie Flavia Coehlo auch drei Theaterstücke, aufgeführt im Prinz-Regent-Theater, auf dem breit angelegten Spielplan.
Schon 1974 startete der Vorgänger „Kemnade International“, nach Standort- und Namenswechsel wurde 2012 dann das erste Mal das heute bekannte Festival initiiert. Für die VeranstalterInnen, zu denen die Stadt Bochum, Bahnhof Langendreer und die Bochumer Veranstaltungs-GmbH gehört, ist eines besonders wichtig: der Einbezug von KünstlerInnen aus allen Ecken der Welt und auch aus der direkten Region.
Das thematische Augenmerk liegt dieses Jahr auf „Migration und Flucht“. Theaterstücke wie „Blige Nathan“, eine Adaption von Lessings „Nathan der Weise“ oder „grubengold“, eine auf die Bühne gebrachte Erzählung über nach Bochum Geflüchtete und die Erlebnisse seit ihrer Ankunft, regen zur tieferen Auseinandersetzung mit dem Thema an. Gruppen wie Sons of Gastarbeita deuten aber auch schon einen möglichen Verbesserungsansatz der Lage an: Der Rückgriff auf bereits gemachte Migrationserfahrungen in der Region. Denn aufgrund dieser ist auch außerhalb des Festivals eine Weltreise durchaus möglich.
:Andrea Lorenz
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Wer am Wochenende den „Heldenmarkt“ in der Jahrhunderthalle besuchte hatte, gehörte nicht mehr zu einer ausgegrenzten und belächelten Minderheit von WeltverbesserInnen, die der Massentierhaltung den Kampf angesagt haben und sich ausschließlich vegan und vegetarisch ernähren. Nein, diese Stereotypen wurden nicht bedient; es wurde vielmehr deutlich, dass ein nachhaltiger und ökologischer Lebensstil mehr und mehr Gehör findet in der breiten Masse der Gesellschaft, und dass sich dieser auf alle Lebensbereiche ausweiten kann. Die mehr als 100 AusstellerInnen präsentierten nicht nur ökologisch produzierten Wein, Biokunststoff oder vegane Küche, sondern auch Wege, ein Eigenheim zu bauen, das gleichzeitig durch eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Bank finanziert wird. Am Ende konnte man seinen eigenen ökologischen Fußabdruck anfertigen, dessen alarmierendes Ergebnis zum Nachdenken anregte.
Neben den etablierten NGOs (Greenpeace, BUND, Blaue Engel, u.a.) fand sich auf der Messe zum Beispiel auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) wieder, der sich für ökologische Mobilität stark macht. Jerome Kayser, der für den VCD arbeitet, umschreibt das Engagement des Vereins so: „Während der ADFC sich mehr auf Fahrradtourismus spezialisiert, versuchen wir durch eine Vielzahl von Projekten eine bessere Mobilität sicherzustellen, die alle Fahrzeuge miteinbezieht.“ Für das Ruhrgebiet ist beispielsweise eine Fahrrad-Schnellstraße geplant. Die gemeinnützige Organisation versucht dabei, durch Kooperation und Diskurs mit der Politik Projekte umzusetzen und ist Teil der Kampagne „Nationale Klimaschutz Initiative“, die vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit unterstützt wird.
PfandsammlerInnen für den guten Zweck
Direkt neben dem VCD präsentierte sich „Viva Con Agua“, eine sinnstiftende Gemeinschaft aus Hamburg, die sich für einen menschenwürdigen Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Grundversorgung stark macht. Bekannt ist die Organisation durch ihre Präsenz auf Musik-Festivals, wie dem Hurricane/Southside, auf denen „Viva Con Agua“ auf Pfandspenden der FestivalgängerInnen hofft und als Gegenleistung sauberes Wasser liefert – ein guter Deal!
Natürlich hat auch die Industrie erkannt, dass auf diesem Gebiet Geld zu verdienen ist. So waren neben Ökostromanbietern und Ökoversicherungsunternehmen auch nachhaltige Banken vertreten, die nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien wirtschaften und investieren. Mit insgesamt fünf Messeständen macht der vegane Supermarkt „Veganz“ ordentlich Werbung in eigener Sache. Wissenschaftliche Vorträge rundeten die Veranstaltung ab. Am Ende konnten BesucherInnen bei „Brot für die Welt“ ihren persönlichen Fußabdruck erstellen. Mit 4,2 globalen Hektar lag meiner knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 5,1. Ob das zum Helden reicht …
Lest dazu auch den Kommentar Weniger ist vielleicht doch mehr!
]]>Was mögen sich WinzerInnen wohl denken, wenn sie ins Ruhrgebiet kommen und dort auf eine von Bier geprägte Kultur treffen? Diese Frage habe ich mir gestellt und wusste so recht keine Antwort darauf. Johannes Müller, Winzer aus dem kleinen Anbaugebiet Koblenz-Güls an der Mosel, ist zum ersten Mal auf der Weinmesse in der Jahrhunderthalle dabei und sieht darin überhaupt kein Problem. „Natürlich ist das Ruhrgebiet von Bier geprägt, jedoch finden sich auf solch einer Messe WeinliebhaberInnen zusammen, um neue Weine kennenzulernen“.
„Kennenlernen“ ist das Stichwort. Am Eingang bekam ich neben einem Stempel auch ein leeres Weinglas in die Hand gedrückt. Das durfte genutzt werden, um Weine zu testen. Es sollte nicht in alter Biertrinker-Manier auf ex getrunken, sondern genüsslich probiert werden. Als mehr oder weniger unerfahrener Weintrinker machte ich mich dann auf den Weg in die Welt der Rieslings, Sauvignon Blancs, Spätburgunder und Rosés. Nur den Chardonnay sollte ich weglassen, sagte mein Freund Freddie, der zusammen mit seiner Freundin Kerrin im Weinhandel „Der Franzose“ arbeitet und vom Fach ist. „Die ersten Proben sind etwas holprig. Wenn man einen Wein testet und keine Ahnung davon hat und bestenfalls mit ‚sehr bekömmlich‘ antwortet, wissen das die WinzerInnen natürlich. Irgendwann spielt das aber keine Rolle mehr.“ Nach gut zwei Stunden konnte ich die Theorie total unterstreichen, und man begann sich wirklich mit der Faszination Wein auseinanderzusetzen. Bei steigender Promillezahl füllte sich auch die Messehalle und man fing auch mehr und mehr an, über Geschmack, Süße und Säuregehalt des Weins zu philosophieren und subjektiv betrachtet war ich nach drei Stunden ein echter Weinexperte.
Nach fünf Stunden Weinverkostung war das Glas leer, die Weinkönigin müde von der Bühne abgetreten und auch meine Freunde und ich tauschten das Wein- gegen das Wasserglas. Bei so vielen Geschmackseindrücken und der totalen Reizüberflutung hatte ich mir sogar eine Flasche Riesling gekauft. Auch wenn die Menschen im Ruhrgebiet mit Bier aufgewachsen sind, so haben sie an diesem Wochenende eine andere Kultur erfahren. Den Chardonnay habe ich an diesem Tag komplett gemieden, auch wenn diese Abneigung der alkoholhaltigen und vollreifen Rebsorte auch nicht ganz gerecht wird.