Warning: Constant WP_DEBUG_DISPLAY already defined in /var/www/html/wp-config.php on line 111 Drittmittel | BSZ https://bszonline.de Deine Bochumer Stadt- & Studierendenzeitung Thu, 10 Nov 2022 08:48:30 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 https://bszonline.de/wp-content/uploads/2022/11/cropped-favicon-32x32.jpg Drittmittel | BSZ https://bszonline.de 32 32 Pentagon förderte RUB-Forschung https://bszonline.de/2019/06/24/pentagon-foerderte-rub-forschung/ https://bszonline.de/2019/06/24/pentagon-foerderte-rub-forschung/#respond Mon, 24 Jun 2019 14:44:31 +0000 https://bszonline.de/2019/06/24/pentagon-foerderte-rub-forschung/ Militärforschung. Neben der Ruhr-Uni akzeptierten zwei weitere Universitäten in Nordrhein-Westfalen Drittmittel des Pentagons, trotz Zivilklausel.

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Militärforschung. Neben der Ruhr-Uni akzeptierten zwei weitere Universitäten in Nordrhein-Westfalen Drittmittel des Pentagons, trotz Zivilklausel.

Seit 2014 gilt in Nordrhein-Westfalen die Zivilklausel, die die Forschung an Rüstungsmitteln unterbindet. Dennoch nahm die Ruhr-Universität seit 2011 rund 760.000 US-Dollar an Fördermitteln des US-Verteidigungsministeriums entgegen. Davon 650.000 US-Dollar, nachdem 2014 die Zivilklausel in Kraft trat. Dies ergab eine Spiegel-Recherche, die US-Haushaltsdaten ausgewertete. Derzeit plant die schwarz-gelbe Landesregierung, die Zivilklausel im neuen Hochschulgesetz wieder abzuschaffen.

Neben der Ruhr-Universität akzeptierten in NRW die RWTH Aachen und die Universität Potsdam Drittmittelgelder vom Pentagon. Insgesamt gingen 21,7 Millionen US-Dollar im Zeitraum von 2008 bis 2019 an Universitäten und Forschungsprogramme in Deutschland. Spitzenreiter ist die LMU München, die rund 3,7 Millionen US-Dollar einkassierte. An der Ruhr-Universität gingen die Fördermittel beispielsweise an das Institut für Werkstoffe und die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik. Die Universität Potsdam und die Ruhr-Universität äußerten sich auf Anfrage des Spiegels nicht zu den Forschungsprojekten. Die Ruhr-Uni verwies jedoch auf die Landesrektorenkonferenz, in der sich die Universitäten zur Zivilklausel bekennen. Ulrich Rüdiger, Rektor der RWTH erkannte die Dual-Use-Problematik an. Nämlich, dass Forschung sowohl für militärische Zwecke als auch für zivile genutzt werden kann. „Wir vertrauen aber dem Verantwortungsbewusstsein unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und begleiten solche Forschungsprojekte mit unserem Dezernat Forschung und Karriere“, sagte er dem Spiegel. In Projektbeschreibungen des Verteidigungsministeriums ist die Zielsetzung jedoch deutlich. So gehe es darum, Forschung zu fördern, „die mit der Verbesserung von Armeeprogrammen oder -operationen zusammenhängt oder ein Potenzial dazu hat.“ Des weiteren soll durch die Forschung die technologische Überlegenheit bewahrt werden.                   

:Stefan Moll

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Forschung vor der Mauer https://bszonline.de/2019/06/24/forschung-vor-der-mauer/ https://bszonline.de/2019/06/24/forschung-vor-der-mauer/#respond Mon, 24 Jun 2019 14:24:00 +0000 https://bszonline.de/2019/06/24/forschung-vor-der-mauer/ Kommentar. Die Geldzuweisungen durch das Pentagon sind nicht der einzige Fall, der zeigt, dass die Forschungsmittelvergabe Probleme hat.

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Kommentar. Die Geldzuweisungen durch das Pentagon sind nicht der einzige Fall, der zeigt, dass die Forschungsmittelvergabe Probleme hat.

760.000 US-Dollar: So viel Drittmittel zur Forschung nahm die Ruhr-Universität von Seiten des US-Verteidigungsministeriums entgegen. Es ginge dabei um Grundlagenforschung, behaupten Wissenschaftler*innen häufig. Doch im ewigen Kampf um Forschungsgelder ignorieren Fakultäten und Universitäten, für welche Anwendungen die Forschung als Grundlage dient. Da hilft auch kein oberflächliches Bekenntnis zur Zivilklausel. Denn egal, ob die Forschung auch zivile Anwendungsfelder hat, diese sind für das Pentagon nicht relevant. Das ist selbst den Universitäten bekannt. Schließlich mussten die Förderungen erst durch eine Datenanalyse des Spiegels mithilfe von US-Haushaltsdaten offengelegt werden. Jede Universität wüsste, wenn sie den Ursprung der Fördermittel transparent kommunizieren würde, würden ihr nicht nur Abhängigkeitsverhältnisse zum US-Militär nachgesagt, sondern auch die Umgehung von Gesetzen. Solche PR-Desaster möchte man sich nicht geben. Dass von der schwarz-gelben Landesregierung keine starke Linie gegen das Annehmen von militärischen Förderungen zu erwarten ist, sollte bei der geplanten Abschaffung der Zivilklausel klar sein.

Die Situation wirft ein klares Licht auf die Problematik, wie hierzulande Forschung zustande kommt und wie sehr sich Universitäten an alle Geldgeber klammern, die ihnen Mittel zuweisen. Egal ob dies Unternehmen aus der Automobilindustrie sind, Energiekonzerne wie RWE, die nach dem Ende der Braunkohleverstromung weiterhin Wege finden wollen, Braunkohle abzubauen und daher in Forschung zur Kohlenstoffumwandlung mit der RUB zusammenarbeiten, oder eben der größte militärische Apparat der Welt. Erst im März entstand zudem das Institut für Glücksspiel und Gesellschaft an der RUB, gefördert durch den  Verband der deutschen Automatenindustrie und der Firma Westlotto. Wissenschaftler*innen berufen sich in solchen Fällen auf ihre Neutralität und Autonomie. Doch Neutralität und Autonomie kann es nur geben, wo es eine Wahl gibt.                    

:Stefan Moll

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Tod mangels Drittmitteln https://bszonline.de/2014/12/08/tod-mangels-drittmitteln/ https://bszonline.de/2014/12/08/tod-mangels-drittmitteln/#comments Mon, 08 Dec 2014 16:56:08 +0000 https://bszonline.de/2014/12/08/tod-mangels-drittmitteln/ Ein Professor des Londoner Imperial College stirbt mit 51 Jahren. Dies allein ist nicht besonders ungewöhnlich, würde er nicht in seiner letzten Email ein vernichtendes Bild seines Wissenschaftsbetriebs zeichnen.

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Ein Professor des Londoner Imperial College stirbt mit 51 Jahren. Dies allein ist nicht besonders ungewöhnlich, würde er nicht in seiner letzten Email ein vernichtendes Bild seines Wissenschaftsbetriebs zeichnen.

Prof. Dr. Stefan Grimm war Toxikologe an der Medizinischen Fakultät des Imperial College London. In Journals publizierte er Ergebnisse seiner Forschung und rezensierte Artikel. Zudem schrieb er nach eigenen Angaben am Imperial die meisten Drittmittelanträge. Doch sie waren wohl nicht gut genug, schrieb er verzweifelt. „Einkommen aus Fördermitteln ist alles, was hier zählt, nicht wissenschaftliche Leistung“, urteilte Grimm über seine Hochschule in einer Email. Diese erhielten KollegInnen Ende Oktober, mehrere Wochen nach Grimms Tod, dessen Ursache noch gerichtlich untersucht wird. Klar ist jedoch, dass sich Grimm übermäßig unter Druck gesetzt fühlte.

200.000 Pfund Fördermittel pro Jahr als Minimum

Er stand unter Beobachtung, Disziplinarmaßnahmen nicht ausgeschlossen. Professor Martin Wilkins, Abteilungsleiter für experimentelle Medizin, kam laut Grimm im Mai 2013 in sein Büro und kündigte ihm – dazu noch in Hörweite von Studierenden – die baldige Entlassung an, da Grimms Drittmittel nicht ausreichten. Dies habe Wilkins sofort im Kollegium publik gemacht. Im März 2014 erhielt Grimm das Ultimatum, mindestens 200.000 Pfund an Fördermitteln pro Jahr zu akquirieren, noch dazu aus bestimmten Förderprogrammen. Dies hat das Imperial College bestätigt.

Doch dies sei nie Teil seines Vertrags gewesen, klagte Grimm. Veröffentlichungen, gute Forschungsarbeit, bereits eingeholte Fördermittel hätten nicht gezählt. Es sei eine tolle Situation, Förderanträge um des eigenen Überlebens Willen zu schreiben.

„Dies ist keine Universität mehr, sondern ein Unternehmen, mit wenigen an der Spitze, die profitieren und den Rest auspressen“, fällt Grimms Urteil aus. „Was diese Leute nicht wissen, ist, dass sie Leben zerstören. Meines haben sie sicherlich zerstört.“

Infolge der Diskussion, die Grimms Tod und seine Vorwürfe an britischen Hochschulen ausgelöst haben, will das Imperial College seine Personalpolitik auf den Prüfstand stellen.

:Johannes Opfermann

Lest auch Johannes' Kommentar zu Hochschulen als Wirtschaftsbetrieben.
 

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Frage der Kultur https://bszonline.de/2014/12/08/frage-der-kultur/ https://bszonline.de/2014/12/08/frage-der-kultur/#respond Mon, 08 Dec 2014 16:34:08 +0000 https://bszonline.de/2014/12/08/frage-der-kultur/ Der Umgang mit Beschäftigten, wie ihn ein verstorbener Prof. am Imperial College schilderte (siehe Seite 4), ist an sich schon schockierend. Die unbeantwortete Frage, wie direkt der auf Prof. Grimm ausgeübte Druck mit seinem Tod zusammenhing, macht es umso tragischer. Ob dies ein Einzelschicksal ist oder Symptom einer fehlgeleiteten Philosophie, bleibt Ansichtssache. Es bedarf jedoch keiner Toten, um das Credo der unternehmerischen Hochschule zu hinterfragen.

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Der Umgang mit Beschäftigten, wie ihn ein verstorbener Prof. am Imperial College schilderte (siehe Seite 4), ist an sich schon schockierend. Die unbeantwortete Frage, wie direkt der auf Prof. Grimm ausgeübte Druck mit seinem Tod zusammenhing, macht es umso tragischer. Ob dies ein Einzelschicksal ist oder Symptom einer fehlgeleiteten Philosophie, bleibt Ansichtssache. Es bedarf jedoch keiner Toten, um das Credo der unternehmerischen Hochschule zu hinterfragen.

Man kann zwar unternehmerisches Handeln einer Hochschule generell ablehnen, doch Argumente wie wirtschaftliche Einflussnahme auf die Forschung greifen zu kurz. Während Studierendenzahlen steigen und Bildung als wichtigste Ressource der Wissensgesellschaft propagiert wird, bleiben die Hochschulen unterfinanziert. Es ist also sinnvoll, die knappen Mittel effektiv und effizient einzusetzen. Wenn Unternehmen dabei bessere Vorbilder zu sein scheinen als öffentliche Verwaltungen, ist das kein Fehler der Unternehmen. Überhaupt gelten eher angelsächsische Eliteuniversitäten als Vorbild, nicht Wirtschaftsunternehmen XY. Diese Unis haben sich der Herausforderung der Modernisierung erfolgreich gestellt, nicht zuletzt durch eine diversifizierte Finanzierung. Genau das ist der Knackpunkt, warum sie nicht als Beispiel taugen. Horrende Studiengebühren wie in Großbritannien und den USA sind für Deutschland undenkbar; Alumni-Netzwerke als Geldquelle scheiden hierzulande ebenfalls aus. So bleiben deutsche Unis abhängig von öffentlichen und Drittmitteln, und müssen in jedem Fall Ausgaben rechtfertigen.

Wie sie bei diesem Druck mit den Menschen umgehen, die an Hochschulen lehren, forschen und lernen, hat weniger mit dem System der unternehmerischen Hochschule an sich zu tun, als mit der Unternehmenskultur. Diese Kultur ist schon weit verfallen – auch an der RUB. Das zeigen DozentInnen, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangeln, sowie Hilfskräfte und DoktorandInnen, die vor Lehraufträgen und Bürokratie nicht zum Promovieren kommen. Gegen ein hochschulisches Unternehmertum, das solche Belastungen nach sich zieht, müsste etwas unternommen werden.

:Johannes Opfermann
 

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