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In den letzten zehn Jahren hat die Hipster-Kultur einen immer größeren Stellenwert in unserer Gesellschaft erlebt. Dass damit auch Gentrifizierung zum Thema wird, ist selbstverständlich. Mit genau dieser Thematik möchten sich Jun-Prof. Dr. Heike Steinhoff von der Ruhr-Universität und Dr. Maria Sulimma von der Universität Duisburg-Essen in einer Vorlesungsreihe mit dem Namen „Hipsters and Gentrifiers: Interdisciplinary Perspectives on Urban Culture“ auseinandersetzen. Von Ende Oktober bis Ende Januar finden Online-Vorlesungen statt, in denen Akademiker:innen verschiedenster Universitäten ihren Forschungsbeitrag zur urbanen Kultur teilen werden. In der Vorlesungsreihe werden typische Habitate der Hipster untersucht, wie zum Beispiel New York City bei dem Vortrag „(Re-)Dressing the Naked City: Hipsters, Urban Creative Culture, and Gentrification in New York City“ von Annabel Friedrichs und Florian Groß (Leibniz Universität) oder Cafés und Restaurants in dem Vortrag „You Are Where You Eat (and Drink): Frequenting Restaurants. Cafés and Pubs in Contemporary Gentrification Novels“ von James Peacock (Keele Universität). Auch Feminismus ist Thema, zum Beispiel in der Vorlesung „‘Fem The Future‘ of Hipness: Female Hipster Performers in Twenty-First Century Popular Musik” von Lena Gotteswinter (Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nuremberg). Die Vorlesungsreihe beginnt mit dem Booklaunch des Buches „Hipster Culture: Transnational and Intersectional Perspectives“ von Jun-Prof. Dr. Heike Steinhoff.
Die Vorlesungsreihe wird unterstützt von Cityscripts und vom RuhrCenter of American Studies, ein Zusammenschluss der Universität Bochum, der Universität Duisburg-Essen und der TU Dortmund. Neben den Vorlesungen ist die Vorlesungsreihe mit einem research-Seminar für Student:innen der Anglistik im Master verbunden. Um an der Vorlesungsreihe teilzunehmen, müsst Ihr Euch vorab per E-Mail an cityscripts@uni-due.de anmelden. Weitere Infos gibt es auf der Instagram-Seite der Anglistik Fachschaft: instagram.com/p/CU64zuKgHH2/.
:Augustina Berger
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Die Räumlichkeiten, die aktuell so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bestehen aus Tresen, Küche, Kickertisch und jeder Menge politischer Plakate und Aufkleber – der besetzte linke Kneipenraum „Kadterschmiede“ ist ohne Frage ein symbolträchtiger Ort. Die letzte Bastion gegen Verdrängung und Gentrifizierung. In den vergangenen Wochen sorgte dieser Ort für Schlagzeilen, nachdem im Juni 550 Polizisten, darunter SEK-Trupps, eine Razzia im Haus durchführten. Nun erklärte das Berliner Landgericht das Vorgehen der Polizei für rechtswidrig.
Das Urteil ist vor allem eine Niederlage für Innensenator Frank Henkel. Denn der CDU-Politiker, der 2011 mit dem Versprechen antrat, „aufzuräumen“, initiierte die Räumung des autonomen Hausprojekts auch aus wahltaktischen Gründen. Bereits seit September letzten Jahres gilt der Kiez in Berlin-Friedrichshain als „kriminalitätsbelasteter Ort“. Heißt: Dort können jederzeit verdachtsunabhängige Personenkontrollen durchgeführt werden.
Solidarität der NachbarInnenAm 9. Juli kam es bei einer Demo von AktivistInnen und SympathisantInnen der „Rigaer94“ zu regelrechten Gefechten zwischen PolizistInnen und Autonomen um das Haus. Gleichzeitig gab es große Solidaritätsbekundungen in der NachbarInnenschaft. Doch die GegnerInnen sind mächtig: EigentümerInnen des umstrittenen Gebäudes sind teilweise anonyme InvestorInnen. Diese wollen die BewohnerInnen natürlich rauskriegen. Auch Henkel wird seine Law-and-Order-Politik fortsetzen. Angesichts der im September stattfindenden Wahlen und einigen Rücktrittsforderungen ist seine eigene politische Zukunft mit den Fragen rund um die Rigaer Straße verbunden.
In der „Kadterschmiede“ sitzt man derweil wieder am Tresen. Kurze Verschnaufpause. Denn gelöst ist der Konflikt noch längst nicht. Die letzte Schlacht wurde gewonnen. Aber Berlins Häuserkampf geht weiter.
:Benjamin Trilling
]]>Vorbei ist die Zeit, als man in Berlin in einer schönen 60-Quadratmeter-Altbauwohnung für unter 500 Euro seinem Studium oder seiner Arbeit nachgehen konnte und mit Verachtung auf das sündhaft teure München oder Köln schaute. Allein innerhalb des letzten Jahres sind die Mieten in Berlin um 23 Prozent gestiegen, vor allem innerhalb des S-Bahnrings. Viele Neu-BerlinerInnen und Studierende suchen in der zentralen Lage eine Wohnung, doch diese ist mittlerweile sehr teuer geworden. So gleicht sich Berlin mit einem durchschnittlichen Mietpreis von 9,60 Euro pro Quadratmeter den anderen Metropolen des Landes an. Besonders teuer ist es in Mitte, dort kostet der Quadratmeter 13,20 Euro. Die vielen Modernisierungs- und Sanierungsprojekte der Stadt treiben den Preis in die Höhe; so sind auch die Stadtteile Schöneberg, Kreuzberg und Tiergarten mit 16 bis 20 Prozent mehr pro Quadratmeter kein günstiges Pflaster mehr. Durch die steigenden Mieten denken viele BerlinerInnen über Eigenheime nach.
Vor allem in Friedrichshain ist die Nachfrage nach Eigenheimen in Form von Eigentumswohnungen im Preissegment von 200.000 bis 300.000 Euro seit 2010 signifikant gestiegen. Das Viertel mit den meisten Kneipen und Cafés der Hauptstadt wird auf dem Immobilienmarkt zu einem großen Spielball, viele einheimische BerlinerInnen laufen Sturm gegen diese Entwicklung und müssen zum Teil ihre alten Wohnungen aufgeben. Durch Urlaubszimmerbörsen wie „Airbnb“ wird zusätzlich Wohnraum verknappt und somit verteuert.
Ein Sinnbild der Gentrifizierung der Stadt ist in den letzten Jahren der Stadtteil Prenzlauer Berg geworden. Einst noch das absolute Szene-Viertel der jungen KünsterInnen und Intellektuellen der Stadt, wird es heute von einer gutverdienenden Mittelschicht jenseits der Dreißig besiedelt. Aus den hippen Studierenden sind gutverdienende Eltern mit Kindern geworden, was man ihnen auch nicht verübeln kann. Dass jedoch durch diesen neuen Wohlstand vor allem die alteingesessenen BerlinerInnen aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, ist die Kehrseite dieser Entwicklung.
Gestoppt werden kann dieser Trend durch staatliches Eingreifen; die 2015 in Kraft tretende Mietpreisbremse könnte ein solches Mittel gegen die steigenden Mieten sein. Studierende, die eventuell für den Bachelor oder Master nach Berlin gehen wollen, sollten sich früh auf Wohnungssuche begeben, denn so findet Ihr noch einige Wohnungen im bezahlbaren Bereich. Wedding und Neukölln liegen zum Beispiel im Mietspiegel noch unterhalb des Durchschnitts und auch viele Außenbezirke sind aktuell noch immer attraktiv.
]]>Kinobetreiberin Nina Selig hat alle Hand zu tun: Die letzten freien Sessel werden durchgezählt, Stühle aus dem Eingangsbereich werden in den Saal getragen – das Endstation-Kino in Bochum Langendreer platzt aus allen Nähten. „Wir haben noch nie ein Filmgespräch gehabt, bei dem es zu Tumulten an der Kasse kam. Bis jetzt war jede Vorstellung ausverkauft“, kommentiert Selig die neue Erfahrung. Für die nächsten Tage werden weitere Vorstellungen gebucht, der Film „Göttliche Lage“ scheint einen Nerv getroffen zu haben. Das drückte sich auch in dem anschließendem Publikumsgespräch mit den anwesenden RegisseurInnen Ulrike Franke und Michael Loeken aus. Beide überzeugten schon 2006 mit dem mehrfach preisgekrönten Doku-Film „Losers and Winners“, der den Abbau des Stahlwerks Phönix Ost, das 18.000 Menschen beschäftigte, schildert. „Wir sind einfach dran geblieben an dem Thema“, erläutert Michael Loeken die filmische Auseinandersetzung mit dem Wandel in Hörde. „Jetzt geht es um den Wandel in der ,Freizeitgesellschaft‘“, fügt Ulrike Franke hinzu. „Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Grundlage ist die Metapher, die der See bildet – für die Schere, die herrscht.“
Metapher der Schere: Kontrast von Arm und Reich
„Keine Angst vor dem Neuen, man arrangiert sich“ , sinniert ein Streifenpolizist, der am Phönixsee patrouilliert, über die Veränderungen und starrt nachdenklich auf den See. Wie diese Neue aus dem Alten entsteht, wird in dem Film gut beobachtet – etwa in diesem „ruhrgebietsspezifischen am-Zaun-Plaudern“, wie es Franke im Publikumsgespräch beschreibt. Fünf Jahre wurden gefilmt. Zunächst ist es eine Mondlandschaft, über die die Kamera gleitet. Wo einst das Werk stand, klafft ein schlammiges Loch, durch das sich Bagger wühlen. Um dieses Nichts siedelt sich Hörde an: Eine ArbeiterInnensiedlung mit maroden und leerstehend Buden – die soziale Ungleichheit wird treffend eingefangen. Das drückt sich auch in dem Perspektivenwechsel zwischen den AnwohnerInnen, einfachen Leuten, und den neoliberalen Planern des Luxusviertels rund um den See aus. Da sind die typischen Ruhrpott-Opas, die den Wandel mit kauzigen Kommentaren begleiten, der Streifenpolizist, der sich um die AnwohnerInnen sorgt und eine Kioskbesitzerin, die ihren Laden aufgeben muss und ihre Lage verzweifelt auf den Punkt bringt: „Der See hat alles kaputt gemacht.“ Spannend sind die Einblicke in die Besprechungen und Planungen der StrippenzieherInnen, die das Luxusviertel am See bauen. „Die haben uns wirklich Tor und Tür geöffnet“, erläutert Loeken den Hintergrund. „Göttliche Lage“ ist keine Fingerzeig-Inszenierung, keine Polemik à la Michael Moore; die ideologische Verblendung ist Realität. Das unterstreicht auch Loeken, als ein Zuschauer fragt, warum die Gentrifizierung mit allen Folgen keine Zweifel bei den Verantwortlichen weckt: „Sie unterschätzen die Leute, die das machen. Die sind völlig überzeugt von ihrer Arbeit.“
:Benjamin Trilling
]]>„Wir haben uns getroffen, um eine europäische Vernetzung in der Besetzerszene herzustellen, uns auszutauschen, voneinander zu lernen“, sagt Peter. Dabei sollte das weitläufige Thema Besetzungen auch in einen politischen Kontext gestellt werden, wie etwa bei der Occupy-Bewegung oder den Protesten auf dem Istanbuler Taksim-Platz. Zwischen 300 und 500 Leute waren auf dem Festival, darunter Gäste aus zahlreichen deutschen Städten, aber auch aus Tschechien, Russland, den Niederlanden, Großbritannien, sowie Italien und Spanien. Sie berichteten in zahlreichen Workshops über die Situation und die Probleme vor Ort. So würden gerade in Südeuropa auch Familien aus finanzieller Not leerstehende Gebäude besetzen, weil sie sich Wohnraum nicht mehr leisten könnten; besonders seien auch MigrantInnen davon betroffen. Doch auch in deutschen Städten, wie eben am Veranstaltungsort Hamburg, ist bezahlbarer Wohnraum knapp, auch aufgrund verfehlter Politik, die mehr die Interessen von InvestorInnen als BewohnerInnen im Blick habe.
Systematischer Verfall
„Gerade in Hamburg gibt es eine Unmenge an Büroflächen und Wohnraum, die leerstehen. Sie werden als Spekulationsobjekt genutzt und systematisch verfallen gelassen“, erzählt Peter P., der einen starken Widerspruch sieht zwischen Leerständen und Menschen, die auf der Straße wohnen wie beispielsweise Flüchtlinge.
„Es ist legitim, Häuser zu besetzen und einem Nutzen zuzuführen“, sagte er, auch wenn man damit eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch riskiere. „Wenn Häuser leerstehen, ist kein Friede da, der herrscht erst wieder, wenn dort Leute drin wohnen.“
Deswegen richteten sich die „Squatting Days“ auch gegen die Kriminalisierung von Besetzungen. Es sei wichtig, politische Wege zu finden, mit Besetzungen umzugehen. Schon bei der Realisierung des Festivals zeigte sich der Hamburger Bezirk Altona nach Schilderungen von Peter wenig kooperativ, bis letztlich auf Vermittlung der dortigen Linksfraktion sehr kurzfristig ein Sondernutzungsvertrag geschlossen wurde. Die Gebühr von 2.000 Euro und dazugehörige Kaution von 2.500 Euro, um im Park Altona-Altstadt das Festival-Camp einzurichten, kam durch Soliveranstaltungen und Spenden zusammen. Doch es hat sich gelohnt, findet Peter: „Für uns ist es ein politischer Teilgewinn, da in der Vergangenheit verschiedene Veranstaltugnen immer an Stadtrand gedrängt und quasi unsichtbar gemacht wurden. Dieses Mal war es zentral, sichtbar und präsent.“
Die OrganisatorInnen gingen auf die AnwohnerInnen zu, informierten sie über das Festival, und viele hätten sich vor Ort selbst ein Bild gemacht. „Wir hatten ein durchgehend positives Feedback.“ Aufgrund der großen Arbseitsaufwands werden dieselben Leute die „Squatting Days“ in absehbarer Zeit nicht in Hamburg wiederholen, sie freuen sich aber, so Peter, wenn andere das aufgreifen und die Erfahrungen weitertragen.
:Johannes Opfermann
Die Geschichte und Zukunft des in den frühen 80ern gewachsenen Kneipenviertels Bermudadreieck „zwischen Kreativquartier und privatisiertem öffentlichem Raum“ sollte am vergangenen Sonntag (28. April) ein vom Kulturbahnhof Langendreer organisierter Stadtrundgang mit anschließendem Streitgespräch beleuchten. Dabei scheinen wir bereits am Ende dieser Geschichte angelangt. Die öffentlichen Räume wurden kommerziellen Interessen von großen GastronomInnen untergeordnet und sind inzwischen teilprivatisiert. Kiosk und Billiglokal sind verdrängt – genauso wie die Menschen, die dort verkehrten. Stattdessen bestuhlen BetreiberInnen fast von einer bis zur anderen Straßenseite. Der Konrad-Adenauer-Platz (KAP) ist ein riesiger Biergarten mit – so wird gescherzt – Oktoberfest-Preisen. Zwar soll dort jedeR ohne Konsumzwang verweilen dürfen, doch ist dies keinesfalls offen ersichtlich. Eher setzt man sich aus Verlegenheit in einen Blumentopf. Auch die Zeiten, in denen sich im Quartier Kreative trafen, um Kreatives zu tun, außergewöhnliche Gastronomie zu etablieren, liegen so weit zurück, dass man sich angesichts der SpaßtouristInnen und JunggesellInnenabschiede heute kaum daran erinnert.
Nicht trotzdem, sondern offenbar gerade deswegen wurde das Viertel zum Besuchermagneten und Aushängeschild der Stadt. „Gelungen ist dies, weil das Bermudadreieck etwas Metropolenhaftes ins Ruhrgebiet hinein gebracht hat, ja, im Sommer sogar etwas Mediterranes“, schreibt Raumplaner Dr. Arnold Voss – der am Sonntag den sachkundigen Stadtführer gibt – in seiner zwanzigteiligen Quartiersgeschichte, veröffentlicht im Ruhrbarone-Blog. Ein wenig Eigenlob ist dabei. Denn als Autor des „Entwicklungskonzepts Bermuda3eck“ hat er dessen neue Gestalt mitgeprägt. Seinen persönlichen Geschmack treffe das Ergebnis nicht unbedingt. „Aber der öffentliche Raum ist ein zu teilender Raum – keiner der Freiheit, sondern einer der Kompromisse“, konstatiert der Stadtentwickler. Ein Dreieck mit Abstrichen sei ihm lieber als eine aalglatte und kneipengastronomisch tote Innenstadt, wie z.B. in Essen. Voss ist Inhaber des Planungsbüros „Office for the Art of Planning“ in Berlin und Bochum. Er lehrte an der TU Berlin, RWTH Aachen und der New Yoker Columbia-Universität in den Bereichen Stadtplanung, Stadtentwicklung und Städtebau. Jetzt steht er auf der Bühne am KAP, auf einem Stein an der Viktoriastraße, wo das neue Musikzentrum gebaut wird, oder dort, wo bis 2009 der Engelbertbrunnen sprudelte, und sucht mit wortgewandter Vehemenz ‚sein’ Bermudadreieck zu verteidigen. Er redet vor inzwischen rund 80 interessierten ZuhörerInnen, die ihm auf Schritt und Tritt folgen. Darunter auch ein besonders kritischer: Wolfgang Wendland – Wattenscheider Bezirksvertreter (Die Linke), Musiker, Kulturpessimist und Zyniker, der zuletzt nackt im Privatfernsehen zu bewundern war. Als Altpunker setzt er sich für das Recht auf Nutzung öffentlicher Plätze ein und kritisiert vor allem die sukzessive Verdrängung der Punkszene von KAP und Engelbertbrunnen seit Mitte der 80er Jahre. Arnold Voss sieht das neue, kantenlose und kommerzialisierte Bermudadreieck als Ergebnis eines demokratischen Prozesses, was der ökonomische Erfolg belege. Wolfgang Wendland hingegen schwebt ein liberaleres Konzept vor, ein toleranteres Mit- oder zumindest Nebeneinander von Menschen mit unterschiedlichen Interessen, „auch wenn dann mal ein Tisch fliegt“, sagt er.
Der Knackpunkt dieser ungleichen Diskussion ist eine Art „Henne-Ei-Problem“: Voss und die GastronomInnen berichten, dass es in der Vergangenheit heftige Probleme gegeben habe. Zu hartes Trinken, Drogenmissbrauch, Pöbeleien und Gewalt – auch Prostitution, aber das ist eine andere Baustelle – waren schlecht für Ruf und Geschäft. Wendland entgegnet, dass das aufständische Verhalten eine Reaktion auf die vorausgeworfenen Schatten der Privatisierung gewesen sei, klagt an, am freien Protest gehindert worden zu sein. Zumindest, dass das Quartier zwischen Südring und Konrad-Adenauer Platz nicht die eine Geschichte hat, gesteht auch deren Schreiber Arnold Voss gerne ein.
Und so sitzen die Kontrahenten schließlich auf einer Couch in der kargen Rotunde. Wendland ganz links, Voss ganz rechts in die Kissen gedrückt, beide recht peinlich berührt vom Gespräch, das irgendwie festgefahren ist. „Zukunft“ lautet ein letzter Punkt auf der Tagesordnung: Wünschenswert fürs Dreieck, so sind sich Voss und fast alle Mitdiskutierenden einig, wäre ein Stopp der fortschreitenden Monofunktionalisierung. Das könnte zum Beispiel mittels neuer künstlerisch kreativer Impulse, abseits der Massengastronomie, geschehen. Die Vorstellung, mit Kunst etwas zu verändern, hält Wendland allerdings für illusorisch. Zu Unrecht, wie sich im Umfeld des Bermudadreiecks zeigt. Das geplante Musikzentrum trage zwar weniger dazu bei, so Voss, aber beispielsweiseAktionen wie die des Bochumer Künstlers Matthias Schamp, der mit einer Performance subversiv das umzäunte Brachgelände am Katholikentagsbahnhof okkupierte. Nachdem die Stadt jahrelang keinen Investor in dieses Bauland gefunden hat, will nun die in der Rotunde ansässige künstlerisch wissenschaftliche Einrichtung „C60 Collaboratorium für kulturelle Praxis“ zur Diskussion darüber anregen, was mit dem Gelände passiert. Die Rotunde an sich gäbe es gar nicht, wenn nicht Leo Bauer, Pionier der ruhrpöttischen Außenbestuhlung im Dreieck, das Gebäude gekauft und KünstlerInnen zur Verfügung gestellt hätte. Generell sei der kapitalistische Knoten am Bermudadreieck aber sehr fest gezurrt. Womöglich zu fest, um ihn noch einmal zu lösen.
Keine Gentrifizierung, dafür Verarmung, ideenlose Leerstandsverwaltung und ein großes Bedürfnis nach Freiraum: „Im Ruhrgebiet gibt es andere Probleme als in Hamburg und Berlin“, sagt Kristin Schwierz vom Bahnhof Langendreer. Die Reihe „Interventionen – Stadt für alle“ wird sich noch das ganze Jahr über damit befassen.