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Kommentar. Der weiße Schleier über Kassel lüftet sich. Circa 1.000 besorgte Notrufe registrierte die städtische Feuerwehr seit Anfang April. Der Auslöser: Daniel Knorrs Beitrag Expiration Movement. Die Reaktion: Besorgniserregend und bezeichnend.
Kommentar. Der weiße Schleier über Kassel lüftet sich. Circa 1.000 besorgte Notrufe registrierte die städtische Feuerwehr seit Anfang April. Der Auslöser: Daniel Knorrs Beitrag Expiration Movement. Die Reaktion: Besorgniserregend und bezeichnend.
Aus dem Zwehrenturm des Fridericianums in Kassel stieg mit Beginn der documenta 14 in Athen weißer Rauch auf. Durch das Kunstwerk könne man an Papstwahlen, aber auch Bücherverbrennungen, Rauchzeichen als Kommunikationsmittel oder Vernichtungslager erinnert werden, wird der Künstler Daniel Knorr von der „Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen“ (HNA) zitiert. Bis zum 17. September stiegen jeden Tag ab 10 Uhr weiße Wolken gen Himmel und lösten bei manchem Menschen die Alarmglocken aus. Zwar ist von Brand ausgelöster Rauch nicht weiß; die besorgten KasselerInnen gingen aber nur ihrer BürgerInnenpflicht nach. Doch diese Reaktion treibt einige der schmerzhaftesten Fragen der Kunstwelt an die Oberfläche: Was ist eigentlich Kunst? Wer entscheidet das und warum? Und wieso ist zeitgenössische und moderne Kunst oftmals so verpönt?
Man kann sich folgende Situation bildhaft vorstellen: Reisegruppe „Wir sind auf Durchfahrt“ macht Halt am städtischen Museum für Moderne Kunst. Im Angesicht eines Jackson Pollock pfeift ein gelangweilter Besucher „Pff, das könnt’ ich auch“ und bringt die empörte Kunstvermittlerin in die Verlegenheit, die Kunst vor ihm rechtfertigen zu müssen. Scheißsituation – und wer ist schuld?
Die US-Künstlerin Louise Lawler versieht in ihrer Arbeit Sappho and Patriarch eine Fotografie zweier Skulpturen mit der Notiz: „Is it the Work, the Location or the Stereotype that is the Institution?“ Die Antwort: Ja. Alle. Die Museen, die FörderInnen, die Kunst und KünstlerInnen selbst und letztlich alle Kunstinteressierten und auch sonst alle, die mit ihrem Verhalten das Überleben der Kunst von Geld abhängig gemacht haben. Wir alle.
Das fundamentale Problem liegt in der Unvereinbarkeit von Kunst und Kommerz. Das Naturell der Kunst entspringt nicht einem wirtschaftlichen Interesse. Aber wie schon Thomas Bernhard schrieb: ab einem bestimmten Punkt „verkam jede Kunst zur Staatskunst“. Zur Auftragskunst. Von Mäzenen, wohlhabenden Fürsten oder Banken finanziert, denn sie konnten es sich leisten. Auch heute besteht ein großer Teil der Arbeit als KünstlerIn darin, Förderung zu finden, denn: Alles muss ja irgendwie mit Geld beginnen. Die Absurdität geht so weit, dass von einem Kunst-Markt die Rede ist, als wäre das selbstverständlich. Und dass bei Sotheby’s Versteigerungen ein Basquiat für 110,5 Millionen Dollar verkauft wird und zack: Basquiat wird 2018 im Londoner Barbican-Centre eine Ausstellung gewidmet, die anschließend in die Frankfurter Schirn-Kunsthalle weiterzieht.
Wie finanzierte eigentlich Daniel Knorr seinen Rauch für die documenta? Ach richtig: Er produzierte 1.100 Künstlerbücher, die er für 80 Euro verkaufte. Zwischen den weißen Seiten befinden sich platt gepresster Müll und Schrott, den er von den Straßen Athens gesammelt hat. Kunstinteressierte schwärmen: Tolle Aktion, macht auf den Umgang mit Müll aufmerksam, very kosmopolitisch, such selbstfinanziert, wow. Die Realität sagt: 80 Euro für Müll – hast du Lack gesoffen?
Und wie lautet nun die Antwort auf die einleitende Frage: Ist das Kunst oder kann das weg? Vielleicht einigen wir uns zum derzeitigen Stand auf: Ist alles Kunst, kann alles weg.
:Marcus Boxler
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Kommentar. Stahl und Maloche gehören eben so zu Bochum wie Fiege und der VfL. Letzteres haben noch Zukunft, die Stahlarbeit nicht.
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Kommentar. Stahl und Maloche gehören eben so zu Bochum wie Fiege und der VfL. Letzteres haben noch Zukunft, die Stahlarbeit nicht.
In Bochum kennt man das schon, aber so richtig gewöhnen kann man sich nie: Nach Nokia und Opel droht der Ruhrgebietsstadt nun der Verlust eines weiteren Global Players. Thyssenkrupp hat vergangene Woche die Fusion mit dem indischen Stahlkonzern Tata verkündet und so stehen mit einem Schlag mindestens 2.000 Arbeitsplätze allein in Deutschland auf dem Spiel. Die IG Metall befürchtet noch mehr Stellenstreichungen, man fordert Standortgarantien und den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Das sind große Worte, denen müssen auch große Taten folgen.
Auf der großen Demonstration am Freitag in Bochum (Seite 4) waren die Rufe nach einem Streik noch verhalten, doch mancherorts erhallten sie immer und immer wieder. Und auch die Politik sieht die Konzernspitze in der Pflicht: Man habe sich an das Montan-Mitbestimmungsgesetz zu halten, die Belegschaft hat ein vollparitätisches Mitbestimmungsrecht in allen wichtigen Konzernfragen.
Es ist einer dieser Konflikte: Solidarität mit der Belegschaft ist notwendig, der Thyssenkrupp-Konzern jedoch eine Qual. Groß geworden durch zwei Weltkriege, durch Kartellarbeit und Unterdrückung der ArbeiterInnenklasse ist der Stahlriese heute einerseits wichtiger Arbeitgeber im Ruhrgebiet, aber auch einer der größten Rüstungsexporteure. Ein Konzern, dem man aus antikapitalistischer Sicht nichts Gutes wünscht. Doch die Beschäftigten bei Thyssenkrupp sind auf ihre Jobs angewiesen. Existenzen stehen auf dem Spiel. Wohl gemerkt nur an der Konzernbasis, die Spitze ist fein raus. Der Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger verdient trotz – oder gerade wegen – Stellenstreichungen und Fusionierung bis zu 9 Millionen Euro pro Jahr; und tritt ArbeitnehmerInnenrechte und die Montan-Mitbestimmung mit Füßen.
Ob da der Arbeitskampf alleine ausreicht, um für Gerechtigkeit zu sorgen, ist fragwürdig. Für den momentanen Kampf um Arbeitsplätze ist er notwendig. Darüber hinaus bleibt abzuwarten, was mit dem Konzern geschieht, eine Syndikalisierung der Thyssenkrupp AG scheint nicht in Sicht.
:Justinian L. Mantoan
Kommentar. #BTW2017 – 12,6 Prozent für die AfD. Das ist für viele ein Trauerspiel. Für mich die Frage „Was läuft schief in diesem Land?“
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Kommentar. #BTW2017 – 12,6 Prozent für die AfD. Das ist für viele ein Trauerspiel. Für mich die Frage „Was läuft schief in diesem Land?“
12,6 Prozent für KandidatInnen der Alternative für Deutschland. Erstmal so in den Raum stellen und sacken lassen. Einige Tage nach der Auszählung werden die meisten den ersten Schock dieses Ergebnisses wohl überwunden haben. Natürlich wird es Widerstand hageln. Es wird Demos geben, auf denen Plakate und Schilder hochgehalten werden und lauthals „Nazis raus“ gebrüllt wird bis zur mehrtägigen Heiserkeit. Eine Form des Protests, die ich absolut befürworte, solange niemand – und ich meine wirklich keinen der einen oder anderen Seite – zu Schaden kommt.
Dennoch bedeuten diese 12,6 Prozent nicht, dass die Wahlberechtigten den Zweiten Weltkrieg und deren Schrecken vergessen haben. Es heißt auch nicht zwangsläufig, dass jedeR WählerIn geistig umnachtet ist und mit sofortiger Wirkung für unmündig erklärt werden darf. Im Gegenteil, die Frage, die über diesem Ergebnis schwebt, ist die: Was hat die AfD (trotz medialem Gegenwind, hitzigen Debatten, dem expliziten Ausladen aus Podiumsdiskussionen etc.) was andere Parteien nicht haben? Nicht jede dieser Stimmen muss gefallen sein, weil die AfD überzeugende Argumente hat. Ein Teil dieser Stimmen drücken weniger „ich bin pro AfD“ als „ich bin contra alles andere“ aus. Das geht auch aus den Antworten auf die Frage „Warum haben sie AfD gewählt“ auf Zeit online hervor. Viele argumentieren damit, dass sie die CDU an ihre konservativen Werte erinnern wollen. Eine Partei, die sich 2012,6 gründete, seitdem derart in Kritik steht, und dennoch dieses Ergebnis holt, ist für mich ein klares Zeichen der Unzufriedenheit mit den Alternativen. Ein Teil der WählerInnen ist der Meinung, in den anderen Parteien nicht gehört zu werden, sich nicht vertreten zu sehen. Statt Menschen mit Ängsten (die immer irrational sind, häufig aus mangelndem Wissen resultieren und sich mit Aufklärung beheben lassen) mit Spott und Verachtung zu begegnen, könnte und sollte man auf Aufklärung setzen. Eine Partei abwechselnd nieder zu brüllen oder zu ignorieren, nimmt niemandem Angst, sondern bestärkt in dem Gefühl, nicht gehört zu werden.
:Kendra Smielowski
Kommentar. Vier Stunden nicht-einvernehmlicher Geschlechtsverkehr. Hilfeschreie und Kratzer … Vergewaltigung?! War nur heftiger Sex.
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Kommentar. Vier Stunden nicht-einvernehmlicher Geschlechtsverkehr. Hilfeschreie und Kratzer … Vergewaltigung?! War nur heftiger Sex.
Vier Stunden lang vergeht sich ein junger Mann an einer Frau. Ihr Kopf in seinem Bett festgeklemmt. Sie schreit, er solle aufhören, zerkratzt ihm den Rücken. Irgendwann gibt sie auf und lässt es über sich ergehen. Vier Stunden dauert der Höllentrip. Es endet, weil sein Telefon schellt und er gehen muss. Sie befreit sich und geht, so gut es die lädierten Beine und der schmerzende Intimbereich zulassen, nach Hause.
Sie zeigt ihn an, schildert später bei Gericht, was passiert ist. Er sagt, es sei einvernehmlich, wenn auch heftig gewesen. Die Richterin und alle Anwesenden haben keinen Zweifel an der Schilderung der jungen Frau. Niemand zweifelt daran, dass es brutal und nicht einvernehmlich war.
Doch zuletzt noch eine Frage: „Könnte es sein, dass der Angeklagte dachte, Sie seien einverstanden?“ Sie antwortet, „sie könne nicht beurteilen ob er mit der Mentalität des türkischen Kulturkreises das Geschehen, das sie als Vergewaltigung erlebte, vielleicht für wilden Sex gehalten hat.“
Jetzt hat das Amtsgericht Brandenburg ein Urteil gefällt. Der Angeklagte ist vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Es sei kein Vorsatz erkennbar gewesen.
Und alles was mir bleibt, ist absolute Fassungslosigkeit.
Verzeihung, aber wenn ich den Kopf von jemandem in mein Gitterbett stecke, damit er oder sie nicht mehr weg kann und ich dann Sex mit ihr/ihm habe und er/sie schreit, ich solle aufhören und ich tue es nicht, dann habe ich verdammt noch mal den Vorsatz, meinen Willen, das heißt den Sex durchzusetzen. Auch gegen seinen/ihren Willen. Bei Einvernehmlichkeit ist es nicht notwendig, Maßnahmen zu treffen, die die Freiheit meines Partners/meiner Partnerin einschränken. Und wenn ich auf solche Spielchen stehe, dann kenne ich mich damit aus. Diese Art von Sex praktiziert man nicht mit One-Night-Stands!
Glosse. Die Stadt Bochum hat am Ostersonntag Überraschungen im Stadtpark verstecken lassen. Was danach geschah, ist pure Magie.
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Glosse. Die Stadt Bochum hat am Ostersonntag Überraschungen im Stadtpark verstecken lassen. Was danach geschah, ist pure Magie.
Pure Magie?! Gemeint ist nicht Zauberei. Oder 5.000 Zaubereier … Magisch ist der frische Wind, den diese RealsatirikerInnen durch den Stadtpark bliesen und dabei offenbar die Mehrzahl der versteckten Osterpropaganda inhalierten. I salute you. Diese Kunstschaffenden sollten als geheime Headliner bei der documenta 14 auftrumpfen. Man verstehe meine Beweggründe nicht falsch: Das ist keine Pädophobie und ich bin nicht der Oster-Grinch.
Dennoch bin ich der Meinung, dass dieser Diebstahl durch Plattitüden auf seine moralische Wertbarkeit reduziert wird. „Eltern sind sauer, Kinder enttäuscht“, heißt es auf den Titelseiten der Lokalpresse. Dabei fragt niemand nach den Ursachen dieser Enttäuschung. Nach den Parametern eines christlich definierten Wertesystems und der Rechtlichkeit einer Wirtschaftspolitik werden die Performance-KünstlerInnen hinter besagtem Klau als plündernde Frechheit abgekanzelt. In ihrem übereilten Bewerten verkennen die Urteilenden die Botschaft. Hier wurde Kafka aufgeführt. Hier wurde de Balzac aufgeführt. Hier wurde Adorno aufgeführt. Hier wurden wir vorgeführt.
Haben die privilegierten Kinder Westdeutschlands einmal keine Eierchen gefunden, sind direkt alle sauer, alle enttäuscht. Eigentlich sollten die Eltern dieser Kinder dankbar sein. Fremde Menschen fühlen sich dazu berufen, deren verzogene Blagen am Ostersonntag zu belehren. Und zwar mit der wichtigsten Botschaft, die diesen Kindern auf ihrem bisherigen Lebensweg mitgegeben wurde: Das System ist immer schneller als Ihr. Bevor Ihr euch verseht, reißt Euch der Kapitalismus in seiner jetzigen Gestalt („This isn’t even my final form“) in den Abgrund. Das Leben (= Neoliberalismus) ist eine Tal-Achterbahnfahrt, die dem Verlauf des Aktienkurses am Black Friday gleicht. Und unten? Wartet der Tod. LOL. Mangelnde Sozialleistungen, sanierfällige Schulen, ein obsoletes Bildungssystem – prinzipiell sollten die Tageszeitungen täglich ihre Titelseiten mit „Eltern sind sauer, Kinder enttäuscht“ zieren. Aber Eier sind halt spannender. Hihi – Eier.
:Marcus Boxler
]]>Seit neun Jahren veranstalten der AStA und das AAR anlässlich des Ramadans gemeinsam ein interkulturelles Abendessen. Diese Veranstaltung dient dem Kennenlernen, dem Fragenstellen und dem Brückenbau. Zusammen wird mit allen Anwesenden bei Sonnenuntergang das Fasten gebrochen – Iftar. Mit Unterstützung des Akademischen Förderungswerkes wurde der festliche Abend mit einem Drei-Gänge-Menü ausgerichtet. Es wurde darauf geachtet, dass VegetarierInnen und Halal-GenießerInnen nicht zu kurz kommen.
Das kulturelle Abendessen ist für jedeN gedacht. Frei nach dem Motto „je mehr, desto besser“, lebt auch diese Veranstaltung von kultureller Vielfalt.
Bis 21 Uhr wurde jedeR durch die Pforten der Mensa eingelassen. Eine Anmeldung war nicht nötig und der Eintritt war frei. Mit einem kleinen Rahmenprogramm wurde die Wartezeit bis zum offiziellen Fastenbrechen versüßt. Mutlu Yilmazer, Künstler und Nay-Lehrer, spielte klangvoll die Nay-Flöte (Langflöte in der persischen, arabischen und türkischen Kultur). Der Islamwissenschaftler Dr. Ahmet Inam erklärte die Bedeutung des Fastens – es sei viel mehr als nur auf Essen und Trinken zu verzichten.
Würdiger EinsatzEinen besonderen Dank möchte ich an die ISV Bochum (Islamische Studierendenvereinigung), Tuisa e. V. und die MitarbeiterInnen des KulturCafés richten.
Durch Euer ehrenamtliches Engagement und Eure tatkräftige Unterstützung konnte der Abend reibungslos verlaufen. Alle MitarbeiterInnen haben vollen Einsatz gezeigt, sowohl bei den Vorbereitungen als auch bei den Abräumarbeiten. Ohne Euch wäre der Abend nur halb so gut gewesen.
Leider hat jede Medaille zwei Seiten. Der Ablauf seitens des Akademischen Förderungswerks war tadellos. Das Menü war köstlich und die freiwilligen HelferInnen waren über alle Maßen engagiert. Auch das Rahmenprogramm ließ nichts zu wünschen übrig. Leider gingen sowohl Teile der musikalischen Untermalung als auch RednerInnenbeiträge unter, da der Wunsch nach Gruppen- und Zwiegesprächen bei einigen Gästen zu überwiegen schien. Jedoch konnte allen, deren Interesse am Geschehen auf der Bühne überwog, ermöglicht werden dieses zu genießen, auch wenn dafür regelmäßig die Beschallungstechnik kontrolliert und nachjustiert werden musste.
Neben der technischen Begleitung, die mir im gleichen Maß Arbeit und Spaß bereitet hat, war es mindestens ebenso schön zu sehen, wie die anwesenden Menschen gemeinsam einen, so hoffe ich, wunderschönen Abend verbringen konnten; ungeachtet von Nationalität, Religion, politischen Ansichten etc.
Eure AStA-Vorsitzende
:Nur Demir
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Die sogenannte Endlager-Kommission stellte nach nunmehr zwei Jahren Beratung am Dienstag, den 5. Juli, ihren Abschlussbericht vor. Abfall aus der Kernindustrie soll für eine Million Jahre unter der Erde seinen schädlichen Einfluss verlieren – wo genau ist unklar und keineR will das Zeug. Ist denn nicht allein diese Zeitangabe utopisch? Oder gar anmaßend?
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Die sogenannte Endlager-Kommission stellte nach nunmehr zwei Jahren Beratung am Dienstag, den 5. Juli, ihren Abschlussbericht vor. Abfall aus der Kernindustrie soll für eine Million Jahre unter der Erde seinen schädlichen Einfluss verlieren – wo genau ist unklar und keineR will das Zeug. Ist denn nicht allein diese Zeitangabe utopisch? Oder gar anmaßend?
Der Mensch. Er steht über Allem, sein Intellekt ist unübertroffen. Zumindest scheint es so, angesichts dieser, wenngleich sinnvollen, ebenso außerhalb unserer Vorstellungskraft liegenden Zeitspanne. Diese misst nämlich knapp das Fünffache der Zeit, die aufrecht gehende Menschen nun den Planeten heimsuchen. Von Menschenhand geschaffene Bauwerke, die eine vergleichbare Zeit überdauerten, sind also Mangelware. Nun ist es aber so, dass der Müll, der einen minimalen Anteil der Gattung Mensch reich machte, auch in den Abfalleimer muss. Und zwar in einen, der in Deutschland liegt. Wir haben uns diesen Schlamassel schließlich eingebrockt. Außerdem sollte er möglichst von Wirtsgestein wie Salz, Granit oder Ton umgeben sein und unter der Erde liegen. Wegen der Strahlung und so. Tut sich in naher Zukunft aber hierzulande kein sagenumwobenes Moria auf, bin ich nicht besonders zuversichtlich.
Bis 2050 soll nun ein Endlager ausgewählt werden. Aber keineR will. Verständlich. Ich gehe in Zeiten von Cyborgs ohnehin davon aus, dass es bis dahin eine Entwicklung geben wird, die den Abbau radioaktiver Strahlung erleichtert. Oder, dass die Welt ob ihrer von Hybris vereinnahmten VerwalterInnen ohnehin vor die Hunde geht. Wer denkt schon an das, was in der nächsten Million Jahre geschehen wird, wenn wir nicht einmal vorhersagen können, wann der nächste Nuklearstaat seinen Anspruch auf *füge hier beliebiges hoch dotiertes Gut oder Dominanz über alles ein* geltend macht.
Liebe LeserInnen, bitte entschuldigt meinen Pessimismus. Aber angesichts der schieren Zeit, die dieser Abfall lagern soll, kann ich nur müde lächeln. Bis meine Halbwertszeit abläuft.
:Tobias Möller
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Die Deutschen haben Angst. Vor allem vor Geflüchteten und Prostituierten, da diese als Gefahr für Leib, Leben und Moral gelten. Indiz hierfür sind die omnipräsenten Berichte über Geflüchtete, die Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder die Bakterieninfektion Typhus nach Deutschland bringen. Ebenso werden Bordelle als Brutstätten von Krankheiten ausgemacht; so titelte die WAZ vor kurzem: „Geschlechtskrankheiten verbreiten sich zunehmend über Duisburgs Bordelle.“
Doch die Gefahr, die von Geflüchteten und Prostituierten ausgeht, besteht nicht allein in der Rolle als potentielle KrankheitsüberträgerInnen. Sie könnten auch untertauchen, um entweder die gesellschaftliche Ordnung von innen auszuhöhlen – etwa durch terroristische Anschläge – oder um durch das Anbieten von Dienstleistungen in Wohngebieten die Ordnung auf den Kopf zu stellen.
Die Politik greift nun diese Ängste auf und versucht, ihnen durch Gesetzesbeschlüsse engegen zu wirken. Mit dem neuen Prostitutionsgesetz werden SexarbeiterInnen dazu verpflichtet, sich beziehungsweise ihr Gewerbe bei einer Kommune anzumelden; zudem werden sie verpflichtet, sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten untersuchen zu lassen.
Bei Geflüchteten sind Gesundheitsuntersuchungen bereits Bestandteil der Aufnahmeprozedur. Für AsylbewerberInnen fordert NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die Wohnortswahl zu beschränken: „Es darf nicht sein, dass alle Flüchtlinge, sobald sie anerkannt sind, wie prognostiziert in die Großstädte ziehen.“
Diese Maßnahmen, die zunächst einmal als eine Reaktion auf Sorgen der Bevölkerung daher kommen, haben jedoch einen identitätspolitischen Kern: Sie stärken das Gemeinschaftsgefühl durch Exklusion, indem kategorisiert, überwacht und reglementiert wird. Das Gesunde wird vom Kranken geschieden, das Tugendhafte vom Unmoralischen und schließlich auch das Deutsche von den MigrantInnen. Inklusion durch Exklusion also, wie der Politologe Benedikt Anderson es ausdrückt.
Diese reglementierende Sozialpolitik trifft gesellschaftliche Randgruppen in Krisenzeiten öfter als in Zeiten der Prosperität. Gerade in einem Klima der Bedrohung steigt auch die Verunsicherung der Bevölkerung, da die UrheberInnen der Krise nicht auszumachen sind. Als Ersatzhandlung gehen Bevölkerung und Regierung gegen gesellschaftliche Randgruppen vor, um dadurch den Zusammenhalt der Nation wiederherzustellen.
Die Maßnahmen gegen Prostitution und Geflüchtete, so unterschiedlich sie erscheinen mögen, legen den Blick frei auf das unterliegende Motiv. Sie offenbaren somit auch den exklusiven Charakter deutscher Sozialpolitik.
:Jan Freytag
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Die Stadt Bochum wurde durch öffentlichen Druck gezwungen, vom geplanten Abbau von Spielplätzen abzusehen. Zum Glück: Denn das erfreut nicht nur Kinder und Eltern. Drastische Sozialkürzungen, wie sie nach dem Haushaltsplan auch für die kommenden Monate anstehen, befördern auch soziale Angst und sind ein gefährlicher Nährboden für Rassismus.
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Beatrix von Storch würde gerne an europäischen Außengrenzen auf Kinder schießen. Als die stellvertretende Vorsitzende der AfD ihre Wünsche über Facebook kundtat, rief das heftige Kritik hervor. Schließlich machte sie einen Rückzieher – sie sei beim Schreiben natürlich nur mit dem Finger auf der Tastatur abgerutscht …
Die Stadt Bochum würde gerne bis zu 80 Spielplätze aufgeben. Nachdem der Druck zu hoch wurde, zog Oberbürgermeister Thomas Eiskirch nun das erst vor kurzem beschlossene „Spielplatz-Rückbaukonzept“ zurück.
Zwei Dinge haben die AfD-Demagogin und die KürzungsdogmatikerInnen der Stadt Bochum (worin sie sich natürlich nicht von anderen Kommunen unterscheiden) gemeinsam: Erstens, beide scheinen vollends den Realitätssinn zu verlieren, regte sich kein Protest gegen ihre politischen Vorhaben. Und, zweitens, beide legen auf ihre Art und Weise die Grundlagen für eine rassistische Stimmung: die Lobbyistin, Frau von Storch, durch die übliche rechtspopulistische Grütze und die kommunalen VerwaltungspolitikerInnen durch eine neoliberale Kürzungspolitik, die jegliche soziale Substanz auf Dauer zerstört – Sparpolitik als perfekter Nährboden für rassistische Stimmung, wie sie aktuell gedeiht.
Erst im letzten Monat hat die Stadt Bochum mit dem sogenannten Haushaltssicherungskonzept ein saftiges Kürzungspaket beschlossen, dazu gehörte auch der Plan, um die 80 von 219 Spielplätzen abzubauen. Weitere Sparmaßnahmen werden in den nächsten Monaten anstehen. Dass Kinder soziale Räume zur Entfaltung brauchen ist klar; ebenso, dass Kommunen den Standards sozialer Fürsorge nachkommen sollten – der Stadt allerdings nur noch durch Druck von unten. Das wird auch in Zukunft notwendig sein. Sonst profitieren am Ende von Storch und die AfD. Und die wollen bekanntlich mehr, als nur Spielplätze wegnehmen.
:Benjamin Trilling
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Der Comedian Özcan Cosar amüsierte im Januar mit „Du hast dich voll verändert“ fast 1.500 Studierende im Audimax der RUB. Die zügig ausverkaufte Show, die mitunter vom AStA und dem AAR (Autonomes Ausländer*innenreferat) organisiert wurde, ermöglichte es Studierenden, für einen Bruchteil des regulären Preises daran teilzunehmen. Die Besucher*innen hatten sichtlich großen Spaß für kleines Geld und die Veranstalter*innen waren glücklich und stolz – so weit, so gut!
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Polemisierend fragte :bsz-Redakteur Marek in seinem Kommentar „Zockt der AStA seine Studis ab?“, ob die Veranstalter*innen die Studis im „GroßkapitalistInnen-Style“ ausgebeutet hätten. Was aber ist kapitalistisch an einer 5-Euro-Show, die ohne AStA-Subventionen normalerweise rund 30 Euro gekostet hätte?
Wie alle anderen Zuschauer*innen durfte der Kommentator seine Getränke nicht mit ins Audimax nehmen, was – wie er weiß – eine Auflage der RUB ist. Er regte sich darüber auf, dass das Team des KuCaf im Einlassbereich trotzdem Getränke und Snacks verkaufte. Deshalb, räsoniert er weiter, habe es eine Zweitkontrolle am Inneneingang gegeben und die hätte dann ja die Security-Kosten verdoppelt. Nein, die Zweitkontrolle hätte es sowieso gegeben und sie hat auch keine Extrakosten verursacht, denn leider hat Marek nicht bedacht, dass Großveranstaltungen auch besondere Sicherheitsauflagen erfüllen müssen. Demnach wurde auch kontrolliert, dass keine Getränke oder Sesamringe in den Saal gelangen.
Marek Firlej hätte sich mit uns, den Veranstalter*innen, über diese Fragen unterhalten können – doch das hat er nicht direkt getan. Für kommende Artikel fordern wir hiermit ein, dass erst gründlicher recherchiert wird, bevor Veranstaltungen, in die viel Zeit, Mühe und Gedanken geflossen sind, als inhumane kapitalistische Abzockerei denunziert werden. Dass sein Vorwurf letztlich unbegründet ist, offenbart sich daran, dass die Veranstaltung keinen Gewinn erzielt hat. Wir arbeiten für die Studierendenschaft und sind kein Geheimtipp internationaler Anleger.
:Leserin Nur Demir
(AStA-Kulturreferat) bezieht sich auf den Kommentar von Marek Firlej in der :bsz 1073