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Arbeit, die verbindet. Genau das gibt es gerade an der Jahrhunderhalle, gleich hinter der Materialverwaltung on Tour, zu bestaunen. Wobei die Arbeit hier nicht nur Arbeit, sondern vor allem auch Kunst ist, selbst wenn es schon zu Verwechslungen kam. „Es haben sich hier mal Kletterer abgeseilt und gefragt, ob wir auch Klettern, wegen unserer orangenen Kostümbänder.“ Künstlerin Suse Weber scheut keinen Kontakt. Denn so entsteht bei Kunst- und Laufpublikum natürlich auch direkt die Auseinandersetzung mit der Kunstinstallation und der Frage nach dem „Was macht ihr da?“ Von Vollblutfans bis Teenager, die sich zuerst von ihrer Knutschecke verdrängt gefühlt haben, gehen die Leute nämlich reihenweise auf die Künstler*innen an der Betonoper zu. „In Bochum schaut man sich noch in die Augen. Auf diesem Platz begegnet man sich sehr unvoreingenommen.“ Suse Weber ist gebürtige Leipzigerin und lebt mittlerweile in Berlin, fühlt sich aber auch in Bochum wohl. „Die Menschen sind hier sehr menschlich miteinander.“
Selbst nach anfänglichen Flaschenwürfen von Zuschauer*innen, die sich später als die Teenager herausstellten, die ihre Knutschecke verloren glaubten, löste sich dieser Konflikt nach einem direkten Gespräch mit ihnen und einer Erläuterung des Projekts ganz schnell. Darüber hinaus hatte ein Herr den Betonoper Künstler*innen sogar angeboten, ihnen Fahrräder auszuleihen, brachte ihnen Kuchen vorbei und als er privat in den Urlaub reisen wollte, kam er zuvor noch bei ihnen vorbei, um zu fragen ob sie vorher noch etwas von ihm brauchen.
„Im ersten Moment hatte ich eher mit der Reaktion gerechnet, dass seitens der Stadt Bochum, aus technischen Gründen, vielleicht Ablehnung da sein könnte. Aber es ist ein sehr guter Ort für das Projekt und die Planung. Ich konnte im Vorfeld die Probleme mit Straßen- und Stadtplanung minimieren.“ Das Konzept von Suse Weber ist nämlich sehr detailliert und umfangreich und mit über einem halben Jahr Vorlauf geschehen. „Nur die Feuerwehr kam einmal bei uns zum Turm gestürmt und sagte, dass hier eigentlich immer ihre Übungen machen“, dort stehen allerdings mittlerweile die Musiker*innen, die die Betonoper vertonen.
Rund um das Werk von Suse Weber wird viel kollaboriert. Sie arbeitet hier mit mehreren verschiedenen Musiker*innen zusammen, die aufeinander aufbauend auch im ständigen Prozess des Samplens und Weiterverwertens stehen und die Oper mitgestalten. Teilweise arbeiten die Musiker*innen mit Aufnahmen von Taubengeräuschen und ähnlichen Soundbits, manchmal komponieren sie nur nach Zeichnungen von Suse Weber und übersetzen diese dann musikalisch oder aber sie schreiben und editieren Algorithmen, die dann eine Livekomposition am Rechner generieren. Suse Weber wünscht sich auch den künstlerischen Konflikt in ihren Zusammenarbeiten mit anderen Künstler*innen, denn so baue man immer ein kleines Risiko ein, um selbst lebendig zu bleiben. Während der Arbeit an „Die Taube“ wird nämlich fortwährend weiter recherchiert, dazu gelernt und neu entdeckt. Das Projekt entstand in Kooperation mit dem Studiengang Szenische Forschung der Ruhr Universität Bochum von dem ein paar Studierende auch als Tänzer*innen an der Betonoper mitwirken. Bis zum 30. Juni könnt Ihr Euch noch ein Bild von dem visuellen und musikalischen Treiben machen und dem Prozess der Betonoper und ihrer wechselnden Themen beiwohnen.
:Christian Feras Kaddoura
]]>Kaum in der Jahrhunderthalle drin, schon fühlten sich die Gäste in eine andere Zeit versetzt. Die TeilnehmerInnen waren überwiegend kostümiert. Elegant schritten Herren mit Zylinder und Gehstock durch die Gänge. Die Damen mit ihren langen Kleidern bekamen Hilfe beim Ein- und Aussteigen aus den Fahrgeschäften. Fantasy-Fortbewegungsmittel, die bis zur drei Meter in die Höhe ragten, zogen beim Vorbeifahren die Blicke auf sich.
Jakob, der extra aus den Niederlanden angereist ist, erzählte, dass er für sein Kostüm vier Wochen gebraucht hat. Er trug einen braunen Lederrucksack, den er mit kleinen Glassäulen und Schläuchen zu einer mysteriösen Maschine umfunktioniert hatte. In den Säulen befanden sich farbige Flüssigkeiten, die mit einer kleinen Aquarium-Pumpe zum Sprudeln gebracht wurden. Auch Archäologie-Student Dennis hat seine Verkleidung selbst genäht. Er war überrascht, dass die meisten Männer als feine Herren kamen und vermisste die Arbeiterklasse des Steampunks. Er selbst trug eine selbstgenähte Latzhose mit selbstgestrickten Stulpen, binnen einer Woche war er mit seinem Outfit fertig. Mit ruß-verschmiertem Gesicht sah Dennis wie ein Lokomotivführer aus.
Was genau ist Steampunk? Die Wurzeln führen auf die Werke von H. G. Wells und Jules Verne zurück. Ihre Science-Fiction-Romane beschreiben die zukünftige Technik, jedoch aus der Sicht ihrer Zeit, als die Dampfmaschine der Vorreiter der Technik war.
Der Kleidungsstil basiert auf dem viktorianischen Zeitalter, Accessoires wie Taschenuhren oder Goggles (Schutzbrillen) sind ein Muss in dieser Szene. Dabei symbolisiert die Brille die Verbundenheit mit den Idealen des Erfindergeistes „Do-It-Yourself“. In fiktiven Welten des Steampunks schützen die Goggles vor Funken bei Erfindungen oder während einer Zeitreise die Augen vor Wind oder Insekten.
Heute ist Steampunk zu einer Subkultur geworden, bei der die AnhängerInnen die Ästhetik der Kolben und Zahnräder des industriellen Zeitalters schätzen. Sie verachten die heutige seelenlose Entwicklung der Technik.
Es war ein Genuss mit den historischen Fahrgeschäften zu fahren und dabei diese magische und mystische Welt des Steampunks um sich zu haben.