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Kommentar. Wolken ziehen zusammen, der Wind pfeift schrill. Hier stoßen Ideologien zusammen und lösen eine Welle aus, deren Höhe sich in der Währung medialen Interesses messen lässt: Aufmerksamkeit.
Kommentar. Wolken ziehen zusammen, der Wind pfeift schrill. Hier stoßen Ideologien zusammen und lösen eine Welle aus, deren Höhe sich in der Währung medialen Interesses messen lässt: Aufmerksamkeit.
Es sollte eine Begegnung zweier Welten auf dem Platz des Europäischen Versprechens werden. Kein Gut und Böse, kein Schwarz und Weiß. Eine erste Berührung. Eine Vereinigung.
Was sich nach der Kulisse eines kitschigen Versöhnungsdramas anhört, ist die Idee eines WDR-Teams. Für ein Format der „Aktuellen Stunde“ (AKS) sollte am 29. März AfD-Spitzenkandidat Marcus Pretzell mit VertreterInnen der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) diskutieren. Ein medienbewanderter Spitzenpolitiker gegen ein paar Jugendliche, die zum ersten Mal im Fernsehen sind. Mit dieser entwaffnenden Strategie bereitete sich der WDR für DAS ENTTARNENDE INTERVIEW vor, ohne dabei die Aktivitäten der Antifa und des Recherchezentrums Correctiv.ruhr berücksichtigt zu haben. Das geplante Interview wurde durch eine regulär angemeldete Spontan-Kundgebung auf dem Vorplatz der Bochumer Christuskirche unterbunden. Nach dem gescheiterten, ersten Drehversuch vollzog das WDR-Team einen Ortswechsel und bot Pretzell vor dem Bergbaumuseum eine neue, noch epischere Kulisse. Als sich die DemonstrantInnen erneut dem Drehort näherten, verlor die Autorin des AKS-Beitrags ihre Geduld, lärmte, wurde handgreiflich und verteidigte manisch ihr geplantes Vorhaben: den AfD-Politiker zu „enttarnen“.
Dieses Verhalten ist ein Paradebeispiel für einen von innerer Zerrissenheit geplagten Journalismus. Unter dem Vorwand, objektive Berichterstattung und politische Diskurse auf Augenhöhe zu führen, lassen Fernseh- und Radiosender sowie Zeitungen PolitikerInnen aller Parteien zu Wort kommen. Super. Vorprogrammierte Parteifunktionäre bekommen die Möglichkeit, Werbung für ihre Parteien zu machen. Das ist Wahlkampf. Und sich dann als JournalistIn damit zu rechtfertigen, dass Presse- und Meinungsfreiheit diese Rechte verteidigen, ist nicht nur heuchlerisch, sondern dumm. Die Medienanstalten wissen, dass umstrittene PolitikerInnen wie Pretzell oder Petry die höchsten Einschaltquoten garantieren: AfD-SympathisantInnen gucken, weil sie es feiern; AfD-GegnerInnen gucken, um es kritisieren zu können. Und wer gewinnt? Pretzell ist nach so einer TV-Debatte immer noch Nationalist und in den Adern der Jung-FöderalistInnen schlägt immer noch der Pulse of Europe. Also nochmal: Wer gewinnt? Der WDR. Er bietet beiden „Meinungen“ eine Plattform, bleibt schön brav unparteiisch und streicht Quoten ein. Dass dabei Aufmerksamkeit für die gefährlichste Partei im Wahljahr 2017 generiert wird, ist zwar ein ungewollter Nebeneffekt, aber den bitteren Beigeschmack schluckt man in der AKS-Redaktion halt runter.
Man wird den „objektiven Medien“ (LÜGENPRESSE!!11!) nicht verbieten können, sich von politischen LobbyistInnen instrumentalisieren zu lassen, aber eine Bitte: Genug der Heuchelei. Steht doch zu eurer medialen Prostitution und gebt zu: Wir geilen auf die Quote, wir geilen auf das Geld. Politischer Diskurs? Sendezeit besser einteilen: Hier darf jedeR mal Werbung machen.
:Marcus Boxler
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Ich finde: Das ist tatsächlich eine interessante Frage. Eine Analyse der möglichen Gründe wäre sicherlich hilfreich – vor allem, um zu verstehen, wie dieses plötzliche, beispiellose Engagement unserer Zeit zustande kommt, das „selbst“ die Ice Bucket Challenge übertrifft, mit welcher Somuncu das derzeitige ehrenamtliche Engagement vergleicht.
Moment – könnte das an der erhöhten Anzahl an Flüchtenden liegen, die derzeit Schutz bedürfen? Entwickelt sich etwa ein Verständnis seitens der zuvor kritischen BürgerInnen gegenüber Flüchtenden – nun, wo sie mitbekommen, dass auch andere Nationen diesen helfen und dabei sogar wesentlich mehr aufnehmen als das wohlhabende Deutschland? Vielleicht ist ihnen auch bewusst geworden, dass in den Ländern, aus denen Geflüchtete kommen, tatsächlich Krieg und nicht „nur“ Armut herrscht.
Denn im Gegensatz zur Ice Bucket Challenge, in der das dazu produzierte Video im Vordergrund steht, werden derzeit zugunsten der Flüchtenden Kleiderkammern eröffnet, Veranstaltungen organisiert, Unterkünfte geschaffen und sogar neue Vereine gegründet.
Serdar Somuncu hat wahrscheinlich nicht mitbekommen, dass diese Dinge heutzutage in den sozialen Medien mitgeteilt werden, um weitere potenzielle HelferInnen zu mobilisieren. Wer meint, mit seinem/ihrem Engagement in der Flüchtlingshilfe angeben zu können, hat, finde ich, das gute Recht, sich sogar so heftig und so lange mit ihrer Tätigkeit zu brüsten, bis er oder sie durch die Akkumulation von Stolz und Anerkennung längerfristig bei der Sache bleibt.
:Anna-Eva Nebowsky
Manches gesellschaftliche oder tagespolitische Thema schafft es, in den sozialen Netzwerken viral zu gehen. Noch immer sind viele Profilbilder auf Facebook mit einer Regenbogenflagge bedeckt, weil die USA vor drei Monaten die Homo-Ehe legalisiert haben. Derzeit ist es die aktuelle Geflüchtetendebatte. Anders als die Homo-Ehe haben die AsylbewerberInnen hierzulande aber viele laute Feinde. Dumme „Wir wollen keine Überfremdung“-Postings (Was für Leute kenne ich eigentlich?, fragt man sich bisweilen verwundert) wechseln sich in der Timeline mit uneingeschränktem „Refugees Welcome“ ab. Der Ton wird auf beiden Seiten immer drängender und nicht nur von rechts bisweilen aggressiv.
Denn, und da setzt Serdar Somuncus Kritik zu recht an, wer eigentlich keine Meinung hat, aber nicht als rechter Vollpfosten gelten möchte, fühlt sich auf einmal ungeheuer solidarisch mit den Geflüchteten. Seid umschlungen, Millionen oder wie viele Ihr auch seid. Ist auch egal, kommt alle her, denn Ihr seid ausnahmslos alle arm dran und willkommen! Besser, man bekundet mit ein paar Likes seine Solidarität als gar nichts zu einem Thema zu sagen, das einen bisher nichts anging.
Eine Ursache dafür sind diejenigen, denen das Thema schon immer etwas wichtiger war und die nun nur allzuoft alle AsylbewerberInnen unter Generalmitleid stellen. Gleichzeitig unterstellen sie jenen rechte Tendenzen und Unmenschlichkeit, die wichtige Fragen stellen wollen wie „Können wir uns die Aufnahme aller Menschen wirklich leisten?“ oder „Wie finden wir eine gerechte gesamteuropäische Lösung?“
Engagement zu verurteilen, ist kein feiner Zug; den vielen Engagierten nur Selbstdarstellung zu unterstellen, fragwürdig, Herr Somuncu. Aber ich sehe auch die vielen, die Sie meinen, die sich als engagiert verstehen, wenn sie unreflektiert mitsolidarisieren. Die Polarisierung in Dafür und Dagegen, ohne Platz für ein „Moment mal“ hat noch nie gutgetan.
:Marek Firlej
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