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Die Polizei steht derzeit in vermehrter Kritik. Nicht nur stößt das Verhalten einiger Einsatzkräfte bei Demos auf fehlendes Verständnis (:bsz 1209), auch wurden rechte Strukturen innerhalb der Polizei durch die Hannibal-Recherchen der taz offengelegt. Diese Kritik äußert sich parallel zu der Verabschiedung strengerer Polizeigesetze in den Bundesländern, darunter auch NRW.
Erst in der vergangenen Woche wurden drei SEK-Beamte und ein ehemaliger SEK-Beamter aus Mecklenburg-Vorpommern festgenommen, da die mittlerweile suspendierten drei Beamten seit mindestens 2012 Munition aus dem Landeskriminalamt entwendeten und sie dem Vierten Beschuldigten überreichten. Dieser soll Kontakte zur sogenannten Prepper-Bewegung haben, welche sich ausgehend von unterschiedlichen Katastrophen-Szenarien auf einen Zusammenbruch der Gesellschaft vorbereitet. Genauer geht es dabei um den sogenannten „Nordkreuz-Komplex“, der sich um den ehemaligen Landeskriminalamts-Beamten Marco G. formte und bei dem ein „Tag X“ in Folge eines Katastrophen-Szenarios dazu dienen soll, Politiker*innen und Bürger*innen aus dem linken Spektrum umzubringen. Dazu existieren Listen von Zielen, die vermutlich auch mit Daten aus Polizeicomputern ergänzt wurden. Deshalb sieht Sebastian Wehrhahn, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Martina Renner, Sprecherin für antifaschistische Politik der Linksfraktion im Bundestag, die Zuordnung zur Prepper-Bewegung kritisch: „Prepper kommt von ‚prepare‘, also vorbereiten. Das meint Leute, die sich auf alle möglichen Endzeit- oder Krisenszenarien einrichten. Dieser Begriff ist äußerst unscharf.“ So fallen sowohl Menschen, die lediglich Notvorräte kaufen, als auch Rechtsextreme unter diesen Begriff. „Diese Unschärfe ist glaube ich politisch gewollt“, so Wehrhahn. Als Beispiel nennt er das Verfahren um den Nordkreuz-Komplex ab 2017, bei dem durch das Innenministerium eine Prepper-Kommission einberufen wurde. Im Zuge dessen sei das Wort „Prepper“ sehr häufig gefallen, jedoch nicht „Rechts-Terrorismus“ oder „Rechtsextremismus“, so Wehrhahn.
Dennoch, betont er, obwohl solche Strömungen in der Polizei und der Bundeswehr auf rechten und nationalistischen Begründungen fußen, sehen sie sich selbst nicht als rechts und unterscheiden sich außerdem personell von rechten Netzwerken wie dem NSU: „Das sind im großen Teil Leute, die sich selbst nicht als rechts begreifen – das heißt nicht das sie es nicht sind.“ Außerdem seien sie von dem demokratischen Anspruch des Sicherheitsapparates, von dem sie Teil sind, entfremdet. Das Problem bestehe unter anderem in den Einstellungsverfahren. Dieses ziehe Menschen an, die ohnehin konservativ und autoritärer eingestellt sind.
Dass derzeit wenig Interesse seitens der Politik besteht, das Problem zu bewältigen, liegt laut Wehrhahn an den Regierungsparteien. Die CDU wolle im Zuge dessen vor allem die Ministerien schützen. Die SPD habe bei einer möglichen Krise der Koalition samt Neuwahlen einen starken Stimmverlust zu befürchten.
:Stefan Moll
Info:Box
Der Vortrag wurde organisiert von der Linken Liste der RUB und dem neu geformten Arbeitskreis Kritische Juristinnen an der RUB, die das Recht aus einer kritischen Perspektive betrachten. Für weitere Informationen:
facebook.com/AKJBochum
Der Arbeitskreis trifft sich jeden ersten und dritten Mittwoch um 18:00 Uhr in GD E2/352.
Für Dolfen, die an einem Jülicher Privatgymnasium Englisch und Latein unterrichtet, ist es nicht das allererste Buchprojekt. „Ich habe – wie die meisten Fantasyinteressierten – einen halbfertigen Fantasyroman in der Schublade liegen“, sagt sie.
Als Illustratorin hat sie für das Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ gearbeitet, an Bernhard Hennens Bildband „Elfenwelten“ sowie einem Band zu George R. R. Martins „A Song of Ice and Fire“ mitgewirkt. Mit Privataufträgen vor allem für Tolkien-Fans verdient sie mit ihrem künstlerischen Hobby dazu.
Seit ihrer Jugend interessiert sich Dolfen auch für historische Figuren, hatte sich aber jahrelang zeichnerisch nicht mit Geschichte beschäftigt. Ein „grauenhaft schlechter“ Sandalenfilm hatte mit 13 ihr Interesse an Hannibal geweckt; die Lektüre von Gregory Dalys Cannae-Monografie entfachte das Interesse erneut. Dolfen wollte die Schlacht persönlicher aufbereiten und aus mehreren Blickwinkeln erzählen, als englische Illustrated Novel. Schwer zu verkaufen.
„Eine Erstlingsautorin hat es schwer genug“, sagt Dolfen. „Wenn das Projekt dann noch etwas ist, was in keine Schublade passt und dann noch ein sehr kleines Publikum anspricht, wird es fast unmöglich.“ Selbst für interessierte englische und amerikanische Verlage war das Projekt zu speziell. „Die Mischung aus Bild und Text wirkte abschreckend.“ Der Vorschlag, aus dem Stoff ein Kinderbuch zu machen, schien ihr wiederum befremdlich.
„An genau dem Punkt war mir klar: Es gibt den Markt. Nur bedienen musste ich ihn selber.“ Unterstützung stand bereit, von der Layout-Grafikerin über befreundete Reenactorkreise bis zum Muttersprachler-Lektorat. Das Crowdfunding sollte die Druckkosten decken, aber Dolfen hatte den Schwarm unterschätzt: Schon nach 17 Stunden waren die angepeilten 2.000 Euro beisammen; am Ende war es fast das Sechsfache. Dank Überfinanzierung konnten die UnterstützerInnen der ersten Stunde, besonders Fans aus der englischen Tolkien Society, sich über kleine Geschenke freuen. Dazu kam noch eine 400-Euro-Spende für ein Elefantenwaisenhaus in Sambia.

Nach gesicherter Finanzierung war intensives Quellenstudium angesagt. Besonders Rüstungen und Waffen recherchierte Dolfen gründlich; den Look unhistorisch aufzupeppen kam für sie nicht in Frage: „Meine Reenactment-Leserschaft war immer wieder sehr froh über meine Bemühungen um Authentizität.“ Die 76 meist farbigen Illustrationen erzeugen zusammen mit den sieben fesselnd geschriebenen Blickwinkeln ein dynamisches Schlachtengemälde. Gut und Böse gibt es nicht, alle Personen sind überzeugt, richtig zu handeln. Die raschen Perspektivwechsel zwischen Römern und Karthagern verdeutlichen dabei die Wirren einer Schlacht, in der jeder nur einen begrenzten Ausschnitt wahrnimmt. „Darkness over Cannae“ veranschaulicht zudem, wie Geschichte sich aus vielen Perspektiven zu einem Mosaik zusammensetzt.
Die eigene Interpretation der Ereignisse fiel Dolfen dabei nicht leicht: „Das größte Problem ist die teilweise extrem pingelige Leserschaft.“ Diese unterstelle pauschal Unkenntnis, auch bei sorgfältig abgewogenen Interpretationen. Dolfen bewertete Details, die Geschichtsschreiber Livius berichtete, als unhistorisch und ließ sie weg. „Aber der liviuskundige Leser unterstellt mir unbesehen, ich hätte schlampig recherchiert, weil ich dieses Faktum offenbar gar nicht kannte.“
Das Gegenteil beweist Dolfen auf ihrer Webseite, wo sie die Entstehung des Buches sowie ihre Sicht auf die Schlacht von Cannae ausführlich beschreibt; zum Schnuppern wie als Begleitmaterial geeignet.
:Johannes Opfermann
J. N. Dolfen:
„Darkness over Cannae“

2014 im Selbstverlag erschienen.
142 Seiten, 76 Illustrationen, Taschenbuch, 15 Euro
Weitere Infos unter
www.darknessovercannae.com