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Mit Jutebeuteln in der Hand und dem Rucksack auf dem Rücken geht es gegen Abend zusammen mit Georg, Bochumer Foodsharer der ersten Stunde, Richtung City. Unser Ziel: Ein Biosupermarkt. Die Mission: Lebensmittel mitnehmen, die sonst in der Tonne landen, obwohl sie essbar sind. Um diese Uhrzeit ist kaum etwas los in dem Laden. Strahlend werden Georg und ich von den Mitarbeiterinnen begrüßt und schon geht es auch an die Arbeit: Unter anderem Zucchini, Äpfel und Radieschen sind unter den Lebensmitteln, die übriggeblieben sind. Gemeinsam packen wir das bereits sortierte Gut ein und ab geht es zum Alsenstraßenwohnzimmer, wo in „Fair-Teilern“, kleinen Schränken, die Lebensmittel in Körben ausgelegt werden. Es ist ein Spagat. Einerseits freut man sich, etwas vor dem Wegwerfen zu retten und mitzunehmen. Andererseits wurden eben doch wieder Lebensmittel aussortiert. Und wäre es nicht idealerweise besser, wäre Foodsharing obsolet, weil keine Lebensmittelverschwendung am besten wäre?
Seit 2012 wird Foodsharing deutschlandweit organisiert. Aufmerksam wurde Georg, der Tanz und Bewegung unterrichtet, auf das Phänomen vor drei Jahren über einen Zeitungsartikel. Lebensmittelverschwendung ist ein Thema, was den gebürtigen Aachener schon länger beschäftigt.
Seit der Gründung des Fair-Teilers 2013 in der Bochumer Alsenstraße sind jede Woche Menschen verschiedenen Alters und Backgrounds unterwegs, kooperieren mit Wochen- und Supermärkten und sind auf hiesigen Straßenfesten präsent. Die heterogene Gruppe ist auch das, was Georg an der Initiative schätzt. Obwohl doch größtenteils Studierende auf der Mailing Liste stehen und sich jede Woche eintragen, um beim Abholen zu helfen. Die Flexibilität sei ein Vorteil dieses Ehrenamts, so Janine. Die Umwelttechnikstudentin ist seit zwei Monaten dabei und hat zunächst einmal die Woche umliegende Supermärkte besucht. Das Schöne für sie ist, dass man sich einfach, ohne viel Aufwand, engagieren kann, obwohl sie weiß, dass sie und die anderen FoodsharerInnen „nur einen winzigen Beitrag leisten.“

Neben den Fair-Teilern direkt vor dem Alsenstraßenwohnzimmer bietet die Initiative auch einen Kühlschrank, der zu den Öffnungszeiten des Raumes zugänglich ist. Foodsharing ist aber mehr als sich nur im Mikrokosmos ehrenamtlich zu engagieren. Gemeinsame Plenumstreffen und Kochsonntage, jeweils einmal im Monat, stärken die Gruppe, die auch immer wieder Nachwuchs sucht. Wie Georg es treffend formuliert: „Wenn doppelt so viele Leute helfen, kann doppelt so viel gerettet werden.“ Interessierte können sich auf der Facebook-Seite (tinyurl.com/foodsharingBo) melden oder sich direkt in die Mailing-Liste eintragen lassen (foodsharing-bochum@lists.riseup.net). Gesucht werden nicht nur AbholerInnen. JedeR kann sich engagieren: Ob in der Organisation oder im Texten und Designen von Flyern.
Was sich Georg und Janine für die Zukunft wünschen? „Dass wir als Foodsharer irgendwann überflüssig werden.“
:Andrea Lorenz
]]>Prominentes Vorbild für einen mobilen urbanen Garten auf einer Brachfläche sind die 2009 entstandenen Prinzessinnengärten in Berlin Kreuzberg. Dort wird in Bäckerkisten, Reissäcken oder Tetrapaks nützliches Grün angepflanzt. Inzwischen zählt die Stiftung „Interkultur“, die Gemeinschaftsgärten fördert, mehr als 350 vergleichbare Anlagen in ganz Deutschland – Tendenz steigend. Auch im Ruhrgebiet, in Essen, Mülheim, Oberhausen und Dortmund, gibt es sie schon. Nur in Bochum tut sich bislang wenig.
Dabei fehlt es nicht an ambitionierten HobbygärtnerInnen, Zeit und Know-how. Das zeigt sich zum Beispiel in der Alsenstraße unweit des Bochumer Hauptbahnhofs. Ein gemeinschaftliches Kräuterbeet hängt dort am Baum und zeigt mit weiteren Pflanzen wie Salat und Bohnen, die in Plastikwanne und Einkaufswagen den Straßenrand säumen, wo die Reise hingehen könnte. Verantwortlich ist der Wohnzimmer Alsenstraße e. V., der eine Art öffentliches AnwohnerInnenforum – Gemeinschaftsraum, Freizeit- und Kulturstätte – eingerichtet hat. Im „Wohnzimmer“ weiß man aus wenig viel zu machen, nachbarschaftlich mit Ressourcen umzugehen und voneinander zu lernen. Aus diesem Kreis heraus wurde in den vergangenen Tagen der Gemeinschaftsgarten Bochum e. V. gegründet.
Rund 40 engagierte BürgerInnen wollen brachliegende Plätze oder Dächer in Bochum nutzen, um Gemüse und Kräuter zum kollektiven Verzehr anzupflanzen. Schon jetzt kochen sie regelmäßig zusammen. „Wir haben auch alle Erfahrung“, sagt Cigdem Esin, die das Projekt unterstützt. „Einige sind zumindest Balkon-, manche sogar Terrassen- oder Guerillagärtner“, scherzt sie. Sogar ImkerInnen sind dabei. Grundsätzlich sei aber jedeR willkommen.
Im Rahmen des Festivals n.a.t.u.r., des Projekts „Interventionen – Stadt für alle“ und eigener Veranstaltungen wuchs der Wunsch nach dem gemeinsamen Garten. In dieser Zeit sind auch die ersten kleinen Beete an der Alsenstraße entstanden. Eine Referentin aus Berlin bestätigt, dass den NaturfreundInnen in Bochum eigentlich gar nicht mehr viel fehlt – abgesehen von der geeigneten Fläche für ihr Vorhaben. Eigentlich würde es in Bochum an Brachflächen nicht mangeln, sagt Nina Selig vom Wohnzimmer Alsenstraße e. V. Alle bisherigen Verhandlungen seien allerdings gescheitert.
Dabei hat der mobile Garten keine hohen Standortanforderungen. Das Grundstück sollte innenstadtnah und „CO2-frei erreichbar“, also gut mit Fahrrad oder ÖPNV anzufahren sein. Ein Wasseranschluss ist sehr wichtig, sanitäre Anlagen wären wünschenswert. Da die Bodenqualität in der Stadt ohnehin nicht ausreicht, um genießbare Lebensmittel anzubauen, wird in Hängebeeten, Körben und Kisten, z. B. auf Tapeziertischen gepflanzt. So würde es schon eine Asphaltfläche ab 100 Quadratmetern Größe tun. „500 wären natürlich super“, sind sich die Gründungsmitglieder einig. Auch PrivatbesitzerInnen dürften ihre Grundstücke anbieten.

Ginge es nach den Vereinsmitgliedern, dann würden sie in naher Zukunft einen Raum der Begegnung schaffen, wo „der türkischstämmige Rentner zusammen mit dem deutschen Schüler in einem Beet arbeitet“, der Studierende seine Hängematte aufhängt, und wo man „ganz viel lernen und schnell Ergebnisse sehen kann“. Bei der Auswahl von Pflanzen und Saatgut würden „ökologische Aspekte“ berücksichtigt. „Wir wollen weg von der Monokultur“, sagt Gründungsmitglied Eve Hessas.
Am Gemeinschaftsgarten Interessierte können am Samstag (23. November) zur Veranstaltung „In der Tat – ein nachhaltiger Tag in Bochum“ zwischen 12 und 19 Uhr ins Alsenwohnzimmer, Alsenstraße 27, kommen oder eine E-Mail schreiben an gemeinschaftsgarten-bo@nadir.org.