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Biologieunterricht. Das Cover eines populären Biologiebuchs ziert ein Bild der zwei Wissenschaftler: Francis Crick rechts im Bild; aufrechte Haltung, sein linkes Bein leicht erhoben abgestellt, seine linke Hand auf dem Bein abgelegt. Seine Pose erinnert fast an die eines Imperators. Mit der rechten Hand hält er einen Zeigestock und zeigt mit dem Werkzeug auf ein Modell der DNA in Doppelhelix-Struktur, welches ihn sichtlich überragt. James Watson, links im Bild, schaut fasziniert auf das übergroße DNA-Modell. Beide scheinen ganz entzückt von dem, was sie dort vor sich haben. Und das zurecht. Denn dieses Modell legt offen, was bis zu dem Zeitpunkt der Wissenschaft noch verborgen war: Die DNA hat die Struktur einer Doppelhelix. Diese Erkenntnis legte den Grundstein für die Genetikforschung und viele Teilaspekte der Medizin. Das Bild verfehlte seine Wirkung nicht. Auch ich als damalige Schülerin hatte dieses Buch – und war nicht nur beeindruckt von den zwei Männern, sondern auch fasziniert von dem, was sie als Wissenschaftler erstmalig geschafft hatten.
Doch der Schein trügt. Auf dem Bild nicht zu sehen ist die Frau, die die Titelseite mehr verdient hätte: Rosalind Franklin, die Biochemikerin, ohne die Watsons und Cricks wissenschaftlicher Durchbruch nie hätte stattfinden können.
Dem Nobelpreis beraubt: Rosalind Franklin, das heimliche Genie hinter dem Watson-Crick-Modell
Rosalind Franklin wird am 25. Juli 1920 in eine einflussreiche Familie in London geboren. Der familiäre Wohlstand ist ihr großes Glück, da sie schon als an Naturwissenschaften interessiertes Kind von ihren Eltern gefördert wird. 1938 studiert sie an der Cambridge University Natural Science mit Spezialisierung auf Chemie und schließt ihr Studium 1945 mit einem Doktor der Chemie ab. 1950 erhält sie schließlich den entscheidenden Forschungsauftrag des Londoner King‘s College, welcher einen revolutionären Einfluss auf die Wissenschaft der damaligen Zeit haben wird. Mithilfe von Röntgenstrahlen forscht sie hier mit den besten Forschungsmöglichkeiten an der Strukturanalyse der DNA. Die Voraussetzungen für eine steile Karriere stehen gut für die Biochemikerin – wenn nicht zwei andere Männer knapp 1.000 Kilometer von Franklins Labor entfernt am selben Forschungsbereich forschen würden…
James Watson und Francis Crick versuchen ebenfalls hartnäckig, die versteckten Strukturen hinter der DNA zu entschlüsseln, deren Zusammensetzung und Aufbau die beiden Forscher vor ein großes Rätsel stellt. Und dann ist da noch Maurice Wilkins. Er wird sich als entscheidende Schlüsselfigur herausstellen, der den beiden zu ihrem Durchbruch verhilft.
Franklin soll mit Wilkins am King‘s College zusammenarbeiten – und das nicht als Assistentin, wie er zuerst fälschlicherweise annahm, sondern als gleichgestellte Forscherin. Auch sonst nimmt er die Biochemikerin nicht wirklich ernst. Er betitelt ihren Erfolg als Glück, besonders wenn die schlaue Frau ihn auf Fehler seinerseits in der gemeinsamen Forschung hinweist. Für Watson und Crick, die Wilkins auf einer Konferenz kennenlernen, stellt sich seine Zusammenarbeit mit der kompetenten Wissenschaftlerin jedoch als Glücksfall heraus.
Denn an sie gibt Wilkins Informationen ihrer Forschungsergebnisse weiter, mit denen sie ihre Modelle mehr und mehr erweitern können. Die Daten hat er sich hinter Franklins Rücken aus ihren Unterlagen entnommen. Am 2. Mai 1952 gelingt dann der große Durchbruch. Rosalind Franklin schafft es, eine saubere Röntgenaufnahme der DNA zu machen, welche die letzten Hinweise zur Entschlüsselung der DNA-Struktur gibt. Die DNA ist eine Doppelhelix – eine revolutionäre Entdeckung. Dem ist sich auch Maurice Wilkins bewusst und macht eine heimliche Kopie von dem entscheidenden „Foto 51“, der Aufnahme, die für die Männer, nicht aber für die Frau, die das Bild selbst gemacht hat, schließlich lebensverändernd sein wird.
Dann, 1962, passiert es: Der Nobelpreis für Medizin geht an James Watson, Francis Crick und Maurice Wilkins – für den Nachweis, dass die DNA-Struktur eine Doppelhelix ist. Franklin bleibt auch in Watsons Rede gänzlich unerwähnt:
„Der heutige Abend ist sicherlich der zweitschönste Moment in meinem Leben. Der erste war die Entdeckung der Struktur der DNA.“
Große Worte für einen Mann, der seinen Ruhm einer Frau verdankt, die er nie als gleichgesinnte Forscherin, sondern lediglich als Werkzeug für seine eigene Bereicherung betrachtet hatte.
Doch diese Ungerechtigkeit ist viel größer als nur das Einzelschicksal von Franklin. Der Nobelpreis zeichnet, wie Nobel selbst einst festlegte, „den Würdigsten“ aus. Die Auszeichnung legt fest, wer würdig genug ist, gesehen zu werden. Dies hängt zwangsläufig mit Prestige und gesellschaftlichen Verhältnissen zusammen. Sie definieren, wer in diese benannte Kategorie fallen darf. Rosalind Franklin wurde von Männern beraubt, die sie nie als würdig anerkannt haben. Das Tragische bei alldem ist zusätzlich, dass Franklin bereits vier Jahre vor der Verleihung des Nobelpreises starb. Sie konnte also nie für die Ungerechtigkeiten einstehen, die sich auch im Weiteren über ihr Gedenken verbreiten sollten – auch wenn sich dies zu der damaligen, von einflussreichen weißen Männern geprägten Zeit, schwierig gestaltet hätte.
Mechanismen gegen geschlechtsbezogene Benachteiligungen oder gar Gender Bias waren damals nämlich noch undenkbar, in einem Land, in dem Frauen noch nicht mal ein eigenes Bankkonto ohne die Erlaubnis ihres Mannes eröffnen konnten. Auch dürfen Nobelpreise auf nur maximal drei Personen aufgeteilt werden. Einer der Forscher hätte also leer ausgehen müssen. Das Komitee ist zudem bei der Vergabe des Preises völlig autonom und kann nicht verklagt werden. Die Entscheidungen sind also endgültig. Und selbst wenn es zu einer Klage gegen Willkins Datenraub gekommen wäre, hätte sich der Prozess als sehr schwierig gestaltet. Offiziell arbeitete der Forscher nämlich am selben Institut mit Franklin zusammen, weshalb die Weitergabe des Fotos zwar ohne ihre Zustimmung erfolgte, jedoch juristisch sehr wahrscheinlich nicht als Diebstahl geistigen Eigentums durchgegangen wäre. Die Forscher taten darüber hinaus einiges, um den Ruf und das Andenken Rosalinds klein zu halten und ihr Schaffen zu degradieren.
Die Dreistigkeit der Forscher treibt James Watson 1968 auf die Spitze. In seinem autobiografischen Werk „Die Doppelhelix“ gibt er nicht nur jeglichen Datenraub an Franklins Forschung offen zu (wodurch dieser erst öffentlich wurde), sondern nennt Franklin auch abfällig „Rosy“ und äußert sich abwertend über ihr Aussehen:
„Sie tat nichts, um ihre weiblichen Eigenschaften zu unterstreichen. Trotz ihrer scharfen Züge war sie nicht unattraktiv, und sie wäre sogar hinreißend gewesen, hätte sie auch nur das geringste Interesse an ihrer Kleidung gezeigt. Das tat sie nicht.“
Franklin schminkte sich nicht, trug einfache Kleidung und hatte sich für ihre intensive Forschung gegen eine Ehe entschieden. Dies alles entsprach James Watsons Idealbild einer Frau nicht – und damit war er leider in der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts nicht allein.
Watsons Werk ist damals wie heute eines der einflussreichsten wissenschaftlichen Werke, und nur wenige stören sich an den „Mitteln“, die der Forscher dafür einsetzte.
Eine Reflexion seines Handelns oder gar eine Anerkennung der Biochemikerin im Nachgang ist undenkbar. 2018 sagte er noch selbst über die Forscherin:
„Ich würde sie als Loser bezeichnen (…) sie hat es verkackt.“
Und doch ist der Ruf des Wissenschaftlers größtenteils unversehrt und Rosalind Franklins Name immer noch vielen unbekannt. Diese Ungerechtigkeiten sind kein Phänomen der Vergangenheit, sondern ziehen sich bis in die Gegenwart. Es ist wichtig, vergangene Ereignisse zu hinterfragen und den stillen Heldinnen ihrer Zeit ihre Würde und Anerkennung zuzusprechen – auch oder genau dann, wenn sie diese zu ihren Lebzeiten nicht zugesprochen bekommen haben. Denn dafür ist es nie zu spät.
PS: Als Quelle habe ich überwiegend das Buch „Beklaute Frauen“ von Leonie Schöller genutzt. Das ist ein sehr interessantes Buch für alle, die weitere unsichtbare Heldinnen der Geschichte kennenlernen wollen.
]]>Am 12.07. gibt es zunächst ein Semesterabschlusskonzert des Universitätschors. Die Veranstaltung findet um 16 Uhr im Audimax statt. Vorgetragen werden zwei Chorwerke von Johannes Brahms. Im Mittelpunkt steht „ein deutsches Requiem“, welches durch das Lied „Gesang der Parzen“ ergänzt wird. Das Konzert ist ideal für diejenigen, die sich für klassische Werke begeistern können und Lust haben, sich auf eine musikalische Reise durch die Emotionen und Lebenslagen der Protagonist:innen der Werke einzulassen. Der Eintritt ist frei.
Am 15.07. veranstaltet der Fachschaftsrat Medienwissenschaft ab 16 Uhr ein Sommerfest im Rondell bei GB. Es wird Getränke und Snacks geben sowie geplante Aktivitäten wie Flunkyball und eine Tombola. Sogar mit einem Tischtennisturnier gegen Dozierende wird auf der Instagramseite des FSR geworben.
Am 16.07. veranstalten der FSR Kunstgeschichte und der FSR Theaterwissenschaften gemeinsam die „Wilde Sommersause“. Im Rondell vor GB wird dort von 18-22 Uhr Musik von DJs aufgelegt. Dazu gibt es kühle Getränke, vegane Pizza und Brezeln. Ein Awareness-Team wird ebenfalls vor Ort sein.
Am 24.07. gibt es gleich mehrere Veranstaltungen. Um 18 Uhr veranstaltet der Fachschaftsrat Geschichte eine Semesterabschlussparty im GABF 04/511. Der FSR verspricht Cocktails und alkoholfreie Getränke, sowie ein Karaokeangebot. Er bittet darum, den Personal- und Studierendenausweis mitzubringen. Ein weiterer Karaokeabend findet zeitgleich um 18 Uhr am NB (Naturwissenschaftliches Gebäude) 03 Süd statt, organisiert vom Fachschaftsrat Physik. Zur Versorgung gibt es Sandwiches, Bier und Softdrinks. Neben dem Karaokeangebot werden ebenfalls verschiedenste Trinkspiele aufgebaut.
Der 24.07. ist ebenfalls das Datum der großen Semesterabschlussparty im Kultur-Café. Der Eintritt ist mit Studierendenausweis frei und erst ab 18 Jahren möglich. Die Feier beginnt um 22 Uhr. Veranstaltet wird sie vom Service-Referat des AStA und vom Erasmus Student Network (ESN). Es wird einen Getränkeverkauf geben. DJ Still Learning legt den ganzen Abend Musik zum Tanzen auf.
Die Veranstaltungen im Überblick:
12.07. 16 Uhr Semesterkonzert
15.07. 16 Uhr Mewi-Sommerfest
16.07. 18-22 Uhr Wilde Sommersause vom FSR Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften
24.07. 18 Uhr Karaokeabend FSR Physik
24.07. 18 Uhr Semesterabschlussparty FSR Geschichte
24.07. 22 Uhr Semesterabschlussparty
]]>„Solingen, NSU, Hanau – All die Massenmorde wurden entweder durch Geheimdienste organisiert oder es wurde weggeschaut! Der Verfassungsschutz muss wegen seiner faschistischen Praktiken geschlossen werden.“ Diese klaren Worte zierten ein Plakat in der unmittelbaren Nähe der Ruhr-Universität Bochum. Befestigt war es an der Wand eines Zeltes, in dem eine Dauermahnwache abgehalten wurde. 24 Stunden, an 7 Tagen in der Woche und das 3 Monate lang – von Anfang April bis Anfang Juli. In zwei Schichten wechselten sich die Mitglieder ab und besetzten das Zelt. Mit dem selbst ernannten „Widerstandszelt” wollen sie nach eigenen Angaben auf die Verstrickung von Verfassungsschutz und anderen deutschen Geheimdiensten in Morde wie die des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) oder in den Brandanschlag auf eine türkische Familie in Solingen aufmerksam machen.
Der rechtsextreme NSU ermordete 10 Personen, darunter acht Menschen mit türkischem sowie einem mit griechischem Migrationshintergrund sowie eine Polizistin. Obwohl sogenannte V-Personen (V für Verbindung oder Vertrauen) des Verfassungsschutzes im Umfeld des NSU eingesetzt waren, eigentlich um Informationen zu beschaffen, wurde der NSU-Komplex lange nicht aufgedeckt. V-Personen sind Privatpersonen, die sich in dem untersuchten Umfeld aufhalten, in diesem Fall in der rechtsextremen Szene, und dann von Institutionen wie dem Verfassungsschutz als verdeckte Informanten eingesetzt werden. Nach der Aufdeckung des NSU wurden Akten von einem Mitarbeiter vernichtet, die den Einsatz von V-Männern in diesem Milieu dokumentierten. Auch bei dem rassistischen Brandanschlag 1993 in Solingen, bei dem Neonazis eine türkische Familie ermordeten, war ein V-Mann direkt im Umfeld der Täter eingesetzt. In Bezug auf den rechtsextremen Terroranschlag in Hanau 2020 wird dem Verfassungsschutz vorgeworfen, dass er den Täter nicht beobachtete und somit den Anschlag nicht verhinderte. Laut dem Verfassungsschutz sei der Täter zuvor nicht rechtsextrem aufgefallen.
Diese Informationen lassen sich unter anderem in Dokumenten des Deutschen Bundestags oder der Bundeszentrale für politische Bildung finden. Auf diese stützte sich auch Eda Deniz Haydaroğlu im Interview mit der :bsz. Haydaroğlu ist die Vorsitzende des „Vereins zur Verteidigung der Grundrechte und Freiheiten e. V.“, der das Widerstandszelt organisiert. Er existiert seit 2024 und hat seinen Sitz in Köln.
„Wir fordern, dass der Verfassungsschutz geschlossen wird. Der Verfassungsschutz und die anderen Geheimdienste, wie der Bundesnachrichtendienst, sind in diese Morde verwickelt“, erzählt Haydaroğlu. „Wir möchten Öffentlichkeit dafür schaffen, dass man Gerichten nicht so vertrauen kann, wie es uns beigebracht wird”, ergänzt sie. Damit spielt Eda Deniz Haydaroğlu auf „Genossen“ (selbstgewählter Begriff des Vereins) an, die aktuell in Haft sitzen. Von zwei von ihnen, Özgül Emre und İhsan Cibelik, sah man ein Bild vor dem Zelt. Beide sitzen aktuell hier in Deutschland für mehrere Jahre in Haft. Sie wurden aufgrund der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung rechtskräftig verurteilt (StGB §§ 129a und 129b). Besonders für Özgül Emre werden Hungerstreiks und Protestaktionen organisiert, der Verein bezeichnet ihn als „politischen Gefangenen“. Haydaroğlu zufolge fordert der Verein, die Paragrafen 129a und 129b abzuschaffen und die Gefangenen freizulassen. Sie nennt diesen Paragrafen einen „Gesinnungsparagrafen“. Er sei ein Angriff auf die Grundrechte der Menschen. Der Paragraf 129 verbietet die Mitgliedschaft und Unterstützung in terroristischen Vereinigungen.
Wieso sie das Zelt direkt an der RUB aufgebaut haben, erklärt Haydaroğlu so: „Wir möchten diese Öffentlichkeit für das Thema bei Studenten, besonders Jura-Studenten, schaffen“. Sie wollen sie auf den Gerichtsprozess gegen Emre aufmerksam machen. Weiter erzählt Eda, dass Geheimdienste wie der Verfassungsschutz es besonders auf türkische und kurdische Antifaschist:innen und Sozialist:innen abgesehen hätten.
Haydaroğlu erzählt, dass der Verfassungsschutz aktiv gegen den Verein vorgehe, Mitglieder verfolge, Angehörige belästige, um Informationen zu bekommen, und unrechtmäßige Mittel verwende. Einigen Menschen soll mit dem Entzug ihres Aufenthaltstitels gedroht worden sein, andere dürfen einen bestimmten Bereich Deutschlands nicht einfach so verlassen. Als sie von einer Razzia des Vereinssitzes im Dezember 2025 berichtet, erzählt sie auch, dass die Mitglieder in Handschellen auf dem Boden saßen, keinen Anwalt anrufen konnten und auch keine Zeug:innen dazu holen durften. Zudem hätten die Polizist:innen die Räumlichkeiten hinter verschlossenen Türen durchsucht, sodass die Mitglieder nicht sehen konnten, was in den Räumen passiert. Ein solches Verhalten der Polizist:innen verstoße gegen Gesetze, beklagt sie. Auch das Widerstandszelt sei zuerst verboten worden. Die Begründung: Gegen das Mitglied, das eigentlich das Zelt anmelden wollte, läuft aktuell ein Ermittlungsverfahren. So kümmerte sich Haydaroğlu um die Anmeldung, was schließlich genehmigt wurde.
Die Frage, ob der Verein und das Widerstandszelt negative Reaktionen erfahren haben, verneint Haydaroğlu. Lediglich der Vorwurf, dass der Verein zu radikal sei, kam auf. „Das was wir fordern, klingt ja erstmal total radikal“, gibt Haydaroğlu zu, aber der Verein möchte weiter für seine Ziele einstehen. „Wir dürfen nicht schweigen“, sagt sie zum Ende des :bsz-Interviews. Das Zelt sollte also nicht nur auf den Verfassungsschutz in Verbindung mit dem NSU und anderen Morden aufmerksam machen, sondern auch darauf, dass der Verfassungsschutz gegen den Verein vorgehe und mit welchen Maßnahmen er das tue.
Die Aktion war laut dem Verein zuerst für drei Monate angemeldet, aber der Verein wollte danach eine Verlängerung erwirken. Laut Angaben der Polizei wurde das Zelt bis August genehmigt und der Verein entschied sich selbst, das Zelt vorzeitig abzubauen. In unserem zweiten Teil zum Widerstandszelt auf der Uni-Brücke erfährst Du, wer genau dahinter steckt und wo das Zelt als nächstes stehen wird.
]]>Die Aktion findet im UFO (Uni-Forum Ost) statt. Dieses befindet sich am Ende der Universitätsbrücke in Richtung des Uni-Centers auf der rechten Seite. Am 29.06. fand der Kleidertausch bereits für Damenkleidung statt. Nun, am 13.07., werden explizit Herrenklamotten getauscht.
Zu dieser binären Geschlechtertrennung in der Bezeichnung der Gruppen schreibt der AStA auf seiner Instagram-Seite selbst: „Die Bezeichnungen dienen lediglich der Orientierung und orientieren sich an den üblichen Kategorien im Handel. Alle Menschen sind bei beiden Terminen herzlich willkommen, unabhängig von Geschlecht, Identität oder persönlichem Stil“.
Die Frage stellt sich dabei zwar, ob diese Trennung überhaupt nötig gewesen wäre. Die Kategorien können jedoch hilfreich sein, je nach dem, wonach man sucht, und sind, wie aus den Statements des AStA hervorgeht, keine strengen Vorgaben.
Voraussetzung für die Kleidung ist lediglich, dass sie gut erhalten und sauber ist. Die Aktion findet am kommenden Montag von 17:00 bis 19:30 Uhr statt. Außerdem wird empfohlen, einen eigenen Beutel für die ergatterte Kleidung mitzubringen. Eine Anmeldung im Voraus ist erforderlich!
Wichtigste Fakten im Überblick
Wo: UFO
Wann: 13.07. von 17:00-19:30 Uhr für Herrenbekleidung
Anmeldung ist erforderlich! Zur Anmeldung beim AStA kommst du hier: https://asta-bochum.de/kleidertausch/
:gkb
]]>Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) führt seit über 25 Jahren nach eigenen Angaben das „umfassendste und detaillierteste“ Ranking deutscher Universitäten und Hochschulen durch. Seit 2005 wird dies in Kooperation mit der Zeitschrift DIE ZEIT in einem eigenen Magazin und auf einer Website veröffentlicht. Verglichen werden dabei rund 40 Fächer an 300 Universitäten und Hochschulen. Die Bewertung basiert auf dem Urteil von Studierenden und Dozierenden bezüglich der Lehre, Ausstattung, Forschung sowie vieler weiterer Indikatoren. Entscheidend sind also die Einschätzungen der Studierenden selbst und Fragen nach Unterstützung und Hilfestellung, Berufspraxis und -perspektive sowie der internationalen Ausrichtung. Die RUB sticht vor allem in den beiden Bereichen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften hervor. Diese glänzen mit einer starken Betreuung, gutem Lehrangebot, Studienorganisation und der Bibliotheksausstattung.
Das Times Higher Education (THE) World University Ranking erhebt seit 2004 Leistungsdaten zu Universitäten weltweit. Dabei werden Lehrqualität, Forschungsumfeld und -qualität (Forschungsleistung und Ansehen), Einfluss auf Industrie und Wirtschaft und die internationale Ausrichtung von ca. 3000 Universitäten verglichen. Die Spitzenplätze werden vor allem von den US-amerikanischen Elite-Unis belegt. Aber bereits auf Platz 27 erscheint die erste deutsche Universität, die TU München. Die RUB landet im Ranking in der Ranggruppe 251-300. Und ob man es glaubt oder nicht, die RUB gehört damit tatsächlich zu den Top 10% der besten Universitäten weltweit!! Besonders in den Kategorien Forschungsqualität mit dem Wert 72,6 (von insgesamt 100) und Industrie mit beeindruckenden 98,8 sticht die RUB heraus und gehört damit in diesen Kategorien jeweils zu den besten 200 und besten 100 Universitäten weltweit. Weitere Einzelrankings findet ihr auf der Website des THE, in denen die RUB ebenfalls überraschend gut abgeschnitten hat. Erwähnenswert erscheint allerdings noch das Abrutschen in niedrigere Ranggruppen im Bereich Klimaaktionen (von 551-600 auf Rang 601-800) und Lehrqualität (von 201-300 auf Rang 401-600) im Vergleich zum letzten Jahr.
Wenn euch also das nächste Mal Freund:innen, Familie oder auch Fremde auf der Straße fragen sollten: „Warum die RUB?“ Dann habt ihr nun ein paar wissenschaftlich basierte Daten als Antwort parat. Und wenn die Zugehörigkeit zu den Top 10% der besten Unis weltweit kein überzeugendes Argument für den Bochumer Brutalismus-Chic sein soll, dann weiß ich auch nicht weiter.
]]>An zahlreichen Ständen können Besucher:innen stöbern, tauschen und kaufen. Bei dem Nachhaltigkeitsflohmarkt steht, wie der Name bereits vermuten lässt, die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Hierbei stellt der Kontakt mit anderen auch eine erfreuliche Möglichkeit zum Austausch dar. Des Weiteren ist wichtig anzumerken, dass sich an diesen Ständen keine professionellen Händler:innen befinden und auch keine Neuware verkauft wird, sondern Privatpersonen gebrauchte Gegenstände und Kleidungsstücke anbieten – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.
Wer selbst einen Stand betreiben möchte, kann sich noch bis zum 4. Juni kostenlos anmelden. Hierbei fällt lediglich eine Reservierungsgebühr von 10 Euro an, die nach der Veranstaltung zurückerstattet wird. Bei Bedarf kann ein Leihtisch für eine Leihgebühr von 10 Euro hinzugebucht werden, diese ist jedoch nicht erstattungsfähig. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite des AStA mittels eines Kontaktformulars.
Vor Ort befinden sich zudem Initiativen, Vereine und Einrichtungen, die sich im Bereich Nachhaltigkeit engagieren und sich in diesem Rahmen vorstellen.
Der Nachhaltigkeitsflohmarkt zeigt damit, wie Nachhaltigkeit und gemeinschaftliches Engagement auf dem Campus praktisch gelebt werden können.
]]>Neben Getränken und Snacks bieten einige Fachschaften und verschiedenste studentische Gruppen am 3. Juni ein vielfältiges und kreatives Programm zum Genießen und Mitmachen an. Ab 14 Uhr können auf dem Nordforum vor der Universitätsbibliothek die verschiedenen Stände und deren Angebote entdeckt werden. Bis 20 Uhr erwartet euch ein buntes Angebot an Verkaufs- und Tauschständen, interaktiven Aktionsständen sowie Informationsständen. Das genaue Angebot erfahrt ihr allerdings erst beim Schlendern vor Ort.
Einen kleinen Ausblick gibt es allerdings schon. Im Nachhaltigkeitsbüro auf dem Nordforum findet, ebenfalls ab 14 Uhr, ein Workshop in Kooperation mit dem Unverpacktladen „Frau Lose“ in Dortmund zum Thema Fermentieren statt. Das Mitbringen eigener verschließbarer Behälter ist nicht nur beim Einkaufen im Unverpacktladen, sondern auch beim Workshop von Vorteil, um das Fermentierte auch zu Hause genießen zu können. Wer nun Interesse daran hat, selbst Kefir oder Kombucha herzustellen, der sollte sich beeilen und sich unter dem Veranstaltungsreiter auf der Website der RUB anmelden oder am Tag des Workshops auf freie Plätze hoffen.
]]>Doch in der zweiten Mai-Woche kam für viele die Überraschung: Die Türen der Roten Bete blieben zu, und online fanden sich keine Informationen zum Speiseplan. Dementsprechend fragen sich viele, weshalb es zu dieser kurzfristigen Schließung kam und über welchen Zeitraum diese andauern wird.
Die positive Nachricht vorweg: Die Schließung ist nicht permanent.
Auf Anfrage teilte die Pressestelle des AKAFÖ mit, dass die Rote Bete nur vorübergehend schließen musste, da während einer Begehung des Arbeitssicherheitsteams Mängel im Parkettboden festgestellt wurden. Diese wurden vergangene Woche behoben, um mögliche Gefahren für Besucher:innen zu vermeiden.
Die Rote Bete nimmt bereits ab heute, dem 11. Mai, wieder ihren regulären Betrieb auf und bietet wie gewohnt vegane Gerichte an.
]]>Die Ruhr-Universität Bochum führt, wie viele andere Unis auch, Versuche an Tieren durch: an Tauben, Mäusen, Ratten, Vögeln und Fischen. Ein Ziel dieser Forschungen ist es, Erkenntnisse über die Funktionen des Gehirns oder die Behandlung von Infektionen zu erlangen und diese dann auf den Menschen zu übertragen. Die Versuche an den Tauben finden in der Biopsychologie statt. Alle Tierversuche müssen von den Tierschutzbeauftragten der RUB und dem Landesverband für Verbraucherschutz und Ernährung genehmigt werden und unterliegen dem deutschen Tierschutzgesetz sowie europäischen Richtlinien. Die Tiere, an denen geforscht wird, sind auf dem Uni-Gelände untergebracht. Tierpfleger:innen beobachten sie. Rund die Hälfte der Tiere wird im Laufe der Forschung getötet. Im Jahr 2025 wurden 9.970 Tiere für die Forschung an der RUB eingesetzt.
Das ist ein Dorn im Auge von Organisationen wie dem Verein „Ärzte gegen Tierversuche“, der sich seit fast 50 Jahren gegen Tierversuche einsetzt. Ungefähr ein Viertel der Mitglieder des Vereins besteht aus medizinisch-wissenschaftlichen Personen, über die Hälfte davon sind oder waren in der Humanmedizin tätig. Der Verein bemüht sich um Aufklärung über Tierversuche, ob mithilfe von Kampagnen, Datenbanken oder Preisen.
Aktuell kritisiert der Verein die Versuche an Tauben an der Ruhr-Universität Bochum. Für die Ärzte gegen Tierversuche seien diese grausam und unnötig; die Ergebnisse ließen sich nicht auf Menschen übertragen. Im Zuge ihrer Kritik der Taubenversuche hat der Verein eine Petition gestartet, spricht sich regelmäßig auf Plattformen wie Instagram gegen die RUB aus und war Mitte April 2026 mit einem Infostand auf dem RUB-Campus vertreten.
Auf die Anschuldigungen der Ärzte gegen Tierversuche antwortete die RUB mit Statements auf ihrer offiziellen Website. In diesen weist die Uni die Vorwürfe zurück und betont, dass Tierversuche notwendig seien, um Erkenntnisse für uns Menschen zu erhalten. Sie beteuert, dass die Universität sich dafür einsetze, die Zahl der Tiere, an denen Versuche durchgeführt werden, zu reduzieren.
Der Diskurs
Der öffentliche Streit zwischen beiden nimmt unrühmliche Formen an: Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, die Diskussion nicht korrekt zu führen, Fakten zu verzerren und beharren auf ihrem Standpunkt. Die Vorwürfe gehen so weit, dass die RUB den Ärzten gegen Tierversuche eine nicht ausreichende Moderation der öffentlichen Kanäle vorwirft und es in den Kommentarspalten zu Straftaten komme. Die Uni wirft dem Verein vor, „strategisch Halb- und Unwahrheiten“ zu verbreiten und kritisiert die „Skandalisierung des Diskurses“.
Um einen besseren Überblick über die beiden Standpunkte zu bekommen, haben wir mit beiden Seiten ein Interview geführt.
Von Seiten der Ärzte gegen Tierversuche hat Dr. Gaby Neumann unsere Fragen beantwortet. Sie ist seit 9 Jahren Mitglied der Organisation, führte vorher eine Tierarztpraxis und hat einen Doktor in Veterinärmedizin.
Das sagen Ärzte gegen Tierversuche
:bsz: Die RUB selbst gibt an, dass die meisten Tierversuche mit Mäusen und Ratten durchgeführt werden. Wieso fokussieren Sie sich auf die Taubenversuche?
Dr. Gaby Neumann: „Wir fokussieren uns auf die Taubenversuche, da diese an der RUB seit fast 30 Jahren ohne klinisch relevanten Nutzen für den Menschen durchgeführt werden. Nagetiere dominieren zwar quantitativ, aber die Taubenforschung steht exemplarisch für das Festhalten an unzuverlässigen Tiermodellen trotz verfügbarer moderner, für den Menschen relevanter Technologien.“
:bsz: Die RUB beteuert, dass Versuche an Vögeln weiterhin essenziell für Erkenntnisse in der Forschung sind. Betont wird, dass Vögel verwendet werden, da das Gehirn dieser unterschiedlich zu dem des Menschen ist, ihr Denken aber unserer Denkweise sehr ähnlich ist. Können Sie diese Argumentation nachvollziehen?
Dr. Gaby Neumann: „Diese Argumentation ist wissenschaftlich nicht haltbar. Zwar lösen Tauben ähnliche Aufgaben wie wir, doch ihr Gehirn nutzt dafür – aufgrund der gravierenden Unterschiede – einen völlig anderen biologischen ‘Bauplan‘. Man kann sich das wie bei einer mechanischen Uhr und einer Smartwatch vorstellen: Beide zeigen die Zeit an, aber ihre inneren Bauteile haben nichts miteinander zu tun.
Da die Gehirne auf zellulärer Ebene grundverschieden verschaltet sind, lassen sich Ergebnisse von Tauben nicht auf den Menschen übertragen. Ein Wirkstoff, der im Gehirn einer Taube funktioniert, ist für die Heilung menschlicher Krankheiten wie Alzheimer damit wertlos. Diese Neugierforschung an einem biologisch inkompatiblen System führt in eine Sackgasse.“
:bsz: In mehreren Statements besteht die Ruhr-Universität darauf, dass die durchgeführten Untersuchungen an Lebewesen durchgeführt werden müssen und Alternativen, zum Beispiel künstliche Organe, sich dafür nicht eignen würden. Was sagen Sie dazu?
Dr. Gaby Neumann: „Die Argumentation der Universität greift viel zu kurz und ignoriert dabei völlig die enorme Relevanz von Patienten- und Probandenstudien. So ermöglichen beispielsweise fMRT-Untersuchungen an Probanden, die Gehirnaktivität während Denkprozessen wie dem Lösen von Rechenaufgaben direkt abzubilden. Ein besonders wertvolles „Fenster zum Gehirn“ bieten zum Beispiel auch Patienten mit Epilepsie, die für ihre Behandlung bereits über dauerhafte Elektrodenimplantate verfügen; diese ermöglichen unersetzliche Einblicke in die Netzwerke der Nerven und die Gedächtnisbildung am wachen Menschen. Diese direkte klinische Forschung liefert wissenschaftlich weitaus präzisere Ergebnisse für den Menschen als Versuche an Tauben.“
:bsz: Die Ruhr-Uni gibt an, dass alle Versuche den geltenden Gesetzen entsprechen (deutsches Tierschutzgesetz und EU-Richtlinie 2010/63/EU). Sie kritisieren diese Versuche. Was halten Sie von den aktuellen Gesetzen des Tierschutzes?
Dr. Gaby Neumann: „Das Einhalten von Gesetzen ist kein Beleg für wissenschaftliche Relevanz oder medizinische Vorhersagekraft. Das aktuelle Recht erlaubt Versuche oft schon bei rein theoretischem Erkenntnisgewinn, vernachlässigt dabei aber die mangelnde Übertragbarkeit auf die menschliche Physiologie und den medizinischen Fortschritt.“
:bsz: Was wünscht sich die Organisation von der RUB?
Dr. Gaby Neumann: „Die RUB hat bereits selbst bewiesen, dass Forschung modern, tierversuchsfrei und humanbasiert möglich ist – etwa mit nicht-invasiven Studien am Menschen, mittels EEG oder MRT, und humanbasierten Zellkulturen wie Mini-Gehirnen. Es ist also nur konsequent und höchste Zeit, Taubenversuche an der RUB zu beenden und stattdessen innovative, tierversuchsfreie Forschung und Lehre intensiv auszubauen.“
Das sagt die Biopsychologie
Von Seiten der Ruhr-Universität Bochum haben wir mit Prof. Dr. Onur Güntürkün gesprochen. Er ist Leiter der Biopsychologie an der RUB und forscht am sogenannten „Avian Mind“. Er und sein Team erforschen also die Denkweise von Vögeln. Dafür führen sie Versuche an Tauben durch.
:bsz: Können Sie kurz zusammenfassen, was das Ziel der Avian-Mind-Forschung ist?
Prof. Dr. Güntürkün: „Wir wollen im Grunde die Mechanismen des Denkens verstehen. 100 Jahre lang sind wir einer falschen Theorie gefolgt. Entsprechend dieser Theorie braucht man sehr große Gehirne und diese großen Gehirne brauchen einen Kortex, sonst können komplexe Denkprozesse nicht entstehen. Die Forschung an Vögeln hat gezeigt, dass Vögel auch mit kleineren Gehirnen von nur 10 Gramm und ohne einen Kortex die gleichen Leistungen erbringen können wie zum Beispiel Schimpansen, und zwar in allen kognitiven Prozessen. Das bedeutet, dass unsere Vorstellung von dem, was komplexes Denken an Gehirnen erfordert, falsch sein musste. Unsere Forschung bezieht sich jetzt darauf, zu erforschen, was das Gemeinsame an Gehirnen und komplexen Denklösungsprozessen von Menschen, Schimpansen, aber auch Ratten und Vögeln ist, die an den gleichen Aufgaben arbeiten. Nur über die gemeinsame Schnittstelle über die sehr unterschiedlichen Gehirne können wir verstehen, was die neuronalen Grundlagen von Denkprozessen sind.“
:bsz: Die Ärzte gegen Tierversuche erheben immer wieder Vorwürfe gegen die RUB und beteuern, dass die Tierversuche an Tauben unnötig grausam seien. Können Sie die Vorwürfe verstehen?
Prof. Dr. Güntürkün: „Nein.“
:bsz: Die Organisation besteht darauf, dass sich die Ergebnisse der Forschung an Tauben nicht auf den Menschen übertragen lassen und somit ohne klinisch relevanten Nutzen seien. Was sagen Sie dazu?
Prof. Dr. Güntürkün: „Ich sage dazu, dass die gesamte Psychotherapie auf Experimenten an Ratten und Tauben beruht und sie eins zu eins übertragen wurden. Also wenn Sie heute zu einem Psychotherapeuten gehen und zum Beispiel eine Expositions- oder Konfrontationstherapie machen, machen Sie genau die Dinge durch, die experimentell validiert und entdeckt wurden – bei Tierexperimenten. Das ist nur ein Beispiel aus der Psychologie. Diese Beispiele ließen sich endlos wiederholen.“
:bsz: Es gibt mögliche Alternativen zu Tierversuchen, wie zum Beispiel nicht-invasive Versuche an Menschen oder zellbasierte Modelle. Die Ärzte gegen Tierversuche appellieren, diese Forschungsmethoden zu nutzen. Die RUB hingegen erklärt, dass diese Alternativen für diese Forschung nicht passend seien. Inwiefern sind diese Alternativen nicht passend oder ausreichend?
Prof. Dr. Güntürkün: „Zuerst einmal, dass wir und viele andere sehr viele verschiedene Methoden nutzen, die nicht tierexperimentell sind. Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Methoden entwickelt, um die Zahl der Tiere, die in Tierversuchen eingesetzt werden, drastisch zu reduzieren. Das zweite ist – wenn ich das offen sagen darf – die Aussage, dass man das nicht-invasiv bei Menschen machen kann, dass man das an Computer-Modellen machen kann – das sind Fake News. Ich würde gerne sehen, welches Computer-Modell das sein soll. Wenn Sie zum Beispiel an die Large Language Models denken, die wir im Moment ja sehr diskutieren, dann basieren die im Grunde auf allem, was jemals geschrieben worden ist. Und damit werden sie gefüttert und haben die Möglichkeit, scheinbar sehr große logische Textmengen in einer sehr strukturierten Form zu machen. Das heißt, sie müssen aufgebaut werden auf existierenden Daten. Das Gleiche gilt für jedes Computer-Modell. Wenn ich ein Computer-Modell machen könnte, das mir helfen würde, zu verstehen, was die neuronalen Grundlagen des Denkens sind, dann bräuchte ich dieses Computer-Modell ja gar nicht mehr, weil ich es ja selbst gebaut hätte. Das heißt, ich muss ja erst wissen, wie etwas aussieht und wie etwas funktioniert, damit ich ein Computer-Modell davon machen könnte. Ich wüsste nicht, welches nicht-invasive Experiment beim Menschen das machen sollte. Also Ärzte gegen Tierversuche argumentiert immer: ‘So sollte es sein‘, aber sie werden an dieser Stelle nie konkreter. Wenn sie konkreter würden, kann ich mich gerne inhaltlich damit auseinandersetzen.“
:bsz: Können Sie sich vorstellen, dass es bald Alternativen gibt, mit denen die RUB Themen wie das Denkverhalten von Vögeln erforschen kann?
Prof. Dr. Güntürkün: „Das kommt immer auf die Fragestellung an. Natürlich gibt es viele Dinge, bei denen man keinen Tierversuch braucht. Ich selbst arbeite viel mit Menschen und da bin ich dann natürlich zwangsläufig auch nicht invasiv. Viele Dinge lassen sich so machen, ohne dass man Tierexperimente braucht; es kommt auf die Fragestellung an. Bei manchen Fragestellungen geht es und bei anderen geht es eben nicht.“
:bsz: Was wünschen Sie sich von den Ärzten gegen Tierversuche?
Prof. Dr. Güntürkün: „Dass sie konkret werden. Dass sie nicht Dinge behaupten, die nicht funktionieren, sondern dass sie sagen, wie konkret es gehen könnte. Dann könnte man in den Dialog treten.“
Sowohl die RUB als auch die Ärzte gegen Tierversuche halten also weiter an ihren Argumenten fest – diese widersprechen sich zum Teil gänzlich. Die RUB betont die Notwendigkeit dieser Forschung und hält daran fest, dass diese Forschungen an Tauben durchgeführt werden müssten, da Alternativen nicht ausreichten. Die Ärzte gegen Tierversuche halten dagegen und bestehen darauf, dass solche Forschungen mithilfe von Alternativen durchgeführt werden könnten, wie zum Beispiel an Modellen von Mini-Gehirnen. Darüber hinaus sagen sie, dass die Ergebnisse dieser Forschung sich gar nicht auf den Menschen übertragen ließen. Die Diskussion darüber, ob Tierversuche sich auf den Menschen übertragen lassen, ist schon lange Teil der Wissenschaft und noch immer konnte keine konkrete Antwort gefunden werden.
Das Thema geht weit über die aktuelle Posse an der RUB hinaus: Auf der ganzen Welt streiten sich Institutionen über die Notwendigkeit und Effizienz von Tierversuchen. Auf der einen Seite steht fest, dass Impfstoffe gegen Polio, Therapieansätze gegen HIV und die Grundlagen für den mRNA-Impfstoff (der gegen Corona eingesetzt wurde) mithilfe von Tierversuchen entwickelt werden konnten. Auf der anderen Seite muss die Frage nach der Ethik von Tierversuchen gestellt werden und ob es gerechtfertigt ist, Tiere für Versuche zu nutzen und sie zu töten, um Fortschritte in der Humanmedizin zu machen.
]]>Die „Israeli Apartheid Week“ (kurz: IAW) ist ein seit 2005 jährlich stattfindendes Ereignis, meist im März. Dieses Jahr fand sie vom 21.–28. März statt. An der RUB sollten Veranstaltungen im Zuge dieser Woche stattfinden. Ziel dieser Woche ist es, auf die „Apartheid“ Israels aufmerksam zu machen. Der Begriff der Apartheid kommt aus dem Afrikaans und bedeutet so viel wie „Trennung“ oder „Getrenntheit“. Er beschreibt die systematische Unterdrückung von schwarzen Menschen im 20. Jahrhundert in Südafrika. Innerhalb dieses staatlich organisierten Systems der Unterdrückung entzog die Regierung Südafrikas Schwarzen Menschen ihre Rechte, wie zum Beispiel das Wahlrecht und viele Besitztümer. 1973 stufte der Internationale Strafgerichtshof das System der Apartheid als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein, 1994 fand dieses politische System ein Ende.
Aber was hat die Apartheid in Südafrika mit Israel zu tun?
Das „BDS Movement“ (Boycott, Divestment, Sanctions) sieht die IAW als Teil ihrer Bewegung an. Sie setzt sich für die Rechte von Palästinenser:innen und gegen ihre Unterdrückung durch Israel ein. Das BDS Movement wirft Israel in Bezug auf den Gaza-Krieg Apartheid vor, worauf die Israeli Apartheid Week aufmerksam machen soll. Diese Bezeichnung und der Vergleich mit der Apartheid in Südafrika gelten als umstritten. Besonders an Universitäten findet diese Woche weltweit statt und beinhaltet meist Veranstaltungen und Vorträge.
Solche Veranstaltungen waren auch an der Ruhr-Universität Bochum vom 20. bis 24. April geplant. Die RUB sagte diese jedoch kurzfristig ab, obwohl die Veranstaltungen weit im Voraus geplant waren. Als Begründung für die Absage nennt die Uni „Bedenken hinsichtlich des Hochschulfriedens und der Sicherheit“, schrieb die RUB in einem eigens veröffentlichten Statement. Die Anfrage für die Veranstaltungen im Rahmen der IAW wurde geprüft und zugelassen. „Im Zuge einer vertieften Prüfung“ zog die RUB sie allerdings zurück. In ihrem Statement erklärte die RUB, dass die IAW in einen extremistischen Kontext eingebunden sei, vor allem durch den Bezug auf das BDS-Movement. Der Verfassungsschutz ordnet die BDS-Bewegung im Bereich des säkularen propalästinensischen Extremismus ein und gibt an, dass sie sich antisemitischen Narrativen bedient. Der Verfassungsschutz kritisiert zudem die Verwendung des Begriffs Apartheid.
Die „Israeli Apartheid Week“ ist an Universitäten studentisch initiiert; an der RUB hat die SDS-Gruppe die Veranstaltungen organisiert. Die Hochschulgruppe erhielt zuletzt bei den Wahlen des aktuellen Studierendenparlaments die zweitmeisten Stimmen an der RUB. Der SDS (sozialistisch-demokratischer Studierendenverband) kritisiert in seinem Statement auf Instagram die Absage der Veranstaltungen, besonders weil sie so kurzfristig kam, da sie so keine neuen Räume für Vorträge finden konnten. Des Weiteren bemängeln die Studierenden, dass die Absage die Chance nehme, über die Verantwortung der Hochschulen im Zuge dieser Thematik aufmerksam zu machen. Die Uni selbst verstehe sich als Ort für offenen Austausch und eine Zensur der IAW widerspreche dieser Auffassung. Auch verweist der SDS darauf, dass Veranstaltungen im Rahmen dieser Woche an anderen Universitäten in Deutschland problemlos stattfinden durften, etwa an der TU Berlin und dem KIT Karlsruhe. Die Universitätsleitung der RWTH Aachen sagte hingegen eine Veranstaltung der IAW ab. Über den Verlauf dieser Woche an anderen Unis ist wenig bekannt.
Diese Woche (vom 11.–15. Mai) ist nun eine Palästina-Gedenk-Woche an der Uni geplant, unter anderem mit Vorträgen. Der SDS erklärt, dass die Uni die Raumbuchungen offiziell noch nicht genehmigt hat, die Universitätsleitung jedoch mündlich dem Stattfinden dieser Woche zustimmte.
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